Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

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Magazinrundschau vom 04.11.2014 - New York Times

Im Magazin der New York Times erzählt der amerikanische Journalist Theo Padnos, wie er in die Hände des syrischen Al-Quaida-Ablegers Nusra Front fiel und zwei Jahre lang in gewalttätiger Gefangenschaft verbrachte. "Während der ersten Tage konnte ich nicht glauben, was mir passiert war. Immer wieder spielte ich in Gedanken die Stunden durch bevor und nachdem mich die Männer, die ich in der Türkei getroffen hate, attackierten. Es kam mir vor, als wäre ich friedlich mit Freunden durch einen Olivenhain gegangen, als hätte sich ein Riss im Erdboden aufgetan, als sei ich hineingestürzt und in einem Zwischenreich erwacht, wie man es aus Märchen und Alpträumen kennt. Ich wusste, dass dieser Ort einer Logik gehorchte, und merkte, dass meine Entführer wollten, dass ich sie lerne. Aber was genau sie mir beibringen wollten und warum sie es mir nicht freiweg sagen konnten, sondern vorzogen, in ihrer speziellen Sprache des Schmerzes zu sprechen, war mir unbegreiflich."

Außerdem: Gideon Lewis-Kraus porträtiert den Regisseur Christopher Nolan, dessen Film "Interstellar" gerade überall gefeiert wird. In der Book Review werden zwei Berlin-Bücher besprochen, eins von Peter Schneider, eins von Rory MacLean, außerdem Robert Beachys "Gay Berlin" und Daniel Kehlmanns "F".

Magazinrundschau vom 28.10.2014 - New York Times

Was ist das Alter und wie gehen wir damit um? Das neue Magazin der Times widmet sich diesem Thema. Unter anderem trifft Bruce Grierson die Psychologin Ellen Langer, die seit langem im Bereich der positiven Psychologie forscht. Langer ließ etwa eine Handvoll Rentner wieder jung und aktiv sein, indem sie mit alten Kleidern, Möbeln, TV-Sendungen und Fotos die Illusion erweckte, die Männer lebten 1959: "In den 1970er Jahren kam Langer zu der Überzeugung, dass der Mensch nicht nur von Vorurteilen geleitet wird, sondern auch spektakulär unaufmerksam für alles ist, was um ihn herum geschieht. "Sie sind einfach nicht ganz da, und das bedeutet, dass sie dort enden, wo man sie hinführt." ... Wenn der Mensch lernen würde, aufmerksam zu sein und seine Optionen zu erkennen, so Langer, würde er sein Potenzial ausschöpfen und seine Gesundheit steigern können. Langers Schwerpunkt bei der durchaus populären Aufmerksamkeitsübung liegt in der Wahrnehmung kleinster Veränderungen: Mimische Bewegungen im Gesicht des Partners oder die Variabilität der Symptome einer Asthma-Erkrankung. Wenn wir aktiv neue Unterscheidungen treffen, statt uns auf habituelle Kategorien zu verlassen, sind wir am Leben, meint Langer, und sind wir am Leben, können wir uns verbessern."

Magazinrundschau vom 14.10.2014 - New York Times

Food Issue im New York Times Magazine. Vor allem geht es darum, was die lieben Kleinen essen. Das stößt auf großes Interesse, wie die vielen Kommentare zeigen. Etwa zu Mark Bittmans Artikel, in dem der Kochbuchautor fordert, Kinder wirklich alles essen zu lassen, gar nicht so leicht heutzutage: "In den achtziger und neunzigern war es einfacher, Kinder mit richtigem Essen zu ernähren. Heute ist zu vieles außer Kontrolle. Unternehmen geben Milliarden aus, um Junk Food zu bewerben; Snacks und Kalorienreiche süße Getränke sind allgegenwärtig. Mein Rat: Eltern solllten ihre Einkaufszettel und Speisekammern von diesem Junk frei halten und Regeln aufstellen, was ihre Kinder essen sollen. Bringen sie den Kindern bei, Möhren, Sellerie, Früchte, Hummus und Guacamole als Snack zu essen, Bohnen und Getreide. Bieten sie diese Dinge ständig an. ... Eltern benötigen Entschlossenheit, Disziplin, Stärke und einen Plan." Klar, denn Kinder, die Süßes wollen können zu erbarmungslosen Terroristen werden.
Stichwörter: Ernährung

