Überall wird über
Verbote diskutiert, wenn auch in unterschiedlicher Tendenz. Während wohlmeinende Professoren besorgt sind, dass
Antisemitismusklauseln in der Kulturförderung zensorisch wirken könnten, befürwortet man doch ein
Verbot der AfD wie
heute Gareth Joswig in der
taz oder Ronen Steinke in der
SZ (siehe oben) und wendet sich gegen eine Evaluierung
von Landeszentralen für politische Bildung durch die politische Aufsicht. Hierüber
berichtet heute Christian Jakob in der
taz am Berliner Beispiel. Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) stellt die Berliner Landeszentrale und ihr Angebot auf den Prüfstand, eine Petition dagegen hat 20.000 Unterschriften, so Jakob, der aber konzediert, dass die Förderung sogenannter "zivilgesellschaftlicher" Organisationen in den letzten Jahren
rapide zugenommen hat: "2015 startete etwa das Programm '
Demokratie leben' mit einem Jahresbudget von 40,5 Millionen Euro. Heute kann es über 182 Millionen Euro pro Jahr für etwa 700 Projekte ausgeben. Der Etat der Bundeszentrale für politische Bildung liegt im laufenden Jahr bei 96 Millionen Euro."
Wie fatal es sich allerdings auswirken kann wenn sich der Staat mit "Demokratieförderung" und anderen Subventionen eine
Gesellschaft nach seinem Bilde schafft, thematisiert der Fotograf, Autor und
Perlentaucher-Kolumnist Peter Truschner in einem
Artikel für die
Berliner Zeitung über die neuerdings überall in Frage stehende Förderung etwa von Literatur oder Kino: "Was sich harmlos Förderrichtlinien nennt, stellt in Wahrheit eine
Vorzensur dar, zumindest aber eine Aufforderung zur Selbstzensur. Wer glaubt, dass daraus eine unabhängige, kritische Gegenwartskunst hervorgehen kann, kann auch gleich an den Weihnachtsmann glauben. Der Staat will sich jedoch keine Feinde, sondern
loyale Claqueure heranzüchten, weshalb er nicht droht, sondern für stillschweigende Übereinkunft Subventionen, Preise, Stipendien und eine stattliche Anzahl an Posten mit Festgehalt, Rente und Ruhegeld in Aussicht stellt. Die Folgen dieser Praxis schildert die Filmemacherin Narges Kahlor: 'Alle machen das Gleiche, um finanzielle Unterstützung zu bekommen. Wer wirklich kreative Filme drehen will, schafft das nicht. Der ganze Betrieb ist eine
große,
ängstliche Familie."
Eine wirkliche Aufarbeitung der politischen Maßnahmen in der
Coronakrise wird es nicht geben, weil sich die
Ampelparteien nicht auf ein Modell dafür einigen können und die
CDU daran erst recht kein Interesse hätte, beobachtet Paul Gross in der
FAZ. "Es geht aber längst nicht nur um die abstrakte Idee von Aussprache und Befriedung, um Zugeständnisse an die derzeit
vom Politikbetrieb abgewandten Teile der Gesellschaft. Es geht ebenso darum, Fragen zu beantworten, die sich
fachlich stellen. Es geht darum, wie sich Deutschland effektiv auf immer wahrscheinlicher werdende Pandemien vorbereiten kann."
Außerdem: Die Idee der "
kulturellen Aneignung" basiere auf einem Gedanken, der "jede" Solidarität verdient, lernen wir in einem
FAZ-Artikel des Kulturwissenschaftlers
Thomas Thiemeyer. Die britische Philosophin
Kathleen Stock hatte ihre Universität nach Vorwürfen der Transphobie verlassen (
unsere Resümees). Nun hat sie mit "Material Girls" ein Buch veröffentlicht, in dem sie über "
gesunde"
Sexualität, Biologie und Feminismus nachdenkt. Die "Besessenheit der Linken, alles zu moralisieren, ist das Gegenteil von erotisch", sagt sie im
Gespräch mit der
Berliner Zeitung, in dem sie vor allem
#MeToo und
Pornografie verantwortlich macht, die Beziehung der Menschen zur Sexualität vergiftet zu haben.