9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Religion

820 Presseschau-Absätze - Seite 2 von 82

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.09.2025 - Religion

Gerade wurde in München eine alte Synagoge neu der Öffentlichkeit übergeben (unsere Resümees), nun soll in Hamburg die ehemals größte Synagoge Norddeutschlands wiederaufgebaut werden, die Bornplatzsynagoge, berichtet Gernot Knödler  in der taz: "Ob ein Wiederaufbau der sogenannten Bornplatzsynagoge am heutigen Joseph-Carlebach-Platz der richtige Weg ist oder das hier geschehene Unrecht unsichtbar macht, war im Vorfeld umstritten. Das Projekt wird von der orthodox ausgerichteten Jüdischen Gemeinde in Hamburg getragen und von der Stadt wie dem Bund unterstützt. Die liberale jüdische Gemeinde, die im Israelitischen Tempelverband organisiert ist, wurde nicht beteiligt. Zwischen den beiden Gemeinden gibt es seit Jahren Streit."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.09.2025 - Religion

Auch in Deutschland boomen die "Freikirchen", eine Tendenz, die man durchaus mit Sorge betrachten sollte, meint Ralf Nestmeyer bei hpd.de: "Problematisch ist die gesellschaftspolitische Agenda vieler Freikirchen. In Predigten und Gemeindeschriften werden Abtreibung und Homosexualität vehement abgelehnt, Gender-Debatten als 'Angriff auf Gottes Schöpfungsordnung' dargestellt. Besonders in konservativen Milieus bilden Freikirchen eine Gegenkultur zur pluralistischen Gesellschaft, wobei die Grenzen zur Sekte fließend sind. In Wahlkämpfen, Bürgerinitiativen oder Netzwerken treten sie teils offen als politische Akteure mit reaktionärem Profil auf. Was in den USA längst zum Bündnis mit Trump geführt hat, beginnt auch hierzulande Strukturen auszubilden."
Stichwörter: Freikirchen, Evangelikale

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.09.2025 - Religion

Die "Internationale Union muslimischer Gelehrter (IUMS)", ein einflussreicher, in Katar gegründeter internationaler muslimischer Verband, fordert den Dschihad gegen Israel. Zuletzt tagte die in einigen muslimischen Ländern verbotene Organisation in Istanbul. Unterstützt wird ihre Position auch von Ali Erbas, dem als Präsident der türkischen Religionsbehörde Diyanet die in Deutschland tätige DITIB untersteht. Stefan Laurin berichtet für hpd.de und hat unter anderem mit dem Hamburger CDU-Politiker Ali Ertan Toprak gesprochen: "Dass das Bundesinnenministerium nach einem Bericht der Welt in Folge der Konferenz in Istanbul beschlossen hat, die DITIB zu beobachten und einer ihrer Sprecher gegenüber der Zeitung erklärte, Erbas repräsentiere nicht den DITIB-Bundesverband und seine Aussagen gäben nicht die Position oder die Haltung der DITIB wieder, beeindruckt Toprak nicht: 'Wenn die DITIB sagt, Erbas spreche nicht für sie, ist das so, als wenn die Deutsche Bischofskonferenz sagen würde, der Papst spreche nicht für sie.' Die Politik müsse endlich Konsequenzen ziehen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.09.2025 - Religion

"Japan stärkt Menschenrechte für Kinder und schwächt religiöse Willkür", berichtet Alexander Wolber bei hpd.de. Japan reagiert damit auf den Mord an dem ehemaligen Premier Shinzo Abe, der der Moon-Sekte nahestand. Der Mörder hatte sich für Missbrauchserfahrungen durch die Sekte rächen wollen. Das neue japanische Gesetz räumt Kindern gegenüber Religionsgemeinschaften mehr Rechte ein, die der Staat notfalls überwacht, so Wolber. Kann Deutschland sich daran ein Beispiel nehmen? Japan "schützt damit Kinder vor ideologischen Einflüssen ihrer Eltern und Religionsgemeinschaften, zumindest solange, bis sie selbst bestimmen können, ob sie sich einer Gemeinschaft anschließen möchten. In einem scheinsäkularen Land wie Deutschland erscheint ein solcher Akt des Kinderschutzes gegenwärtig undenkbar. Sogar ganz im Gegenteil, hier können Religionen ihre Macht nach Belieben ausspielen, ohne Sorge haben zu müssen, dass die Politik ihrer Pflicht zum Schutz der Kinder nachkommt. Beste Beispiele sind die sexuellen Kindesmissbräuche der christlichen Großkirchen, die sukzessive Ausweitung des islamischen Religionsunterrichts, angetrieben durch Akteure des Politischen Islam oder die Knabenbeschneidung..."