Magazinrundschau vom 07.10.2014 - New York Times

Für das New York Times Magazine besucht Nathaniel Rich die Küste von Louisiana (und bringt schrecklich schöne Fotos dazu). Über 4000 Quadratmeter Wetlands verschwinden hier stündlich im Meer. Schuld sind die Öl- und Gasfirmen, die sich durch die in 7000 Jahren enstandene Landschaft graben und ihre Verträge, die sie zur Renaturierung verpflichten, brechen: "Seit 1920 hat man unter der Oberfläche über 50.000 Bohrbrunnen gegraben, Luftlöcher, die den Untergang des Marschlandes beschleunigen. Darüber hinaus wurden 10.000 Meilen Pipeline verlegt und Kanäle für die Schiffe ausgebaggert. Stück für Stück frisst sich das Meerwasser durch die Marsch, die Kanäle dehnen sich aus. Nach eigenen Angaben hat die Industrie 36 Prozent des Marschlands in Südost-Louisiana auf dem Gewissen … Etwa 97 Prozent aller hier tätigen Firmen haben ihre Lizenzen missbraucht." Rich liefert in seiner Reportage auch ein Porträt des Buchautors und Historikers John M. Berry, der vor gut einem Jahr zusammen mit der Southeast Louisiana Flood Protection Authority einen historischen Prozess gegen Exxon Mobil, BP, Shell, Chevron und über 90 weitere Öl- und Gasunternehmen angestrengt hat. Bislang noch ohne Erfolg.
Stichwörter: Louisiana, Exxon Mobil

Magazinrundschau vom 30.09.2014 - New York Times

Gerade ist Larry Ellison als CEO bei Oracle zurückgetreten, da hat er sich schon einen Altersruhesitz eingekauft (als fünftreichster Mensch kein Problem): die Hawaii-Insel Lanai. Für das Magazin der New York Times erkundet Jon Mooallem das Eiland und erzählt, was Ellison vorhat und was er möglicherweise nicht bedacht hat bzw. in Kauf nimmt, wenn er sozusagen aus dem Off über Menschen und ihren Lebensraum verfügt: "Für Ellison war Lanai weniger Investment, als so eine Art Oldtimer im Pazifik, den er restaurieren will. Er möchte Lanai in die erste 100 Prozent grüne, innovative und sich selbstversorgende Ferieninsel umfunktionieren." Natürlich leben Menschen dort, die es leicht verstörend finden, dass ihr künftiges Leben vom Geschick einer einzelnen Person abhängt: "Möglicherweise haben Ellison und seine Leute Erklärungen für das, was von den Inselbewohnern mitunter als Unnahbarkeit und Verwirrung erfahren wird. Die Einwohner aber sorgen sich, dass der ominöse Ingenieur, der ihre Insel umkrempelt, die Lust an seinem Projekt verlieren könnte oder, schlimmer noch, unfähiger ist, als sie gedacht haben. Ihre Zukunft ist abhängig von jeder Entscheidung, die Ellison trifft." Oder, wie es ein Einwohner fasst: "Sehr bald wird die Lebensweise hier eine völlig andere sein."

Magazinrundschau vom 23.09.2014 - New York Times

Für das Magazin der New York Times rollt Matt Bai den Fall Gary Hart auf. Hart war einst aufstrebender demokatischer Senator in Colorado, nahm zweimal (1984 und 1988) an den Vorwahlen zur Präsidentschaftswahl teil und galt als politischer Visionär, bevor er über eine in den Medien breitgetretene, von ihm allerdings auch naiv gehandhabte außereheliche Affäre stürzte und Sicherheitsberater und Publizist wurde. Für Bai bezeichnet der Fall Hart den Moment in der Geschichte, da die Grenzen zwischen dem öffentlichen und dem privaten Leben von Politikern und die zwischen Politik und Promi-Kultur fielen - für immer: "Von da an ging es im politischen Journalismus nicht mehr um Agendas oder darum, erhellende Einsichten zu geben, sondern um Charaktereigenschaften und darum, Verleumdungen in die Welt zu setzen … Ein Ansatz, der komplexe Karrieren auf einzelne Verfehlungen reduzierte … In der Folge verleugneten Politiker ihre menschliche Natur und damit auch ihre interessanten Seiten. Jeder blieb schön auf seiner Seite und versuchte, den politischen Gegner zu übertrumpfen, manchmal mit Erfolg für sich selbst, doch selten für den Wähler. Möglich, dass die Medien sensibler wurden für Lügner und Heuchler, doch für schlaue Köpfe wurde es zugleich schwieriger, kontroverse Diskussion anzustoßen. Viele potenzielle Kandidaten mit komplexen Ideen hat das abgeschreckt. Andere, die von Politik keine Ahnung hatten, wurden gewählt, weil von ihnen sowieso nichts Substanzielles zu erwarten war … Hätte Hart damals die Wahlen gewonnen, und es sah ganz danach aus, wären die Bushs nicht ins Weiße Haus eingezogen."

