Klappentext

Herausgegeben und kommentiert von Bertrand Badiou, Hans Höller, Andrea Stoll und Barbara Wiedemann. Die Liebesbeziehung zwischen den beiden bedeutendsten deutschsprachigen Dichtern nach 1945 beginnt im Wien der Nachkriegszeit. Bachmann studiert dort Philosophie, für Paul Celan ist Wien eine Zwischenstation. Im Mai 1948 lernen sie einander kennen, Ende Juni geht er nach Paris. Ihr Briefwechsel nach der Trennung ist zuerst schütter, verläuft zögernd, dann setzt er sich fort in immer neuen dramatischen Phasen. Jede dieser Phasen hat ihr eigenes Gesicht: ihren besonderen Ton, ihre Themen, ihre Hoffnungen, ihre Dynamik, ihre eigene Form des Schweigens. Ende 1961 brechen das briefliche Gespräch und die persönlichen Begegnungen ab, als sich Celans psychische Krise auf dem Höhepunkt der "Goll-Affäre" zuspitzt. Ergänzend zu den beinahe zweihundert Zeugnissen ihrer Korrespondenz wurden die Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Gisele Celan-Lestrange sowie zwischen Paul Celan und Max Frisch in den Band aufgenommen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.08.2008

Der Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan erzählt, meint die Rezensentin Ulla Hahn, von einer Beziehung, die sich ganz gravierend wandelt. Zunächst himmelt die junge Doktorandin den aus der Bukowina kommenden Dichter unterordnungsbereit an. Aus der Liebe wird Freundschaft und beide werden berühmt. Sie schreiben sich weiter Briefe, auch als Celan heiratet. Auf die Probe gestellt wird das Verhältnis der beiden durch Celans immer stärker ins Hypertrophe sich steigernde Empfindlichkeit gegen alle Kritik. Einen Verriss durch Günter Blöcker begreift er, anders als Bachmann, als antisemitisch. Weil sie sich nicht auf seine Seite schlägt, weist er sie zurück. Längst hat sie nun, so Hahn, in diesem Briefwechsel ihre eigene Stimme gefunden und wagt ermutigend gemeinte Widerworte, die freilich nichts fruchten. Nicht weniger als die "Emanzipationsgeschichte der Bachmann" glaubt die Rezensentin deshalb hier zu lesen. Sie findet sie fraglos faszinierend, wenngleich, fügt Hahn hinzu, man die Gedichte der beiden deshalb noch lange nicht mit anderen Augen sehen müsse.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.08.2008

Aus einem großen Rätsel der Literatur sei "der Roman zweier Leben" geworden, schreibt Rezensent Paul Jandl beeindruckt nach der Lektüre dieses Briefwechsels, der endlich Klarheit über die Liebesbeziehung zwischen Paul Celan und Ingeborg Bachmann schaffe. Zwar habe diese bedeutende Liaison in der Literatur beider Dichter wichtige Spuren hinterlassen, aber die biografischen Hintergründe seien selbst Freunden nicht bekannt gewesen. Bewegt, fast andächtig blättert Jandl diese Liebesgeschichte noch einmal auf, die auch ein bedeutendes Kapitel deutscher Nachkriegsliteraturgeschichte sei. Auch Randfiguren dieser Menage wie der österreichische Literaturkritiker Hans Weigel, Max Frisch oder Celans spätere Frau Giselle Lestrange kommen vor. Und der berühmte Auftritt beider bei der Gruppe 47. Im Wesentlichen jedoch hat der Briefwechsel dem Rezensenten klar gemacht, wie stark auch Celans Leben selbst in den Sog seiner existenziellen Dichtung geraten sei, in der der Mord an den Juden in Metaphern gebannt wurde. "Bis in die Formulierungen hinein" könne man sehen, wie für Paul Celan, der sich am Ende das Leben nahm, die "Grenzen zwischen Literatur und Wirklichkeit aufgehoben" sind, wie unbedingt das eine für das andere stehen musste.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.08.2008

Für eine leichte Angelegenheit dürfte Rezensent Peter Hamm die Liebe auch vor Lektüre dieses Briefwechsels nicht gehalten haben, ist sie ihm doch ein Synonym des "Scheiterns". Das "Liebesmartyrium" von Ingeborg Bachmann und Paul Celan, das er hier in seinem ganzen "tragischen Glanz" vor Augen geführt bekommen hat, erscheint ihm ebenso "einzigartig wie verstörend". Ausführlich zitiert er aus den Briefen der beiden, rekapituliert ihr Verhältnis, das Ringen um literarische Anerkennung und Loyalität, den Kampf gegen Verleumdungen, den Widerstand gegen die eigenen Gefühle, ihr Unvermögen sich gegenseitig zu helfen: Paul Celan wird sich nach zwei beinahe tödlichen Angriffen auf seine Frau Gisele Lestrange das Leben nehmen, Ingeborg bei einem Brandunfall drei Jahre später in Rom umkommen. Ergriffen schreibt Hamm, dass die Briefe die Liebe genau so zeigen, wie Celan sie in seinem Gedichtband "Fadensonnen" besungen hatte: "zwangsjackenschön". Hamm bringt aber auch Kritik an dieser Edition an, der er einen mangelhaften Kommentar, eine teilweise wenig geschmeidige Übersetzung und den schwachen Stil des Nachworts übel nimmt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.08.2008

