Szene aus "Mephisto". Bild: Armin Smailovic Einen "erschreckend aktuellen" Abend erlebttaz-Kritikerin Sabine Leucht an den Münchner Kammerspielen, wo Jette Steckel Klaus Manns "Mephisto" inszeniert hat und die Frage nach der Verantwortung von Kunst stellt. Vor allem Thomas Schmauser als Höfgen beeindruckt sie: "Er tastet ihn von innen ab, sucht nach den Selbstzweifeln und Brüchen im Künstler-Ego. So sieht man diesen Höfgen sich lust- und fast liebevoll von seiner 'Schwarzen Venus' Juliett - hier ein prächtiger Julien -, erniedrigen lassen und wie einen Hund heulen, wenn er seinen kommunistischen Freund nicht retten kann." In der SZ läuft es Egbert Tholl kalt den Rücken runter, auch wenn er den Abend zunächst "beflissen" findet. Er werde aber zum "Fanal", wenn Edmund Telgenkämper als Göring dem Star aus der Provinz erklärt: "Man müsse 'ein geistiges Zollsystem schaffen', damit die deutsche Kunst nicht länger vergiftet werde. Und: 'Die Aufgabe des deutschen Theaters war von Beginn an Vermittlung deutscher Nationalität.' Kunst, die nur existieren könne, wenn sie Subvention erhalte, 'lohnt nicht der Förderung'. Die beiden Sätze stammen aus dem 'Kulturprogramm' der AfD, hier wirken sie wie eine logische Weiterführung dessen, was ohnehin in Manns heller Analyse steht."
Szene aus "Frauen der Revolutionsstraße". Bild: Behrouz Badruj Der iranische Regisseur Ayat Najafi war während der Massenproteste 2022 in Teheran und gab dort Untergrundtheater-Workshops, weiß Katja Kollmann in der taz. Drei der Teilnehmerinnen sind nun in seinem Stück "Frauen der Revolutionsstraße", das derzeit im Berliner Ballhaus Ost läuft, im Video zu sehen: "Sie stehen vor einem Fenster mit weißen Gardinen, haben Vogelschnäbel über die Nasen gestülpt und denken laut über eine inhaftierte iranische Theaterregisseurin nach, die ihr Kind in Deutschland in Sicherheit brachte."
Weitere Artikel: Arno Widmann erinnert in der FR an die Eröffnung des von Andrea Palladio entworfenen Teatro Olimpico in Vicenza vor 440 Jahren. Der Choreograf Boris Charmatz schmeißt beim Tanztheater Wuppertal Pina Bausch schon wieder hin, meldet Sylvia Staude ebenfalls in der FR.
Besprochen werden außerdem Edward Clugs Inszenierung von Shakespeares "Sommernachtstraum" in der Berliner Staatsoper (Welt), das Stück "(un)leashed" des Physical Theatre am Stadttheater Gießen (FR), Dušan David Pařízeks Inszenierung von Brechts "Die heilige Johanna der Schlachthöfe" (Tagesspiegel, taz), Sidi Larbi Cherkaouis Choreografien "Fall" und "Orbo Novo" am Landestheater Linz (Standard), Sarah Berthiaumes Stück "Wollstonecraft" am Theater Freiburg (taz), Wajdi Mouawads Inszenierung der Debussy-Oper "Pelléas et Mélisande" an der Pariser Nationaloper (FAZ), Johan Simons' Inszenierung von Alfred Jarrys "Ubu" am Thalia Theater Hamburg (FAZ), Jan Bosses Inszenierung von Ayad Akhtars "Der Fall McNeal" am Wiener Burgtheater (nachtkritik), Helge Schmidts Inszenierung von Maria Ursprungs "Halluzinationen" am Zürcher Schauspielhaus (NZZ, nachtkritik) und Swantje Lena Kleffs Inszenierung von Shakespeares "Was ihr wollt" am Nationaltheater Weimar (nachtkritik).
