9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.11.2025 - Medien

Interessant die Wendung, die die Berichterstattung über die BBC nimmt. Der Direktor und die Nachrichtenchefin der BBC sind bekanntlich zurückgetreten (unser Resümee). Anlass war ein Bericht des Journalisten und BBC-Beraters Michael Prescott, der der Anstalt zahlreiche Manipulationen und Verfehlungen vorwarf - unter anderem den falschen Zusammenschnitt einer Rede Donald Trumps. Dieser Aspekt dominiert seitdem in den Medien, während die systematisch tendenziöse Berichterstattung der BBC zu Israel höchstens noch gestreift wird. Auch Steffen Grimbergs fokussiert in der taz auf den Trump-Aspekt: "Der Direktor und die Nachrichtenchefin der BBC treten zurück. Auslöser: ein fehlerhafter Zusammenschnitt einer Rede des US-Präsidenten. Der freut sich. Und auch die US-Firmen, die gerade den britischen Medienmarkt aufkaufen."

Jochen Bittner sieht es bei Zeit online etwas anders und erzählt etwas über die Hintergründe von Prescotts Bericht: "Prescott hatte drei Jahre lang als Berater für das 'Editorial Guidelines and Standards Board' (EGSC) der BBC gearbeitet, das ein Gremium für die interne Qualitätssicherung ist. Im Juni trat Prescott dann von seinem Amt zurück, und zwar, wie er später schrieb, 'mit schwerwiegenden Sorgen um die BBC'. Sein Eindruck sei gewesen, dass die BBC-Führung zwar von Problemen in der Berichterstattung gewusst, jedoch nichts dagegen unternommen habe. 'Ich würde so weit gehen zu sagen, dass die Haltung, die der Vorstand gegenüber Beweisen für schwerwiegende und systemische Probleme zeigte, mittlerweile selbst ein systemisches Problem ist', schreibt Prescott in einer Einleitung für ein 19-seitiges Dossier, das der Telegraph am Donnerstag vollständig veröffentlichte." Der Bericht steht bei Telegraph leider nach wie vor hinter Zahlschranke.

Lucien Scherrer und Jonas Roth recherchieren in der NZZ weiter zu einem Mitarbeiter des ZDF aus Gaza, der bei einem Angriff der israelischen Armee ums Leben kam. Das ZDF war anfangs empört, musste dann aber eingestehen, dass der Mitarbeiter ein Offizier der Hamas war (unsere Resümees). Westliche Medien sind - auch wegen der restriktiven Medienpolitik der Israelis - gezwungen, mit Mitarbeitern vor Ort zusammenzuarbeiten. Diese werden aber von der Hamas kontrolliert. Die Autoren sehen sich die Firma PMP näher an, wo der Mitarbeiter angestellt war. Sie ist seit Jahrzehnten eng in die Kommunikationsstruktur der Hamas eingebunden: "So erschien der langjährige frühere PMP-Chef Abdelghani Jaber im Februar 2023 in palästinensischen Medienberichten als Mitglied einer Delegation des Verbandes der Medienproduktionsfirmen in Gaza. Dieser Verband steht im regelmäßigen Austausch mit dem Regierungsmedienbüro der Hamas. Sein Vorsitzender Hassan al-Madhun lobte Anfang 2023 die 'enge Zusammenarbeit' bei der Produktion von 'Inhalten, die dem nationalen Narrativ entsprechen'."
Stichwörter: BBC, ZDF, Gazakrieg, Hamas

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.11.2025 - Medien

Der Direktor der BBC Tim Davie und die Nachrichtenchefin Deborah Turness sind gestern zurückgetreten. Anlass ist ein 19-seitiger Bericht des politischen Journalisten und externen BBC-Beraters Michael Prescott, der der BBC tendenziöse Berichterstattung vorwirft. Die Trump-Rede am 6 Januar 2021 - bei der Stürmung des Kongresses - sei in einem Beitrag extrem manipualtiv zusammengeschnitten worden. Vor allem aber gegenüber Israel habe die BBC starke Schlagseite gezeigt. Auch die Trans-Community habe in der BBC einen zensorischen Einfluss. Die BBC machte das in ihrem internationalen Dienst gestern Abend zu "Breaking News" und bespiegelte sich selbst in Dauerschleife. Hier griff man allerdings lieber die Vorwürfe zu Trump auf als die zu Israel - Trump lieferte mit einem Post auf Truth Social einen dankbar aufgegriffenen Anlass. Prescotts Bericht ist im Daily Telegraph veröffentlicht, allerdings hinter Zahlschranke.

