Nach der "Internationalen LGBT-Bewegung" hat sich das höchste Gericht der Russischen Föderation nun noch die "
Antirussische Separatistische Bewegung" ausgedacht, eine fiktive Dachorganisation von 55 real existierenden unliebsamen Organisationen, die als "extremistisch" eingestuft werden, darunter fällt auch die "
Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde" (DGO), schreibt der
Osteuropa-Historiker Martin Schulze Wessel auf den Natur-und-Wissenschaften-Seiten der
FAZ (unsere Resümees
hier und
hier). Nun "können sich Mitglieder der DGO in Russland oder einem mit Russland befreundeten Land nicht mehr sicher fühlen. Niemand kann sagen, ob sich der repressive Charakter des Regimes weiter verschärfen wird und welche Obsessionen die russische Innenpolitik noch entwickeln mag. Die Gelegenheit, einen ausländischen Wissenschaftler zu verhaften, kann in einer solchen Atmosphäre den Behörden gerade recht kommen, zumal in Situationen, in denen ein staatlicher 'Bedarf' an inhaftierten Ausländern besteht für einen internationalen Gefangenenaustausch mit dem Westen." Aber, so Schulze Wessel: "Russland bedroht die deutsche Russlandforschung existenziell, aber die deutsche Politik hält anscheinend unbeirrt an der bestehenden
Russlandverbindung fest. Konsequent wäre eine entschiedene Aufwertung der institutionellen Förderung von
Ukrainestudien."
Ebenfalls auf den Natur-und-Wissenschaften-Seiten der
FAZ erinnert die französische Kunsthistorikerin
Benedicte Savoy an den im September im Alter von 103 Jahren verstorbenen
Amadou Mahtar M'Bow, den ersten afrikanischen Generaldirektor der UNESCO und eine "Ikone der afrikanischen Bildungs- und Kulturpolitik", der sich nicht nur "im Kampf für die Unabhängigkeit der kolonisierten Länder", sondern auch "im
postkolonialen Bemühen um die Rechte marginalisierter Kulturen" einen Namen machte: "M'Bow war ein leidenschaftlicher Verfechter der Idee, dass Bildung ein Menschenrecht ist und dass alle Kulturen gleichwertig sind. Er setzte sich für den Erhalt des kulturellen Erbes ein und forderte die Rückgabe von Kunstwerken, die während der Kolonialzeit oft gewaltsam aus Afrika entwendet worden waren. Eines der bedeutendsten Vermächtnisse M'Bows ist zweifellos sein leidenschaftlicher 'Aufruf zur
Rückgabe unersetzlichen Kulturerbes', den er 1978 am Sitz der UNESCO in Paris vortrug."