Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Kunst, Ausstellungen, Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.03.2025 - Kunst

Jörg Häntzschel traute seinen Augen nicht, als er auf das Programm des Bayerischen Nationalmuseums blickte: Dort war ein Abbild des Judas Iskariot abgedruckt, berichtet er in der SZ, "mitsamt seiner üblichen Attribute: gelber Mantel, Bart, rote Haare und um den Hals ein dicker Geldsack". Es ist ein Detail aus einer Bilderreihe über die Passionsgeschichte. Ist den Verantwortlichen der Antisemitismus der Darstellung nicht aufgefallen? Besonders pikant ist die Angelegenheit, weil Ende März eine Gedenkveranstaltung zu Ehren der Opfer des Nationalsozialismus im Museum stattfinden wird. "Hätte ein solches Motiv nicht eingeordnet und erläutert werden müssen, zumal wenn es so aus dem Kontext herausgelöst wird? Nicht um der politischen Korrektheit willen, sondern um aufzuklären? Generaldirektor Frank Matthias Kammel scheint das anders zu sehen. In seinen Beteuerungen des Bedauerns hebt er nur auf die 'verletzten Gefühle' des Publikums ab: 'Wir werden zukünftig noch sensibler als bisher auf die Motivwahl achten'" verkündete er. Die Flyer wurden mittlerweile eingestampft!

Der Wolfsburger Kunstverein leidet stark unter Einsparungen, berichtet Bettina Maria Brosowsky in der taz. Das geplante Programm klingt aber trotzdem spannend, meint sie und findet ihren Eindruck mit der erste Ausstellung des Jahres "Auf Reisen" bestätigt. Gut gefallen haben ihr hier zum Beispiel die Arbeiten von Atiye Noreen Lax: "Sie zeigt zwei Videos. Für das erste, 'Restlessness', hat sie viele Jahre lang ihre Füße an verschiedensten Orten gefilmt, ihr empfundenes Nomadentum. Für ihre zweite, 13-minütige Videoarbeit war sie 2024 für sechs Monate in der Türkei unterwegs. Sie bereiste entlegene Gegenden mit familiären Bezügen, aber auch Touristen-Hotspots wie die zentralanatolische Region Kappadokien. Dieses Unesco-Weltkultur- und Naturerbe zeichnen nicht nur bizarre Höhlen vulkanischen Ursprung aus, teils zu Architekturen transformiert, es ist auch hoch frequentierter Ausgangspunkt für Ballonfahrten. Man sieht Scharen asiatischer Touristen in den Himmel aufsteigen - und die Künstlerin fragt sich: Was unterscheidet mich von ihnen? Bin ich nicht nur in Deutschland Fremde, sondern auch in der 'Haymat', so der Titel des Videos gemäß der türkischen Transkription dieses urdeutschen Gefühlspotenzials."

Besprochen wird außerdem die Ausstellung "Alex Wissel. Der zwanglose Zwang" im Bielefelder Kunstverein (FAZ) und die Ausstellung "Will McBride - Die Berliner Jahre" im Bröhan-Museum Berlin (Tsp).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.03.2025 - Kunst

Artemisia Gentileschi, Judith et sa servante avec la tête d'Holopherne, v.1615, Gallerie degli Uffizi, Galleria Palatina. Crédit : Su concessionne del Ministera della Cultura

Ein würdiges Denkmal für eine "Heldin der Kunst" sieht FAZ-Kritikerin Bettina Wohlfarth in der gleichnamigen Ausstellung über die Barockmalerin Artemisia Gentileschi im Musée Jacquemart-André in Paris. Unter den Werken "sind wichtige Leihgaben: etwa die wunderbare, allzu menschlich verschlafen stillende 'Maria mit Kind' aus der Galleria Spada in Rom oder eine umwerfende, auf Kupferplatte gemalte Danaë aus dem amerikanischen Saint Louis. Beide bestätigen die besondere Empathie und erotische Schönheit, mit der Artemisia gerade den weiblichen Körper erfasst. In zahlreichen Figuren, das heben die Kuratoren der Ausstellung (...) hervor, stellt Artemisia sich selbst dar. Ihre noblen Auftraggeber verlangten geradezu danach, so Michelangelo Buonarroti der Jüngere, für den sie sich in einer 'Allegorie der Neigung' auf eine Wolke setzte, während ihr Florentiner Mäzen Cosimo II von Gentileschi ein 'Selbstporträt als Lautenspielerin' besaß."