"Die BBC sieht sich einem koordinierten, politisch motivierten Angriff ausgesetzt. Mit diesen Rücktritten hat sie nachgegeben", kommentiert wie zu erwarten Jane Martinson im Guardian. Martinson gibt aber zu: "Die Berichterstattung aus Gaza, insbesondere die des arabischen Dienstes der BBC..., hat viele in der jüdischen Gemeinschaft verletzt, während die Haltung der BBC zu Transgender-Rechten sogar ihre eigenen Mitarbeiter gespalten hat."

Die Times-Kolumnistin Melanie Philips resümiert Prescotts Bericht auf ihrer Substack-Seite. "Er berichtet etwa über Ahmed Qannan, ein regelmäßiger Gast bei BBC Arabic, der einen Terroristen, der vier Zivilisten und einen israelischen Polizisten getötet hatte, als 'Helden' bezeichnete. Er sei zwischen Februar 2024 und April 2025 insgesamt 217 Mal in dem Sender aufgetreten. Er wurde als Journalist aus Gaza vorgestellt und trat sowohl im BBC Arabic Radio als auch in der Sendung "Gaza Today" auf. Ahmed Alagha, der Israelis als minderwertige Menschen und Juden als 'Teufel' bezeichnete, trat zwischen November 2023 und April 2025 insgesamt 522 Mal im arabischen Fernsehen und Radio der BBC sowie in 'Gaza Today' auf. Er wurde durchweg als Journalist vorgestellt." In der NZZ hatte Marion Löhndorf über die Vorwürfe berichtet.

Der Schweizer Verlag Ringier hat den Blikk, das meistgelesene Online-Medium Ungarns, an Indamedia verkauft, den Konzern des orbantreuen Unternehmers Lőrinc Mészáros, berichten Nicolas Freund und Verena Mayer in der SZ. Dabei ist jetzt schon "der allergrößte Teil der ungarischen Zeitungen, Sender oder Online-Angebote in der Hand von regierungstreuen Unternehmen, die Journalismus im Sinne der Fidesz-Partei machen". Die hat solche Unterstützung offenbar auch dringend nötig - und diese Erkenntnis ist gewissermaßen die gute Seite der Sache: Ein Gesetzentwurf "sieht vor, dass etwa Medien überhaupt kein Geld mehr aus dem Ausland annehmen dürfen, nicht einmal in Form von Spenden, Crowdfunding oder Abonnements. Dies würde auch die wenigen verbleibenden unabhängigen Medien zerstören. Klar dürfte auch sein, dass der Kauf des Blikk durch Indamedia in Zusammenhang mit der Parlamentswahl in Ungarn im Frühjahr 2026 steht. Orbán und seine Fidesz-Partei liegen in allen Umfragen hinter der Tisza-Partei von Péter Magyar."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.11.2025 - Medien

Neulich stellte sich heraus, dass das ZDF mit einem Offizier der Hamas zusammenarbeitete - er war bei einem Angriff der Israelis ums Leben gekommen und wurde vom ZDF zunächst intensiv betrauert. Der Fall reiht sich ein in eine ganze Serie von Kooperationen internationaler Medien, die nicht nach Gaza dürfen, mit "Journalisten", die oft zur Hamas gehören. Vanessa Fatho fasst für die FAZ zusammen: "Einen Fauxpas erster Klasse hatte sich Anfang des Jahres die BBC geleistet. Im Februar veröffentlichte der Sender die Dokumentation 'Gaza - How To Survive A War Zone'. Im Nachgang stellte sich heraus, dass einer der Protagonisten, ein 13 Jahre alter Junge, der Sohn des stellvertretenden Hamas-Landwirtschaftsministers Ayman al-Yazouri war. Inzwischen wurde die Doku aus der BBC-Mediathek entfernt und nach eigenen Angaben eine interne Untersuchung durchgeführt... Die britische Medienaufsichtsbehörde Ofcom verpflichtete die BBC dazu, sich zur besten Sendezeit im Programm für die Sache zu entschuldigen."

