Außer Atem: Das Berlinale Blog
Stichwort: Berlinale 2018 - 45 Artikel - Seite 2 von 4
Außer Atem: Das Berlinale Blog 21.02.2018
Drei Stunden Geschwisterliebe (und -hass), Pubertät, Sommer, eine heldenhafte Heuschrecke, Augustinus' Philosophie über die Zeit, Inzest, Vergewaltigung und ein Mord. Langweilig ist Philip Grönings "Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot" trotz der Länge nicht. Obwohl in den ersten anderthalb Stunden nicht viel passiert. Wir beobachtet ein Zwillingspaar, Bruder und Schwester, die ein Wochenende auf dem Land verbringen. Eltern sind nicht in Sicht. Jeden Tag platzieren sich die beiden mitten in ein Weizenfeld, in Sichtweite der Tankstelle an der Straße, wo sie sich mit Bier und Essen eindecken und aufs Klo gehen. Von Anja Seeliger
Außer Atem: Das Berlinale Blog 21.02.2018 Lav Diaz befasst sich wieder mit der Geschichte seiner philippinischen Heimat - diesmal in für seine Verhältnisse moderaten vier Stunden. Und Gus van Sant präsentiert einen Grantler, der im Rollstuhl zu neuem Lebensmut findet - der Berlinale-Dienstag im Rückblick.
Von Thomas Groh
Außer Atem: Das Berlinale Blog 21.02.2018
Dieser Film will um jeden Preis eine Komödie sein, und das gelingt ihm auch. Mani Haghighi, nahe Teheran lebender Philosoph und Filmemacher, ist ein Spezialist fürs Absurde. 2006 stellte er für "Men at Work" vier Männer vor einen riesigen Felsbrocken und beobachtete ihre absurden Versuche, das Trumm aus dem Weg zu schaffen. 2013 schickte er in "Modest Reception" ein Paar mit Plastiktüten voller Geld durch die Gegend, das sie bereitwillig abgaben, sofern die Empfänger sich ihren sadistischen Spielchen unterwarfen. Und 2016 ließ er in "A Dragon Arrives!" zwei men in black im orangefarbenen Chevy einen fünfzig Jahre alten politischen Mord untersuchen. Von Anja Seeliger
Außer Atem: Das Berlinale Blog 21.02.2018
Shin Dong-seoks Film "Last Child" ist klassisches psychologisches Erzählkino vom besten. Es ist eine einfache Geschichte: Ein Junge ertrinkt beim Versuch, einen anderen zu retten. Die Eltern verkraften den Verlust nicht, die Ehe droht auseinanderzubrechen. Bis der Mann den Jungen kennenlernt, Kihyun, für den sein Sohn gestorben ist. Von Anja Seeliger
Außer Atem: Das Berlinale Blog 20.02.2018
In seinen besten Filmen hat Gus Van Sant immer von Außenseitern erzählt. In "Mala Noche" und "My Own Private Idaho", und natürlich in "Elephant", seiner leisen Antwort auf das Massaker an der Columbine High School. Darin porträtiert er einfühlsam die Teenager einer High School in seiner Heimatstadt Portland, die am Ende von zwei schießwütigen Rechtsradikalen ermordet werden. Es ist der diskrete, poetische Gegenfilm zu Erik Poppes gestern im Wettbewerb gezeigtem "Utoya", der aus dem Massaker des Norwegers Anders Breivik ein gewaltiges Schockerlebnis macht. Für "Elephant" bekam Gus Van Sant in Cannes 2006 die Goldene Palme, dennoch entfachte er eine ähnliche Debatte wie jetzt Poppes "Utoya": Darf man aus einem solchen Gemetzel Kino machen? Muss man ihm Sinn geben? Von Thekla Dannenberg
Außer Atem: Das Berlinale Blog 20.02.2018
Sie singen langsam, und sie singen alles dreifach. Von Anfang an zwingt dieser Film die Zuschauer in einen extrem gemächlichen Rhythmus. Die Philippinen sind ja nicht gerade das Land der großen Ströme - aber vielleicht sind es schon die Tropen, die diese Langsamkeit nahelegen. Lav Diaz erzählt die Zeit der Verfolgung angeblicher Kommunisten unter Ferdinand Marcos als eine Oper. Irgendwo fiel das Wort "Rockoper", aber das wäre bei weitem übertrieben. Lärm wird in diesem Film nicht gemacht: Sie singen a cappella, manchmal zu mehreren, selten mit Ansätzen zu homophoner Mehrstimmigkeit. Es ist häufig ein Singsang, aber nicht rezitativisch, durchaus metrisch und mit Reim und Strophen. Von Thierry Chervel
Außer Atem: Das Berlinale Blog 20.02.2018
In manch abgeschiedenen Regionen unserer Erde gibt es sie noch, die Ikonen der Literatur, an die sich noch jeder erinnert, als seien es alte Bekannte.
Die selbstbestimmte junge Djamilia lebt als genau so eine Figur im heutigen Kirgistan weiter, obwohl Tschingis Aitmatow sie bereits vor sechzig Jahren mit seiner gleichnamigen, preisgekrönten Erzählung erschuf. Von Lara Ladik
Außer Atem: Das Berlinale Blog 20.02.2018 Der Berlinale-Wettbewerb als zeithistorisches Seminar: Filme über die Operation Entebbe, Anders Breiviks Anschlag und die späte Romy Schneider - der Montag im Rückblick. Von Thomas Groh
Außer Atem: Das Berlinale Blog 20.02.2018
José Padilha gibt seinen Filmen gern einen politisch-kritischen Anspruch, am Ende steht sein Kino aber doch auf der Seite, die das bessere Equipment hat, die schnelleren Autos, die geileren Waffen. So war das bei "Tropa de Elite", so ist es bei "Entebbe". Der Vorspann, demzufolge gleich nach der Ausrufung des Staates Israel die Palästinenser dem Staat den Krieg erklärten, lässt schlimmste Geschichtsklitterung befürchten. Doch eigentlich rekonstruiert Padilha die Geschichte der Flugzeugbefreiung in seinem kruden Mix aus Action-Kracher und politischem Drama halbwegs wirklichkeitsgetreu. Von Thekla Dannenberg
Außer Atem: Das Berlinale Blog 19.02.2018
Unter der Zwischenüberschrift "Das Verhör - Die zwei Gesichter einer Frau" findet man in Romy Schneiders Autobiografie jenes große Interview, das die Schauspielerin im Frühjahr 1981, ein Jahr vor ihrem Tod, dem Stern gegeben hat - während eines Kur- und Fasten-Aufenthalts in der französischen Hafenstadt Quiberon.
"Die zwei Gesichter einer Frau", so lautet auch der Titel eines der letzten Schneider-Filme, Regie Dino Risi. Von Thomas Groh
Außer Atem: Das Berlinale Blog 19.02.2018
77 Menschen ermordete der rechtsextreme Massenmörder Anders Breivik im Juli 2011 in Oslo, 69 davon auf Utøya, im Feriencamp der sozialdemokratischen Jugendorganisation.
Seine Untat läutetet er mit einem Anschlag auf ein Regierungsgebäude in Oslo ein. Von Thekla Dannenberg
Außer Atem: Das Berlinale Blog 19.02.2018
Claire Simon führt uns mit ihrem Film "Premières solitudes" in das Lycée Romain Rolland in Ivry sur Seine, am Rande von Paris. Unter dem Lärmen und Lachen der SchülerInnen liegt der französische HipHop von Stromae. Alors on danse. Von Thekla Dannenberg