Die Bildwerdung einer turbulenten Beziehung und einer zutiefst "widersprüchlichen und hochproblematischen" Frau kann SZ-Kritiker Alexander Menden in der Ausstellung "Frau in Blau: Oskar Kokoschka und Alma Mahler" im Museum Folkwang Essen beobachten. Rund 450 Zeichnungen fertigte der Maler ab 1912 von seiner Muse an, für die er eine an Obsession grenzende Leidenschaft hegte: "Die Essener Schau, kuratiert von Direktor Peter Gorschlüter und Anna Brohm, bietet einige zentrale Arbeiten aus dieser Zeit, darunter ein vier Meter breites Fresko, das Kokoschka über den Kamin in Alma Mahlers neuem Haus in Breitenstein am Semmering malte, und das sie als eine Art rettenden Engel zeigt, der ihm den Weg aus der Hölle weist. Almas Tochter Anna fragte ihn damals, ob er denn gar nichts anderes malen könne als ihre Mutter." Die Schau betont auch einen Aspekt, der in der Vergangenheit grob vernachlässigt wurde, so Menden, nämlich Alma Mahlers "tief verwurzelten" Antisemitismus.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.03.2025 - Kunst

Bild: Ted Soqui, Ron Athey und Vaginal Davis. Courtesy: die Künstlerin und Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin

Wie lässt sich das überbordende Werk der in L.A. geborenen Künstlerin Vaginal Davis bändigen, fragt sich Diedrich Diedrichsen, der die in Berlin lebende queere "Universalgelehrte", der der Berliner Gropius Bau die Schau "Fabelhaftes Produkt" widmet, für die taz porträtiert. Fanzines und Bands hat Davis seit den Achtzigern ebenso gegründet wie sie Sets designte unzählige Performances auf die Beine stellte. Seit einer Weile ist sie auch "Installationskünstlerin, sie baut (nicht nur) für den Gropius Bau Kinos, luxuriös exotisch verträumte Abspielstätten, Kabinette und Schlafzimmer, sie malt auch. Während ich sie besuche, sind das Wandzeichnungen, frei nach Motiven aus einer als Kind geliebten Buchversion des 'Wizard of Oz' von L. Frank Baum. Dem 'Harry Potter meiner Kindheit', wie sie, die in South Central Los Angeles aufgewachsen und sich als Stipendiatin eines Programms für hochbegabte Schülerinnen in die Welt der Oper stürzte, die Bedeutung der Oz-Mythologie einstuft. Mit einer riesigen Palette aus Eyelinern, Lippenstiften und anderen Make-up-Utensilien werden die schwarzweißen Wandzeichnungen farbig geschminkt. Das ist die Medienspezifik von Vaginal D: Schminke bringt die Wahrheit hervor und ist überhaupt ihr bevorzugtes Material."

Für die Berliner Zeitung streift Timo Feldhaus durch die Ausstellung, "die vor allem von den unzähligen Details lebt und in der viele großartige Penisse und einmal auch ein Hakenkreuz zu sehen sind (es geht dabei um den Fetisch des Nazis im schwulen Begehren)". Hier "lässt sich ein Schaffen erkennen, das tief verwurzelt ist in der Appropriation Art. In der es seit den 80ern darum geht, vorgefundenes Material und ikonische Bilder, für die man brennt, die einen irritieren, zusammenzulegen und daraus etwas Neues zu machen."

Bild: Ryan Villamael, Locus Amoenus (2017-), Ausstellungsansicht, Ateneo Art Gallery, 2018. Courtesy Silverlens (Manila/New York)

