Mit s/w-Abbildungen und farbigen Karten. Seit ihren Anfängen gehören Literatur und Globalisierung zusammen. Denn durch Autoren und Reisende, durch Weitererzähltes und Übersetztes beeinflussen sich Literaturen in vielen Dimensionen. Dieser Prozess hat sich seit der Moderne beschleunigt und intensiviert. Heute bündelt sich die Vielfalt von Lebenserfahrung, Lebensentwürfen und literarischen Traditionen in Werken, die in mehreren Kulturen wurzeln. Und doch wird Literaturgeschichte als Nationalgeschichte geschrieben. Die Literaturwissenschaftlerin Sandra Richter hingegen erzählt die Geschichte deutschsprachiger Literatur als Weltgeschichte und macht die unterschiedlichen Einflussfaktoren in den jeweiligen Epochen transparent - von den mittelalterlichen Minnesängern bis hin zu deutschen Nobelpreisträgern wie Herta Müller..
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.12.2017
Schon den Ansatz der Stuttgarter Germanistin und designierten Direktorin des Marbacher Literaturarchivs Sandra Richter, die Wahrnehmung der deutschen Literatur in der Welt zu untersuchen, findet Rezensent Burkhard Müller nicht sonderlich interessant. Und der Kritiker erfährt auch nicht allzu viel Neues aus der Rezeptions-, Motiv- und Stoffgeschichte der hier behandelten Werke, das er nicht schon an anderer Stelle gelesen hat. Darüber hinaus stellt der Rezensent während der Lektüre der unzähligen auf 700 Seiten herunter gebrochenen Beispiele nicht nur fest, dass die Autorin dazu neige, die ganze deutsche Literatur seit dem Mittelalter in Kürze und ohne großen Informationswert "abzuhaken", sondern Müller vermisst auch einen fesselnden Erzählton. Die wenigen außergewöhnlichen Fundstücke stimmen den Kritiker nicht gnädiger.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.11.2017
Rezensent Ilija Trojanow ist hocherfreut über Sandra Richters elanvolles Aufreißen verstaubter Schubladen, um die weltweite Rezeption deutschsprachiger Literatur seit der Neuzeit zu präsentieren. Das weite Ausholen der Autorin, ihr geschwinder Schritt durch die Jahrhunderte und ihr Blick über den Tellerrand machen hoffentlich Schule in der Germanistik, meint Trojanow. Dass dem Buch kein konsistentes Narrativ zugrunde liegt, kann der Rezensent verkraften, ebenso manche Lücke in der Erzählung (Remarque!). Zu sehr beglücken ihn die vielen überraschenden, bei uns eher unbekannten Autoren, die durch ihre enorme Wirkung im Ausland plötzlich ins Licht rücken, oder einfach die Schilderung der Rezeption von Lessings Nathan durch die Epochen und Kulturkreise. Auch dass Richter vor Unterhaltungsliteratur (Karl May!) nicht Halt macht, gefällt ihm.
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