Die Bundesländer suchen nach einem neuen "Digitale-Medien-Staatsvertrag (DMStV)", berichtet Ann-Kathrin Lecler in der taz, die mit Heike Raab, Koordinatorin der Rundfunkkommission der Länder und Medienstaatssekretärin von Rheinland-Pfalz gesprochen hat. Unter anderem geht es darum, wie man für die notleidenden "Qualitätsmedien" ein wenig Gelder der übermächtigen Plattformen abzweigen kann (na, Hauptsache, der Perlentaucher kriegt was ab). "In Österreich gibt es eine ähnliche Plattformabgabe bereits, große Onlineplattformen müssen fünf Prozent ihrer Einkünfte aus der Werbevermarktung abführen. Wie die Abgabe in Deutschland ausgestaltet werden würde und wer von ihr profitieren könnte, wurde noch nicht ausgehandelt, so Raab. Die Länder suchten aber nach einer Lösung, die die flächendeckende Versorgung von verlässlichen Medien garantiere. Das Ziel: 'Ein Regelwerk, das den US-Tech-Giganten etwas entgegensetzt, neue Regeln für den Jugendschutz schafft und journalistische Inhalte auf Plattformen stärkt', sagt Raab."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.11.2025 - Medien

Oliver Jungen folgte für die FAZ einem "Kölner Mediengespräch" mit einem Vortrag der Antisemitismusforscherin Monika Schwarz-Friesel, die die Berichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen über den Gaza-Krieg scharf kritisierte. Als Beispiel nannte sie etwa einen Online-Beitrag von "Monitor", wo der Journalist Thilo Jung unwidersprochen Verschwörungsthorien habe ausbreiten dürfen. "Der Moderator Georg Restle habe nicht nur nicht eingegriffen, sondern diese Reaktivierung eines antisemitischen Ressentiments noch bestärkt. 'Wir haben hier', schloss Schwarz-Friesel, 'eigentlich einen riesigen Medienskandal..., Georg Restle hätte sofort zurücktreten müssen. Es ist nichts passiert.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.11.2025 - Medien

Eigentlich ein ganz normaler Vorgang: Das Zeit-Magazin gibt beim chinesischen Künstler Ai Weiwei einen Text (hier der Text auf seinem Instagram-Account) in Auftrag, er erfüllt nicht die Anforderungen, der Text wird nicht gedruckt - trotzdem Grund genug für die Berliner Zeitung und die Weltbühne, "Cancel Culture" zu wittern. Bernhard Heckler hat den Vorgang für die SZ aufgearbeitet und den Schriftsteller Behzad Karim Kani, Mitherausgeber der Weltbühne, um Stellungnahme gebeten, der direkt einen Artikel aus diesem Mailverlauf fingierte und ab da scheinbar sehnsüchtig auf den "Cancel"-Artikel aus der SZ wartete. "Am Wochenende hat Behzad Karim Kani per Mail nachgefragt: 'Wissen Sie schon, wann der Artikel erscheint? Und wären Sie so freundlich, mir einen freien Link oder den Artikel als PDF zukommen zu lassen?' Nun, der Text erscheint ungefähr: jetzt. Mit einem freien Link oder dem Artikel als PDF können wir leider nicht dienen. Die Meinung soll schließlich nicht nur frei sein in diesem Land, sondern sie soll sich auch rechnen."

Der digitale Erfolg der New York Times erklärt sich nicht durch journalistische Qualität, sondern durch das Spieleangebot des Instituts, erklärt Marc Tawadrous in der taz. "2022 zahlten über eine Million Menschen für Games-Only-Accounts. Bis 2027 will das Medienunternehmen 15 Millionen Spieleabos generieren." Am erfolgreichsten ist das Spiel "Wordle", so Tawadrous. Der Erfolg könnte dann Anlass sein, auch wieder in journalistische Qualität zu investieren.

Auch interessant: Am 13. November jähren sich die Terrorattentate von Paris im Jahr 2015 zum zehnten Mal. Allein beim Attentat auf das Bataclan starben 90 Menschen. Aber deutsche Fernsehanstalten interessieren sich in zwei Dokus, die Christian Kamp in der FAZ bespricht, nur für das Geschehen am Stade de France, wo an diesem Abend ein weiteres Attentat fehlschlug. Weil dort die deutsche Nationalmannschaft spielte! Bei Sky läuft "Die Nacht von Paris - Terror am Stade de France", in der ARD läuft "Terror. Fußball. Paris 2015" (Aus dem Werbetext der ARD: "Mit emotionalen Zeitzeugenberichten, exklusiven Interviews und bislang unbekannten Hintergründen rekonstruiert die Dokumentation einen der dunkelsten Abende Europas und des europäischen Fußballs. 'Du bereitest dich auf ein Top-Spiel vor - und am Ende war es der schwärzeste Tag', sagt ARD-Experte Bastian Schweinsteiger.")

