Adam Driver in "Megalopolis". Regie: Francis Ford Coppola Der baldige Kinostart von Francis Ford Coppolas selbstfinanzertem Alterswerk "Megalopolis" wirft seine Schatten voraus. Mariam Schaghaghi und Peter Körte zeigen sich in der FAS auch Monate nach der zwiespältig aufgenommenen Cannes-Premiere (siehe hier) wenig begeistert von dem Film, in dem Adam Driverals Cesar Catilina eine Stadt der Zukunft entwirft: "Dynamik will aus der dramatischen Konfrontation nie recht entstehen, es bedarf auch einiger haarsträubender Plotwendungen, um das Ganze auf Kurs zu halten. Es ist sehr leicht, den Film zu verreißen, und sehr schwer herauszudestillieren, worauf Coppola hinausgewollt hat mit dieser Fabel, die er offenbar als Höhepunkt seines Werks entworfen hat. Ein Gemenge aus Bildzitaten, dekontextualisiertem Bildungsgut, Visionen von gestern und ein paar vagen Gedanken zu einem neuen urbanen Zusammenleben." Andreas Rosenfelder erklärt den Film derweil in der Welt zu einem "Meisterwerk des Scheiterns und beantwortet einige selbstgestellte Fragen zu dem umstrittenen Werk.
Mariam Schaghaghi hat Coppola außerdem über den Film interviewt, ebenfalls für die FAS. Unter anderem plädiert der Regisseur dafür, hoffnungsvoller in unsere gemeinsame Zukunft zu blicken: "Wir können das Genom entschlüsseln, wir können DNA spalten und neu zusammensetzen, wir können ein Raumschiff den Mars fotografieren lassen. Welches Lebewesen sonst kann das? Nur wir. Warum sind wir dann nicht voller Freude und Vorfreude auf die Welt? Es gibt kein Problem, das wir nicht lösen könnten, wenn wir uns nur dafür einsetzten."
Robert Atzorn und Christine Buchegger in Ingmar Bergmans ZDF-Fernsehfilm "Aus dem Leben der Marionetten"
In die Film-, beziehungsweise Fernsehgeschichte zurück blickt derweil Maria Wiesner für die FAZ. Und zwar gräbt sie einen ZDF-Fernsehfilm aus dem Jahr 1980 aus, bei dem niemand geringeres als Ingmar Bergman Regie führte. "Aus dem Leben der Marionetten" erweist sich als ein schmerzhafter Film über die Unmöglichkeit der Liebe. Und schaut dabei fantastisch aus: "Bergmans langjähriger Kameramann Sven Nykvist, den der Regisseur für die Dreharbeiten in München aus Schweden einfliegen ließ, inszeniert das mit klug gesetzter Lichtführung. Harsch ausgeleuchtet hängen die Tränensäcke unter den Augen des Psychiaters, die sich bemühen, Betroffenheit zu heucheln. Zart zeichnet ein dunkler Pelzmantel eine Vignette um das Gesicht der Mutter; während sie tränenreich von den Kindheitsneurosen des Mörders berichtet, erzählt der Kragen von ihrer sozialen Herkunft. Und wenn schließlich Katarinas schwuler Kollege Tim von der Angst vor dem Älterwerden und seinen sexuellen Eskapaden berichtet, schaut er dabei nicht sie an, sondern betrachtet sein eigenes Gesicht im Spiegel."
Weitere Artikel: Bert Rebhandl portraitiert für den StandardDemi Moore, die derzeit mit dem Horrorfilm "The Substance" für Furore sorgt. In der FAZ ist Rebhandl mit einem weiteren Text vertreten, über die Verleihung einer Ehrendoktorwürde an Arnold Schwarzenegger, bei der Robert Habeck die Laudatio hielt.
Besprochen werden Aslı Özarslans "Ellbogen" (Standard), das Horrorfilm-Remake "Speak No Evil" (Standard), der Horrorfilm "The Substance" (SZ), Julia von Heinz' "Treasure - Familie ist ein fremdes Land" (taz), Laura Luchettis "Der schöne Sommer" (critic.de) und Yasemin Şamderelis "Samia" (Welt).
