Martin Mittelmeier

Freiheit und Finsternis

Wie die "Dialektik der Aufklärung" zum Jahrhundertbuch wurde
Cover: Freiheit und Finsternis
Siedler Verlag, München 2021
ISBN 9783827501394
Gebunden, 320 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Hannah Arendt und Charlie Chaplin, Thomas Mann und Walter Benjamin, Bertolt Brecht und Arnold Schönberg - sie alle hatten, auf ihre je eigene Weise, Anteil an der Entstehung eines Meisterwerks der Philosophie: Die "Dialektik der Aufklärung". Martin Mittelmeier erzählt dieses faszinierende Kapitel der Geistesgeschichte und zeigt, wie aktuell die in diesem Buch beschriebenen Themen sind. Dass nämlich eine scheinbar aufgeklärte Menschheit in Populismus, gar Barbarei zurückfällt und wie ein Epochenbruch Rassismus und Antisemitismus auferstehen lässt - all das haben schon Adorno und Horkheimer in ihrem Werk zum Gegenstand gemacht. Atmosphärisch dicht und äußerst unterhaltsam beschreibt Martin Mittelmeier die Entstehung und die Nachwirkung dieses Jahrhundertbuches und lässt diese einzigartige Geisteskolonie unter kalifornischen Palmen wieder lebendig werden.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.01.2022

Für Rezensent Thomas Meyer leistet Martin Mittelmeiers Geschichte der Entstehung der "Dialektik der Aufklärung" allerhand. Vor allem regt sie zum Lesen der Originaltexte von Adorno und Horkheimer ein, findet er. Gut nachvollziehbar wälzt der Autor laut Meyer Fragen zu Kant, de Sade und Nietzsche, zum Antisemitismus und zur Crux des Kapitalismus und lädt den Leser auf erzählende wie analytische Weise ein, sich mit Adornos Verehrern und Gegnern zu befassen. Schade nur, dass der Originaltext so leicht gar nicht zu haben ist, bedauert der Rezensent, es sei denn man entschließt sich zum Kauf der Adorno-Gesamtausgabe. Bleibt dem Rezensenten Mittelmeiers "konzise Aufklärungsarbeit", die immerhin ein wenig den Dschungel des Originals zu erschließen scheint.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.12.2021

Rezensent Peter Neumann liest Martin Mittelmeiers fortgesetzte Beschäftigung mit der "Dialektik der Aufklärung" als Stück unserer Zeit. Ist es eine Tragödie oder eine Komödie? Neumann entdeckt komische Passagen, wenn der Autor den Protagonisten um die Frankfurter Schule im kalifonischen Exil über die Schultern schaut, Adorno, Friedrich Pollock, Herbert Marcuse, Brecht und Thomas Mann. Mittelmeier umkreist das "dialektische Bild" als Element der Genese des Werks und "rekonstruiert" seine Entstehung, erklärt Neumann. Auch wenn der immer wieder neu ansetzende Text dem Rezensenten mitunter "zu rhapsodisch" daherkommt, Bezüge zum Heute schafft der Autor laut Neumann auf elegante Weise und lässt die "Dialektik" schließlich als Werk erscheinen, das die Gewalterfahrungen des 20. Jahrhunderts "auf den Begriff bringt".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.11.2021

Rezensent Wolfgang Matz hat große Bedenken angesichts von Martin Mittelmeiers Versuch, dem Leser die Kritische Theorie, ihre Entstehungs- und Wirkungsgeschichte mittels Anekdoten aus dem Leben ihrer Autoren nahezubringen. Das Ergebnis ist oft "langweilige Erzählprosa", meint er. Selten gelingt eine fruchtbare Verbindung zwischen Narration und Thema, stellt er fest. Richtig wach wird der Widerspruchsgeist des Rezensenten, wenn der Autor mutmaßt, Adorno habe eine Art "teleologische Geschichtskonstruktion" entworfen, die den Holocaust mit einbezieht. Das ist entweder schrecklich "unbeholfen" formuliert oder "ungeheuerlich falsch" und kommt einem Missverstehen der ganzen Theorie gleich, schimpft Matz.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 15.11.2021

Rezensentin Andrea Roedig lässt sich von Martin Mittermeier nicht beirren. Wenn der Autor der Entstehungsgeschichte der "Dialektik der Aufklärung" nachgeht, um die Autorität dieser philosophischen Schrift zu begründen, die nie argumentiere, sondern nur behaupte, dann folgt Roedig ihm zwar interessiert ins kalifornische Pacific Palisades, wo  Theodor W. Adorno und Max Horkheimer vor dem Hintergrund von Faschismus und Stalinismus ihre pessimistische Weltdeutung entwarfen. Doch lässt sie sich von ihm das Werk nicht schmackhaft machen, auch nicht als "große Sprachmusik" oder begehbare Installation. Für sie ist es einfach nur "großer dialektischer Kitsch".