9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Geschichte

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.02.2026 - Geschichte

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Beim Blick auf Trump und seine ICE-Schergen werden häufig Parallelen zum Aufstieg der Nazis gezogen. Der Historiker Richard J. Evans, Autor mehrere Bücher über das "Dritte Reich", erklärt im FR-Interview, warum der Vergleich nicht ganz stimmig ist: "Ich würde sagen: Man hört Echos. Ich glaube nicht, dass Trump ein Faschist ist. Aber es gibt gewisse Parallelen. Und zugleich sind die Unterschiede fundamental (...) Was viele heute unterschätzen - Historiker wie Publikum -, sind zwei Dinge. Erstens die nahezu grenzenlose Gewalttätigkeit der Nationalsozialisten. Natürlich gibt es auch in den USA Gewalt, aber das ist nicht vergleichbar. In den Wahlkämpfen der frühen 1930er Jahre starben auf deutschen Straßen Hunderte Menschen; im Wahlkampf 1932 waren es über 400 Tote. Nach der Ernennung Hitlers und erst recht nach dem Reichstagsbrand eskalierte die Gewalt von SA und SS massiv. Gewalt war ein Kernbestandteil der nationalsozialistischen Machtübernahme. Das wird heute zu oft vergessen."

Nicht zu den Nazis, sondern zu den amerikanischen Sklavenjägern des 19. Jahrhunderts zieht der Rechtsprofessor Daniel Kanstroom im NZZ-Interview Parallelen: "Ich will den Vergleich nicht überstrapazieren. Die Sklaverei war ein völlig anderes, sehr viel umfassenderes und tiefer in die Gesellschaft eingreifendes historisches Phänomen. Dennoch glaube ich, dass es für die These genügend Ähnlichkeiten zwischen den Sklavenjägern des 19. Jahrhunderts und den ICE-Agenten gibt. Afroamerikaner lebten zu jener Zeit in ständiger Angst, weil sie fälschlich für Sklaven gehalten werden konnten, von Sklavenjägern entführt wurden und sich dann neu versklavt in Mississippi wiederfanden - ohne jede Möglichkeit, zurückzukehren."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.02.2026 - Geschichte

Marko Martin erinnert bei libmod.de zu dessen hundertstem Geburtstag an den Ideenhistoriker Fritz Stern, der irrationalen Überschwang zuerst bei deutschen Kulturkonservativen, dann aber auch bei linken Studenten analysierte und nur wenige Wochen vor seinem Tod am 18. Mai 2016 mit Trump im Blick "ein denkbar bitteres Lebensresümee zieht: 'Manchmal bereue ich es, mit dem Ende einer Demokratie aufgewachsen zu sein, und nun, gegen Ende meines Lebens, die Kämpfe um die Demokratie noch einmal erleben muss. Eigentlich eine traurige Bilanz.' Gerade deshalb aber bleibt Fritz Stern so aktuell - als unbestechlicher Beobachter, mit einem genauen Blick für das destruktive Blendwerk jener Pauschal-Ankläger, die vor allem 'ein Zeugnis dessen sind, was sie anklagen'."
Stichwörter: Stern, Fritz

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.02.2026 - Geschichte

Auch Ruhrbarone muss man differenziert sehen. Der Historiker Hans Günter Hockerts erinnert in der FAZ an den Stahlindustriellen Fritz Thyssen und seine Frau Amélie, die zunächst, noch vor 1933, begeisterte Nazis waren, sich aber mehr und mehr distanzierten, dann in die Schweiz flüchteten und in Frankreich, wo sie sich auch öffentlich äußerten, vom Vichy-Regime festgenommen wurden. "Seit Januar 1941 in einem Sanatorium in Neubabelsberg interniert, wurden Fritz und Amélie Thyssen im Mai 1943 in ein Sonderlager des KZ Sachsenhausen verlegt. In der Hektik der letzten drei Kriegsmonate folgten weitere Stationen, die über die Konzentrationslager Buchenwald und Dachau nach Südtirol führten. Dort wurden sie im Mai 1945 von US-amerikanischen Einheiten zusammen mit weiteren prominenten Sonderhäftlingen befreit." Amélie Thyssen schaffte es nach dem Tod ihres Mannes, das Thyssen-Imperium wieder aufzubauen und versuchte mit der Thyssen-Stiftung den Ruf ihres Mannes zu retten.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.01.2026 - Geschichte