"Rosalie." Foto: Tresor Films. "Rosalie" ist eine Französin, die Ende des 19. Jahrhunderts mit einem übermäßigen Haarwuchs leben muss, der ihr einen Bart beschert und mit dem sie in Stéphanie di Giustos gleichnamigem Film zu einer vielfotografierten Besonderheit wird. Der Film behandelt ein hochaktuelles Thema, ohne aus seiner Zeit herauszufallen, befindet Esther Buss im Tagesspiegel: Er "tut gut daran, Rosalies Kampf nach Anerkennung keine gegenwärtigen Begriffe von Selbstermächtigung oder gar Geschlechterfluidität überzustülpen. Die Figuren können über den begrenzten Wissenshorizont ihrer Zeit nicht hinaussehen. Di Giusto legt dennoch Akzente - etwa auf die Bedeutung medialer (Selbst-)Bilder für die Identitätsbildung. Die mehrfachen Sessions mit dem Fotografen (Serge Bozon) nehmen einen wichtigen Raum ein, der Ton bleibt auch hier diskret. Denn auch wenn die Kamera Rosalie oft ganz nahe ist, nah auch an Haut und Haaren, gerät ihre physische Andersheit nie zum Schauwert."
Rosalie ist ein Faszinosum für die Bewohner ihres Dorfes und die Gäste im Lokal ihres Mannes, weiß Arabella Wintermayr in der taz: "Anfangs zumindest scheint ihr Ehemann der Einzige zu sein, der nicht von der Schönheit des Abweichenden in den Bann gezogen wird. Fast zu groß wirkt die Begeisterung, die ihr von der ländlichen Bevölkerung entgegenschlägt, beinah berauschend wiederum das Gefühl der Befreiung, das Rosalie erfährt, da sie sich plötzlich nicht mehr zu verstecken braucht. Die Probleme und auch der eigentliche Plot des Filmes beginnen damit aber erst. Mit psychologischer Präzision und einem durchweg herausragend aufspielenden Cast arbeitet Stéphanie Di Giusto heraus, wann die allgemeine Entzückung erneut in Feindseligkeit umschlägt - und tätigt dabei scharfsinnige Beobachtungen über das Begehren, das sich nun mal nicht gerne an eine enggefasste Sittenlehre hält."
HBO hat sich der Aufgabe angenommen, mit "The Penguin" einer Nebenfigur aus dem "Batman"-Kosmos eine achtteilige Serie zu widmen. Andreas Borcholte hat sie sich für den Spiegel angeschaut: "Für die Titelrolle ließ sich Schauspielstar Colin Farrell durch einen Fatsuit und viel Make-up in eine schmierige, narbengesichtige Menschenbestie verwandeln. Nur die ausdrucksstarken Augen verraten manchmal den Hollywoodbeau, der Rest ist eine körperlich anspruchsvolle Charakterdarstellung, die Farrell meisterhaft absolviert. Diese größte Leistung ist zugleich die größte Schwäche der Serie: Man hat sich ja bereits durch etwa sechs Staffeln 'Sopranos' und ähnliche Mafiaerzählungen gearbeitet - warum also noch eine weitere Saga konsumieren, die mit reichlich Gewaltexzess, Traumaanalyse und Intrigenspiel die Genese eines Gangsters vom Killer zum Kingpin beschreibt? (…) Originell wird 'The Penguin' erst durch eine so furiose wie fragile Gegenspielerin: Sofia Falcone, die Tochter des in 'The Batman' ermordeten Mafia-Familienoberhaupts, toll gespielt von Cristin Milioti, will ebenfalls an die Macht. Es ist, als würde 'Der Pate' aus Sicht der geprügelten Randfiguren Luca Brasi und Connie Corleone erzählt."
Weiteres: SZ, FAZ und NZZ gratulieren Filmdiva Sophia Loren zum Neunzigsten. Der Welt zufolge sind die Freiburger Tatort-Kommissare mit dem neuen Fall am Sonntag aus ihrer "Mid-Tatort-Krise" raus.
Besprochen werden: "The Substance" von Coralie Fargeat mit Demi Moore in der Hauptrolle (Zeit Online, Spiegel), "Die Fotografin", der das Leben von Lee Miller mit Kate Winslet in der Hauptrolle auf die Leinwand bringt (FAZ), Felix Maria Bühlers Doku "Bis hierhin und wie weiter?" (Taz) und die Apple TV-Serie "La Maison" (Taz).
