Vor dreißig Jahren erklärte Bundespräsident Roman Herzog
den 27. Januar, Tag der Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee, zum
Holocaust-Gedenktag. "Zuvor hatte es im Land der Täter kein Datum gegeben, auf das man sich politisch und gesellschaftlich
geeinigt hätte, um sich mit den Fragen nach Schuld, Verantwortung und Konsequenzen im Zusammenhang mit dem Völkermord an den Juden Europas öffentlich auseinanderzusetzen", erinnert Stephan Löwenstein in der
FAZ.
In der
Ukraine gibt es zu viele Massengräber von
Holocaustopfern, als dass sie alle deutlich als Gedenkstätten ausgewiesen sind. Wie
gestern die Historikerin Magdalena Saryusz-Wolska in der
FAZ, die über Polen schrieb,
erinnert heute auch Klaus Hillenbrand in der
taz an den "
Holocaust durch Kugeln". "An manchen Orten hat das von der SS gebildete 'Kommando 1005' noch vor dem deutschen Rückzug aus der Ukraine 1944 die Leichname geborgen und verbrannt, auf dass keine Erinnerung an die Tat bleiben sollte. Die Knochen wurden in einer extra
dafür konstruierten Knochenmühle gemahlen. Doch es waren zu viele Mordstätten, der Rückzug ging zu rasch vonstatten und das Kommando 1005 kam mit der Bergung nicht hinterher. Deshalb liegen viele der Ermordeten noch heute bisweilen unbeachtet irgendwo in der Ukraine in einem Massengrab." Ebenfalls in der
taz schreibt Peggy Lohse über Stolpersteine in der Ukraine und "dezentrale Erinnerung" auch im Blick auf die Opfer des aktuellen Kriegs. Und Jens Urhoff
porträtiert die Auschwitz-Überlebende
Tova Friedman, die heute im Bundestag sprechen wird. Auch in der FAZ gibt es ein Porträt, von Heike Schmoll.
Immer öfter wird die Frage gestellt, weshalb weiterhin des Holocaust gedacht wird, so der
Regisseur Martin Moszkowicz während seiner gestrigen Rede zum Gedenktag im Bayrischen Landtag, die die
SZ abdruckt. "Geschichte zeigt uns immer wieder: Der gefährlichste Verbündete des Hasses ist nicht der Radikale, sondern
der Gleichgültige. Gerade deshalb richtet sich Erinnerung nicht nur gegen Extremismus. (...) Wir erleben eine
schleichende Normalisierung des Hasses, die wir niemals akzeptieren dürfen. Um das klarzumachen: Ich kritisiere viele Entscheidungen der aktuellen israelischen Regierung - genau wie Hunderttausende Israelis es Woche für Woche auf den Straßen von Tel Aviv tun. Kritik an einer Regierung ist die höchste Form der Demokratie. Doch was wir heute erleben, ist etwas anderes. Hier wird nicht Politik kritisiert; hier wird das
Existenzrecht eines Staates infrage gestellt. Für Juden ist Israel nicht irgendein Land. Es ist die Lebensversicherung, die mein Vater und seine sechs Geschwister nicht hatten. Wer das Existenzrecht Israels angreift, greift die Sicherheit jedes einzelnen Juden weltweit an. Das ist nicht verhandelbar. Niemals." In der
FR-Interview spricht die
Historikerin Iris Groschek über eine neue Form der Erinnerungskultur, die auf digitalen Avataren von Holocaust-Überlebenden beruht.