Marie Jalowicz Simon

Untergetaucht

Eine junge Frau überlebt in Berlin 1940 - 1945
Cover: Untergetaucht
S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main 2014
ISBN 9783100367211
Gebunden, 416 Seiten, 22,99 EUR

Klappentext

Mit einem Nachwort von Hermann Simon, Sohn von Marie Jalowicz Simon, Historiker und Direktor der Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum. Berlin 1942: Die Verhaftung durch die Gestapo steht unmittelbar bevor. Die junge Marie Jalowicz will leben und taucht unter. Über 50 Jahre danach erzählt sie erstmals ihre ganze Geschichte. Offen und schonungslos schildert sie, was es heißt, sich Tag für Tag im nationalsozialistischen Berlin durchzuschlagen: Sie braucht falsche Papiere, sichere Verstecke und sie braucht Menschen, die ihr helfen. Vergeblich versucht sie, durch eine Scheinheirat mit einem Chinesen zu entkommen oder über Bulgarien nach Palästina zu fliehen. Sie findet Unterschlupf im Artistenmilieu und lebt mit einem holländischen Fremdarbeiter zusammen. Immer wieder retten sie ihr ungewöhnlicher Mut und ihre Schlagfertigkeit.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.10.2014

Was für ein Buch! Nadia Pantel kann es kaum glauben, dass es der Geschichte der Verfolgung deutscher Juden im Dritten Reich eine ganz neue Seite hinzuzufügen imstande ist. Das Buch enthält die (Über-)Lebensgeschichte der Jüdin Marie Jalowicz Simon, wie die Professorin für Antike Literatur und Kulturgeschichte sie ihrem Sohn 1997 erzählte. Das Besondere daran ist für Pantel das Fehlen von tapferen Helden und großen Gefühlen, von gängigen Täter-Opfer-Vorstellungen und falschen Fantasien über Verfolgte. Das Bild, das vor den Augen der Rezensentin stattdessen entsteht, zeigt, inwieweit die Nazis die Gesellschaft tatsächlich entmenschlichen konnten, derart, dass nichts als Angst und Opportunismus herrschten und selten moralische Überlegenheit. Wie ein Mensch in der Verfolgung zu einem routinierten Lügner und Taktiker wird, berichtet Simon und stößt bei der Rezensentin damit auf großen Respekt.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.04.2014

Die nationale Erzählung von den selbstlosen Helfern, die zu Zeiten des "Dritten Reiches" jüdische Mitbürger vor Nazi-Zugriffen in ihren Wohnungen schützten, erhält durch diese, auf 77 Tonband-Interviews basierende Erinnerungen der Autorin, die drei Jahre auf diese Weise untertauchen musste, so zahlreiche wie nötige Risse, schreibt Klaus Hillenbrand: Da die Autorin kein Blatt vor den Mund nimmt, erscheinen einige dieser heute als Helden verehrten Leute als im Grunde durchaus auf den eigenen Nutzen bedacht und an Geld, sexuellen Dienstleistungen oder dem Machtgefühl gegenüber einer abhängigen Person interessiert - Altruismus jedenfalls lag nur in seltenen Fällen vor, berichtet der Rezensent. Hervorragend findet Hillenbrand dieses Buch aber keineswegs nur wegen solcher Korrekturen, sondern vor allem auch wegen der "sprachlichen Brillanz" und des "verstörenden Witzes" der Autorin, deren Erinnerungen sich auch wegen der zahlreichen, in ihrem Verhalten befremdlichen bis idiotischen Figuren wie ein Roman lesen

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.03.2014

Marie Jalowicz Simons Bericht "Untergetaucht" hat Thomas Medicus sichtlich beeindruckt. Wie er berichtet, überlebte die Autorin als junge jüdischen Frau die Nazidiktatur im Untergrund Berlins und wurde nach dem Krieg Professorin für Antike Literatur- und Kulturgeschichte an der Humboldt-Universität in Ost-Berlin. Der Rezensent beschreibt Simon als nüchtern, mutig, wach und schlagfertig, Eigenschaften, die ihr halfen zu überleben. Die nun vorliegende Schilderung ihres Lebens im Untergrund, basierend auf Tonbandaufnahmen, die Simon kurz vor ihrem Tod 1998 gemacht hatte, findet Medicus in in ihrem Realismus "ebenso faszinierend wie bitter" und oft auch "schockierend". Die Lektüre des Buchs kann er nur empfehlen, handelt es doch von einem "atemberaubenden Schicksal".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.03.2014

Judith von Sternburg weiß, dass es auch Juden gab, die in Deutschland untergetaucht sind und den Holocaust überlebt haben, trotzdem hat sie Marie Jalowicz Simons Geschichte "Untergetaucht" gepackt und gerührt, denn die Einzelheiten gehen nicht in dem bloßen Wissen um die Existenz solcher Fälle auf, erklärt die Rezensentin. Jalowicz Simon erzählt von Leiden und Langeweile, von sexuellen Übergriffen, dann wieder von erstaunlich hilfsbereiten Menschen, von einem überheblichen, syphilitischen Nazi, der sich vor der Autorin rühmte, Juden riechen zu können und es doch ganz offensichtlich nicht konnte, fasst von Sternburg zusammen. Vor allem geht es aber ums Überleben und um die innere Unversehrtheit, die sich Jalowicz Simon um jeden Preis erhalten wollte, der es trotzdem am Ende schwer gefallen ist, wieder "richtig aufzutauchen", erklärt die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.03.2014

Eine Sensation ist für Götz Aly der Bericht von Marie Jalowicz Simon über ihre Jahre als untergetauchte Jüdin in Berlin, den ihr Sohn Hermann Simon jetzt herausgegeben hat. Ausgesprochen lebendig und mit "Berliner Witz" erzählt sie von den so unterschiedlichen Helfern und Verstecken, die sie im Laufe der nächsten Jahre vor der Deportation retten. Der Rezensent gibt etliche Stationen von Simons abenteuerlichem Kampf ums Überleben wieder und findet es dabei besonders bemerkenswert, dass die Autorin hier keine Schwarzweiß-Malerei betreibt, sondern die Menschen, die ihr dabei begegnen, mit all ihren "dunkleren und helleren" Facetten beschreibt.