Klaus Heinrich

Aufklärung in den Religionen

Gesellschaftlich vermitteltes Naturverhältnis. Begriff der Aufklärung in den Religionen und der Religionswissenschaft. (Dahlemer Vorlesungen 8)
Cover: Aufklärung in den Religionen
Stroemfeld Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783878770282
Gebunden, 341 Seiten, 48,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Hans-Albrecht Kücken. Klaus Heinrich widerspricht dem Fazit der "Dialektik der Aufklärung" von Horkheimer und Adorno, dass Aufklärung verhängnisvoll in Mythologie zurückschlage, indem er das Aufklärungspotential mythologischer Stoffe gegen einen philosophisch verengten Begriff der Aufklärung aufbietet. Die Geschlechterverhältnisse zwanghaft formalisierende griechische Logik kritisiert er mit der genealogisch ein System der Beziehungen von Göttinnen und Göttern herstellenden "Theogonie" des Hesiod, bestimmt die Grenze seiner Stoffverarbeitung mit der Relativierung matriarchaler zugunsten patriarchaler Konstruktionselemente und stellt mit Aischylos ins Zentrum seiner Vorlesungen den Titanen Prometheus.
Im Bündnis mit älteren Naturmächten und ihren Rechtsansprüchen widerruft Prometheus den Anspruch olympischer Götter aufs Totalopfer durch die Einsetzung eines gerechten Opfers und leistet mit seiner den Aufklärungs- nicht auf einen Denkprozess reduzierenden, Zivilisation nicht gegen Bedürfnisbefriedigung ausspielenden Erfindung lebenserhaltender technai dem Gewaltherrscher Zeus Widerstand. Er bestreitet ihm das Monopol auf eine staatsbegründende politike techne und wird deshalb zum stellvertretenden Opfer.
In der Auseinandersetzung mit antiken und modernen Instrumentalisierungen des Titanen hält Klaus Heinrich an Prometheus als Bündnisfigur fest, indem er dazu auffordert, contra Verklärung gesellschaftlicher Zwangsverhältnisse und Rechtfertigung der Unterdrückung der Triebsubjekte in den Begriff der Aufklärung die Reflexion auf das gesellschaftlich vermittelte Naturverhältnis einzubeziehen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.12.2007

Oh je! Hier hat man den Eindruck, dass man erst einmal ein paar Proseminare des Theologie-Ordinarius und Rezensenten des vorliegenden Bandes, Friedrich Wilhelm Graf, besucht haben sollte, um das Risiko des Resümierens einzugehen. Graf gelingt es aber trotz der Schwierigkeit seiner Prosa, die Dringlichkeit von Heinrichs Anliegen deutlich zu machen: Es geht in der hier dokumentierten Vorlesung um nichts Geringeres als einen neuen Begriff der Aufklärung, der am Gegenstand der Religionswissenschaft entfaltet wird. Versteht man Grafs Paraphrase richtig, so möchte Heinrich die Aufklärung keineswegs in Gegensatz zu Religion, Mythos und Natur stellen - im Gegenteil, er betrachtet sie als Bündnispartner, mit leichtem Vorrang für den Mythos, da er den "Stachel des Negativen", der durch die Aufklärung immer nur wegrationalisiert werde, im Interesse eines höheren Bewusstseins zu bergen vermag. Graf dankt dem Herausgeber Hans-Heinrich Kücken für seine penible Editorenarbeit und freut sich auf weitere Bände der auf 40 Titel angelegten Ausgabe.