Kate Winslet in Ellen Kuras' Biopic "Die Fotografin" Ganze acht Jahre hat Kate Winslet, die in Ellen Kuras' Biopic nicht nur die Fotografin Lee Miller spielt, sondern den Film auch produziert, für dessen Realisierung gekämpft, weiß Andreas Busche im Tagesspiegel. Aus dem Leben der Kriegsfotografin hätte man ohne Probleme auch eine Serie machen können, meint er: Früher Muse Man Rays, später berühmte Kriegsreporterin und Chronistin der Nazi-Verbrechen und schließlich völliges Verschwinden aus dem Fokus der Öffentlichkeit. Vielleicht wäre ein anderes Format für dieses turbulente Leben tatsächlich angemessener gewesen, überlegt der Kritiker, denn leider geht Kuras Film über ein "konventionelles Biopic" nicht hinaus. Ein bisschen Lob hat Busche aber trotzdem: "In ihren besten Momenten stürmt Winslet durch den Film; etwa als sie realisiert, dass die Vogue ihre Bilder aus Dachau nicht zu veröffentlichen beabsichtigt, weil die Welt - so die Herausgeber - lieber mit der Vergangenheit abschließen will. Auch wenn Miller die ausgemergelten Menschen in den KZ-Baracken entdeckt, findet Kuras einen pietätvollen Ton für das Unbeschreibliche."
Auch Daniel Kothenschulte ist in der FR ein bisschen enttäuscht, vor allem, weil die Fotografie als wichtigstes Medium in Millers Leben so wenig thematisiert wird: "Nur wenige Bilder sind tatsächlich zu sehen. Ihre Außenseiterrolle als Kriegsberichterstatterin nimmt breiten Raum ein, kaum aber das Besondere ihres Kamerablicks." Über jeden Zweifel erhaben ist für ihn allerdings Kate Winslets schauspielerische Leistung: "Auch wenn sie Lee Miller kaum ähnlich sieht, füllt sie diese Rolle überaus glaubhaft aus und bringt Selbstbewusstsein und Zerbrechlichkeit in eine seltene Balance." Ähnlich sieht es in der SZ Susan Vahabzadeh. In der Arte-Mediathek kann man derzeit noch eine Doku über Miller sehen.
Weiteres Im taz-Interview unterhält sich Regisseurin Ruth Beckermann mit Thomas Abeltshauser über ihre Dokumentation "Favoriten" (unser Resümee). In der SZ denkt Moritz Baumstieger darüber nach, wie "filmreife" Geheimdienstoperationen, wie der Pager-Coup im Libanon, in der Vergangenheit Filmemacher inspirierten. Besprochen werden Coralie Fargeats "The Substance" (Zeit, taz) und James Watkins "Speak No Evil" (SZ).
Favoriten - Regie: Ruth Beckermann Mit Ruth Beckermanns "Favoriten" startet ein vielbeachteter Dokumentarfilm in den deutschen Kinos. Die Langzeitstudie begleitet in einer Schule eines sogenannten "Problembezirks" im titelgebenden Wiener Stadtteil Favoriten Schüler und eine Lehrerin über mehrere Jahre hinweg. Patrick Holzapfel wird im Perlentaucher nicht ganz glücklich mit einem Film, der kindliches Leben an gesellschaftlich relevanten Diskursen abgleicht: "Alles ist pointiert und das eigentlich Unverdauliche wird allzu beiläufig ins Mundgerechte verpflanzt. Wenn es schmerzt, wechselt der Film die Fronten. Aufgrund der extremen Verdichtung der Ereignisse bekommt man das Gefühl eines Durchrauschens, eines Highlightreels. Wenn die Kinder etwas Lustiges gesagt haben, ist es im Film gelandet, so der Eindruck." Siehe zum Film auch Bert Rebhandl im Standard und Anne Küper auf critic.de.
Weitere Artikel: Fabian Tietke blickt in der taz Berlin auf das Programm der Dokumentarfilmtage Let's Dok, eine bundesweite Initiative, die nun auch in Berlin und Brandenburg zu Gast ist. Arnold Schwarzenegger wird in Berlin die Ehrendoktorwürde verliehen, teilt uns David Steinitz in der SZ mit.
Besprochen werden die Disney+-Serie "The Bear" (SZ), Coralie Fargeats "The Substance" (FAZ), Ellen Kuras' "Die Fotografin" mit Kate Winslet (taz) sowie Katharina Köster und Katrin Nemecs "Jenseits von Schuld" (taz Nord).
