Botho Strauß

Bleiben und Blicken

Cover: Bleiben und Blicken
Carl Hanser Verlag, München 2026
ISBN 9783446288362
Gebunden, 200 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

In Botho Strauß' neuem Buch geht es um die Zeit und ihr Vergehen, um den Zauber der Kunst, um das Originale und das Eigentliche. Vor allem sind es Begegnungen und Nichtbegegnungen, die in ihrer schwebenden Schärfe Eindruck machen: die Frau, die auf den Moment ihrer Zurückweisung wartet, die jungen Linkischen, Ungeschickten. Der Blick berührt, erkennt, stellt fest - und schweift weiter, ohne an der Gegenwart zu verzweifeln. Um sich schließlich aufzuschwingen zu Naturbetrachtungen von seltener Eleganz und Schönheit, als stieße sich der Autor ab von all dem Wissen und geriete in eine unerhörte Leichtigkeit, "bis Minuten niegekannter Unerfahrenheit entstehen".

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 14.10.2026

Rezensent Jörg Magenau verliert sich liebend gern in dem Erzählgeflecht, das Botho Strauß in seinem neuen Buch aufspannt. Dabei hält Strauß, wie er in dem Buch durchblicken lässt, wenig von Geschichten, ist vielmehr dem "Geschicht" auf der Spur, das immer nur in einzelnen Augenblicken aufscheint. Tatsächlich besteht auch der neue Band zunächst aus kleinen Beobachtungen, Szenen und psychologischen Miniaturen, die in Strauß' Wahlheimat, der Uckermark, angesiedelt sind. Extrem präzise und anschaulich sind diese Fragmente, staunt Magenau, der aber anmerkt, dass gelegentlich eine rückwärtsgewandte, technikfeindliche Sicht auf die Welt mitschwingt. Stärker als sonst ergänzt Strauß solche Passagen in einem essayistischen Stil mit Betrachtungen über seine eigene Schreibpraxis. Und der zweite Teil des Buches, "Der Ort und die Jahre" überschrieben bringt dann eine echte Neuerung: Hier schreibt Strauß explizit über sein eigenes Leben in der Uckermark, wobei der Text sich freilich auch in diesen Passagen nicht geradlinig durch die Zeit bewegt. Ein Buch, in dessen "Schönheiten man sich verlieren kann".

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 04.10.2026

Das neue Buch von Botho Strauß wartet für Kritiker Tilman Krause wieder mit bekannten Themen und Stilelementen auf: Der Autor ist wieder mal "verliebt ins Abschiednehmen" und lehnt seinen Text an das Alterswerk seines Namensvetters Richard Strauß an. Das ist ebenso melancholisch wie das Buch, das von einem nachdenklichen, alten Mann handelt, ein Schreibender, ein Lesender, einer, der nach Wissen sucht und seine Ahnen wie die Nachkommen ehrt, so Krause. Besonders liebevoll betrachtet findet er hier Strauß' Sohn Simon vor, der mit dem Vater auf sentimentale Spaziergänge und Erinnerungsreisen geht. Aber auch die Strauß-typische Spitzzüngigkeit kann der Rezensent in dem Buch finden, das von Geist und Bildungsbürgertum durchdrungen ist. Einige Sätze sind ihm etwas zu banal, manche Perlen muss man aus dem Text erst herausschälen, aber es lohnt sich, versichert Krause, der hier ausnahmsweise mal ein Buch liest, indem das Altern nicht nur Qual ist, sondern durchaus auch Lust am Rückblick verbreitet. 
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