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.10.2025 - Medien

In der FAZ fragt ein perplexer Michael Hanfeld, wie es sein kann, dass das ZDF nicht wusste, dass ein von einer israelischen Bombe getöteter palästinensischer ZDF-Mitarbeiter im Hauptberuf "'Offizier' der Qassam-Brigaden" der Hamas war, "zuständig für Waffenproduktion". Im Ernst, fragt Hanfeld, der die Glaubwürdigkeit des Senders beschädigt sieht: "Davon hatte das ZDF eine Woche zuvor noch nichts wissen wollen. Da hieß es, die israelische Armee bleibe Belege für den Vorwurf, der Getötete sei bei der Hamas gewesen, schuldig. Doch angesichts Abu Mutairs Hamas-Personalakte musste der Sender dann um 180 Grad umschwenken, tat und tut aber immer noch so, als wäre nichts gewesen ... Wieso sollen wir glauben, dass es keinen Einfluss auf die Berichterstattung gibt? Wieso sollen wir dem ZDF, das zuerst im Ton moralischer Überlegenheit auftrumpft und sich dann kleinstlaut davonstiehlt, noch irgendetwas in dieser Angelegenheit abnehmen?"

Jacques Schuster will in der Welt die Israel-Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sender insgesamt auf den Prüfstand stellen: "Trotz ihrer Behauptung, ein neutraler Beobachter zu sein, der sämtliche journalistische Qualitätsstandards beachte und deshalb umso glaubwürdiger sei, legen das ZDF und auch die ARD (zu schweigen vom notorischen Deutschlandfunk) eine Einseitigkeit an den Tag, die schwer zu ertragen ist - und das mit oder ohne Hamas-U-Boot in den eigenen Reihen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.10.2025 - Medien

Ludger Wess kommt in einem Twitter-Thread auf den "Tatort" "Letzte Ernte" vom Sonntag mit Maria Furtwängler zurück, den er in aller Kürze so resümiert: "Altbauer hat Krebs durch Glyphosat. Jungbauer ist impotent durch Glyphosat. Landhändler spritzt Insektizid bei Biobauer, um dessen Hof zu ruinieren und kaufen zu können." Auch in der Presse war der "Tatort" nicht so gut angekommen, aber Christian Buß im Spiegel etwa kritisierte vor allem die dramaturgische Qualität dieses "Knobelkrimis im Schleichmodus" ("Bewertung: 4 von 10 Punkten"). Wess verlinkt auch auf ein Promo-Interview mit dem Regisseur des "Tatorts", Johannes Naber beim NDR, wo man erfährt: "Maria Furtwängler, die mit ihrer Produktionsfirma und dem NDR das Drehbuch entwickelt hat, kam auf mich zu und fragte mich, ob ich den Film machen will. Für sie waren das Thema Biodiversität in der Landwirtschaft und die kritische Betrachtung von Pflanzenschutzmitteln zentral." Das ist praktisch, denn als Produzentin kann Furtwängler ihre politischen Ansichten mit ihrer Rolle als Kommissarin verknüpfen. Wess macht auch darauf aufmerksam, dass die Schauspielerin und Mäzenin außerdem die "MaLisa Stiftung" ins Leben gerufen hat, in deren Selbstdarstellung es heißt: "Die MaLisa Stiftung arbeitet eng mit Medien, wissenschaftlichen Institutionen und Experten zusammen, um durch fundierte Studien den Status Quo zu beleuchten. Unser Ziel ist es, gesellschaftlich relevante Themen wie Klimagerechtigkeit und Gleichstellung stärker ins Bewusstsein zu rücken."

Weiteres: "Heute", die Nachrichtensendung des ZDF räumt in einem Artikel auf ihrer Website ein, dass ein Mitarbeiter einer Produktionsfirma aus Gaza, mit der das ZDF zusammenarbeitet (die Zusammenarbeit ist jetzt gekündigt), ein Hamas-Offizier war. Der Mitarbeiter war bei einem Angriff der israelischen Armee getötet worden.
Stichwörter: Furtwängler, Maria

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.10.2025 - Medien

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat sich zwar aus der Geschäftsführung seiner Weimer Media Group verabschiedet, berichten Jörg Häntzschel und Meike Schreiber in der SZ. "Aber: Von einer Übertragung seiner Anteile steht im Handelsregister nichts. Weimer hält weiterhin 50 Prozent der Mediengruppe (die anderen 50 gehören seiner Frau). Das bestätigt auch sein Berliner Sprecher auf Anfrage und weist darauf hin, dass Weimer ja kein Stimmrecht in der Firma ausübe." Das ist insofern pikant, so die Autoren, als die Weimer Media Group etwa in diesen Tagen in Frankfurt einen "Finance and Future Summit" mit viel Prominenz organisierte und dafür Förderung des Landes Hessen in Höhe von 30.000 Euro erhielt - zuerst herausgefunden hatte das laut den Autoren die Junge Freiheit.
Stichwörter: Weimer, Wolfram