Stefanie Reinsperger in Brechts "Die heilige Johanna der Schlachthöfe" am BE. Foto: Birgit Hupfeld
Weltwirtschaftskrise und Stefanie Reinsperger? Yes, please! Die Kritiker flogen geradezu ins Berliner Ensemble, zu Dušan David Pařízeks Inszenierung von Brechts "Die heilige Johanna der Schlachthöfe"- mit Stefanie Reinsperger in der Rolle der Großkapitalistin Mauler, Kathleen Morgeneyer als Idealistin Johanna Dark und Amelie Willberg als Fleischunternehmer Lennox. "Ein kluger Abend", lobt Jakob Hayner in der Welt, denn er hat etwas gelernt: "Johanna ist zwar die Titelfigur des Stücks, der eigentliche Held ist aber Mauler. Das Erstaunliche ist, dass der Bühnenbolschewist Brecht dieser Figur eine Tiefe gibt, die an einen Richard III. erinnert, während das Volk und die Arbeiter fast nur im Hintergrund vorkommen. Empowerment sieht anders aus. ... Erstaunlich ist außerdem, wie gut Brecht mit der libertären Kultautorin Ayn Rand zusammenpasst, die Pařízek als Pausenfüller in die Spielfassung eingefügt hat und somit Reinsperger ein weiteres unvergessliches Solo beschert. In einem Auszug aus 'Atlas Shrugged' geht es im Geiste von Nietzsches Übermensch gegen die Sklavenmoral der 'Welt von Nullanbetern'. Durch den Schuss Ayn Rand bekommt der Klassiker Brecht etwas neue Frische."
Politisch mag das Stück heute etwas simpel anmuten, aber Brechts Sprachmusik, die bei den Kapitalisten "das Pathos der deutschen Klassik, die Sprachkraft der Bibel und den Erbauungssermon des Gesangsbuchs parodiert und lustvoll auskostet", macht es immer noch interessant, findet SZ-Kritiker Peter Laudenbach. Dass die verzweifelt an das Gute im Menschen glaubende Johanna am Ende an einer Lungenentzündung stirbt, sei als Kontrast gewissermaßen folgerichtig: "Merke: Das kommt davon, wenn man den Ausweg in Moralappellen und Herzensgüte statt in der stramm kommunistischen Revolution sucht. ... Fressen und gefressen werden - der Abend ist definitiv nichts für Freunde veganen Theaters. Was in Zeiten blutleerer Bühnenkünste ein ebenso rares wie abgründiges Vergnügen ist."
FAZ-Kritiker Simon Strauß hat Brechts "propagandistische Parodie" nicht mehr viel zu bieten - "Statt nach einer Seele wird hier nur noch nach dem Klassenstandpunkt gesucht" - aber die Inszenierung versucht wenigstens was, "den Spagat zwischen ernsthafter Textwiedergabe und sarkastischer Verfremdung. Dass dieser Spagat ihr wirklich gelingt, kann man nicht sagen. Aber wie sie ihn immer wieder versucht, das anzuschauen, lohnt sich - allein schon wegen der dafür in Szene gesetzten Schauspielkunst." Gründlich gelangweilt hat sich hingegen nachtkritikerin Elena Philipp: "Massive Textberge türmen sich, trotz Kürzungen, und das (welt)politische Anliegen geht in Aufmerksamkeitssenken verschütt - alles wird gesagt, das wenigste ausagiert."
Besprochen werden außerdem "Es wär so schade wenn du das verpasst" von Jetse Batelaan und Ensemble am Theater Basel (nachtkritik) und Johan Simons Inszenierung von Jarrys "Ubu" am Thalia Theater in Hamburg (nachtkritik).
"Ab in den Ring!" Foto: Thomas Aurin. "Operette als Sinnbild walzerseliger Piefigkeit" war gestern, das Theaterkollektiv tutti d*amore räumt mit "Ab in den Ring!" an der Deutschen Oper Berlin mit Klischees und Altbekanntem auf: Mit Regisseurin Anna Weber wird das "bildungsbürgerliche Wagner-Erbe seziert, um es als gut gelaunten Klamauk zu servieren", freut sich Tazlerin Anna Schors. Das Kollektiv hat Spaß an der Zerstörung: "Die Abrissbirne zerschmettert das Bühnenbild. Aus den Trümmern, die an Reste einer mittelalterlichen Burg gemahnen, taucht ein Tenor in Korsage auf. Siegfried, Held der Nibelungen, umfasst eine blondbezopfte Schöne und besingt ihre strohige Perücke. Wenig später wird der zarte Moment durch eine Rapperin unterbrochen: 'Habt ihr euch schon mal selbst im Spiegel angeschaut? Da bröckeln die Jahrhunderte wie Staub auf eurer Haut!'."
Besprochen werden: "Modern Mermates" von Simone Saftig am Theater Kiel, inszeniert von Johannes Ender (Taz), Brechts "Die heilige Johanna der Schlachthöfe" in der Inszenierung von Dusan David Parizek am Berliner Ensemble (Nachtkritik) und "Sei umschlungen, Millionen!" im Wiener Reaktor, die Choreografie Chris Harings, wird vom Tanzensemble Liquid Loft und Phace performt (Standard).