Als "Appell für offene Grenzen" erlebt Nicola Kuhn (Tagesspiegel) die Ausstellung "Musafiri: Von Reisenden und Gästen" im Berliner Haus der Kulturen der Welt, die dem Zusammenhang von Reisen und Freiheit nachspürt, dabei aber vor allem auf die traurigen Migrationsschicksale fokussiert: "Mal geschieht dies poetisch wie bei Ryan Villamael, der aus historischen Landkarten Blattwerk schneidet, das er büschelweise von der Decke hängen lässt. Der Sohn eines 'overseas filipino worker' nennt seine seit acht Jahren an vielen Orten weiter wuchernde Installation 'Locus Amoenus', als wäre es ein idyllischer Ort, der in Wirklichkeit jedoch die Zerrissenheit der Lebenszusammenhänge von Wanderarbeitern beschreibt. Mal fallen die Darstellungen drastisch aus wie bei Jimmy Ong, der in mehrfacher Ausfertigung einen Torso aus Stoff an dicken Stricken baumeln lässt. Die Erscheinung fällt ebenso ambivalent aus wie die dargestellte Figur, die einer historischen Statue nachempfunden ist. Dahinter verbirgt sich der britische Kolonialist Thomas Stamford Raffles, der in Singapur als Gründervater verehrt wird, in Indonesien dagegen Unrecht und Gewalt verkörpert."

Besprochen werden die Ausstellung "Ein Dorf. 1950-2022" in der Berliner Akademie der Künste (FR) und die Ausstellung "KünstlerinSEIN" in der Kunsthalle Rostock, die Werke der neusachlichen Malerin Kate Diehn-Bitt Skulpturen der zeitgenössischen Bildhauerin Susanne Rast gegenüberstellt (Berliner Zeitung).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.03.2025 - Kunst

Zuzanna Czebatul: Andrea II. Foto: Andrea Rosetti.


Tagesspiegel-Kritikerin Gunda Bartels freut sich, dass das Haus am Lützowplatz sein 65-Jahre-Jubiläum mit den "Berliner Realistinnen", 28 Künstlerinnen, die in Berlin tätig sind, feiert. Die Ausstellung ist zugleich eine Reminiszenz an die hochpolitische "Berliner Realisten"-Schau von 1971. Viele der Exponate sprechen "von Sinn für Wut und Witz", so "auch Zuzanna Czebatuls gewöhnungsbedürftige Bronze 'Andrea II' (2023). Sie wächst wie ein Superhelden-Bizeps samt Faust aus der weißen Wand und schwingt einen Hammer als gelte es, dem sozialistischen Realismus ein spätes Arbeiter-der-Faust-Denkmal zu setzen. Anders als die erste Assoziation glauben macht, arbeitet sich Czebatul hier aber an der Pranke von Vulkan, dem antiken Gott des Feuers ab, die in New York wiederum zu einem Genossenschaftslogo wurde. Eine weitere Version der Skulptur ist dauerhaft im Berghain installiert. Im Gegensatz zu der des Clubs steht die Tür des HaL jedem offen."

Nun hat auch die Schweiz eine Kommission für Raubkunst, vermeldet Philipp Meier in der NZZ: "Damit die Kommission künftig tätig werden und die Herkunft eines potenziell historisch belasteten Kunstwerks oder Kulturguts überhaupt untersuchen kann, wird grundsätzlich die Zustimmung beider Parteien vorausgesetzt. Nur in einer Ausnahme kann sie auch einseitig angerufen werden: Das betrifft Kunst- und Kulturgüter im Kontext des Nationalsozialismus, die sich in staatlich finanzierten Museen und Sammlungen befinden." Glücklich seien mit dem Kompromiss aber nicht alle, der Schweizerische Israelitische Gemeindebund habe Bedenken: "Dass nur in Ausnahmefällen eine einseitige Anrufung möglich sei, erschwere faire und gerechte Lösungen."

Weiteres: Patricia Grzonka besucht für Monopol die Spark Art Fair. Besprochen wird außerdem die Ausstellung "Jack Whitten: The Messenger" im New Yorker MoMA (Monopol).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.03.2025 - Kunst

Lasar Segall: Banana Plantation, 1927. Collection of the Pinacoteca do Estado de São Paulo. Purchased by the Governo do Estado de São Paulo, 1928. Photo: Isabella Matheus. © Lasar Segall (Vilnius, Lituânia, 1889 - São Paulo, Brasil, 1957)

