Außer Atem: Das Berlinale Blog
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Außer Atem: Das Berlinale Blog 22.02.2018
Die Volksbühne liegt zerschlagen darnieder, Chris Dercon hat einen desaströsen Start vorgelegt, das Ensemble ist zerbrochen, und wahrscheinlich spukt es schon im Haus. Das Letzte, was man jetzt gebrauchen kann, ist eine Hommage auf den einzigartigen, überragenden, schändlich vertriebenen und doch triumphierenden Frank Castorf. Lutz Pehnert und seine Ko-Autoren Matthias Ehlert und Adama Ulrich liefern sie: "Wir sind die Guten", prangt an einer Wand der Bühnenwerkstatt, gleich neben einem Hinweisschild für Begrüßungsgeld. Die kritische Auseinandersetzung mit dem Theaterfürsten müssen andere übernehmen. Von Thekla Dannenberg
Außer Atem: Das Berlinale Blog 22.02.2018 Die Zwei von der Tankstelle: Philip Gröning wagt sich in "Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot" mit Heidegger munitioniert ins Kornfeld. Und der iranische Regisseur Mani Haghighi wirft in "Pig" seine Berufskollegen einem Serienmörder zum Fraß vor - der Festival-Mittwoch im Rückblick.
Von Thomas Groh
Außer Atem: Das Berlinale Blog 22.02.2018
Steven Soderbergh gehört zu den vielseitigsten und innovativen Regisseuren Hollywoods.
Er hat alle Genres bedient, große und kleine Formate bespielt und bereitwillig alle technologischen Neuerungen ausprobiert. Von Thekla Dannenberg
Außer Atem: Das Berlinale Blog 21.02.2018
Drei Stunden Geschwisterliebe (und -hass), Pubertät, Sommer, eine heldenhafte Heuschrecke, Augustinus' Philosophie über die Zeit, Inzest, Vergewaltigung und ein Mord. Langweilig ist Philip Grönings "Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot" trotz der Länge nicht. Obwohl in den ersten anderthalb Stunden nicht viel passiert. Wir beobachtet ein Zwillingspaar, Bruder und Schwester, die ein Wochenende auf dem Land verbringen. Eltern sind nicht in Sicht. Jeden Tag platzieren sich die beiden mitten in ein Weizenfeld, in Sichtweite der Tankstelle an der Straße, wo sie sich mit Bier und Essen eindecken und aufs Klo gehen. Von Anja Seeliger
Außer Atem: Das Berlinale Blog 21.02.2018 Lav Diaz befasst sich wieder mit der Geschichte seiner philippinischen Heimat - diesmal in für seine Verhältnisse moderaten vier Stunden. Und Gus van Sant präsentiert einen Grantler, der im Rollstuhl zu neuem Lebensmut findet - der Berlinale-Dienstag im Rückblick.
Von Thomas Groh
Außer Atem: Das Berlinale Blog 21.02.2018
Dieser Film will um jeden Preis eine Komödie sein, und das gelingt ihm auch. Mani Haghighi, nahe Teheran lebender Philosoph und Filmemacher, ist ein Spezialist fürs Absurde. 2006 stellte er für "Men at Work" vier Männer vor einen riesigen Felsbrocken und beobachtete ihre absurden Versuche, das Trumm aus dem Weg zu schaffen. 2013 schickte er in "Modest Reception" ein Paar mit Plastiktüten voller Geld durch die Gegend, das sie bereitwillig abgaben, sofern die Empfänger sich ihren sadistischen Spielchen unterwarfen. Und 2016 ließ er in "A Dragon Arrives!" zwei men in black im orangefarbenen Chevy einen fünfzig Jahre alten politischen Mord untersuchen. Von Anja Seeliger
Außer Atem: Das Berlinale Blog 21.02.2018
Der neun Jährige Risci ist ein aufgeweckter Junge: Er bewundert die Welt mit leuchtenden Augen, umsorgt liebevoll seinen Hund und verspricht seinem Vater, der wegen Holzdiebstahls im Gefängnis sitzt, gut auf seine Mutter aufzupassen. Er lebt mit ihr in einer abgelegenen Roma-Siedlung, auf dem ungarischen Land. In dessen herbstlichen nebelverhangenen Feldern soll sich ein mysteriöser "Pistolen-Mann" herumtreiben, der Hunde erschießt, um sie anschließend zu essen. Der Schuss, der plötzlich vor dem friedlichen Haus fällt und Riscis Alptraum wahr werden lässt, fällt gleich nach einer grausigen Ouvertüre, die den kommenden Schrecken vorausahnen lässt: Fenster werden eingeworfen, Hütten und Autos in Brand gesetzt, Schüsse fallen. Der Junge wird verwundet, die Mutter stirbt.