Weitere Artikel: Im Tagesspiegel porträtiert Patrick Wildermann den 2005 aus dem Iran nach Berlin geflohenen Film- und Theaterregisseur Ayat Najafi, dessen Stück "Frauen der Revolutionsstraße" heute abend am Berliner Ballhaus Ost Premiere feiert. In der NZZ verabschiedet Marion Ackermann Clownin Gardi Hutter, die mit ihrer Figur Hanna auf eine letzte Tournee geht. Auf Backstageclassicallässt sich Axel Brüggemann von Stefan Herheim, Lotte de Beer und Bogdan Roščić erklären, wie sie an drei Wiener Opernhäusern Oper neu denken. Besprochen wird Adriana Altaras' Inszenierung von Jean-Philippe Rameaus "Castor et Pollux" am Staatstheater Meiningen (VAN).
Auf nmzist Juan Martin Koch ziemlich mitgenommen, aber überzeugt: "In der erschütterndsten Szene reicht eine Mutter beim Gefängnisbesuch einen Kuchen für ihren Sohn durch eine Luke nach hinten. Was sie zurückbekommt, ist die Urne mit dessen sterblichen Überresten. Er habe sich in seiner Zelle erhängt, heißt es. Doch der Titel, der auch hier zu Beginn der Szene eingeblendet wird, verrät, worum es wirklich geht: 'Schießbefehl'. Der anschließende Epilog wird - wie von Dramaturg Ronny Scholz im Vorgespräch treffend charakterisiert - zum instrumentalen Requiem für die Mauertoten, deren Sterbedaten projiziert werden."
Außerdem: Katrin Ullmann porträtiert die Theaterregisseurin Luise Voigt auf nachtkritik. Ronald Pohl blickt im Standard auf das Programm des diesjährigen Neustädter Wortwiege-Fests, das dem Theater und der Literatur gewidmet ist.
Besprochen werden "Brasch - Das Alte geht nicht und das Neue auch nicht" von Lena Brasch am Gorki Theater Berlin (NZZ, "spielt klug mit all diesen Widersprüchen, die den Menschen und Dichter Thomas Brasch ausmachten"), eine Revue mit Berlin-Liedern am Berliner Renaissance-Theater (FAZ, "bisschen Musical, bisschen Bauchpinselei, bisschen Klischee-Bulettenschlacht"), Laura Wehlings Inszenierung von "König Ubu" am Hamburger Klabauter Theater (taz, "Freude am Experiment und am Spiel mit der Absurdität") und Gisle Kverndokks Musiktheaterstück "Briefe an Ruth" an der Wiener Kammeroper (Standard, "elegische Balladen, muntere Jazznummern und auch Zuspitzungen dissonanter Art").
Szene aus "Ein Sommernachtstraum" am Berliner Staatsballett. So ganz verzaubern kann Choreograf Edvard ClugFAZ-Kritikerin Wiebke Hüster nicht mit seiner Inszenierung von Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" am Berliner Staatsballett. Statt im magischen Wald, umgeben von Mosen und Farnen, beginnt Clug gemäß der literarischen Vorlage mit dem Herrscherpaar Theseus und Hippolyta - am Strand: "Clug legt Hippolyta im Badeanzug auf den großen, realistischen, später als Steg verwendeten, drehbaren, keilförmigen Felsen. Hinter ihr schließt die riesige Bühne mit einer halbrunden, steingrauen hohen Wand ab. Geht in dieser Wand eine vom Felsen aus zu erreichende Tür auf, fällt der Blick auf üppiges Grün - die Idee des Walds wird damit doch auf die Tanzbühne geholt. Es ist ein cleveres Bühnenbild, leer und von modern-abstrakter Tristesse. Theseus, in weißen Beintrikots und goldenem Brustharnisch, auf dem Surfbrett hereingezogen wie auf einem Streitwagen steuert aber erst einmal Athens Strand an." Der Wald fehlt ein bisschen, dafür sind hier viele Details gelungen, beschwichtigt Hüster, und die non-binäre Tänzerin Leroy Mokgatle als Puk ist außerdem ein Wucht.
