Herausgegeben von Iris Nachum und Susan Neiman. Mit einer Einleitung von Susan Neiman. Wer war Margherita von Brentano? Der vorliegende Band zeichnet ein Porträt dieser linksintellektuellen Grande Dame. Dabei wird nicht nur Brentanos politisches Engagement in der Bundesrepublik, ihre Arbeit beim Radio und ihre akademische Tätigkeit an der Freien Universität Berlin, sondern auch ihr facettenreiches Privatleben skizziert. Die Collage greift vor allem auf Schriften aus Brentanos Nachlass zurück, die hier zum Teil erstmals veröffentlicht werden. Neben Manuskripten zum Thema Holocaust, die Brentano in den späten 1950er Jahren für den Jugendfunk schrieb, Auszügen aus ihren philosophisch-theoretischen Vorlesungen sowie Interviews zu ihren sozialpolitischen Aktivitäten finden sich darin auch private Lebensdokumente wieder: z.B. autobiographische Notizen, die aufschlussreiche Zeugnisse der Familiengeschichte Brentano liefern, und Auszüge aus der Privatkorrespondenz. In den Briefen an Brentanos späteren Ehemann, den Rabbiner und Religionstheoretiker Jacob Taubes wird die spannungsreiche Beziehung zweier höchst komplexer Persönlichkeiten deutlich. Gespräche der Herausgeberinnen mit Weggefährten Brentanos ergänzen den Band.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 05.07.2010
Äußerst dankbar über die Veröffentlichung der "weit verstreuten" akademischen Schriften von Margherita von Brentano zeigt sich Christine Pries in ihrer Besprechung. So unspektakulär die Titel der Texte ihr im Ohr klingen, so klar steht die Philosophin ihr beim Lesen sofort vor Augen: geradlinig argumentierend, humorvoll, emanzipiert und elegant zugleich. Pries trifft die Autorin hier noch einmal wieder als streitlustige Linke, die mit zeitloser methodischer Genauigkeit den Faschismus auseinandernimmt, aber auch als an den konkreten Arbeitsprozessen interessierte praktische Frauenrechtlerin.
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