Außer Atem: Das Berlinale Blog 21.02.2018
Shin Dong-seoks Film "Last Child" ist klassisches psychologisches Erzählkino vom besten. Es ist eine einfache Geschichte: Ein Junge ertrinkt beim Versuch, einen anderen zu retten. Die Eltern verkraften den Verlust nicht, die Ehe droht auseinanderzubrechen. Bis der Mann den Jungen kennenlernt, Kihyun, für den sein Sohn gestorben ist. Von Anja Seeliger
Außer Atem: Das Berlinale Blog 20.02.2018
In seinen besten Filmen hat Gus Van Sant immer von Außenseitern erzählt. In "Mala Noche" und "My Own Private Idaho", und natürlich in "Elephant", seiner leisen Antwort auf das Massaker an der Columbine High School. Darin porträtiert er einfühlsam die Teenager einer High School in seiner Heimatstadt Portland, die am Ende von zwei schießwütigen Rechtsradikalen ermordet werden. Es ist der diskrete, poetische Gegenfilm zu Erik Poppes gestern im Wettbewerb gezeigtem "Utoya", der aus dem Massaker des Norwegers Anders Breivik ein gewaltiges Schockerlebnis macht. Für "Elephant" bekam Gus Van Sant in Cannes 2006 die Goldene Palme, dennoch entfachte er eine ähnliche Debatte wie jetzt Poppes "Utoya": Darf man aus einem solchen Gemetzel Kino machen? Muss man ihm Sinn geben? Von Thekla Dannenberg
Außer Atem: Das Berlinale Blog 20.02.2018
Sie singen langsam, und sie singen alles dreifach. Von Anfang an zwingt dieser Film die Zuschauer in einen extrem gemächlichen Rhythmus. Die Philippinen sind ja nicht gerade das Land der großen Ströme - aber vielleicht sind es schon die Tropen, die diese Langsamkeit nahelegen. Lav Diaz erzählt die Zeit der Verfolgung angeblicher Kommunisten unter Ferdinand Marcos als eine Oper. Irgendwo fiel das Wort "Rockoper", aber das wäre bei weitem übertrieben. Lärm wird in diesem Film nicht gemacht: Sie singen a cappella, manchmal zu mehreren, selten mit Ansätzen zu homophoner Mehrstimmigkeit. Es ist häufig ein Singsang, aber nicht rezitativisch, durchaus metrisch und mit Reim und Strophen. Von Thierry Chervel
Außer Atem: Das Berlinale Blog 20.02.2018
In manch abgeschiedenen Regionen unserer Erde gibt es sie noch, die Ikonen der Literatur, an die sich noch jeder erinnert, als seien es alte Bekannte.
Die selbstbestimmte junge Djamilia lebt als genau so eine Figur im heutigen Kirgistan weiter, obwohl Tschingis Aitmatow sie bereits vor sechzig Jahren mit seiner gleichnamigen, preisgekrönten Erzählung erschuf. Von Lara Ladik
Außer Atem: Das Berlinale Blog 20.02.2018 Der Berlinale-Wettbewerb als zeithistorisches Seminar: Filme über die Operation Entebbe, Anders Breiviks Anschlag und die späte Romy Schneider - der Montag im Rückblick. Von Thomas Groh