Käthe Vordtriede

Käthe Vordtriede wurde 1891 in Hannover als Käthe Blumenthal geboren. Ihre Eltern, assimilierte deutsche Juden, waren kurz zuvor nach erfolgreichen Farmer-Jahren aus Indien und Sumatra zurückgekehrt. Sie wuchs in Herford auf und heiratete als 20-Jährige Gustav Adolf Vordtriede in Dortmund; 1911 wurde ihre Tochter Fränze geboren. Als der Weltkrieg begann, zog die Familie nach Bielefeld um, dort kam 1915 ihr Sohn Werner zur Welt. 1918 trat Käthe Vordtriede in die SPD ein, ab 1923 wohnte sie mit ihren Kindern als alleinerziehende Mutter in Freiburg i. br. (ihr Mann, von dem sie sich getrennt hatte, kam 1929 bei einem Unfall ums Leben.) Ab 1925 arbeitete sie als Lokalredakteurin bei der sozialdemokratischen "Volkswacht", 1927 unterlag sie bei einer Bewerbung um den Redaktionsposten der Berliner "Frauenwelt" Toni Sender (die ihr später das Visum für die USA mitbeschaffte). 1930 Mitarbeit an der "Weltbühne".
1933 wurde auch für Käthe Vordtriede zum Jahr des Umbruchs: Sie verlor im März, nach Verbot der Zeitung durch die Nazis, ihre journalistische Arbeit, kam im August für Wochen in "Schutzhaft" wegen staatsfeindlicher Aeußerungen. In den folgenden Jahren hielt sie sich als Vertreterin und Marktforscherin für Sunlicht über Wasser. Nach der Vertreibung aus ihrer Wohnung bereitete auch sie ihre Emigration vor - ihre Kinder waren bereits seit Jahren im Ausland (Werner ab 1933 in der Schweiz, Fränze nach ihrer gerade noch erfolgten Freiburger Promotion 1935 in England). Im September 1939 gelang ihre Flucht über die Schweizer Grenze. Die beiden nächsten Jahre lebte sie im Kanton Thurgau, unter ständiger Bedrohung einer Rückschaffung nach Nazi-Deutschland, wo sie ab Mai 1940 wegen staatsfeindlichem Verhalten ausgebürgert war. Sie kam erst in Kreuzlingen unter, ab Januar 1940 in Frauenfeld, zuletzt als unbezahlte Landarbeiterin auf dem Gut der ehemaligen Kartause Ittingen.
Im Spätherbst 1941 konnte sie dem unguten Schweizer Exil entkommen. Am 1. Dezember 1941 kam sie in New York an; bis zu ihrem Tod im August 1964 hat sie sich als Putzfrau, Haushälterin, Babysitterin, Sekretärin durchgebracht. Sie starb mitten in den Vorbereitungen zu ihrer Übersiedlung nach München, wo ihr Sohn Werner Professor für Germanistik und vergleichende Literaturwissenschaft geworden war. Ihre Asche wurde, wie sie es wünschte, im Ozean verstreut.

Käthe Vordtriede: Es gibt Zeiten, in denen man welkt. Mein Leben in Deutschland vor und nach 1933

Cover: Käthe Vordtriede. Es gibt Zeiten, in denen man welkt - Mein Leben in Deutschland vor und nach 1933. Libelle Verlag, Lengwil, 1999.
Libelle Verlag, Bottighofen 1999
Eine Innensicht des alltäglichen Faschismus in den Dreißigerjahren. Beobachtet von einer Sozialdemokratin, die das Land Baden als aktive Wahlkämpferin kennen gelernt hatte und ihre Stadt Freiburg als…