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Stichwort "Mandelstam"


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Ossip Mandelstam

Ossip Mandelstam wurde 1891 in Warschau in eine jüdischen Kaufmannsfamilie geboren. Sein Vater war Lederhändler, seine Mutter Klavierlehrerin. Seine Kindheit und Jugend verlebte Mandelstam in Pawlowsk und St. Petersburg. Dort besuchte er das fortschrittliche Tenischew-Gymnasium, wo auch Vladimir Nabokov zur Schule ging. Danach reiste er nach Paris (1907-08) und Deutschland (1908-10), wo er von zwei Jahre Französische Literatur studierte. Von 1911-17 studierte er Philosophie an der Universität von Petersburg. In dieser Zeit gehörte Mandelstam zur Dichtergruppe der Akmeisten um Nikolaj Gumiljow und Anna Achmatowa. Bekannt wurde er durch seine Gedichtbände "Der Stein" (1913/1916) und "Tristia" (1922). In dem autobiografischen Prosaband "Das Rauschen der Zeit" (1925) schuf er ein atmosphärisches Porträt des vor-revolutionären Russland, seiner "kränklichen Ruhe" vor dem großen Sturm. Es war eine Erinnerung an seine Kindheit und Jugend voller Gerüche und Geräusche.Die Februarrevolution 1917 begrüßte Mandelstam noch, dem Oktoberumsturz der Bolschewiken stand er jedoch kritisch gegenüber. Die Konflikte mit seiner Epoche verarbeitete er in einer Reihe berühmter Gedichte: "Meine Zeit, mein Tier", "Der Hufeisenfinder", "Der 1. Januar 1924", "Niemands Zeitgenosse". 1922 heiratete Mandelstam Nadeschda Khazin. In den zwanziger Jahren schrieb er Kinderbücher, übersetzte Werke von Upton Sinclair, Jules Romains, Charles de Coster und anderen und schrieb Prosa. 1930 reiste er nach Armenien und unternahm als Journalist weitere Reisen in den Süden, um sich einflussreichen Gegnern zu entziehen, die ihm misstrauten. Im Jahr 1928 können noch einmal Bücher von Mandelstam erscheinen: der Band "Gedichte", die Essaysammlung "Über Poesie" und eine kühn-bizarre Prosa unter dem Titel "Die ägyptische Briefmarke". Im Jahr 1930 unternahm er eine mehrmonatige Reise in den Kaukasus, nach Georgien und Armenien, und fand dort seine Stimme als Lyriker wieder. "Die Reise nach Armenien" erschien 1933 in einer Zeitschrift und entfachte einen politischen Skandal. Im selben Jahr schrieb Mandelstam ein folgenreiches Gedicht gegen Stalin: "Seine Finger sind dick und, wie Würmer, so fett, / Und Zentnergewichte wiegts Wort, das er fällt, / Sein Schnauzbart lacht Fühler von Schaben, / Der Stiefelschaft glänzt so erhaben".Im Mai 1934 wurde Mandelstam verhaftet und zunächst nach Tscherdyn (Ural), dann nach Woronesch verbannt. Dort entstanden seine letzten Gedichte: "Die Woronescher Hefte". Am 2. Mai 1938 wurde er erneut verhaftet und zu fünf Jahren Arbeitslager in Sibirien veurteilt. Ossip Mandelstam starb am 27. Dezember 1938 in einem Transitlager für Zwangsarbeiter bei Wladiwostok.Seine Frau Nadeschda überlebte wie durch ein Wunder die Stalin-Epoche. Sie lernte Mandelstams Gedichte auswendig und ließ das Werk nach Amerika schmuggeln, wo es in den sechziger Jahren zu einer ersten Ausgabe kam. Das Archiv wird noch heute an der Princeton University (New Jersey) verwahrt. Die Memoiren Nadeschda Mandelstams - auf Deutsch 1971 unter dem Titel "Das Jahrhundert der Wölfe" erschienen - trugen entscheidend zur weltweiten Entdeckung Mandelstams bei.


1 Buch

Ralph Dutli: Das Lied vom Honig. Eine Kulturgeschichte der Biene

Cover: Ralph Dutli. Das Lied vom Honig - Eine Kulturgeschichte der Biene. Wallstein Verlag, Göttingen, 2012.
Wallstein Verlag, Göttingen 2012
ISBN 9783835309722, Gebunden, 208 Seiten, 14,90 EUR
Wer weiß schon, dass die Bienen für die alten Ägypter aus den Tränen des Sonnengottes entstanden? Dass der hinduistische Gott Vishnu, der Bewahrer der Welt, als Blaue Biene neben dem Liebesgott in einer…