Weiteres: Peter Laudenbach berichtet in der SZ über das Rambazamba-Theater in Berlin, bei dem Menschen mit Behinderungen mitspielen und das mit den Berliner Sparplänen zu kämpfen hat. Besprochen werden Birgit Kajtna-Wönigs Inszenierung von Mozarts Oper "Mitridate, re di Ponto" an der Hamburger Staatsoper (FAZ), Martin Laberenz Inszenierung von Tolstois "Krieg und Frieden" am Darmstädter Staatstheater (FR), Gernot Grünwalds Inszenierung von des Stücks "Kriegsspiele" am Düsseldorfer Schauspielhaus (taz), die performative Installation "Backyard" von Laura Uribe und Sabina Aldana Hof am Gorki Theater (taz).
In Karlsruhe beginnen die Händel-Festspiele am Staatstheater mit Händels Oper "Rinaldo" in der Fassung von 1731, inszeniert von Hinrich Horstkotte: "Selbst für eine Barockoper ist der Krieg zwischen Kreuzrittern und Sarazenen ausgesprochen kriegerisch, und es fällt in diesen Tagen besonders schwer, Menschenraub und Zerstörung als probaten Katalysator für Verzweiflungsarien hinzunehmen", hältFR-Kritikerin Judith von Sternburg fest. Die "immens kluge Lesart", die Horstkotte wählt, macht das aber für sie wett: "Es zeigt sich nämlich, dass Zauberin Armida, die ihren ersten Auftritt in einer goldenen Kuppel effektvoll in Szene setzt, die sich wie eine Apfelsine öffnet, ihr Reich im Theater eingerichtet hat. Das Meer vor ihrer Insel eine Parkettbestuhlung, bald wogend. Höchst theatralisch die Entführung mittels Flugwolke. Das Gegenmittel: ein Dirigierstab."
Thomas Braschs Nichte Lena Brasch hat Texte ihres Onkels für das Gorki-Theater zu einer "hinreißenden Theaterhommage" zusammengestellt, lobt Peter Laudenbach in der SZ. Er sieht in den Texten des 2001 verstorbenen Dichters großen Aktualitätsbezug: "Die anstrengende Pose, mit der sich Brasch zum Klassiker stilisiert, ist wie weggeblasen. Spröde Gedichtzeilen ('wie viele sind wir eigentlich noch') wirken wie eine Flaschenpost eines fernen Freundes. Weil in Braschs Werk die Gewaltgeschichte Deutschlands sehr präsent ist, wird eine Traumaufzeichnung zum Bericht heutiger Schrecken: 'Ein Mann ohne Kopf und voller Wunden schreit, der Krieg fängt an.'" In der FAZ schreibt Simon Strauß: "Da saßen sie, die versammelten Freunde des hippen Geschmacks, auf Bänken ohne Lehne und hörten zu, wie Braschs alte herzangeberische Gedichtzeilen von Jasna Fritzi Bauer gesungen wurden. Hörten zu und dachten sich ihren Teil dagegen. Spürten, dass die Zeit der Zeilen schon lang abgelaufen war. Dass sich aber ihre Empfindungen über die Sprache von damals hinweg gehalten hatten: die Hoffnung auf einen Zufall, der von der Einsamkeit befreit."
Super Kostüme, aber warum hat Regisseurin Lydia Bunk Goethes "Faust" derart zusammengekürzt, fragt sichNachtkritikerin Marlene Drexler angesichts von Bunks Inszenierung am Landestheater Eisenach: "Der Eisenacher Faust entfernt sich weit, sehr weit von Goethes Original. Das ist allem Anschein nach auch so gewollt. Kein Wunder, dass der Abend daher etappenweise nur noch wie eine Faust-Attrappe wirkt. Ganz offensichtlich hatte Regisseurin Lydia Bunk weder den Anspruch, dem Original genüge zu tun, noch das Interesse politische Dimensionen aufzumachen."
Besprochen werden außerdem "Mord im Regionalexpress" von Milan Peschel am Rambazamba Theater in Berlin (Nachtkritik), Martin Laberenz' Adaption von Tolstois Epos "Krieg und Frieden" am Staatstheater Darmstadt (Nachtkritik), Dietmar Daths "Deine Arbeit hasst dich, weil sie dich nicht braucht", inszeniert von André Bücker am Staatstheater Augsburg im Rahmen des Brechtfestivals (Nachtkritik, SZ), ebenfalls auf dem Brechtfestival "Importbräute - Mein Schleier, das Henna und ihre Tränen" von Dorothea Schroeder und Merve Kayikci am Staatstheater Augsburg (SZ), die "Italo-Disco-Oper" "Romeo und Julia", die Bonn Park und Ben Roessler nach Shakespeare geschrieben haben, am Schauspielhaus Zürich (Nachtkritik, NZZ), Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" in der Choreografie von Edward Clug am Staatsballett Berlin (Tagesspiegel), Thomas Deprycks "Unter Euch" in der Inszenierung von Suzanne Emond am Theater Heidelberg (Taz) sowie Bellinis "Norma" am Theater an der Wien, inszeniert von Vasily Barkhatov, und an der Wiener Staatsoper, wo Cyril Teste Regie führt (FAZ).
