Außer Atem: Das Berlinale Blog
Erscheinungsdatum: bis - 41 Artikel - Seite 2 von 4
Außer Atem: Das Berlinale Blog 13.02.2019
Eine der größten Baustellen der Welt befindet sich im San Fernando Valley in Kalifornien, wo für ein gigantisches Immobilienprojekt ganze Berge abgetragen werden. Aus der Vogelperspektive gefilmt, ergibt es eine tolle Choreografie, wenn die Planierraupen und Schaufelbagger in großen Schleifen ihre Bahnen ziehen und Tausende Tonnen Erde wegschaffen. Bei den Fahrern der Bulldozer unten am Boden herrscht vollbärtige Zufriedenheit: "Wie sich das anfühlt, sein Geld damit zu verdienen, dass man Berge versetzt? Gut, denke ich." Ein anderer reibt sich die Hände: "Die Erde ist ein widerspenstige Geliebte." Sie hat keine Chance, die Maschinen werden immer größer: "Am Ende gewinnen wir." Von Thekla Dannenberg
Außer Atem: Das Berlinale Blog 13.02.2019 Endlich wahre Filmkunst: Alle schwärmen von Angela Schanelecs "Ich war zuhause, aber" - mit einer prägnanten Gegenstimme. Altmeisterlich geht es derweil in Anatolien zu. Und die neueste Saviano-Verfilmung hypnotisiert den einen und langweilt die Andere. Der sechste Berlinale-Tag im Rückblick. Von Thomas Groh
Außer Atem: Das Berlinale Blog 13.02.2019
"L'Adieu à la nuit" könnte auch in der Serie "Kleines Fernsehspiel" laufen, Abteilung Problemfilm. Er ist schnell erzählt, hat etwas Simples, fast Hingehauenes. Dafür ist man André Téchiné und Catherine Deneuve sehr sehr dankbar. Wie es manchmal mit der Kunstlosigkeit ist: Sie ist das Ergebnis einer Wette. Von Thierry Chervel
Außer Atem: Das Berlinale Blog 13.02.2019
Oje, diesen Film hätte man so auch in Hollywood drehen können. Claudio Giovannesi hat mit "Piranhas" einen Roman von Roberto Saviano verfilmt, den "Clan der Kinder". Er erzählt vom Aufstieg der Bande des 15-jährigen Nicolas, die in Neapel von Kleinganoven zu Dealern für die Camorra, Schutzgeldeintreibern und schließlich Chefs eines eigenen Viertels aufsteigen. Von Anja Seeliger
Außer Atem: Das Berlinale Blog 12.02.2019 Es kann sein, dass dieser Film ein Meisterwerk ist. Jedenfalls beschleicht mich beim Sehen das Gefühl, dass er eines sein möchte. Vielleicht ist es aber auch so, dass man als ein über Sechzigjähriger nicht über einen solchen Film schreiben sollte. Es bedrängen einen zu viele Referenzen, die vielleicht nicht mal gemeint sind: Der Esel am Anfang, der mit der späteren Handlung nichts zu tun hat, das ist doch Bresson, oder? Die tonlos von Schülern vorgetragenen "Hamlet"-Szenen erinnern mich an Stunden der Qual mit Straub und Huillet. Die Schauspieler, die sich ins Gestrüpp legen, als sei es das eigentlich ersehnte Bett: ganz klar Tarkowski, nur dass er die entsprechenden Bilder aparter Weise am liebsten bei Schneeregen arrangierte. Die Tonnen des Ungesagten: Antonionis incommunicalibità. Von Thierry Chervel
Außer Atem: Das Berlinale Blog 12.02.2019