Der Historiker Ralf Zerback zeichnet in einem sehr lesenswerten Artikel in der der Zeit die heute wenig bekannte Geschichte des Arabischen Aufstands von 1936 bis 1939 nach, der als ein Ausgangspunkt für den bis heute ungelösten jüdisch-arabischen Konflikt gelten kann. Zerback zeigt, wie die britische und französische Kolonialmacht daran scheiterte, eine friedliche Lösung zwischen den Arabern, die seit dem 7. Jahrhundert das Land bewohnten und den Juden, die vor dem Antisemitismus in Europa flohen, zu unterstützen. Es ist vor allem die "Landfrage", die die Situation letzendlich eskalieren lässt: "Zu ersten Massenausschreitungen kommt es am 19. April 1936 in Jaffa. Arabische Männer demolieren jüdische Läden, Fensterscheiben klirren, Flammen fressen sich durch die Holztore. Britische Polizisten schießen Warnsalven in die Luft, doch die Menge tobt weiter. (...) Die Araber proben den Generalstreik - gegen die britische Herrschaft, gegen die jüdische Zuwanderung, gegen den Verlust des eigenen Landes. Händler schließen ihre Läden, Bauern lassen die Felder brach liegen, ganze Dörfer verweigern die Steuerzahlung. Die Briten antworten mit Razzien und Ausgangssperren. Jüdische Siedler errichten Wachtürme und legen Stacheldraht. Drei Jahre lang flackert das Land zwischen Hoffnung und Hass. Als der Aufstand 1939 in Erschöpfung endet, ist nichts mehr wie zuvor. Man zählt fast 6.000 Tote." 

Nachzutragen bleibt ein Vorschlag von Welt-Autor Henryk Broder zum Holocaust-Gedenktag, der zwar nicht aufgegriffen wurde, der aber, wie zu fürchten steht, auch im nächsten Jahr noch beherzigt werden kann: "Wohl wissend, dass es nicht darauf ankommt, was ich mir wünsche, möchte ich vorschlagen, dass der diesjährige Gedenktag den Leiden der Ukrainer gewidmet wird; dass ein Überlebender des Massakers von Butscha die Festrede im Bundestag hält, dass alle öffentlichen Gebäude und Denkmale, vom Holstentor in Lübeck über das Brandenburger Tor in Berlin bis zum Siegestor in München, blau-gelb beleuchtet werden, dass um 12 Uhr mittags alle Alarmsysteme angehen, alle Autos anhalten und alle Fußgänger stehen bleiben - für eine Minute des Gedenkens."

"Geostrategische Begehrlichkeiten" der USA Grönland gegenüber gab es schon lange: Der Historiker Bodo Mrozek stellt in der FAZ zwei historische Geheimprojekte der amerikanischen Armee zu Beginn der Sechziger Jahre vor, die ziemlich nach Science-Fiction klingen: "Unter dem Codenamen Iceworm plante die US-Armee auf Grönland ein System aus überdachten Gräben, die sich über ein Gebiet von 52.000 Quadratmeilen ziehen sollten. Unter dem Eis sollten um die 11.000 Truppen einquartiert und 60 gepanzerte Abschusszentren installiert werden, samt Spezialflugzeugen und Landebahnen. In den Eistunneln wollte man Atomraketen situativ zu verschiedenen Abschusspunkten transportieren, um so zu einer Gesamtreichweite von 80 Prozent aller möglichen Ziele in Europa und der UdSSR zu gelangen." Allerdings stellte der "Betrieb bei 24 Grad minus, vor allem aber die mangelnde Stabilität Tausende meilenlanger Tunnel unter Druck und Spannung der beweglichen Eismassen ein unüberwindliches Risiko dar, sodass US-Verteidigungsminister Robert McNamara das Projekt 1963 stillschweigend wieder auf Eis legte."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.01.2026 - Geschichte

