
Das neue Buch des Schriftstellers, Literaturhistorikers und Verlegers
Krisztián Nyári erzählt von der historischen Symbiose der
Kaffeehäuser und der Literatur. Im
Interview mit Réka Moklovsky spricht er darüber, was sich seitdem verändert hat: "Als um die Jahrtausendwende einige ehemals angesehene Literaturcafés wieder eröffnet wurden, weil es Investoren gab, die das Geld hatten, sie zu renovieren, gab es die Erwartung, dass die frühere Kaffeehaus-Kultur auf einmal wieder aufleben würde, aber das ist aus tausend Gründen nicht geschehen. (…) Dennoch besteht es kein Zweifel, dass diese Orte, insbesondere die neu eröffneten, eine wichtige Funktion haben, vor allem für das literarische Publikum. Die traditionellen Kanäle für dieses Publikum verschwinden, und das Medium, das wir als
Kulturpresse bezeichnet haben, ist vor unseren Augen geschrumpft. Es gehört, obgleich es eine breite Masse von Menschen erreichen konnte, der Vergangenheit an; genauer ist es wieder zum Medium einer schmalen Elite geworden. Literarische Sendungen in auflagenstarken Medien wie Fernsehen oder Radio gibt es keine und wenn Schriftsteller zu irgendetwas befragt werden, dann ist es in der Regel nicht die Literatur, sondern die Politik, das öffentliche Leben, aber meistens nicht einmal das. Vor fünfzehn Jahren gab es in jeder Regionalzeitung an den Wochenenden eine Literaturbeilage, (…). Das ist nicht mehr der Fall, und so hat der Literaturbetrieb, vor allem die Verlage, begonnen, fieberhaft nach
Ersatzlösungen zu suchen. Dadurch sind diese Treffpunkte entstanden, weil es einfach wieder wichtig wurde, eine Verbindung zwischen Stammlesern und Autoren zu haben."