Die neue österreichische Koalition aus ÖVP, SPÖ und Neos plant ein Kopftuchverbot an Schulen für Mädchen unter 14 Jahren, berichtet David Krutzler im Standard: "Noch liegt kein fertiger Entwurf vor. Details zum geplanten Strafenkatalog kursieren aber bereits. So sollen bei Nichtbeachtung des Verbots laut Krone Geldstrafen von einigen Hundert bis zu mehr als 1.000 Euro - bei Nichteinsichtigkeit oder mehrfachen Verstößen - geplant sein. Vorgesehen ist demnach, dass Lehrkräfte die Nichtbeachtung des Kopftuchverbots ihrer Schülerinnen melden sollen. Die Folge sollen dann in letzter Konsequenz Verwaltungsstrafen für Eltern sein. Plakolm schätzt, dass 'allein in Wien zwischen 9.000 und 12.000 Mädchen' vom Kopftuchverbot betroffen sind. Offizielle Zahlen gibt es nicht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.08.2025 - Religion

Im FAZ-Gespräch mit Jona Krützfeld und Martin Schul erinnert die Schriftstellerin Nora Bossong an den Theologen und Förderer der Quickborn-Bewegung Romano Guardini. Dessen Auszeichnung mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels von 1952 wurde von einigen kritisiert, weil Guardini während der Nazi-Herrschaft in Deutschland blieb und sich recht ruhig verhielt. Er habe anders Widerstand geleistet, meint Bossong: "Guardini hat 1937 ein ungemein wichtiges Buch geschrieben, sein christologisches Hauptwerk: 'Der Herr' - ein Buch über Jesus Christus. Dieser Titel kann laut der Theologin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz auch als Gegenentwurf, als Widerspruch zum 'Führer' gesehen werden. Das ist eine Form des Widerstands, die leise daherkommt, aber in ihrer Wirkmächtigkeit nicht zu unterschätzen ist. Er hat deutlich und aus einem christlichen Weltbild heraus gesagt, wann wir als Teil der Schöpfung, wann wir als Menschen verfehlen. Und er hat sinngemäß gesagt, dass wir als Menschen nicht in unserer Kleinheit in Versuchung geraten, sondern in unserer Größe. Die Überhöhung unserer Bedeutung, das, was die Nationalsozialisten gesucht haben, den 'Führer' und die 'Rasse' und die Nation an die Stelle Gottes zu setzen, genau das ist es, was Idolatrie, also Götzendienst, meint."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.08.2025 - Religion

Gut, dass sich die Deutsche Bischofskonferenz am "Internationalen Gedenktag an Opfer der Gewalt durch Religion und Weltanschauung" am Freitag hinter das Ziel stellte, Verantwortung für den Schutz religiöser und weltanschaulicher Minderheiten zu tragen, meint Peter Kurz bei hpd. Glaubwürdiger wäre es allerdings, die christlichen Kirchen in Deutschland würden dabei auch die Missbrauchsfälle in den eigenen Reihen berücksichtigen, fährt er fort: "Hinzu kommt eine strukturelle Doppelmoral: Während die Kirchen Missbrauchsskandale und Diskriminierungsvorwürfe im Inneren bewältigen müssten, genießen sie im säkularen Staat noch immer erhebliche Sonderrechte. Wie die 600 Millionen Euro jährliche Staatsleistungen, die nach verfassungsrechtlichen Vorgaben längst nicht mehr fließen dürften. Oder ein Sonderarbeitsrecht, aufgrund dessen kirchliche Arbeitgeber ihre Beschäftigten schlechter behandeln dürfen als 'normale' Arbeitnehmer. Ganz zu schweigen vom staatlich geförderten Einfluss der Kirchen im Bildungswesen - von der Grundschule bis zur Universität."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.08.2025 - Religion

In der FAZ wächst sich die Debatte um Frauke Brosius-Gersdorf zu einer Debatte um katholisches "Naturrecht" und mehr oder weniger säkularen "Rechtspositivismus" aus. Der evangelische Theologe Friedrich Wilhelm Graf lehnte den Bezug auf das Naturrecht ab (unser Resümee) und wandte sich damit gegen die CDU-Politikerin Elisabeth Winkelmeier-Becker, die auf ihrem christlichen Menschenbild bestanden hatte (unser Resümee). Dann antwortete der Moraltheologe Peter Schallenberg auf Graf (unser Resümee). Und heute der Theologe Thomas Söding, der Graf vorwirft, er verkenne "die hermeneutische Aporie des Rechtspositivismus, angeben zu müssen, wer das Recht setzt und wer es beugt, wer es befolgt und wer es bricht, worin es besteht und wann es sich übernimmt". Die Frage der Abtreibung muss in Deutschland auch heute noch offenbar von Theologen geklärt werden.