Vor dreißig Jahren erklärte Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar, Tag der Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee, zum Holocaust-Gedenktag. "Zuvor hatte es im Land der Täter kein Datum gegeben, auf das man sich politisch und gesellschaftlich geeinigt hätte, um sich mit den Fragen nach Schuld, Verantwortung und Konsequenzen im Zusammenhang mit dem Völkermord an den Juden Europas öffentlich auseinanderzusetzen", erinnert Stephan Löwenstein in der FAZ.

In der Ukraine gibt es zu viele Massengräber von Holocaustopfern, als dass sie alle deutlich als Gedenkstätten ausgewiesen sind. Wie gestern die Historikerin Magdalena Saryusz-Wolska in der FAZ, die über Polen schrieb, erinnert heute auch Klaus Hillenbrand in der taz an den "Holocaust durch Kugeln". "An manchen Orten hat das von der SS gebildete 'Kommando 1005' noch vor dem deutschen Rückzug aus der Ukraine 1944 die Leichname geborgen und verbrannt, auf dass keine Erinnerung an die Tat bleiben sollte. Die Knochen wurden in einer extra dafür konstruierten Knochenmühle gemahlen. Doch es waren zu viele Mordstätten, der Rückzug ging zu rasch vonstatten und das Kommando 1005 kam mit der Bergung nicht hinterher. Deshalb liegen viele der Ermordeten noch heute bisweilen unbeachtet irgendwo in der Ukraine in einem Massengrab." Ebenfalls in der taz schreibt Peggy Lohse über Stolpersteine in der Ukraine und "dezentrale Erinnerung" auch im Blick auf die Opfer des aktuellen Kriegs. Und Jens Urhoff porträtiert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman, die heute im Bundestag sprechen wird. Auch in der FAZ gibt es ein Porträt, von Heike Schmoll.

Immer öfter wird die Frage gestellt, weshalb weiterhin des Holocaust gedacht wird, so der Regisseur Martin Moszkowicz während seiner gestrigen Rede zum Gedenktag im Bayrischen Landtag, die die SZ abdruckt. "Geschichte zeigt uns immer wieder: Der gefährlichste Verbündete des Hasses ist nicht der Radikale, sondern der Gleichgültige. Gerade deshalb richtet sich Erinnerung nicht nur gegen Extremismus. (...) Wir erleben eine schleichende Normalisierung des Hasses, die wir niemals akzeptieren dürfen. Um das klarzumachen: Ich kritisiere viele Entscheidungen der aktuellen israelischen Regierung - genau wie Hunderttausende Israelis es Woche für Woche auf den Straßen von Tel Aviv tun. Kritik an einer Regierung ist die höchste Form der Demokratie. Doch was wir heute erleben, ist etwas anderes. Hier wird nicht Politik kritisiert; hier wird das Existenzrecht eines Staates infrage gestellt. Für Juden ist Israel nicht irgendein Land. Es ist die Lebensversicherung, die mein Vater und seine sechs Geschwister nicht hatten. Wer das Existenzrecht Israels angreift, greift die Sicherheit jedes einzelnen Juden weltweit an. Das ist nicht verhandelbar. Niemals." In der FR-Interview spricht die Historikerin Iris Groschek über eine neue Form der Erinnerungskultur, die auf digitalen Avataren von Holocaust-Überlebenden beruht.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.01.2026 - Geschichte

