Was geschah mit den Juden im Zweiten Weltkrieg? Das wird immer unklarer in Osteuropa, denn "je länger der Krieg vergangen ist, desto aggressiver wird versucht, die
Geschichte umzuschreiben", erklärt im
Interview mit der
NZZ der polnisch-jüdische Historiker
Jan Grabowski. "Der Staat fördert einerseits eine Geschichtsschreibung, in der so getan wird, als habe es in Polen nach dem Überfall der Nazis nur noch Deutsche und Juden gegeben, während die Polen als eine Art Aliens erscheinen, die bloß zuschauen. Gleichzeitig betreibt man eine groteske Verklärung der eigenen Bevölkerung." Wenig hilfreich findet er die Bemühungen beispielsweise des früheren Außenministers Heiko Maas und des Historikers Andreas Wirsching 2020, den
Holocaust zu einer rein deutschen Angelegenheit zu erklären. "Ja, der Holocaust war ein deutsches Projekt, aber in jedem Land haben sie
willfährige Komplizen gefunden, von Bordeaux bis Stalingrad. Maas und Wirsching wollten wohl sagen: Wir sind gute Deutsche, wir haben unsere Arbeit gemacht, wir nehmen die Schuld auf uns. Sie wollten
der AfD und anderen Rechtsradikalen die Argumente wegnehmen", aber es geschehe genau das Gegenteil: "Sie geben damit allen Neonazis, Faschisten und Nationalisten in Osteuropa recht. 'Seht her, die Deutschen sagen es ja selbst, dass sie allein schuld seien', bekommen wir Historiker dann zu hören. Wer so spricht wie Maas, legitimiert genau die Leute, die
Europa spalten wollen."
Vor hundert Jahren erfand der Historiker
Carter G. Woodson den "
Black History Month", der in den USA in den letzten Jahrzehnten immer intensiver begangen wurde. Der Politologe
Nicki K. Weber erinnert in
geschichtedergegenwart.ch an die Theorien Woodsons und besonders an seinen Begriff der "
Miseducation", gegen die ein neues Bewusstsein für schwarze Geschichte ankämpfen solle. "Woodsons Konzept der Miseducation erfährt in der Gegenwart eine
neue Dringlichkeit. Was in den USA geschieht, ist kein kulturpolitischer Ausrutscher. Die Trump-Regierung hat die Smithsonian Institution scharf angegriffen, Überprüfungen angeordnet und das Diversitätsbüro schließen lassen. Die Begründung: Institutionen verbreiteten antiamerikanische Propaganda und konzentrierten sich zu stark auf die Geschichte der
Versklavung,
Ausbeutung und
Unterdrückung nichtweißer Bevölkerungsgruppen. Der BLM-Schriftzug nahe dem Weißen Haus wurde entfernt, DEI-Programme aufgelöst,
Google strich den Black History Month aus dem Kalender. Schwarze Geschichte wird von der Trump-Regierung auf ein 'Kapitel in der großartigen amerikanischen Geschichte' reduziert."