"Russians at War": Der Feind sitzt im Kreml Bert Rebhandl resümiert in der FAZ das Toronto International Film Festival, wo er mit "Konklave" (nach dem gleichnamigen Vatikanthriller von Robert Harris) auch den neuen Film von EdwardBerger sehen konnte. Der deutsche Oscarpreisträger erweist sich darin erneut "als kompetenter Handwerker, der die Traditionen des alten Hollywood in die Ära der Streaming-Plattformen überführt". Interessanter sind allerdings die Turbulenzen am Rande des Festivalgeschehens, wo ukrainischerProtest die Vorführung von AnastasiaTrofimowas (bereits in Venedig kontrovers diskutierter) Dokumentarfilm "Russians at War" erfolgreich verhindern konnte. Zwar stimme es, dass der Film alleine von russischen Soldaten im Frontgeschehen handelt, doch sei er "deutlich als ein Antikriegsfilm lesbar. Trofimowa zeigt, dass die Russen, die in der Ukraine verheizt werden, in erster Linie aus finanziellen Motiven dort sind, dass sie, nachdem sie ihre Verträge abgedient haben, unbesoldet weiterkämpfen müssen. Sie zeigt, wie sich die Propaganda niederschlägt, wie aber auch Zynismus und Alkohol alles prägt. ... Eines lässt sich über 'Russians at War' doch deutlich sagen: Wenn es für die russischen Kämpfer einen Feind gibt, dann ist es der Mann im Kreml."
Der Preis der Jugendlichkeit: "The Substance" mit Demi Moore Coralie Fargeats zweiter Film "The Substance" hat Tagesspiegel-Kritiker Andreas Busche durchaus beeindruckt: DemiMoore spielt hier eine Schauspielerin, die mit über 50 aussortiert wird - und zu waghalsigen Jugendexperimenten greift. "Moore hat ihren Körper stets als ihr größtes Kapital eingesetzt" und nun, mit 61, "stellt sie ihren Körper ... noch einmal in seiner ganzenVerletzlichkeit aus." Zwar denkt Busche mitunter an Cronenberg erinnernde Film "ein Kino der Oberflächenreize in der Tradition des Cinéma du look um die machistischen Kultregisseure Luc Besson und Jean-Jacques Beineix. Auch Fargeat reproduziert in grell und konturlos ausgeleuchteten Bildern schamlos die Schaulust des Publikums auf die entblößten Körper ihrer Hauptdarstellerinnen. ... Umso berührender wirkt dagegen Moores fragile Nacktheit."
Weiteres: In der tazempfiehlt Silvia Hallensleben das Festival "Archival Assembly #3" im Berliner Soilent Green, bei dem beim Ausmisten im KinoArsenel entdeckte Fundstücke präsentiert werden. Elisabeth von Thadden plaudert für ZeitOnline mit LarsJessen über dessen neuen Film "Micha denkt groß". Matthias Kalle resümiert auf ZeitOnline die Emmy-Verleihung. Besprochen wird die Netflix-Serie "The Perfect Couple" mit NicoleKidman (Presse).
Hat Instrinkte, denen man vertraut: Sylvester Stallone in "Tulsa King" (Paramount) Knautschgesicht SylvesterStallone als New Yorker Mafioso, der sich nach 25 Jahren Knast im amerikanischen Hinterland ein neues Imperium aufbaut: Die Paramount-Serie "Tulsa King" hatte in ihrer ersten Staffel zwar durchaus Schauwerte, schreibt Nina Rehfeld in der FAZ: etwa wenn "Stallone mit so viel selbstverständlichem Charme (und in tadellosen Maßanzügen) durch die Sets schlendert". Aber es gibt auch Schwächen: "Wiewohl Stallone sein komisches Talent locker ausspielt, ruckelte der Tonfall der Serie zu oft plump zwischen blutigem Mafiathriller und beschwingter Kleinstadtkomödie hin und her", wohl auch weil die Macher "sich nicht trauten, Stallones komödiantische Kapazitäten ohne haufenweise Action Raum zu geben." Das ändert sich nun in den ersten Folgen der zweiten Staffel, die ganz "den Instinkten ihres Stars vertraut" (der, nebenbei bemerkt, durchaus berüchtigt dafür ist, Produktionen an sich zu reißen).