Von solchen Ausstellungen kann man in Berlin nur träumen: Jakob Hayner reist für die Welt nach London, wo die Royal Academy mit "Brasil, Brasil!" die künstlerische Moderne in Brasilien in all ihrer Farbpracht feiert. Den Höhepunkt erreicht der Modernismo in den 1920er Jahren, undenkbar ist er ohne die Hymne, die der brasilianische Schriftsteller Oswald de Andrade auf den Kannibalismus verfasste, klärt uns Hayner auf: "Andrade will keinen realen Kannibalismus praktizieren, ihm geht es um das 'Symbol der Verschlingung'. Der symbolische Kannibalismus ist nicht weniger als ein Lob der kulturellen Aneignung. Alles zu verschlingen, sich aneignen und enteignen, karnevalisieren, kreolisieren, barockisieren; es gibt viele Worte dafür, dass dem brasilianischen Denken nichts ferner liegt als die heutigen Isolationszellen im identitätspolitischen Kulturknast mit ihren post-kolonialen Aufpassern."

Ruth Patir: "Motherland, 2024. Video, 29 min, video still. Courtesy of the artist and Braverman Gallery, Tel Aviv

Wer es nach Venedig zur Biennale schaffte, stand vor den verschlossenen Türen des israelischen Pavillons: Es sei ein "Akt der Solidarität" gewesen, die Ausstellung nur zu eröffnen, wenn die Geiseln frei sind, erklärt die israelische Künstlerin Ruth Patir heute im FAZ-Gespräch, in dem sie auch erzählt, wie alleingelassen sich israelische Kultuschaffende nach dem 7. Oktober fühlen. Nun ist die Ausstellung "(M)Otherland" im Tel Aviv Museum of Art zu sehen. Diesmal werde "das Werk nicht durch die Kontroverse um die Repräsentation eines Nationalstaats überschattet. Außerdem hat das lokale Publikum einen besonderen Bezug zu meiner Arbeit. (M)Otherland ist eine feministische Perspektive auf Fruchtbarkeit, die in den biopolitischen und kapitalistischen Dimensionen der Reproduktion verwurzelt ist. Im Nationalstaat Israel und insbesondere in Kriegszeiten ist dies eine sehr körperliche Erfahrung. (…) Das Ausmaß der Reproduktionsdiskussion ist in Israel einzigartig. Unabhängig vom Ort war die Frage der Fruchtbarkeit und des Gebärens neuer Soldaten für die Front in Kriegszeiten immer relevant. In Israel zeigt sich das gerade besonders unter Ultrarechten."

Weder ihr Konzept noch einige gesetzte Künstlernamen ließ sich Naomi Beckwith, designierte künstlerische Leiterin der nächsten Documenta, am Dienstag entlocken - und Stefan Trinks (FAZ) hat nichts dagegen, denn Beckwith ließ sich nicht provozieren, auch nicht, als die schon "fest einzukalkulierende" "Frage des Publikums zur behaupteten Unterdrückung der Palästinenser durch und in Deutschland" aufkam: Beckwith antwortete professionell, "ihre Achtung für Menschenwürde und für gegenseitigen Respekt verteile sich absolut gleichmäßig. Sie sei offen für Debatten, 'aber ich werde keine physische, verbale oder symbolische Gewalt gegen andere dulden'." Die Welt verrät zudem: "Beckwith sprach auch von den verschiedenen aktuellen Krisen und Herausforderungen. Der globale Zustand lasse sich zum Abschluss des ersten Viertels des 21. Jahrhunderts vielleicht als ein stetiger Zustand zerbrochener Erwartungen bezeichnen." Im Tagesspiegel kann Nicola Kuhn dem Auftritt viel abgewinnen: "Mit Beckwith hat eine Mutmacherin die Documenta übernommen", kommentiert sie.

Weitere Artikel: Katharina J. Cichosch besucht für die taz die "Outsider Art Fair" im New Yorker Metropolitan Pavilion in der 18th Street. In der NZZ stellt Oliver Camenzind die Künstlerin Shizuko Yoshikawa vor, deren Werk gerade in einer Ausstellung in Osaka zu sehen war: Yoshikawa war 1961, da hatte sie in Tokio schon Anglistik und Architektur studiert, auf einem Frachtschiff nach Europa gefahren, um an der Fachhochschule für Gestaltung in Ulm zu studieren, später wechselte sie dann nochmals, zur Malerei und zur Kunst am Bau: Ihr "entschleunigter Blick könne in der beschleunigten Welt der Gegenwart auf zunehmendes Interesse stoßen", zitiert Camenzind Yoshikawas Biografin Gabrielle Schaad.

