Herausgegeben von Hans-Jürgen Heinrichs. Georges-Arthur Goldschmidt ist einer der letzten Überlebenden des nationalsozialistischen Wahnsinns. In Frankreich und im Schreiben fand er Rettung - so entstand ein dunkel leuchtendes Werk. In einem schriftlichen Austausch spürt der Schriftsteller und Ethnologe Hans-Jürgen Heinrichs einer Wahrheit nach, für die Goldschmidt seine eigene, ganz unverwechselbare Sprache gefunden hat. Er ergründet, wie Goldschmidts Leben und Werk einander bedingen, seine Liebe zur Malerei und Literatur, zu den Landschaften seines Lebens, seinen Witz und jugendlichen Esprit. Entstanden ist ein erstaunliches Buch, das uns die komplexe Welt des Georges-Arthur Goldschmidt offenbart.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.12.2014
Mit diesem Gesprächsband zwischen Hans-Jürgen Heinrichs und Georges-Arthur Goldschmidt geht Rezensent Jürg Altwegg hart ins Gericht: Bis das eigentliche Interview nach über dreißig Seiten beginnt, muss der Kritiker sich zunächst einmal durch Heinrichs in zahlreiche Unterkapitel unterteilte, das Projekt ausbreitende Einleitung arbeiten. Was dann allerdings folgt, findet Altwegg schlichtweg "grotesk": Statt Austausch liest er hier nur penetrante Fragen, in denen Heinrichs den Autor immer wieder zu seiner "jüdischen" Perspektive - etwa auf die Siedlungspolitik Israels - befragt, auch wenn jener mehrmals betont, "nur im Sinne Hitlers" Jude zu sein. Auch die oftmals als Belehrungen formulierten Fragen des Interviewers zu Goldschmidts Eigenübersetzungen kann der Kritiker nur kopfschüttelnd lesen. Umso mehr Genuss bereiten ihm die Reaktionen des doppelsprachigen Autors, der klug und zugleich gelassen pariert - auch wenn er sich von Heinrichs schließlich "Aggression" vorwerfen lassen muss. Und so glaubt der Rezensent, dass dieses unmögliche Buch das Zeug zum "Kultbuch" deutsch-französischer Beziehungen haben könnte.
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