Weiteres: Silke Wichert fragt sich im Tagesanzeiger, warum BrigitteMacron sich wohl für einen Cameo-Auftritt in der Serie "Emily in Paris" hergegeben hat. Im Filmdiensterinnert Leo Geisler an KathrynBigelows Heist-Movie "Gefährliche Brandung" von 1991. Besprochen wird JuliavonHeinz' "Treasure" mit LenaDunham und StephenFry (online nachereicht von der FAZ).
CaptionAuf critic.deerinnert Kamil Moll an die schwulen Pornoklassiker, die JackDeveau in den Siebzigern auf Fire Island vor den Stadtgrenzen New Yorks - eine damals in der Szene einschlägig bekannte Cruising Area - gedreht hat. Einer von den drei Filmen - "Fire Island Fever" - läuft morgen Abend in Berlin von einer analogen Kinokopie im Filmrauschpalast. "Deveaus drei Fire-Island-Filme kartografieren so etwas wie eine soziale Geografie der Insel." Zwar zeigt "Fire Island Fever" am wenigsten Sex von allen dreien, aber "er ist von einer sonnendurchfluteten Selbstgenügsamkeit und Lässigkeit, bei der die sich selbst erprobenden Siebziger zuletzt glückselig angekommen waren - ein Zustand, von dem wir Zuschauer von heute wissen, dass er nicht weit in die nächste Dekade hineinreichen sollte."
Weiteres: Michael Ranze verneigt sich im Filmdienst vor der Schauspielerin JacquelineBisset, die gestern 80 Jahre alt geworden ist. Elena Oberholzer geht in der NZZ dem Erfolg der Serie "Shogun" auf den Grund. Tim Caspar Boehme berichtet in der taz von einem Abend im Berliner Kino Arsenal zu Ehren von OleksandrDowschenkos Stummfilm-Klassiker "Arsenal", der vor ausverkauftem Saal und einem mehrheitlich jungen Publikum gezeigt wurde. Francis Ford Coppola wehrt sich juristisch gegen die Behauptungen des Branchenmagazins Variety, er habe beim Dreh seines aktuellen Films "Megalopolis" Komparsinnen unangemessen behandelt, berichtet David Steinitz in der SZ.
Besprochen werden FarahnazSharifis iranischer Essayfilm "My Stolen Planet" (SZ, unsere Kritik), FabianStumms "Sad Jokes" (online nachgereicht von der FAZ), eine Pasolini-Ausstellung im NBK in Berlin (taz) und die auf Disney+ gezeigte Dokuserie "In Vogue: The 90s" über AnnaWintour und die Geschichte der Vogue (Zeit Online).
In Indien mosern die Hindunationalisten über die Netflix-Serie "IC 814" über eine Flugzeugentführung in Indien im Jahr 1999, berichtet Natalie Mayroth in der taz. Dennis Vetter (critic.de) und Rüdiger Suchsland (Artechock) resümieren das FilmfestivalVenedig. Ebenfalls auf Artechockblickt Janick Noltin derweil auf in Venedig gezeigte Filme, die die TriebhaftigkeitdesMenschen fokussieren. Rüdiger Suchsland freut sich auf Artechock, dass das FilmfestOldenburgDominikGraf mit einer Retrospektive würdigt. Auf Artechockgratuliert Dunja Bialas dem Verein "FilmstadtMünchen", in dem sich 16 Filmfestivals der Stadt zusammengeschlossen haben, zum 40-jährigen Bestehen. In der FAZgratuliert Andreas Kilb der Schauspielerin JacquelineBisset zum 80. Geburtstag. Marius Nobach schreibt im Filmdienst zum Tod von JamesEarlJones (weitere Nachrufe hier).
Besprochen werden DKWelchmans und HughWelchmans "Das Flüstern der Felder" (FAZ, Artechock), AlbertSerras Ausstellung "Liberté" im Eye Filmmuseum in Amsterdam (Artechock), DorisMetz' Dokumentarfilm "Act Now" über PetraKelly (Tsp, ZeitOnline, Artechock), Julia von Heinz' "Treasure" (Artechock, critic.de), Tim Burtons "Beetlejuice Beetlejuice" (Artechock, Welt, SZ, unsere Kritik), VukLungulov-Klotz' "Mutt" (Standard), RupertSaunders' Remake von "The Crow" (Standard), Annika Appelins "Immer wieder Dienstag" (Artechock) und die Netflix-Krankenhausserie "Atemlos" (Freitag).