Bosnien-Herzegowina ist ein Land, das von Kriegen und anderen Katastrophen gezeichnet ist, den beiden Weltkriegen, dem Kommunismus, dem jugoslawischen Bürgerkrieg und jetzt einer freien Marktwirtschaft, die sich im internationalen Konkurrenzkampf nicht behaupten kann. Überall wurden Fabriken geschlossen und die Leute zogen weg. Einige Städte haben daraufhin Alleinstellungsmerkmale entwickelt, die irgendwie mit einer mächtigen Strömung in der Bevölkerung korrespondieren. Der bosnische Regisseur Igor Drljača stellt vier solche Städte in seinem Dokumentarfilm "The Stone Speakers" vor - alle im Südosten gelegen. Von Anja Seeliger
Außer Atem: Das Berlinale Blog 12.02.2019
Es vergeht im Grunde keine Berlinale, in der nicht ein elegischer türkischer Autorenfilm vor Bergkulisse die archaischen Verhältnisse in Zentralanatolien anprangert. Auch "Kiz Kardesler" (Tale of Three Sisters) ist so ein Film, der mit den Lebensverhältnissen von 99 Prozent der Kinogänger nichts zu tun hat - was ja nichts Schlechtes sein muss. Gleich vorn im Vorspann prangen auch die Signets von ZDF und Arte. Die Allgemeinmenschlichkeit solcher Sujets ist immer bestens kompatibel mit den Förderkriterien. Fast fragt man sich, ob eine urbane Komödie das größere politische Risiko wäre. Von Thierry Chervel
Außer Atem: Das Berlinale Blog 12.02.2019
Jemand hätte diesem Regisseur sagen sollen, dass er besser zuhören soll, statt seinen Film so wie er ist ins Forum zu hieven.
Lei Lei, 1985 in Nanchang, China, geboren, arbeitet seit 2017 am California Institute of the Arts (CalArts) im Bereich Experimental Animation, informiert das Programmheft. Von Anja Seeliger
Außer Atem: Das Berlinale Blog 12.02.2019 Carlo Chatrian zieht mit seinem Locarno-Team nach Berlin um, meldet Variety. Zhang Yimous Wettbewerbsfilm "One Second" wurde überraschend aus dem Programm genommen - chinesische Zensur, fragt sich der Tagesspiegel. Ästhetisch reizvoll, aber doch begähnenswert: Denis Côtés "Ghost Town Anthology" im Wettbewerb. Und beim Porträtfilm "What She Said" über die Filmkritikerin Pauline Kael trauert die Filmkritik den alten Zeiten nach. Der fünfte Berlinale-Tag im Rückblick. Von Thomas Groh
Außer Atem: Das Berlinale Blog 11.02.2019
Lynne Vincent war eine intelligente und ehrgeizige Frau aus dem kleinen Ort Casper in Wyoming, die sich trotz ihres Studiums in Yale keinen eigenen Erfolg zutraute.
Sie heiratete einen intellektuell mittelbegabten, ambitionslosen Mann und hätte ihn beinahe in die Wüste geschickt, wenn ihr nicht eine bessere Idee gekommen wäre: Sie ließ ihn an ihrer Stelle Karriere machen! Von Thekla Dannenberg
Außer Atem: Das Berlinale Blog 11.02.2019
Eine winterliche Landschaft, im Vordergrund eine Art Baustelle, auf der zwei Bagger stehen. Dann hört man ein Auto, das schnell näher kommt, und das ist es, rast von hinten ins Bild, macht eine kurze scharfe Kurve nach links und knallt mit voller Geschwindigkeit in die kleine Steinmauer. Stille. Die Kamera wandert um das Autor, dann auf zwei Beine, die herbei rennen, und dann sieht man zwei kleine Gestalten mit grauen Halloween-Masken auf dem Gesicht, die auf das Auto starren. Von Anja Seeliger
Außer Atem: Das Berlinale Blog 11.02.2019
Keine andere Filmkritikerin wurde so verehrt und so gehasst wie Pauline Kael.
Das liegt bestimmt in erster Linie daran, dass sie in den fünfziger Jahren, als sie zu schreiben begann, überhaupt die einzige Kritikerin war, die einzige Frau in einem reinen Männerverein. Von Thekla Dannenberg