Andrian Kreye wettert in der
SZ heftig gegen die "Bagatellgrenze", mit der der deutsche Gesetzgeber das neue
EU-
Urheberrecht versehen will. Mit der medientypischen Heuchelei, die anderen schmierige Geldmotive vorwirft, während Journalismus und Kultur nur aus hehren demokratieerhaltenden und künstlerischen Motiven betrieben würden, sieht er das Internet
ausschließlich von den großen Digitalkonzernen beherrscht, die die armen Journalisten und Künstler aussaugt: "Nun gibt es den Einwand, dass ein strengeres Urheberrecht die Meinungsfreiheit einschränken würde, weil dann nicht nur das Sampling, sondern auch die Erstellung von Memes unmöglich wäre. Da stehen zwei unversöhnliche Grundhaltungen gegeneinander. Die
Freiheit des Ausdrucks im Netz kollidiert mit den Besitzansprüchen der Kulturindustrie. Von der Freiheit aber profitieren vor allem Digitalkonzerne, deren Verhältnis zur Kultur schon immer von einem
sehr freien Begriff von Marktwirtschaft geprägt war." Nun, das müssen sich die Zeitungen, die künftig vom Staat unterstützt werden, nicht vorwerfen lassen.
Ebenfalls in der
SZ vergleicht Lothar Müller die
Kurzmeldungen in der heutigen Regionalpresse mit den Kurznachrichten in
Kleists Berliner Abendblättern: "Für die Zeitungen, nicht nur die lokalen, sind die Kleinformate und Zeitungsausschnitte Teil des Geschäftsmodells. Sie sind so kostbar wie Songtexte." Und damit wäre dann jede Meldung a la: "Heute wurde die Verkehrsampel am Holstenplatz abgebaut" zum schützenswerten
kulturellen Kleinod.