Persönlich und kollektiv: Tanzende Iranerinnen in "My Stolen Planet" FarahnazSharifis Essayfilm "My Stolen Planet" sammelt Archivaufnahmen von tanzenden Frauen im Iran, mitunter auch aus der Zeit, bevor die Mullahs die Frauen dort - gegen ihren erheblichen Protest - unter den Hijab gezwungen haben. Es sind "Bilder, die nicht mehr zu vergessen sind", schreibt Stefanie Diekmann im Perlentaucher. Die Filmemacherin hat all die Archiv- und zum Teil auch eigenen Aufnahmen "zu einer Erzählung montiert, die zugleich eine persönliche und eine kollektive ist. ... Die Situation, die sich aus der gewaltvollen Unterdrückung ergibt, ist paradox. Was in der Geschichte des westlichen Feminismus als ein zentraler Schauplatz der Repression figuriert: der Innenraum, das häusliche Umfeld, ist in der Geschichte, die 'My Stolen Planet' erzählt, jener Ort, an dem der Hijab abgelegt und das Haar frisiert werden kann, wo Partys gefeiert werden (einige sehen ziemlich wild aus), wo getanzt, gelacht, gesungen, gefilmt und wie selbstverständlich eine Praxis der weiblichen Solidarität gestaltet wird. Der Außenraum hingegen ist der Raum der Restriktion" und "auch: ein Umfeld, in dem das Filmen für manche mit dem Tod endet, wenn die Person hinter der Kamera ins Visier der Polizei oder der Scharfschützen gerät."
Im Freitagschreibt Silvia Bahl über den Film: "Neue Möglichkeiten, eine Beziehung zu sich und zur Welt zu entwickeln, ergeben sich für sie durch das Aufzeichnen und Archivieren von Bildern. Fotografien aus der Zeit vor der Revolution werden zu wichtigen Fixpunkten der Erinnerung an eine andere Lebensrealität, Porträts von ermordeten Regimegegnerinnen ermöglichen ein kontinuierliches Denken des Widerstands. ... In Sharifis Film gibt es Momente, in denen die Deformation des aufgefundenen Materials den Einstieg in ein Changieren zwischen Fremdheit und Vertrautheit, Ruinen des Vergangenen und schwachemVersprechen einer Zukunft ermöglichen."
Hübsch aus der Zeit gefallen: Winona Ryder und Michael Keaton in "Beetlejuice, Beetlejuice" Rajko Buchardt hat im Perlentaucher viel Freude an TimBurtons "reichlich verspäteter und angenehm unnötiger Fortsetzung" zu seinem 80s-Komödienhorrorklassiker "Beetlejuice", mit dem sich Burton aus dem Plastik-Blockbuster-Moloch, in dem er die letzten Jahre versunken war, quasi handgemacht wieder herausholt. "Die spielerische Sorglosigkeit, in der Burton und seine langjährigen Weggefährten vor der Kamera aufgehen (sogar Danny DeVito schaut für einen Kurzauftritt vorbei), kommt nicht nur dem anarchischenHumor und der hübsch aus der Zeit gefallenen Genreästhetik zugute - die Fülle an hemmungslosem Slapstick, albernen Zoten und garstigenPuppentricks kann durchaus mit dem Original mithalten. Sondern sie ist auch als Heimkehr im programmatischen Sinne zu verstehen, als feuere der seinerseits etwas untote, sich häufig nur noch selbst verwaltende Burton-Stil einen Moment lang die eigene Wiederauferstehung." Weitere Kritiken in FR, Standard, taz und SZ.
Weitere Artikel: Andreas Scheiner spricht in der NZZ mit AnastasiaTrofimowa, der beim FilmfestivalVenedig vorgeworfen wurde, mit ihrem Dokumentarfilm "Russians at War" ein zu einseitiges Bild vom Krieg in der Ukraine zu zeichnen. Katja Nicodemus spricht in der Zeit mit KateWinslet, die in "Die Fotografien" die Kriegsreporterin LeeMiller spielt.
