Außer Atem: Das Berlinale Blog
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Außer Atem: Das Berlinale Blog 19.02.2011 Goldener Bär für den besten Film: Asghar Farhadi für "Nader And Simin, A Separation" Von Anja Seeliger
Außer Atem: Das Berlinale Blog 19.02.2011 Die der Berlinale wohlgesonneneren unter den Kritikern machten vorab mal wieder die Weltlage des Kinos verantwortlich für den in diesem Jahr für den Wettbewerb absehbaren Magerquark, der in einem Programm von nicht mehr als 16 für den Goldenen Bären antretenden Filmen schon quantitativ vorab erkennbar wurde. Als könnte die Finanzkrise etwas dafür, dass Dieter Kosslick und sein Auswahlkommittee den Wettbewerb in den letzten Jahren mit äußerster Konsequenz zuschanden geritten haben. Allein der Blick auf Cannes, wo sich, wie man jetzt schon gut sehen kann, die großen Namen - und zwar die der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft des Kinos - ballen, wo die vertretenen Filme jedenfalls interessanter scheitern werden als sie bei der Berlinale moderato gelingen. Von Ekkehard Knörer
Außer Atem: Das Berlinale Blog 18.02.2011 Was kann man Höheres und Schöneres erreichen im Blockbuster-Kino als eine Szene, in der es der Plot des Films möglich macht, dass Liam Neeson und Aidan Quinn chorisch einen Satz mit irgendwas über Vitruv sprechen, aus heiterem Himmel, und selbst nicht begreifen, warum sie tun, was sie da tun?
Oder Bruno Ganz als stolzen Ex-Stasimann und nunmehr in Friedrichshain residierenden Privatdetektiv in den Armen eines von Frank Langella gespielten Oberbosses der Killer nach genossenem Trank aus dem Schierlingsbecher in aller Ganovenehre dahinscheiden zu lassen? Oder be Von Ekkehard Knörer
Außer Atem: Das Berlinale Blog 18.02.2011
In Albanien, auf dem Dorf. Mit Handys mit Videofunktion und Computerspielen ist alles dem Anschein nach auf dem Gegenwartsstand der westlichen Zivilisiertheit. Auch Kamera und Erzählweise sind mit technisch halbwegs versierter Middlebrow-Vorhersehbarkeit zugange. Ein paar Menschen lernt man, teils bei ihnen zuhause, teils in der Kneipe kennen und begreift sofort: Hier wird ein Knoten geschürzt. Eine Wegerechtsstreitigkeit führt zu einem Mord oder Totschlag und der Umgang mit der Tat lehrt, dass in diesem Dorf in Albanien ein aus westlicher Sicht etwas problematisches funktionales Äquivalent des kodifizierten und ausdifferenzierten Rechtssystems herrscht, das wir kennen und lieben: der Kanun. Von Ekkehard Knörer
Außer Atem: Das Berlinale Blog 18.02.2011
Die Schulden des frisch aus dem Knast entlassenen Ghost Jr. (Nicholas Tse) belaufen sich auf rund 800.000 Dollar. Bis er die, was unwahrscheinlich ist, zusammenkriegt, bleibt seine Schwester in den Händen von Zuhältern. 780.000 Dollar kostet ein kleiner Ohrring in einem Edel-Schmuckladen, der bis unter die Decke vollgepackt ist mit solchem und teureren Schmuck. Der Juwelier soll ausgeraubt werden - Ghost Jr. ist da nur eines von vielen Rädchen im Getriebe. Zugleich ist Ghost Jr. Spitzel für die Polizei - wenn alles glatt läuft und am Ende seiner Tätigkeit eine Verhaftung steht, erhält er eine Million Dollar. Von Thomas Groh
Außer Atem: Das Berlinale Blog 18.02.2011
