
Der Historiker
Laszlo Varga vergleicht die Bewältigung der
Stasi-Vergangenheit in Ungarn und in Deutschland und stellt Ungarn ein Armutszeugnis aus. "In den ersten Jahren des Stasiunterlagen-Gesetzes waren die Ostdeutschen schockiert zu sehen, wie nahezu vollkommen ihr Leben von der Stasi beherrscht war. Später haben sie sich mit der moralischen Seite des Problems auseinandergesetzt und die Stasi historisch gründlich aufgearbeitet." In Ungarn fehlt dieses Gesetz bis heute: "Wir kennen die
Taten der Spitzel oft nicht genau und finden deshalb schnell eine Ausrede für sie. Manchmal avancieren sie sogar zu patriotischen Helden. Den Opfern der Stasi hingegen begegnen wir mit Misstrauen und Distanz, vor allem, wenn sie wirklich gegen die Diktatur gekämpft haben. So legitimieren wir unsere Feigheit, unser alltägliches
Kompromisslertum."
Der neue ungarische
Staatschef Laszlo Solyom hat nach seinem Amtsantritt vergangene Woche unter anderem erklärt, dass er solange
nicht in die USA fahren wird, wie er dafür einen
Fingerabdruck abgeben muss. Der Publizist
Adam Topolanszky kritisiert ihn dafür: Die Sicherheit der westlichen Welt sei wichtiger als die Freiheitsrechte des Individuums. Europa, so Topolaszky, sollte die USA im Kampf gegen radikale islamistische Fundamentalisten mehr unterstützen. "Die zivilisierte Welt - auch wenn sie geteilt ist - darf weder die Gefahr bagatellisieren noch stets nach Kompromisslösungen suchen und der Verantwortung ausweichen. Amerika hat nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, seine Staatsbürger nach seinen Möglichkeiten zu verteidigen. Die Verstärkung der Sicherheitsvorkehrungen bei der Einreise in die USA spiegelt den einstimmigen
Willen der Bürger Amerikas wider. Die Abnahme des Fingerabdrucks an der US-amerikanischen Grenze geht übrigens wesentlich schneller als beispielsweise einen Brief in der
Ungarischen Post aufzugeben."