Besprochen werden die Ausstellung "MAMA.Von Maria bis Merkel" im Düsseldorfer Kunstpalast (Zeit, mehr hier), die Ausstellung "Horst Janssen tischt auf" im Horst-Janssen-Museum Oldenburg (taz), die Ausstellung "Jetzt ist alles gut" mit Werken der "Tödlichen Doris"-Schlagzeugerin Käthe Kruse in der Berlinischen Galerie (Tsp) und die Ausstellung "Corinthium Aes. Das Geheimnis des schwarzen Kupfers" im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst in München (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.03.2025 - Kunst

Kosen Ohtsubo, リンガジャポニカ / Linga Japonica, Schwertlilie, Erde, verschiedene Arten von Zweigen und Blumen, April, 1991;
Foto: Kosen Ohtsubo.


Dem Japaner Kosen Ohtsubo gelingt es, mit so etwas Banalem wie einem Blatt welken Kohls zu rühren, jubelt in der taz Sophie Jung. Ohtsubo ist ein außergewöhnlicher Ikebana-Künstler, der die japanische Tradition des Blumenarrangements mit einer Reflexion über die menschengemachte Umweltverschmutzung verbindet. Der Kunstverein München widmet ihm und seinem Schüler Christian Kōun Alborz Oldham derzeit eine Ausstellung. Jung ist begeistert: Die "dicken Adern" des Kohls "ziehen mäandernde Muster auf das weiche Blattgrün, dessen Färbung durch den Wassermangel schon ins Gelbliche übergegangen ist. Wie die Knackigkeit - wenn man so will: das Leben - aus dem Weißkohlblatt verschwindet, sieht schön aus. Noch schöner wird es durch den Sockel, der ein bisschen wie das postmoderne Design der italienischen Gruppe Memphis daherkommt: total ästhetisch, total emotional."

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Weitere Artikel: Christiane Meixner bespricht im Tagesspiegel Juergen Tellers Buch "Auschwitz Birkenau", in dem der Fotograf seine auf dem Gelände des ehemaligen Konzerntrationslagers entstandenen Bilder dokumentiert. Der Skandal um das schwerfällige Restitutionsgebaren der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen (siehe unter anderem hier) betrifft auch einige Werke mit Österreichbezug, berichtet Olga Kronsteiner im Standard. Jonas Sanden unterhält sich für monopol mit der Fotografin Viviane Sassen. Ebenfalls in monopol porträtiert Larissa Kikol eine Gruppe junger Graffiti-Künstler, die in den Tiefen eines Marseiller Tunnels neue Formsprachen erproben.

Besprochen werden die Schau "Arcimbaldo - Bassano - Bruegel" im Wiener KHM (FAZ), die Ausstellung "Gemalte Musik" im Wiener Schönberg Center, die dem malerischen Werk des Namenspatrons Arnold Schönberg gewidmet ist (Standard), die Isa-Genzken-Intervention im Frankfurter Liebieghaus (Welt), "Suzanne Valadon" im Centre Pompidou (NZZ) und die Pussy-Riot-Schau "Velvet Terrorism" im Münchner Haus der Kunst (monopol).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.03.2025 - Kunst

Die Documenta feiert siebzigsten Geburtstag und dass nach den jüngsten Skandalen gute Laune möglich ist, ist allein dem mexikanischen Künstler Mario García Torres zu verdanken, der mit der Schau "A History of Influence" im Kasseler Fridericianum mit "diebischer" Freude in den "Schatzkästchen der Kulturgeschichte" wühlt, freut sich Saskia Trebing (Monopol). So zeigt er in einem "Videoraum seinen visuellen Essay '¿Alguna vez has visto la nieve caer?' (Haben Sie jemals den Schnee gesehen?), der sich auf Spurensuche nach Alighiero Boettis sagenumwobenem 'One Hotel' in der afghanischen Hauptstadt Kabul begibt. Von 1972 bis 79 betrieb der Konzeptkünstler und mehrfache Documenta-Teilnehmer Boetti diesen Ort des Willkommenseins, von dem heute nur wenige Bilder überliefert sind. Sowohl Boetti als auch Torres beschäftigt die Frage des Gastgebens und Gastseins, der flüchtigen Begegnung im weiten Meer der Zeit. Torres zeigt in Kassel nun eine Art Reenactment: nicht nur inhaltlich, sondern auch formal. Der Videoraum ist an genau derselben Stelle aufgebaut, wo er vor 13 Jahren bei der Documenta 13 platziert war."