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.10.2025 - Medien

Die Pressefreiheit in Italien gerät immer mehr unter Druck, konstatiert Elisa Britzelmeier in der SZ. So gab es zuletzt einen Anschlag mit einer Autobombe auf den berühmten Fernsehjournalisten Sigfrido Ranucci. Schlimmer wiegen aber die Klagen, die von offiziellen Stellen kommen: "Die meisten solcher Klagen kommen von Vertretern der Institutionen, Bürgermeistern wie bei Marilù Mastrogiovanni etwa. Von einer Seite also, die sich qua Amt für den Schutz der Presse einsetzen sollte. Sigfrido Ranucci und seine Redaktion, die Investigativsendung Report, werden seit Jahren mit solchen Klagen überzogen. Mehrere kamen aus der aktuellen Regierung." Vor allem Journalisten, die in der Peripherie arbeiten, seien solchen Klagen oft schutzlos ausgesetzt, wie zum Beispiel die Journalistin Marilù Mastrogiovanni: "'Dann schreiben viele einfach nichts mehr.' Sie selbst, sagt sie, steckt sehr viel Zeit in juristische Auseinandersetzungen. Zeit, in der sie sonst recherchieren würde. 'Jede Klage gegen mich ist ein Stück Pressefreiheit, das verloren geht.'"

Im Interview mit der Zeit wundert sich Roberto Saviano nicht über den Anschlag auf Ranucci: Früher wären die Menschen solidarisch gewesen. Heute glauben Attentäter, "dass die Empörungswelle schnell abebben wird" und das wohl nicht ohne Grund, erklärt er mit Blick auf Giorgia Meloni, die als Oppositionspolitikerin die Sendung von Ranucci als "journalistischen Müll" bezeichnet und verlangt habe, dass er von dem Sender zur Rechenschaft gezogen wird. "Wer auch immer den Anschlag verübt hat, nimmt natürlich wahr, dass Journalisten auch von der Politik permanent geschwächt werden. Journalisten müssen mit vielen Klagen und persönlichen Angriffen leben. Wenn selbst Regierungsmitglieder den Journalismus attackieren, dann kann man zu der Überzeugung gelangen, dass man einen Journalisten angreifen kann. Dass man damit durchkommt."

Mit leichtem Befremden hört Anne-Catherine Simon von der Presse den sechsteiligen Deutschlandfunk-Podcast über Peter Thiel. Darin wird  suggeriert, Peter Thiel habe die Machtergreifung Trumps und von Thiels Kumpel Vance "jahrzehntelang vorbereitet". Wenden sich die öffentlich-rechtlichen Sender bei Leuten wie George Soros oder Bill Gates gegen Verschwörungstheorien, aber nicht bei Peter Thiel? "Was wir hier erzählen, klingt ein bisschen wie eine Verschwörungstheorie", sagen die Macher selbst, und Simon stimmt zu: "Immer wieder suggerieren sprachliche Hilfsmittel - hier etwa ein bestimmter statt eines unbestimmten Artikels, da ein Singular statt Plural -, was nicht schlüssig zu argumentieren ist, ja dem im Detail Erzählten widerspricht: eine langfristige lineare Vorbereitung, ein alles durchziehendes Telos."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.10.2025 - Medien

Eine originelle These stellt die freie Kommunikationswissenschaftlerin Nadia Zaboura im Gespräch mit Elias Feroz von der taz auf. Deutsche Medien seien zu nett mit Israel: "In Deutschland besteht eine historisch begründete Sensibilität und Solidarität gegenüber Israel. Immer wieder führt das laut eigener Aussage von Journalist:innen jedoch dazu, dass sie nicht mit denselben Standards arbeiten. Teils vermeiden sie in Kontrast zu Teilen der internationalen Berichterstattung juristische Fachbegriffe wie 'Völkermord', immer wieder auch mit der Begründung dieser historischen Verantwortung und in Bezug auf die deutsche Staatsräson." Zaboura beklagt auch israelische Einflussnahme und "delegitimierende Einzelporträts über deutsche Journalist*innen - wie jüngst in der Jüdischen Allgemeinen über den Chefkorrespondenten des Deutschlandradios in Berlin, Stephan Detjen, Daniel Bax von der taz oder die ARD-Korrespondentin Sophie von der Tann."