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Jan Feddersen (taz) hat den Historiker Götz Aly, dessen Buch "Wie konnte das geschehen?" vergangenes Jahr zum Bestseller wurde, anlässlich des Holocaust-Gedenktages am kommenden Dienstag zum Gespräch getroffen. Dass das Erinnern mit dem Sterben der letzten Zeitzeugen verblasse, lasse sich nicht aufhalten, auch die universitäre Forschung sei "im eigenen Saft sehr steril" geworden, sagt er. Er rät, neben den Opfern und den Tätern auch die deutsche Gesellschaft während der NS-Jahre stärker in den Blick zu nehmen: "Wie viel Opportunismus, wie viel Feigheit, wie viel Mitmachen, wie viel politisch effektloses Nichtmitmachen haben deutsche Männer und Frauen damals an den Tag gelegt? Die Methoden der Macht, die die deutsche Führung damals anwandte, die verführerischen wie die robusten, sind nicht ungewöhnlich gewesen. Für sich genommen, sind sie alle noch in Gebrauch, derzeit zumeist in vergleichsweise milderen Formen. (…) Die sozialen Bestechungspraktiken: Urlaub, Kindergeld, gerechte Lebensmittelverteilung im Krieg und so weiter. Das können wir hier auslassen. Nehmen wir als Beispiel den Krieg. Egal ob gerecht oder ungerecht, lässt er Menschen zusammenrücken und macht sie auch gefügig. Krieg ist seit Menschengedenken ein bewährtes politisches Integrationsmittel." Noch ausführliche findet sich das Gespräch online.

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Aly erklärt auch, warum viele akademisch gebildete Deutsche Hitler unterstützten: Im Gegensatz zur jüdischen Minderheit sei die christlich geprägte Mehrheitsbevölkerung bis 1900 wenig auftsiegsorientiert gewesen: "Schon in der Weimarer Republik berufene Wissenschaftler ermunterten die langsam hinterherhechelnde germanodeutsche Mehrheit mit der Lehre von der nordischen Edelrasse, die kulturell und moralisch allen anderen überlegen sei." Im Welt-Gespräch mit Marc Reichwein blickt der Historiker Matthias Stickler, Mitautor des Buches "Beiträge zur Geschichte des Burschenbunds-Convents B.C.", noch weiter zurück. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gelang den Corps und Burschenschaften "eine Art Marsch durch die Institutionen", erinnert er: "Seit den 1880er-Jahren wurde dann der Antisemitismus zu einem dominierenden Faktor an den Universitäten. Im Unterschied zum christlichen Antijudaismus, den es seit Jahrhunderten gab, befeuerte ein deutsch-völkischer Nationalismus die pseudowissenschaftliche Vorstellung, dass Juden eine eigene Rasse seien und unmöglich Deutsche sein könnten. Dieser rassistische Antisemitismus war auch eine Jugendbewegung - das muss man sich immer wieder klarmachen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.01.2026 - Geschichte

Oft wird auf die UNO-Resolution 181 verwiesen, wenn es um die Staatsgründung Israels ging und dass die Juden dadurch ihren Staat quasi auf dem Silbertablett serviert bekommen hätten, konstatiert Jan Kapusnak in der NZZ in einem Artikel, der die Phase der israelischen Staatsgründung und den Krieg der arabischen Länder gegen das gerade erst gegründete Land beleuchtet. Das stimmt allerdings nicht, die Juden mussten ihren jungen Staat gegen die umliegenden arabischen Staaten, die einen jüdischen Staat ablehnten, verteidigen. Die UNO-Resolution bot lediglich internationale Legitimität. "Alles andere leisteten Menschen, nicht die Vereinten Nationen - zionistische Führungspersönlichkeiten, die jahrelang die Welt bearbeiteten und zugleich die Verteidigung organisierten (...). Der jüdische Staat existiert nicht, weil er den Juden als Gunstbeweis gewährt wurde, sondern weil seine Menschen den Preis dafür bezahlt haben, eine Resolution auf Papier in ein lebendiges Land zu verwandeln - und damit den Zionismus wohl zur erfolgreichsten Dekolonisierungsbewegung der modernen Geschichte überhaupt gemacht haben."