Besprochen werden Julia von Heinz' Post-Auschwitz-Roadmovie "Treasure" mit LenaDunham und StephenFry (Zeit Online, Welt, Standard), DorisMetz' Dokumentarfilm "Act Now" über PetraKelly (FR), DominicSavages Trans-Drama "Close to You" (TA), Maria Fredrikssons Dokumentarfilm "Das Gullspång Geheimnis" (taz) und RupertSanders' Remake von "The Crow" (Presse). Außerdem verweisen SZ und Filmdienst auf die Filmstarts der Woche.
James Earl Jones im Jahr 2010 (Bild: Stuart Crawford, CC BY 2.0)Die Filmkritiker trauern um JamesEarlJones, der als die markante Stimme von Darth Vader (aus "Star Wars") und Mufasa (aus "König der Löwen") gleich zwei Generationen von Filmfans geprägt hat (und nebenbei auch den Slogan "This is CNN" für den Nachrichtensender einsprach). Aber auch als ganz leiblicher Schauspieler schlüpfte er mit Vorliebe in Vaterrrollen und mindestens einmal auch in verquer-bösartige. Wie etwa in "Conan, der Barbar", schreibt Dietmar Dath in der FAZ, wo "James Earl Jones als menschliche Riesenschlange Thulsa Doom den Bizepsbären Arnold Schwarzenegger an den Rand des finsteren Abgrunds seiner Herkunft lockt."
"Unabhängig von seinem majestätischenBariton war Jones mit fast 1,90 Meter Größe auch äußerlich eine eindrucksvolle Erscheinung", schreibt Andreas Busche im Tagesspiegel. "Auf dem Broadway feierte er seine größten Erfolge als größenwahnsinniger King Lear, als Othello und Macbeth, als pompöser Big Daddy in Tennessee Williams' 'Die Katze auf dem heißen Blechdach'; aber auch in den Stücken des Dramatikers August Wilson, der die afroamerikanische Erfahrung aus der Perspektive der schwarzen Arbeiterklasse einfing." Auch André Boß würdigt auf Zeit Online Jones' Verdienste und Anfänge im Theater: Mit dem Broadway-Stück "Die große, weiße Hoffnung" gelang ihm der große Durchbruch. "Jones spielt einen oft genug verzweifelten Kämpfer - gegen die Gegner im Ring. Gegen den Rassismus. Jones' Bühnenpräsenz war unvergleichlich, körperlichwiestimmlich. Und weil er sich beim Schauspiel selbst nicht anstrengen musste, konnte er die ganze Energie in die Gefühle der Figuren legen. Er litt mit ihnen. ... Die Verfilmung kam 1970 ins Kino, Jones wurde für als bester Schauspieler für den Oscar nominiert, nach Sidney Poitier als zweiter Schwarzer Darsteller in dieser Kategorie."
Mit einem Longread im Filmdienstwürdigt Claus Löser den tschechischen Surrealisten und Avantgarde-Animationsfilmer JanŠvankmajer, der vor wenigen Tagen 90 Jahre alt geworden ist und bis heute "als sehr lebendiges Sinnbild für artistischen und politischen Widerstandsgeist steht. ... An einer bloßen Abbildung der Wirklichkeit war er nie interessiert. Auch als er nach dem Kollaps des Realsozialismus endlich frei arbeiten konnte und fortan nur noch abendfüllende Filme drehte, erzählte er keine Geschichten mit klassischen Plots. Er war immer an einer Verwandlung des Vorhandenen interessiert, an Prozessen, die über das Sichtbare hinausweisen. Die Kamera sowie der Trick- und Schneidetisch sind ihm Vorrichtungen, mit denen Metamorphosen eingeleitet werden können. Mit ihrer Hilfe durchdringt er den Firnis des Sichtbaren."
Besprochen werden JuliavonHeinz' Holocaust-Überlebenden-Roadmovie "Treasure" nach dem Roman "Zu viele Männer" von LilyBrett ("Angesichts der Aktualität von Antisemitismus und rechten Strömungen ... eine vertane Chance", seufzt Gunda Bartels im Tagesspiegel), DorisMetz' Dokumentarfilm "Act Now" über die 1992 verstorbene Grünen-Mitbegründerin PetraKelly (FAZ, epd), Rupert Sanders' Remake von "The Crow" (taz), GabrieleHochleitners Familien-Dokumentarfilm "Trog" (FAZ) und LaurensPérols Tramperfilm "Üben, Üben, Üben" (SZ, FD, Kinozeit).