Bild: Colostrum IV, 2020 Collage, ink, rhinestones, pins and beads on paper handmade from traditional birthing cloth Framed. Collection of Stephanie and Timothy Ingrassia

Um Transformation geht es auch im Werk der amerikanischen Künstlerin Andrea Chung, die das Museum of Modern Art North Miami derzeit mit der Ausstellung "Between Too Late an Too Early" würdigt. Chung zerstört zunächst, um dann einen genaueren Blick auf (Kolonial-)Geschichte zu werfen, klärt uns Francess Archer Dunbar bei Hyperallergic auf: "In 'An Unrequited Love' (2019) zeigen Videos, wie gepuderte weiße Perücken geflochten und an einer Schlaufe gedreht werden, bis sie ihre traditionellen Formen verloren haben. Chung pulverisierte eine Kopie der frühen Cyanotypie-Künstlerin Anna Atkins zu einem hellblauen Brei und goss das Papier in zarte Reliefs westafrikanischer Fruchtbarkeitsfiguren um, die denen ähneln, die möglicherweise von Frauen getragen wurden, die auf einer der Plantagen von Atkins' Mann versklavt wurden. Das zarte Kozo-Papier, das darüber drapiert ist, ahmt sowohl die giftigen Stacheln des Rotfeuerfisches als auch Atkins' Drucke jamaikanischer Farne und Algen nach und verweist auf die doppelte Ausbeutung der Schwarzen und des karibischen Landes, die es Atkins ermöglichte, ihr Werk im Namen der Wissenschaft zu schaffen."

Weitere Artikel: Amüsiert fragt sich Peter Richter in der SZ, wer denn künftig zum erlauchten Kreis gehören wird, der auf Wunsch ihres Großneffens die Bilder von Hilma af Klint sehen darf (unsere Resümees): Werden "Museumswächter Rudolf-Steiner-Sprüche abfragen? Die Zahl der Wiedergeburten? Eurythmie-Zertifikate?" Und doch ringt Richter um Verständnis, ist der Hintergrund doch die Tatsache, dass die New Yorker Galerie Zwirner den Nachlass international verwerten will: "Für 'spirituell Suchende' strengerer Observanz, wie Stiftungschef Erik af Klint, ist … zumeist Holistik wichtig, der große, wärmende Zusammenhang, und allein schon der Gedanke ans Aufteilen und Verstreuen ein Greuel; Atomisieren lautete ihr Horrorwort um 1900." Im taz-Gespräch sprechen Agnieszka Roguski und Natalie Keppler, neue Leiterinnen des Kunst Raums Mitte, über die Folge der Kürzungen des Kulturbudgets.

Besprochen werden die Ausstellung "Ost-West-AG" mit Fotografien von Werner Droste in der Berliner Buchhandlung Golda (taz), die Ausstellung "Kulturlandschaften. Wasser" im Museum für Photographie in Braunschweig (taz), eine Ausstellung im Passauer Museum Moderner Kunst Wörlen mit Bildern, die der Fotograf Rudolf Klaffenböck von Josef Hader gemacht hat (FAZ) und die Ausstellung "Il tempo del Futurismo" in der Galleria Nazionale d'Arte Moderna e Contemporanea in Rom, die den Kontext von Krieg und Faschismus tilgt (mehr hier), aber beim Publikum so beliebt ist, dass sie nun verlängert wird, weiß Karen Krüger in der FAZ.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.03.2025 - Kunst

Louisa Gagliardi, Night Caps, 2022. Private Collection, Basel © the artist
Photo: Stefan Altenburger Photography, Zürich

