Außer Atem: Das Berlinale Blog

Stichwort: Sterben, Erscheinungsdatum: bis - 2 Artikel

Ein eingelöstes Versprechen: Ly Bun Yims '12 Sisters' (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 14.02.2012

Es war von Anfang an ein großes Versprechen: Drei Filme aus der klassischen Phase des kambodschanischen Kinos hat das Forum dieses Jahr in seinem Programm. Drei Filme aus einem Kino, das kaum überliefert ist, weil die Roten Khmer nach der Machtübernahme in den Siebzigern mit dem filmischen Erbe so gründlich aufgeräumt hatten, dass die Archivlage dort heute noch verheerender ist als in anderen südostasiatischen Ländern. Die Kopien (in einem Fall leider nur eine DVD-Kopie) gelangten unter abenteuerlichen Bedingungen nach Berlin, vorgeführt werden können sie nur ein einziges Mal, da eine Restaurierung und Sicherung der kostbaren Rollen noch aussteht.
Von Lukas Foerster

Senegalesisches Stationendrama: Alain Gomis' 'Aujourd'hui' (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 11.02.2012

Manche sagen, die gesamte Geschichte des Films lasse sich aus der Opposition von Louis Lumière und George Méliès, von Realitätsprinzip und Fantasietätigkeit extrapolieren. Übertragen auf das afrikanische, und darin insbesondere das senegalesische Kino, könnte man, ähnlich verkürzend, eine derartige Matrix zwischen dem Gründervater Ousmane Sembène und dem Vatermörder Djibril Diop Mambéty aufspannen, oder, in Erstlingsfilmen gesprochen, zwischen Sembènes "Borom Sarret" und Mambétys "Contra's City". In dieser etwas kruden Analogie wäre "Tey / Aujourd'hui" des franko-senegalesischen Regisseurs Alain Gomis (übrigens der einzige afrikanische Bewerber um den goldenen Bären, sieht man von Kim Nguyens Kindersoldatenfilm "Rebelle" ab) genau zwischen den Stühlen zu verorten. Mit Sembène teilt er die geradlinige, bald didaktische Erzählhaltung und die gelegentliche Zuspitzung ins Satirische, so in einer Szene, in der eine Gruppe heuchlerischer Honoratioren auftritt, die nicht nur sozioökonomisch, sondern auch auf der Ebene der Figurenzeichnung mit der postkolonialen Elite übereinstimmen, wie Sembène sie so unnachgiebig karikiert hat. Von Mambéty überlebt in "Tey" das Bedürfnis, die Flucht zu ergreifen vor der schlechten Wirklichkeit, buchstäblich (weg aus Senegal) wie in der Form bzw. ihrer spielerischen Öffnung (weg vom sozialen Realismus). Mit beiden großen Brüdern verbindet…
Von Nikolaus Perneczky