Michael Schwelien

Das Boot ist voll

Europa zwischen Nächstenliebe und Selbstschutz
Cover: Das Boot ist voll
Marebuchverlag, Hamburg 2004
ISBN 9783936384475
Kartoniert, 210 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Tausende von Flüchtlingen gelangen jedes Jahr auf überquellenden Schiffen nach Europa. Was gilt für uns: Nächstenliebe als christliche Pflicht oder Selbstschutz als Gebot der Vernunft? Auf diese ungemütliche Frage gibt Michael Schwelien ungemütliche Antworten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.12.2004

Sehr aufschlussreich findet Rezensent Werner Spirig diesen Band des "Zeit"-Journalisten Michael Schwelien über Europas zwiespältigen Umgang mit illegaler Migration. Der Autor präsentiere das Thema Migration "breitgefächert"  und analysiere es aus verschiedenen Perspektiven. Er schildere, wer von wo warum und auf welchen Routen nach Europa kommt oder kommen will, und erkläre anschaulich, wie der Schengener Staatenverbund mit dem Zentralcomputer und die Dubliner Kooperation mittels des 2003 in Betrieb genommenen Fingerabdrucksystems Eurodac funktionieren. Auch führe er vor Augen, dass die europäische Wirtschaft von den drei Millionen illegalen Aufenthaltern abhängt. Spirig lobt insbesondere die "nüchterne und informative Art" des Buchs, das ohne Feindbilder auskomme, und trotzdem "spannend geschrieben" sei.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.10.2004

Recht angetan zeigt sich Rezensent Bruno Preisendörfer von Michael Schweliens Buch "Das Boot ist voll". "Erschütternd" findet er die von Schwelien geschilderten Schicksale, die sich an den Grenzen Europas abspielen. Dort tobe im Verborgenen ein Kampf aller gegen alle: Schlepper gegen Schlepper, Schlepper gegen Geschleppte, Polizisten gegen Schlepper, Polizisten gegen Geschleppte. Preisendörfer hebt hervor, dass Schwelien von der Nahaufnahme der Einzelschicksale immer wieder zurück in die Vogelperspektive springe und rechtliche, politische und auch demographische Strukturen erläutere. Die Überalterung der westeuropäischen Gesellschaften komme ebenso zur Sprache wie das Schengener Abkommen, die Problematik des Asylrechts oder der Finanztransfer der illegalen Einwanderer in ihre Heimatländer. Einen Ausweg aus der Misere sehe Schwelien in einem europäischen Einwanderungsgesetz, das Einwanderung geregelt ermöglicht. Preisendörfer lobt Schwelien für seine "Genauigkeit beim Berichten" und seine "Konsequenz in der Analyse". Fazit des Rezensenten: Ein Buch "ohne Schnörkel, ohne Finessen, zielgerichtet und spannend".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.10.2004

Seit der Nachkriegszeit, so der hier rezensierende Christian Schwarz-Schilling, hat die deutsche Aufnahme- und Asylpolitik de facto eine Kehrtwende gemacht. Dass Deutschland heute kaum noch Menschen aufnehme, wie die Statistiken unwiderruflich beweisen, sei allerdings noch nicht in das öffentliche Bewusstsein gedrungen. Dafür seien nicht nur die zunehmenden Gesetzesverschärfungen verantwortlich, sondern auch die unzeitgemäße Definition der Asylrechts, das nur im Falle "staatlicher Verfolgung" wirksam werde und damit der wachsenden nicht-staatlichen Verfolgung durch Bürgerkriegsparteien keine Rechnung trage. Trotz der äußerst "komplexen Gemengelage" in der Asylfrage gelinge es Michael Schwelien, durch die Darstellung der legalen und illegalen Einwanderungsströme die "gewollt oder ungewollt eintretenden Konsequenzen" der deutschen Rechtslage deutlich zu machen. Schade ist nur, so Schwarz-Schilling, dass sich der Autor bisweilen in zu ausführlichen Detailschilderungen ergeht anstatt Lösungsansätze zu skizzieren.
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