Lara, weiblich, nicht allzu glücklich, aber auch wieder nicht unglücklich verheiratet, nicht mehr ganz jung, aber auch noch nicht alt, sucht keinen Kontakt mehr zu ihrer Freundin Inan. Dann aber steht diese eines Tages vor ihrer Tür. Einen Tag zu spät, ihren Geburtstag hat Lara am Vortag gefeiert. Etwas stimmt nicht zwischen den beiden Frauen, was genau allerdings nicht im Lot ist, erfährt man nur nach und nach, Scheibchen für Scheibchen, in einer mehr aufwendigen als ertragreichen Rückblendenstruktur. Von Ekkehard Knörer
Außer Atem: Das Berlinale Blog 18.02.2011
Für Katzen ist das kein guter Berlinalewettbewerb: In "The Future" (unsere Kritik) stirbt eine im Heim über Beziehungskrisen nicht abgeholte Katze den Tod durch Einschläferung, bei "Wer wenn nicht wir" wird gleich zu Beginn eine Katze standesgemäß erschossen. Das Jahr ist 1949, auf der anderen Seite des Gewehrs steht Will Vesper, Literat im Dienste des Dritten Reiches, und hält eine pädagogische Rede an den Sohn, Bernward Vesper: Die Katzen gehören nicht zu uns, sie stammen aus dem Orient und sind damit die Juden unter den Tieren und insbesondere diese Katze, die des Sohns, tötete die schönen Nachtigallen. Von Thomas Groh
Außer Atem: Das Berlinale Blog 17.02.2011
Im Auto, auf dem Weg zum Flughafen, kündigt die Frau dem Mann die Ehe auf.
Leider fliegt der Film dann nicht mit ihr fort, sondern kehrt ins gemeinsame Domizil zurück, bleibt am Boden, in jeder Hinsicht. Von Lukas Foerster
Außer Atem: Das Berlinale Blog 17.02.2011
Stumm und starr stehen im Osten und in Marseille deutsche Menschen. Hingestellt sind sie, die Wörter sind karg in den Mündern, von Regisseurinnen und Regisseure, von denen wir schon Großartiges sahen und weiter Großes erhoffen. Blickt man jedoch auf die aktuelle Berlinale-Bilanz jenes deutschen Filmschaffens, das oft zu pauschal unter den Begriff der "Berliner Schule" gefasst wird, dann muss das Urteil ausgesprochen gemischt ausfallen. Von Ekkehard Knörer
Außer Atem: Das Berlinale Blog 17.02.2011
An einer Stelle diskutieren drei in einem argentinischen Bücherantiquariat über einen Bestseller aus längst vergangenen Dekaden. In dem passiert nichts, sagt der eine, der Plot werde zweitrangig und es gehe nur noch um Details. Aber wieso passiert denn da nichts, fragt der zweite. Antwortet der dritte: Warum sollte denn überhaupt etwas passieren? Von Thomas Groh
Außer Atem: Das Berlinale Blog 17.02.2011 "Die Grenzen zwischen Kino und Fernsehen aufweichen" möchte die ARD, wenn sie das Fernsehprojekt "Dreileben" im Forum der Berlinale präsentiert. Das sagt zumindest ihr Vetreter vor der Pressevorstellung. Wenn das ausliegende Presseheft der Fernsehanstalt dann stolz offenlegt, dass fast alle größeren deutschen Filme des Festivals mit ihren Geldern (wenigstens) koproduziert wurden, darf man sich schon fragen, ob diese Grenze, soweit sie überhaupt noch existiert, nicht schon vor "Dreileben" ziemlich windelweich war. Von Lukas Foerster
Außer Atem: Das Berlinale Blog 16.02.2011 Die Zweierbeziehung der Liebe, meinte Georg Simmel, bedürfe eines/r Dritten, um in der Abgrenzung zu diesem ihre eigene Identität zu gewinnen.
Im türkischen Wettbewerbsfilm "Our Grand Despair" sieht es für kurze Zeit so aus, als könnte das funktionieren.
Am Ende aber hat der Film die Dritte wieder ausgeschieden, neue Identitäten sind nicht entstanden. Von Lukas Foerster