Eine Einladung, sich der eigenen Fantasie zu bedienen, sieht Uta Appel Tallone (NZZ) in den Bildern der Schweizer Künstlerin Louisa Gagliardi, die das MASI in Lugano zeigt.  Die "enigmatischen, magisch-traumhaften Bildmomente" ziehen die Kritikerin in ihren Bann: "In einem kleinen Seitenraum der Ausstellung hat die Künstlerin die Wände zur Gänze mit ihrer Malerei überzogen, so wie man es aus mit Fresken geschmückten Kirchenräumen aus dem Mittelalter und der Renaissance kennt. Dargestellt sind hier zwei Personen in Übergröße, ausgestreckt im Schlaf liegend, das Bettlaken geht in einen üppig rauschenden Wasserfall über. Auffallend sind die wie nachträglich eingekratzten 'Graffiti', die sich der Symbole der Vanitas-Stillleben aus dem Barock bedienen: heruntergebrannte Kerzen, angebissenes Obst, ein umgekipptes Weinglas, eine Blüte, die zwar noch im vollen Saft steht, aber die das baldige Verblühen ahnen lässt. Die Zeit ist im ständigen, unaufhörlichen Fluss."

Weiteres: Das ehemalige Haus der Kunsthändlerin Galka Scheyer in Los Angeles wurde von einem deutschen Unternehmer gekauft, berichtet Benno Herz in der FAZ, und wird so vor dem Abriss bewahrt. Besprochen werden die Ausstellung "Jetzt ist alles gut" mit Werken von Käthe Kruse in der Berlinischen Galerie (taz) und mehrere Ausstellungen in der Timo Miettinen-Collection in Berlin (Tagesspiegel), und die Ausstellung "Malgorzata Mirga-Tas - eine alternative Geschichte" im Kunstmuseum Luzern (NZZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.03.2025 - Kunst

In der SZ erzählt Nicolas Freund die Geschichte der Kunstsammlung des Schweizer Immobilienbesitzers Bruno Stefanini, die in einem riesigen Kellergewölbe lagert. Obwohl "Kunstsammlung" dafür vielleicht nicht das richtige Wort ist, trotz der vielen Gemälde. "Aber eigentlich muss man das, was da im Keller unter dem Sulzer Hochhaus in Winterthur sowie an mehreren anderen, teils geheimen Orten in der Schweiz lagert, eher als Kulturgütersammlung bezeichnen. Oder als jüngere Geschichte Europas in 100 000 Gegenständen. Denn zu der Sammlung gehören neben Kunstobjekten auch viele Möbel, Kleidungsstücke, Bücher, Waffen, Spielzeuge und ein paar Tausend andere Dinge wie Wollknäuel oder Metallstäbchen, bei denen bisher nicht so ganz klar ist, worum es sich dabei handelt. Zu der Sammlung gehören der Schreibtisch, auf dem John F. Kennedy den Atomwaffensperrvertrag unterschrieben hat, knapp 100 Priestergewänder, die Turnschuhe der Kaiserin Sisi, und irgendwo stehen auch noch drei Panzer herum." Die Frage ist, was man jetzt, nach dem Tod des Sammlers, damit macht. In einem zweiten Artikel stellen Charlotte Theile und Christian Schepsmeier den Sammler kurz vor.

Brauchen wir das Museum wirklich als moralische Anstalt, fragt Bernd Eilert in "Bilder und Zeiten" (FAZ), entnervt von Ausstellungsmachern, die "sich über die bloße Präsentation von Anschauungsmaterial hinaus bemühen, diese Anschauung in Bahnen zu lenken, die den Kuratoren solcher Ausstellungen moralisch opportun erscheinen. Folgerichtig wird das Urteil über das Ausgestellte nicht mehr dem Betrachter überlassen, sondern durch Vorurteile der Ausstellungsmacher bestimmt. ... Selbst in der großen Frans-Hals-Ausstellung in Berlin wies uns das Täfelchen neben dem Porträt eines 'Peekelhaering' an, darin ein frühes Beispiel für die heutzutage verpönte Praxis des 'Blackfacing' zu sehen. Tatsächlich ist fraglich, ob das so stimmt. Frans Hals hat diesen dunklen Mann in seiner Rolle als 'Pökelhering' in einem Rüpelspiel des siebzehnten Jahrhunderts nämlich zweimal porträtiert. Die zweite Version, die in Leipzig hängt, trug lange den Titel 'Der Mulatte', und einem solchen Blackfacing zu unterstellen, wäre selbst für Moralisten kühn. Die müssten dann in jeder Kreuzigungsszene eine Verherrlichung der Todesstrafe sehen."