Außerdem: Taffy Brodesser-Akner erklärt, wie sich mit B-Prominenz viel Geld verdienen lässt. Und John Jeremiah Sullivan stellt das absurde Universum des Schriftstellers Donald Antrim vor.

Magazinrundschau vom 16.09.2014 - New York Times

In der aktuellen Ausgabe des New York Times Magazine erklärt A. O. Scott, wie der Typ des Patriarchen in der amerikanischen Kultur zu Grabe getragen wird und welche Folgen das hat: "In den letzten 10 Jahren ist im Fernsehen eine Art finale Abrechnung zu beobachten. Die Ära der Verrückten (mad men), Traurigen (sad men) und Bösen (bad men). Don Draper (aus "Mad Men") ist Nachfolger und Vorgänger von Tony Soprano, dieser Inkarnation männlichen Vorrechts, die ihren ererbten Alpha-Status verteidigt. Walter White von "Breaking Bad", kämpfte von Anbeginn gegen seine Entmannung und behauptete die ihm von der Welt streitig gemachte Herrschaft triumphierend (und mit soziopathischer Energie). Die Monstrosität dieser Männer ist untrennbar von ihrem Charisma, und es war nie sicher, ob wir sie lieben oder fürchten sollten. Es war an uns, an ihren Selbsttäuschungen teilzuhaben und sie zu durchschauen, die Maske männlichen Könnens zu bestaunen, auch wenn sie mal verrutschte oder hässlich war. Der Tod dieser Männer ist Höhepunkt und Abschluss zugleich: Tony, Walter und Don sind die letzten Patriarchen … Sieht man sich diese Figuren und ihre jüngsten Nachfahren an, wird klar, dass ein erwachsener Amerikaner zu sein, immer auch hieß, eine symbolische Rolle im Bildungsroman eines anderen zu spielen. Eine Art moralische Kapitulation in einer Kultur, die jugendliche Selbsterfindung für das höchste Gut hält. Damit ist nun Schluss. Der Sieg individueller Likes und Dislikes über den kritischen Diskurs und der unaufhaltsame Aufstieg des Fans haben uns alle zu Kindern gemacht, mit Lieblingsbüchern, -games, -filmen und -songs, die uns trösten, fordern oder erleuchten."

Magazinrundschau vom 11.09.2014 - New York Times

Im Magazin der New York Times stellt Andrew Ross Sorkin uns das "Big History"-Projekt vor, das der 24-Stunden-Philanthrop Bill Gates zusammen mit dem australischen Historiker David Christian entwickelt hat und das bereits an über 1200 US-Schulen gelehrt wird. Grob gesagt geht es dabei um eine in Modulen vermittelte interdisziplinäre Menschheitsgeschichte. Gates schwärmt dafür, doch es gibt auch Kritik: "Von den Carnegies bis zu den Rockefellers war Bildung stets ein Steckenpferd der Milliardäre und ihrer Vorstellungen davon, wie gelernt werden sollte. Neuerdings jedoch gehen die großen Philanthropen davon aus, dass der Einsatz für ein kaputtes Bildungssystem die Wirtschaft ankurbelt. Hedgefonds-Manager, wie Paul Tudor Jones, oder Industrielle, wie Eli Broad, begreifen Bildung vor allem als Geschäft. Die Walton Foundation etwa gibt über eine Milliarde Dollar für Privatschulen und Alternativprogramme zum staalichen Schulsystem aus. Solche Mäzene wollen das System restrukturieren, es effizienter machen, indem sie die neuesten Technologien und Managementphilosophien anwenden, um eine ganz neue Generation von hoch ausgebildeten Arbeitskräften zu erschaffen." Lehrer etwa, die aus Erfahrung im Berufsalltag sprechen, bemängeln an "Big History", dass dieses Projekt ganz ohne Methodenlehre auskommt.

