Jörg Häntzschel ist in der
SZ skeptisch bezüglich der neuesten Entwicklungen in der
Raubkunst-Affäre der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen (unsere
Resümees). Er hegt große Zweifel, dass
Meike Hopp als "Provenienzkontrolleurin" ihrem Job überhaupt angemessen nachkommen kann, wo sie zugleich noch Leiterin des
Deutschen Zentrums Kulturgutverluste und Vorsitzende des
Arbeitskreises Provenienzforschung ist, der die
SZ-Berichte als "Halbwahrheiten", "konstruiert pauschale Anschuldigungen" und "skandalisierende öffentliche Empörung" bezeichnete, wie Häntzschel weiß: "Stehen also für die
vermeintlich neutrale Aufklärerin Hopp die Ergebnisse ihrer Untersuchung bereits fest? Sie hat außerdem in München studiert und jahrelang dort gearbeitet. Die Welt der Provenienzforschung ist winzig. Es ist schwer vorstellbar, wie sie die Arbeit ihrer Kolleginnen und Kollegen an den Staatsgemäldesammlungen mit Distanz bewerten kann." Für Häntzschel ist klar, warum der Minister niemanden von außen dazuholt, der ein unbelastetes "Mandat" zur Aufklärung erhält: "Der Minister versucht, Versäumnisse an die Staatsgemäldesammlungen auszulagern und sie dem geschassten Maaz anzuhängen. Dabei ist er mitverantwortlich dafür. In Wahrheit will Bayerns Kunstminister
seine Versäumnisse nur auslagern."
"Die bayerische Kunstverwaltung erlebt eine
Revolution von oben", konstatiert Patrick Bahners in der
FAZ, das Handeln des Ministers
Blume ist auch ihm ein besonderer Dorn im Auge: "Blume kündigte die Einsetzung von nicht weniger als fünf Kommissionen und anderen Gremien an, die weiter 'schonungslos aufklären' und zu gegebener Zeit Vorschläge zum Umbau der Museumslandschaft ausarbeiten sollen. Die '
Vertrauenskrise' ist nach seiner Einschätzung 'nicht beendet', weil 'neue Vorwürfe' aufgetaucht sind." Diese Vorwürfe hätten aber gar nicht mehr direkt mit dem ursprünglichen Raubkunst-Anlass zu tun, sondern mit "
Fehlverhalten" von Aufsichtspersonen, eingeschlossen sexuelle und rassistische Belästigung, aber auch um Überwachung von Mitarbeitern unter Missbrauch von Kameras.
Hier spielt Bahners auf einen
Bericht des
Dlf-Rechercheurs Stefan Koldehoff an. So "soll es laut den Unterlagen zum
Missbrauch von Videoanlagen in den Museumsräumen gekommen sein - demnach wurden diese zur rechtswidrigen
Verhaltenskontrolle von Mitarbeitenden eingesetzt. In der Sicherheitszentrale sollen auch andere Datenschutz- und Sicherheitsvorschriften nicht eingehalten worden sein. Vorwürfe gibt es nach Informationen des
Deutschlandfunks auch bezüglich der
Sicherheit der Kunstwerke in mindestens einem Haus der BStGS."
Paul Jandl
schließt sich in der
NZZ dem Tenor an und nennt den entlassenen Bernhard Maaz ein "
Bauernopfer."
Wer in Berlin wohnt, muss jetzt nicht mehr raus nach Brandenburg fahren, um mal
Kühe zu Gesicht zu bekommen, es reicht ein Besuch im
Kunsthaus Dahlem: Der vor sechzig Jahren verstorbene Künstler
Ewald Mataré hat etliche
Kuh-Skulpturen geschaffen, die Elke Buchholz für den
Tagesspiegel nun (neben einigen anderen Tieren) in der Ausstellung "Nichts ohne Natur"
betrachten kann. "An ihnen erprobte er sein
Formempfinden, frönte seinem Hang zur Perfektion und zur radikalen Vereinfachung, selbstkritisch bis zur Verzweiflung", hält sie fest, "die Kühe ruhen
schwer und massig, sie grasen still oder stehen reglos einfach da. Sie sind die Stars." Auch ein Wandteppich mit "ornamental verknappten Kühen" ist zu entdecken, wichtig war Mataré laut Buchholz vor allem aber die
Haptik seiner Werke: "jede Skulptur müsse so beschaffen sein, dass auch Blinde sie genießen könnten, schrieb er einmal. Er begann seine Arbeiten immer als Unikate in Holz, ließ später manches Stück als Bronze gießen, aber nur in kleinen Auflagen."
Weiteres: Ursula Scheer schaut sich für die
FAZ die
Restauration von Giottos Wandbildern in der Bardi-Kapelle an. Lisa-Marie Berndt
interviewt den Künstler
Pol Taburet für
Monopol. Frauke Steffens spekuliert in der
FAZ, was Trumps neue
Einfuhrzölle für den
Kunstmarkt bedeuten könnten. Die Kulturhauptstadt Chemnitz hat mit dem
Karl-Schmidt-Rottluff-Haus nun ein neues Museum vorzuweisen, melden
FR und
FAZ, benannt ist es nach dem
expressionistischen Maler, der die Künstlergruppe "
Die Brücke" mitbegründet hatte. Roman Bucheli unterhält sich für die
NZZ mit dem Künstler
Roman Signer.
Besprochen werden: Die Ausstelllungen "An den Rändern taumelt das Glück: Die späte
DDR in der
Fotografie" im
Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst im Dieselkraftwerk Cottbus (
Monopol), "
Susan Sontag: Sehen und gesehen werden" in der
Bundeskunsthalle Bonn (
Filmdienst), "
Roman Signer: Landschaft" im
Kunsthaus Zürich (
NZZ) und
Tobias Rehbergers "on top of surface - beneath some thought" in der Galerie Neugerriemschneider (
Berliner Zeitung).