Benedikte Naubert

Benedikte Naubert (1756-1819) veröffentlichte in den 1780er und 1790er Jahren rund 50 historische Romane und zwei umfangreiche Märchensammlungen. Viele ihrer Romane wurden ins Englische übersetzt. Trotz dieser umfangreichen literarischen Produktion publizierte Naubert lange Zeit anonym. Erst 1817 enthüllte ein Zeitungsartikel ihre Identität. Den Gebrüdern Grimm und möglicherweise auch Achim von Arnim war ihr Name schon früher bekannt: 1806 besuchte Wilhelm Grimm Naubert, um sich eine Liste ihrer Werke diktieren zu lassen. Paradoxerweise führte die Aufhebung von Nauberts Anonymität zum Ausschluss ihrer Werke aus der traditionellen Literaturgeschichte. Nicht mehr ihr Werk stand im Mittelpunkt des Interesses, sondern die Tatsache, dass es von einer Frau verfasst war. Wirksam wurde eine Auffassung von weiblicher Autorschaft, die mit Bescheidenheit und Mütterlichkeit assoziiert und damit als ästhetisch bedeutungslos galt.

Benedikte Naubert: Neue Volksmärchen der Deutschen. 4 Bände. Kommentierte Studienausgabe

Cover: Benedikte Naubert. Neue Volksmärchen der Deutschen - 4 Bände. Kommentierte Studienausgabe. Wallstein Verlag, Göttingen, 2001.
Wallstein Verlag, Göttingen 2001
Herausgegeben von Marianne Henn, Paola Mayer und Anita Runge. Als Achim von Arnim 1808 in einer Rezension schrieb "... ich bin unerschöpflich in dem Lobe dieses Buches, das mir sehr traurige Nächte erhellte",…