Außerdem: Patrick Bahners schreibt in der FAZ zum Tod des Mittelalterhistorikers Johannes Fried.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.01.2026 - Geschichte

Dänemark hat ja schon mal Inseln an die USA verkauft, erinnert Arno Widmann in der FR, die Virgin Islands in der Karibik im Jahr 1917. Die Inseln hatten sich für Dänemark einfach nicht mehr gelohnt: "Den Sklavenhandel hatte Dänemark offiziell zwar schon im Jahr 1792 abgeschafft. Aber die Sklaverei in den westindischen Kolonien bestand weiter. Es gab immer wieder Aufstände dagegen. Bis endlich nach einem weiteren Aufstand auf der Insel St. Croix am 3. Juli 1848 der dänische Gouverneur die Sklaverei beendete. Das war das Aus nun auch für die Zuckerplantagen. Die Kolonien waren nur noch eine Last für Dänemark."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.12.2025 - Geschichte

Der Historiker Marcel Bois beschäftigt sich mit Sport im Nationalsozialismus. Gerade hat er eine Studie zum Hamburger Ruderinnen-Club vorgelegt. Was Bois im taz-Gespräch mit Petra Schellen über den Club sagt, entspricht Götz Alys ("Wie konnte das geschehen") These von der gesellschaftlichen Modernität der Nazis. "Beim 'Hamburger Ruderinnen-Club von 1925'... lässt sich eine hohe ideologische Nähe zum Nationalsozialismus feststellen. Ein Grund war sicherlich, dass das Regime das Frauenrudern gefördert hat. Anders als noch in der Weimarer Republik durften Frauen nun beispielsweise Wettkämpfe veranstalten." Organisatorisch lief das so ab: "Die bisherige Vorsitzende Sophie Barrelet wurde zur 'Führerin' bestimmt, die nicht abgewählt werden konnte. Zudem führte der Verein schon 1933 den gegen Juden gerichteten 'Arierparagrafen' ein - was er zu diesem Zeitpunkt noch nicht hätte tun müssen. Und ab 1935 stand in der Satzung des Hamburger Ruderinnen-Clubs: 'Der Verein bezweckt die leibliche und seelische Erziehung seiner Mitglieder im Geiste des NS-Volksstaats.'" Bois' Studie ist auf der Website des Clubs als pdf-Dokument lesbar.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.12.2025 - Geschichte

FAZ-Korrespondent Johannes Leithäuser stellt Forschungen der britischen Historikerin Amy Williams zu den "Kindertransporten" um das Jahr 1938 vor. Meist auf Initiative jüdischer Organisationen wurden Kinder aus Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei nach Großbritannien und in andere Länder verschickt. Die Forschungen zeigen, dass die Verschickungen "keinesfalls dem Szenario einer überstürzten Massenflucht folgten, sondern in bürokratischen Verfahren organisiert wurden, mit Schreibmaschinenlisten, Durchschlägen, Ankündigungen, Genehmigungen, Fahrkarten, Pässen, Nummern und Stempeln", so Leithäuser. Und die Deutschen überwachten die Aktion genau: "Die Akten enthalten auch Hinweise, dass Adolf Eichmann, der später zum Organisator der Vernichtungstransporte wurde, zu jener Zeit in Wien im Hintergrund agierte und gelegentlich eingriff, um die Kindertransporte nach England zu beschleunigen. Williams zeigt in ihren Dokumenten Beispiele aus dem Schriftverkehr mit der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) - die in jedem einzelnen Fall ihr Einverständnis zur Ausreise eines jüdischen Kindes zu geben hatte. Und die später, falls die Fluchtadressen der Kinder nicht in Dänemark, sondern in den Niederlanden oder Belgien lag, nach der Besetzung dieser Länder versuchte, der Kinder dort wieder habhaft zu werden."
Stichwörter: Kindertransporte