In der
SZ erzählt Nicolas Freund die Geschichte der Kunstsammlung des Schweizer Immobilienbesitzers
Bruno Stefanini, die in einem riesigen Kellergewölbe lagert. Obwohl "Kunstsammlung" dafür vielleicht nicht das richtige Wort ist, trotz der vielen Gemälde. "Aber eigentlich muss man das, was da im Keller unter dem Sulzer Hochhaus in Winterthur sowie an mehreren anderen, teils geheimen Orten in der Schweiz lagert, eher als
Kulturgütersammlung bezeichnen. Oder als jüngere Geschichte Europas in 100 000 Gegenständen. Denn zu der Sammlung gehören neben Kunstobjekten auch viele Möbel, Kleidungsstücke, Bücher, Waffen, Spielzeuge und ein paar Tausend andere Dinge wie
Wollknäuel oder Metallstäbchen, bei denen bisher nicht so ganz klar ist, worum es sich dabei handelt. Zu der Sammlung gehören der Schreibtisch, auf dem John F. Kennedy den
Atomwaffensperrvertrag unterschrieben hat, knapp 100 Priestergewänder, die
Turnschuhe der Kaiserin Sisi, und irgendwo stehen auch noch drei Panzer herum." Die Frage ist, was man jetzt, nach dem Tod des Sammlers, damit macht. In einem zweiten Artikel stellen Charlotte Theile und Christian Schepsmeier den Sammler kurz vor.
Brauchen wir das Museum wirklich als
moralische Anstalt, fragt Bernd Eilert in "Bilder und Zeiten" (
FAZ), entnervt von Ausstellungsmachern, die "sich über die bloße Präsentation von Anschauungsmaterial hinaus bemühen, diese Anschauung
in Bahnen zu lenken, die den Kuratoren solcher Ausstellungen moralisch opportun erscheinen. Folgerichtig wird das Urteil über das Ausgestellte nicht mehr dem Betrachter überlassen, sondern durch
Vorurteile der Ausstellungsmacher bestimmt. ... Selbst in der großen Frans-Hals-Ausstellung in Berlin wies uns das Täfelchen neben dem Porträt eines 'Peekelhaering' an, darin ein frühes Beispiel für die heutzutage verpönte Praxis des 'Blackfacing' zu sehen. Tatsächlich ist fraglich, ob das so stimmt. Frans Hals hat diesen dunklen Mann in seiner Rolle als 'Pökelhering' in einem Rüpelspiel des siebzehnten Jahrhunderts nämlich zweimal porträtiert. Die zweite Version, die in Leipzig hängt, trug lange den Titel 'Der Mulatte', und einem solchen Blackfacing zu unterstellen, wäre selbst für Moralisten kühn. Die müssten dann in jeder Kreuzigungsszene eine Verherrlichung der Todesstrafe sehen."
In der
FAS berichtet Julia Voss vom
Streit in der Hilma-
af-
Klint-
Stiftung: Der Vorsitzende der Stiftung,
Erik af Klint, will gerichtlich ein
Ausstellungsverbot durchsetzen. "Damit stellt er sich gegen die meisten Stimmen in der Stiftung, die laut Satzung mehrheitlich aus Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft bestehen muss. Die schwedische Tageszeitung
Dagens Nyheter berichtet über Erik af Klints Pläne, die Gemälde in Zukunft nur einem
ausgewählten Personenkreis zugänglich zu machen, dessen 'spirituelle Suche im Einklang mit Hilmas' sei. Wer nicht dazuzählt, sagt Erik af Klint auch:
Muslime und Hindus." Hilma, die sich erklärtermaßen "von theosophisch geschulten
Geistwesen den Pinsel führen" ließ, "hätte das Himmelstheater um sie gelassen ertragen",
meint ein spöttischer Hans-Joachim Müller in der
Welt. "Was wissen all die Leute schon von fernmündlicher Regie beim Bildermachen? Was wissen sie von den Stimmen und Visionen, die die unfreiwillige Malerin zu leeren Farbgeometrien angestiftet und ganz gewiss nicht ermutigt haben, damit im gnadenlosen Aufmerksamkeitswettkampf der Zeitkunst zu bestehen? Es sind halt
höhere Wesen, die nun befehlen, zu reprivatisieren, was nie öffentlich sein sollte."
Weitere Artikel: "
Max Ernsts 'Hausengel', derzeit in der Basler
Fondation Beyeler ausgestellt, ist das
Bild der Stunde", ruft in der
SZ Christoph Heim. "Ein wütendes und stampfendes Ungetüm, das wie Elon Musk, Donald Trump oder Wladimir Putin
ohne Rücksicht auf Verluste voranschreitet." In "Bilder und Zeiten" (
FAZ) schreibt Arne Rautenberg zum 100. Geburtstag des Dichters und bildenden Künstlers
Werner Schreib. In der
FAS fragt sich Niklas Maak, was es mit den
Schlafkapseln auf sich hat, die man zum Beispiel in Berlin für 3,99 Euro die Viertelstunde mieten kann.
Besprochen werden außerdem die Ausstellung "
Helen Frankenthaler. Move and Make" im
MRE Wiesbaden (
FAZ), "Maybe it was magic", eine Schau der Sammlung von
Timo Miettinen in dessen
eigenem Haus (
Tsp), eine "
Glitzer"-Ausstellung im Hamburger
Museum für Kunst und Gewerbe (
Tsp) und die
Susan-
Sontag-Ausstellung "Sehen und gesehen werden" in der
Bundeskunsthalle Bonn (
FAS).