Ina Hartwigs ausführliche und einfühlsame Besprechung des Briefwechsels zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan in einer Notiz zusammenzufassen, ist schier unmöglich. Es geht immerhin um das meist bewunderte Dichterpaar und die wohl komplizierteste Liebesgeschichte der Nachkriegsgeschichte. Ausführlich rekapituliert Hartwig die Geschichte der beiden, die als leidenschaftliche Affäre zwischen einer talentierten Philosophiestudentin und einem bereits hochgelobten Dichter beginnt und sich in eine prekäre, intellektuelle und poetische Freundschaft verwandelt, die nicht alles auszuhalten vermochte: Bachmanns vom Erfolg verwöhnten Lebenshunger, Celans traumatische Erfahrungen im Holocaust, psychotische Krisen, die ungerechtfertigten Plagiatsvorwürfe gegen ihn in der Goll-Affäre. Viel Zauber hat Hartwig in diesen Briefen gefunden, "Zauber und Schuld", und sehr viel Schmerz (auch den von Celans betrogener Frau Gisele de Lestrange). Es ist aber auch Schmerz, den beide poetisch zu überhöhen verstanden, wie die Rezensentin vorsichtig einwirft. 1957 haben Bachmann und Celan ihre Liebesbeziehung noch einmal aufflackern lassen, dies ist der emotionale Höhepunkt des Buches, eben die große "Herzzeit", doch spannender findet Hartwig tatsächlich die Zeiten des Bruchs, der Verzweiflung, der Bitterkeit. "Quälend zu lesen und zugleich elektrisierend" nennt Hartwig den Briefwechsel, ist aber sehr froh, dass die Erben ihn anders als geplant vor dem Jahr 2023 freigegeben haben.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.08.2008

Helmut Böttiger ist ganz ergriffen von dem Ereignischarakter dieses Briefwechsels. Meilenstein der Literaturgeschichte, vergleichbar mit Kafkas Briefen an Felice Bauer, raunt er. Und sieht den Versuch, Dichtung und Leben in Einklang zu bringen, hier aufs Beeindruckendste dokumentiert. Dass ästhetische Fragen in den Briefen zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan kaum eine Rolle spielen, scheint Böttiger nicht zu stören. Das Drama der Emotionen hat ihn auch ausreichend in Atem gehalten. Trotzdem sucht und findet der Rezensent jede Menge Bezüge, erhellen die Briefe ihm Gedichte und Romanpassagen der beiden Autoren. Am Ende steht für Böttiger fest: Die Heldin dieser Korrespondenz ist die Bachmann, wie sie um Celan kämpft und verliert. Den gleich vier Herausgebern ist er dankbar für die neue Perspektive auf die Beziehung dieser beiden wichtigen deutschen Nachkriegsautoren, allerdings nicht, ohne ihnen am Schluss noch einige "recht gravierende" Fehler in Sachen Quellennachweise anzukreiden.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 16.08.2008

Als faszinierende Geschichte einer "Entliebung" sieht Rezensent Dirk Knipphals die Beziehung zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan, die in diesem nun veröffentlichten Briefwechsel nachvollziehbar wird. Nicht vollständig, denn die vielen Gespräche übers Telefon sind verweht, wenn auch teilweise aus schriftlichen Bemerkungen rekonstruierbar. Kurz währte das eigentliche Liebesglück; es fällt ins Jahr 1948; nach dem Ende blieb zunächst Freundschaft, es gab ein Wiederaufflammen im Jahr 1957 und dann ein bitteres Ende, als Bachmann Celan nicht in der gewünschten Form gegen eine vom Dichter als antisemitisch empfundene Kritik Günter Blöckers in Schutz nahm. Faszinierend findet der Rezensent weniger die von den Kommentatoren stark betonten Aspekte - nämlich eines Lebens und Dichtens im Schatten von Auschwitz -, sondern die Tatsache, dass im Briefdialog der bedeutenden Dichter auch "die Schmonzette und der süße Kitsch" ihren Platz haben. Was die Ausgabe selbst angeht, vermisst Knipphals vor allem biografische Informationen, auch und gerade über die anderen Liebesverhältnisse von Bachmann und Celan. Dem Einwand, dass diese irrelevante Privatsachen seien, widerspricht er ausdrücklich.