Kolonisierung begründete nicht nur wirtschaftliche Ausbeutungsverhältnisse und rassistische Theorien - sie bestand auch in der christlichen Missionierung. Und die geht weiter, notiert Ralf Nestmeyer bei hpd.de mit Blick auf Missionare, die noch die allerletzten indigenen Völker bekehren wollen: "Zwar sind es hauptsächlich Evangelikale, die meinen, sie müssten die Menschen in den entlegensten Winkeln der Welt mit Gottes Wort beglücken, aber auch die katholische Kirche betreibt weiterhin eifrig Missionsarbeit im Globalen Süden. Papst Leo XIV. wird gerne als 'Mann des Volkes' gefeiert, weil er zwanzig Jahre als Missionar in Peru tätig war. Kritik an diesem Wirken bleibt weitgehend aus - im Gegenteil, erst kürzlich ermahnte der Papst in Rom junge Menschen: 'Seid Missionare, wo immer ihr hingeht, seid Zeichen der Gegenwart des Herrn, wie es unsere geliebten peruanischen Heiligen waren.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.08.2025 - Religion

An 176 Schulen in NRW werden muslimische Gebetsräume unterhalten, hat sich neulich herausgestellt (mehr hier und hier). Dilek Engin, schulpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Landtag NRW, wendet sich bei den Ruhrbaronen gegen diese Praxis: "Religionsfreiheit ist ein hohes Gut, das in unserer Verfassung verankert ist - und sie gilt selbstverständlich auch für Schülerinnen und Schüler. Doch sie findet ihre Grenze dort, wo sie das schulische Miteinander in Frage stellt oder strukturell neue Konflikte schafft. Schulen dürfen nicht gezwungen werden, zwischen verschiedenen Glaubensgemeinschaften zu unterscheiden oder gar konkurrierende religiöse Räume einzurichten. In § 2, Absatz 7 und 8, des NRW-Schulgesetzes ist die weltanschauliche und religiöse Neutralität unserer Schulen unmissverständlich geregelt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.07.2025 - Religion

Einige säkulare Organisationen plädieren in einem offenen Brief auf hpd.de für die Erhaltung des Berliner Neutralitätsgesetzes und für ein bleibendes Verbot des Kopftuchs für Lehrerinnen. Lehrerinnen, die dagegen klagen, sagen, sie könnten den Schleier "aus religiösen Gründen nicht einmal für wenige Stunden während der Dienstzeit abnehmen. Sie verweisen dabei auf ihre persönliche Religionsfreiheit. Doch der neutrale Staat muss die Religionsfreiheit aller im Blick haben. Dazu gehört, dass jeder das Recht hat, jede Religion zu kritisieren, auch die eigene, und die eigene Religion zu verlassen. Dieses Recht haben auch Schülerinnen und Schüler. Eine Lehrerin, die ihre Religiosität nicht nur privat ausleben, sondern auch im Beruf dafür werben möchte, kann diese demokratische Lesart der Religionsfreiheit schlechterdings nicht vermitteln - sie wäre unglaubhaft."
Stichwörter: Neutralitätsgesetz

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.07.2025 - Religion

So klingen die Schlagzeilen dieser Tage, in diesem Fall in der SZ: "Man müsse 'die Realität der Apartheid beim Namen nennen', erklärt der Ökumenische Rat der Kirchen in einer Israel-Resolution."  Der ÖRK hatte in Südafrika getagt, wo sonst? Die EKD geht auf Distanz, heißt es immerhin. Der Kirchenrat ruft auch zu Israel-Boykott auf, meldet evangelisch.de: "Die Erklärung fordert 'Staaten, Kirchen und internationale Institutionen auf, Konsequenzen für Verstöße gegen das Völkerrecht zu verhängen, darunter gezielte Sanktionen, Desinvestitionen und Waffenembargos'. Die Zeit veranstaltet das übliche "Pro und Contra". "Sollte die Kirche so sprechen?" Auf der ersten Seite der Zeit plädiert Andrea Böhm ebenfalls für ein Waffenembargo gegenüber Israel.

In Cicero wendet sich die FDP-Polikerin Linda Teuteberg vehement gegen die Erklärung der Pfarrer. Der Begriff "Apartheid" in Bezug auf Israel ist abstrus, schreibt sie: "Die Koexistenz aller religiösen und ethnischen Gruppen im Land ist Gegenstand vielfältigen Engagements israelischer Bürger und leidenschaftlichen innenpolitischen Streits. Die Nachbarstaaten Israels müssen sich mit Diskussionen um Diskriminierung nicht auseinandersetzen, haben sie doch praktisch alle Juden und viele Christen von ihrem Territorium vertrieben. Dazu indes ist vom Weltkirchenrat nichts zu hören."

Auch Pastor Josias Terschüren macht in der Jüdischen Allgemeinen den Kirchenfunktionär Heinrich Bedford-Strohm noch auf dieses Versagen der Kirchen aufmerksam: "In einer Zeit, in der Christen in Syrien und Nigeria reihenweise von muslimischen Fanatikern abgeschlachtet werden und die Kirche in Europa im Rekordtempo schrumpft, kritisiert man den einzigen jüdischen Staat, der ums Überleben kämpft und dabei die westliche Welt und ihre ursprünglich jüdisch-christlichen Werte gegen islamischen Terror verteidigt. Es ist ein Kampf, den die Kirche noch nicht einmal aufgenommen hat."