In der FAS berichtet Julia Voss vom Streit in der Hilma-af-Klint-Stiftung: Der Vorsitzende der Stiftung, Erik af Klint, will gerichtlich ein Ausstellungsverbot durchsetzen. "Damit stellt er sich gegen die meisten Stimmen in der Stiftung, die laut Satzung mehrheitlich aus Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft bestehen muss. Die schwedische Tageszeitung Dagens Nyheter berichtet über Erik af Klints Pläne, die Gemälde in Zukunft nur einem ausgewählten Personenkreis zugänglich zu machen, dessen 'spirituelle Suche im Einklang mit Hilmas' sei. Wer nicht dazuzählt, sagt Erik af Klint auch: Muslime und Hindus." Hilma, die sich erklärtermaßen "von theosophisch geschulten Geistwesen den Pinsel führen" ließ, "hätte das Himmelstheater um sie gelassen ertragen", meint ein spöttischer Hans-Joachim Müller in der Welt. "Was wissen all die Leute schon von fernmündlicher Regie beim Bildermachen? Was wissen sie von den Stimmen und Visionen, die die unfreiwillige Malerin zu leeren Farbgeometrien angestiftet und ganz gewiss nicht ermutigt haben, damit im gnadenlosen Aufmerksamkeitswettkampf der Zeitkunst zu bestehen? Es sind halt höhere Wesen, die nun befehlen, zu reprivatisieren, was nie öffentlich sein sollte."

Weitere Artikel: "Max Ernsts 'Hausengel', derzeit in der Basler Fondation Beyeler ausgestellt, ist das Bild der Stunde", ruft in der SZ Christoph Heim. "Ein wütendes und stampfendes Ungetüm, das wie Elon Musk, Donald Trump oder Wladimir Putin ohne Rücksicht auf Verluste voranschreitet." In "Bilder und Zeiten" (FAZ) schreibt Arne Rautenberg zum 100. Geburtstag des Dichters und bildenden Künstlers Werner Schreib. In der FAS fragt sich Niklas Maak, was es mit den Schlafkapseln auf sich hat, die man zum Beispiel in Berlin für 3,99 Euro die Viertelstunde mieten kann.

Besprochen werden außerdem die Ausstellung "Helen Frankenthaler. Move and Make" im MRE Wiesbaden (FAZ), "Maybe it was magic", eine Schau der Sammlung von Timo Miettinen in dessen eigenem Haus (Tsp), eine "Glitzer"-Ausstellung im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe (Tsp) und die Susan-Sontag-Ausstellung "Sehen und gesehen werden" in der Bundeskunsthalle Bonn (FAS).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.03.2025 - Kunst

Die Ausstellung "American Photography" im Rijksmuseum Amsterdam "ruckelt am Kanon der Fotografiegeschichte", zumindest für FAZ-Kritiker Freddy Langer, und zeigt ihm auch die Melancholie, die dem Land of the Free und seiner Fotokunst innewohnt: "Neben dem ästhetischen Aspekt lenkt sie den Blick stets auf soziale Verhältnisse, öfter noch Missverhältnisse - mit einem Schwerpunkt auf dem schwarzen Teil der Gesellschaft. So dienen als Beispiele für die frühen, tausendfach verkauften Carte de Visites das Motiv eines von Peitschenschlägen zerschundenen Rückens eines Sklaven sowie ein Porträt der schwarzen Freiheitskämpferin Sojourner Truth. Gefolgt von hundert Jahre später entstandenen Reportagen über ein Leben an der Grenze zur Apartheid. Stellvertretend für millionenfach fotografierte Hochzeitsbilder wiederum erschreckt die Aufnahme eines weißen Offiziers in Uniform samt all seiner Orden, dessen Gesicht im Irakkrieg zur Unkenntlichkeit entstellt wurde, neben seiner starr ins Nichts schauenden, bildhübschen Braut, Freundin schon aus Schulzeiten."

Weiteres: Yelizaveta Landenberger berichtet in der FAZ vom Pinchuk Art Prize in Kiew. Der Standard freut sich über die Wiederentdeckung von Gustav Klimts "Porträt eines afrikanischen Prinzen."

Besprochen wird: Die Ausstellung "Bracha Lichtenberg Ettinger" in der Kunstsammlung Nordrhein Westfalen.
Stichwörter: Rijksmuseum, Apartheid