Im FAZ-Gespräch mit Max Nyffeler erklärt Peter Gelb, seit knapp 20 Jahren Intendant der Metropolitan Opera New York, wie er die Oper, die sich nach der Pandemie nie wieder ganz saniert hat, weiter stabilisieren will: "Was ich nie verstanden habe, ist die Haltung vieler Kritiker, die meinen, Oper sei für sie gemacht. Nein, die Oper soll für möglichst viele Menschen da sein."
Besprochen werden Joana Tischkaus Choreografie "Ich nehm dir alles weg - Ein Schlagerballett" im Frankfurter Mousonturm (FR), Edward Clugs Choreografie zu Shakespeare "Sommernachtstraum" am Berliner Staatsballett (SZ), Sigrun Fritschs Inszenierung des Musicals "Bülowstraße" am Berliner Gripstheater (Tsp, nachtkritik), Philipp Preuss' Inszenierung von Kathrin Rögglas Stück "Kein Plan (Kafkas Handy)" am Theater an der Ruhr in Mühlheim (nachtkritik), Johannes Schütz' Inszenierung von Tschechows "Platonow" am Mecklenburgischen Staatstheater (nachtkritik), Lukas Holzhausens Inszenierung von Martin McDonaghs "Der einsame Westen" (nachtkritik) und Matthias Köhlers Inszenierung von Tony Kushners zweiteiligem Stück "Engel in Amerika" am Schauspiel Köln (nachtkritik).
Jakob Hayner führt für die Welt ein Interview mit dem Theaterregisseur Christopher Rüping, dessen Inszenierung von Sarah Kanes "Gier" nach der Station in Zürich nun am Deutschen Theater Berlin aufgeführt wird. Es geht um die verständliche Sehnsucht nach Feelgood-Abenden: "Es gibt Popcorn-Gefühle, die funktionieren ohne jede Beteiligung des Verstandes. Nach denen sehnt man sich manchmal, schon aus Gründen der seelischen Hygiene. Aber im Theater suche ich nach sehr spezifischen Gefühlen, die sich für mich nur aus einer gedanklich-sinnlichen Kohärenz entwickeln." Wichtig ist ihm auch die Unverwechselbarkeit seiner Inszenierungen: "Eine Handschrift ist ein Cocktail aus Erfahrungen, Überzeugungen und Geschmack. Erfahrungen kann man nicht loswerden und Überzeugungen sollte man nicht loswerden. Nur beim Geschmack muss man vorsichtig sein, der ist nicht so individuell, wie man denkt, sondern spiegelt meist die soziale Situation der regieführenden Person wider und enthält all deren Privilegien und Begrenzungen. Zu viel Geschmack ist gefährlich."
Pünktlich zum achtzigsten Geburtstag von Thomas Brasch bringt dessen Nichte, die Regisseurin Lena Brasch das Stück "Brasch - Das Alte geht nicht und das Neue auch nicht" auf die Bühne des Maxim-Gorki-Theaters. Sie musste viel Kritik einstecken, weil sie in einem Gespräch mit der Berliner Zeitung gesagt hatte: "Dann bin ich halt Ostler, na und? … Dann weiß ich wenigstens, was Werte sind", erzählt sie in der SZ. "Meine Generation wuchs ausschließlich mit Mauern aus Gummi auf, konnte sagen, tun und lesen, was sie wollte, überall hinreisen. Mir bedeutet es daher viel, in eine ostdeutsche, jüdische Familie hineingeboren worden zu sein, in der es ein Bewusstsein dafür gibt, wie ein Deutschland aussah, in dem es diese Freiheiten nicht gab. Und dass der Wechsel von einem System zum anderen nicht andeutungsweise so einfach verlief, wie viele glauben."
Weitere Artikel: In der FAZ freut sich Gerald Felber, dass Hans Pontillers Büste des Dirigenten Otmar Suitner nun einen Platz in der Berliner Staatsoper gefunden hat. Besprochen wird eine Aufführung von Henry Purcells Semi-Oper "The Indian Queen" in einer modernisierten Fassung von Peter Sellars unter dem Dirigat von Teodor Currentzis in der Berliner Philharmonie (taz).
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