Kay Boyle

Kay Boyle, geboren 1902 in St. Paul/Minnesota in den USA, wuchs in Cincinnati/Ohio auf. Sie studierte Architektur an der New Yorker Parson`s School of Fine and Applied Arts und kurze Zeit Violine am Cincinnati Conservatory of Music. 1922 heiratete sie den aus Frankreich stammenden Ingenieur Richard Brault. Im Jahr darauf zog sie mit ihrem Mann nach Frankreich, wo sie bis 1941 die meiste Zeit lebte.
1926 wurde fälschlich eine Tuberkulose diagnostiziert. Boyle, der Ehe mit Brault bereits zerbrochen war, zog nach Grasse und lebte dort mit Ernest Walsh, dem Herausgeber von This Quarter. Als Walsh im Jahr darauf starb, zog die schwangere Boyle nach Paris. Hier war sie bald bekannt in den avantgardistischen Künstler- und Schriftstellerkreisen. Viele ihrer Bücher wurden in den späten Zwanzigern und frühen Dreißigern veröffentlicht, darunter Short Stories (1929), Wedding Day and Other Stories (1930), der Roman Plagued by the Nightingale (1931). In diesem Buch geht es um ein Paar, das sich entscheidet keine Kinder zu bekommen und dafür von seinen konservativen Familien hart kritisiert wird.
1932 heiratete Boyle Laurence Vail. In dieser Zeit lebte das Paar nicht nur in Frankreich, sondern auch in Österreich und England. Zwei Romane aus dieser Zeit, Year Before Last (1932) and My Next Bride (1934), beruhen auf ihrer Erfahrung sich als Frau sexuelle Freiheit und künstlerische Unabhängigkeit zu erkämpfen. 1936 veröffentlichte Boyle den Roman Death of a Man, in dem sie den Nazismus kritisierte. Im Jahr darauf schrieb sie "A Communication to Nancy Cunard."
1941 kehrte Boyle in die USA zurück, ließ sich 1943 von Vail scheiden und heiratete Baron Joseph von Franckenstein. Eine Reihe von Romanen über die deutsche Besetzung Frankreichs und die Resistance folgten: Primer for Combat (1942), Avalanche (1944) und A Frenchman Must Die (1946). 1947 zog das Paar nach Deutschland: Boyle arbeitete als Europakorrespondentin des New Yorker. Von Franckenstein arbeitete für das Außenministerium der USA, wurde jedoch in der McCarthy-Ära entlassen.
Zurück in den USA engagierte sich Boyle in verschiedenen liberalen Bewegungen und wurde ebenfalls auf die schwarze Liste gesetzt. 1951 veröffentlichte sie The Smokinq Mountain: Stories of Germany During the Occupation (1951) und 1950 den Roman Generation Without Farewell, in dem sie den Standpunkt eines deutschen Journalisten einnimmt, der sein eigenes Land ablehnt und die Amerikaner bewundert, schließlich aber feststellen muss, dass er zu keinem der beiden Länder gehört.
1963, nach dem Tod ihres Ehemanns, zog Boyle nach San Francisco, wo sie an der State University unterrichtete. 1966 erschien Being Geniuses Together (1966), in dem sich ihre und Robert McAlmons Erinnerungen abwechseln. Der Roman The Underground Woman (1975) handelt von der Studentenbewegung, an der sie teilgenommen hatte. Kay Boyle starb 1992.

Kay Boyle: Meine nächste Braut. Roman

Cover: Kay Boyle. Meine nächste Braut - Roman. Neue Kritik Verlag, Wien, 2000.
Neue Kritik Verlag, Frankfurt am Main 2000
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