Besprechungen in der Book Review widmen sich neuen Romanen von Elena Ferrante, James Ellroy, Ben Lerner und Joseph O"Neill; außerdem Diane Ackermans anregende Geschichte des Anthropozäns "The Human Age" (wussten Sie, dass Ingenieure die Körperwärme von 250.000 täglich Stockholms Zentralbahnhof passierenden Reisenden nutzen, um ein nahegelegenes 13stöckiges Bürogebäude zu heizen?) und Henry Kissingers Buch "World Order". Gregory Cowles schließlich empfiehlt Robert Prestons "The Hot Zone", ein Buch, das sich schon 1995 mit dem Ebola-Virus beschäftigte.

Magazinrundschau vom 26.08.2014 - New York Times

Zum Start der US Open bringt die New York Times eine Tennis-Ausgabe. James Kaplan erinnert an die legendären Finals mit Chris Evert und Martina Navratilova, die einander zwischen 1973 und 1988 insgesamt achtzigmal gegenüberstanden und als Rivalinnen ein heute kaum mehr denkbares kameradschaftliches Verhältnis pflegten. "Wir trainierten sogar zusammen. Damals gab es keine Trainer, und wir waren oft die einzigen im Turnier, die noch übrig waren. "75 bei den French Open etwa trainierten wir und hatten Lunch zusammen. Es war toll, Martina sagte:" Chrissie, willst du noch Aufschläge üben oder soll ich? Und kannst du noch ein paar Bälle auf meine Rückhand schlagen? Ich muss die tranieren"", erinnert sich Chris Evert im Interview. Heutigen Spielerinnen fehlt nach Aussage beider übrigens der Hunger und die Dringlichkeit auf dem Platz, auch wenn das Spiel insgesamt härter geworden sei, wie beide feststellen. Einzig die Russin Marija Scharapowa und die 20-jährige Eugenie Bouchard (die Susan Dominus hier vorstellt) hätten noch den Tigerblick. Dazu gibt es ein Video, das einen Ausschnitt aus dem Fight der beiden beim US Open Finale 1984 zeigt - herrlich!

In der Sunday Book Review stellt James Gleick Vikram Chandras Buch "Geek Sublime" vor. Der indisch-amerikanische Schriftsteller, der früher selbst für seinen Lebensunterhalt programmiert hat, plädiert für eine neue Sicht auf das Programmieren: dessen Codes beruhen nämlich auf linguistischen Regeln, die der indische Gelehrte Panini 500 v.Chr. für das Sanskrit aufstellte, die via Noam Chomskys "generative Grammatik" in den USA verbreitet wurden und den Boden für die modernen Computersprachen bereiteten.

Magazinrundschau vom 19.08.2014 - New York Times

Im aktuellen Heft des New York Times Magazine fragt sich Moises Velasquez-Manoff in einem Beitrag, ob der Klima- und Habitatveränderung geschuldete hybride Tierpopulationen, wie der Coywolf oder der Pizzlybär, die Zukunft der Fauna sind und was das für unser Artenverständnis bedeutet: "In hohen Breiten, wo verwandte Arten sich relativ spät auseinander entwickelt haben und sich so leichter kreuzen können, verlagern Tiere ihr Territorium aufgrund steigender Temperaturen und können so auf Cousins treffen und sich kreuzen. In Maine, Minnesota und New Brunswick hat der Kanadische Luchs mit dem eigentlich südlicher angesiedelten Rotluchs Nachwuchs bekommen. Ein Flughörnchen aus dem Süden ist nordwärts gewandert und hat sich in Süd-Ontario mit einem größeren Cousin gepaart. Das bekannteste Beispiel für diesen Prozess ist das Hybrid aus Polar- und Grizzlybär, der Pizzlybär … Diese Entwicklungen mögen wie unbeabsichtigte Folgen menschlichen Verhaltens aussehen. Wissenschaftler haben jedoch herausgefunden, dass die Genome vieler Arten Teile der DNA andere Arten enthalten, was nahelegt, dass sie nicht nur durch Evolution entstanden, sondern auch durch Hybridisierung …Das wieder lässt Hybride in einem ganz anderen Licht erscheinen. Zwar kann Kreuzung Missbildungen hervorbringen, sie kann aber auch die Anpassung befördern. Neue Arten entstehen quasi über Nacht … Gut möglich, dass Hybride also nicht bloß den Verlust von Biodiversität signalisieren, sondern auch eine gewisse Widerstandsfähigkeit angesichts jäher Umweltveränderungen."