Ijoma Mangold

Das deutsche Krokodil

Meine Geschichte
Cover: Das deutsche Krokodil
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2017
ISBN 9783498044688
Gebunden, 352 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Ijoma Alexander Mangold lautet sein vollständiger Name; er hat dunkle Haut, dunkle Locken. In den siebziger Jahren wächst er in Heidelberg auf. Seine Mutter stammt aus Schlesien, sein Vater ist aus Nigeria nach Deutschland gekommen, um sich zum Facharzt für Kinderchirurgie ausbilden zu lassen. Weil es so verabredet war, geht er nach kurzer Zeit nach Afrika zurück und gründet dort eine neue Familie. Erst zweiundzwanzig Jahre später meldet er sich wieder und bringt Unruhe in die Verhältnisse. Der Literaturkritiker Ijoma Mangold erinnert sich an seine Kindheits- und Jugendjahre. Wie wuchs man als "Mischlingskind" und "Mulatte" in der Bundesrepublik auf? Wie geht man um mit einem abwesenden Vater? Wie verhalten sich Rasse und Klasse zueinander? Und womit fällt man in Deutschland mehr aus dem Rahmen, mit einer dunklen Haut oder mit einer Leidenschaft für Thomas Mann und Richard Wagner?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.09.2017

Für den Rezensenten Jan Wiele ist Ijoma Mangolds Autobiografie das "bewegendste Mutterbuch", das er je gelesen hat. Mehr noch: Wie ihm der Journalist vom Aufwachsen mit dunkler Hautfarbe und ohne Vater in der bundesrepublikanischen Provinz der Siebziger erzählt und die eigene Bildungsgeschichte mit den Lebensgeschichten der als Kind aus Schlesien vertriebenen Mutter und dem in Nigeria geborenen Vater verknüpft, hat den Kritiker tief beeindruckt. Und wenn Mangold seine Reise nach Nigeria schildert, wo er im jungen Erwachsenenalter seinen Vater und dessen afrikanische Familie kennenlernt und noch einmal mit einer neuen Seite seiner Identität konfrontiert wird, erkennt Wiele nicht zuletzt den begnadeten Reporter.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.08.2017

Ijoma Mangolds "Deutsches Krokodil" sticht aus der Flut von autobriografischen Schriften hervor, versichert Rezensentin Kristina Maidt-Zinke. Denn hier gehe es um mehr als bloße Rückschau, fährt die Kritikerin fort, die in dem lesenswerten "Gesellschafts- und Epochenporträt" viel Debattenstoff entdeckt. Berührt liest sie, wie Mangold sich aus Faszination für das Beamtentum als Kind eine Stempelsammlung zulegte oder wie er in seiner Jugend zunächst alles Afrikanische ablehnte. Gebannt folgt sie dem "Zeit"-Literaturchef außerdem bei seinen Recherchen zur schlesischen Herkunft seiner Mutter oder bei seiner Reise zur nigerianischen Verwandtschaft, die Mangolds Identitätsfindung nochmal auf den Kopf stellt, wie Maidt-Zinke berichtet. Die Privatsphäre wird gewahrt und der Leser zum Mitdenken angeregt, lobt die Kritikerin, die sich allerdings ein sorgfältigeres Lektorat gewünscht hätte.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 19.08.2017

Am Rande seiner Begegnung mit Ijoma Mangold verliert Rezensent Ulrich Gutmair auch einige Worte über dessen autobiografische Erzählung "Das deutsche Krokodil". Der Kritiker liest hier keineswegs eine "Opfergeschichte", sondern folgt dem Zeit-Literaturchef durch seine Kindheit in der Provinz, die geprägt ist vom Versuch, das eigene Anderssein zu begreifen. Wie präzise Mangold soziale Fakten und die Sprache und Blicke der anderen protokolliert, hat Gutmair beeindruckt.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 19.08.2017

Mit Vergnügen hat Rezensent Tilman Krause Ijoma Mangolds Erinnerungen "Das deutsche Krokodil" gelesen. Wenn ihm der ihn Heidelberg aufgewachsene Sohn einer Schlesierin und eines Nigerianers, der die Familie bald verließ, erzählt, wie seine nigerianische Familie ihn lediglich als dynastischen Erben betrachtete und erklärt, weshalb er liebe Jude wäre, denn für die würde "nicht so sahelzonenmäßig Brot für die Welt gesammelt", meint der Kritiker begeistert: So politisch inkorrekt geht es selten in der deutschen Publizistik zu. Gelegentlich erinnert ihn das "pointenreiche" Buch an den Kongolesen Alain Mabanckou.