Florian Illies antwortet in
Zeit online mit einem Essay auf
Jürgen Habermas' "Für Europa"-Artikel, (unser
Resümee) dem er dann aber doch nicht allzu viele Zeilen widmet (Habermas sei doch recht alt, halte an seinen Marotten aus den Siebzigern fest). Aber Illies hat selbst was zu sagen: Die Europäer sollen die Amerikaner mit "
Aufmerksamkeitsentzug" bestrafen. Gegen das Testosteron-Gehabe der religiös Wahnsinnigen in Washington empfiehlt er: "Humanismus statt Menschenverachtung, Gewaltenteilung statt Willkür, Respekt statt Einschüchterung. Die Amerikaner könnten das gerade gut gebrauchen, dringender jedenfalls als unsere Autos." Und wir könnten ein
neues Selbstvertrauen gebrauchen: "Der Weltgeist ließ sich in Amerika nieder, und der Westwind blies uns von dort verlässlich alle Segnungen und Verwerfungen des Kapitalismus herüber, jeden neuen Musikstil, jede neue Kunstrichtung, jede neue Studentenbewegung, jede neue Weltdeutung.
Nun aber, wo sich der Wahnsinn in Washington für vier Jahre häuslich eingerichtet hat, ist endlich der richtige Moment für Europa gekommen, um es wieder selbst mit dem Weltgeist zu versuchen. Das hat in den 2000 Jahren vor Hemingway und dem Big Mac eigentlich auch ganz gut geklappt."
Aber dieses Selbstvertrauen müssten wir dann auch
nach innen erarbeiten und gegen mindestens einen weiteren Gegner, fürchtet Julia Encke in der
FAS: "Wenn die politische Mitte immer mehr Teile der Bevölkerung an die
rechtsextreme AfD verliert, die, wie etwa Alice Weidel, nicht nur Elon Musk hörig ist, sondern auch
Putin ergeben; wenn '
pazifistische Sozialisten' die Folgen einer russischen Besatzung in naiver oder mutwilliger Weise verharmlosen - dann braucht Putin Deutschland womöglich gar nicht anzugreifen, um es gefügig zu machen. Er könnte darauf warten, dass die Dinge sich von selbst zu seinen Gunsten entwickelten, und mit seinen Geheimdiensten weiter daran arbeiten, die Demokratie auszuhöhlen und unser System zu destabilisieren."