Magazinrundschau - Archiv

HVG

364 Presseschau-Absätze - Seite 37 von 37

Magazinrundschau vom 22.11.2005 - HVG

Der Soziologe Janos Ladanyi meint, dass auch Ungarn aus den Unruhen in Paris eine Lehre ziehen sollte: "Paris ist zwar weit entfernt und die Situation der unter den Einfluss des islamischen Fundamentalismus geratenen Einwanderer in der französischen Gesellschaft nur bedingt mit der Lage der ungarischen Roma vergleichbar. Die Verbindung von Armut und ethnischer Ausgrenzung kann jedoch überall einen gefährlichen Konflikt verursachen, auch bei uns. ? Wenn unsere Regierung, die Opposition und die unabhängigen Intellektuellen über die notwendigen sozialen Maßnahmen debattieren, sollten sie nicht so tun, als ob die von ethnischen Minderheiten ausgelösten Krawallen - vor anderthalb Jahren in der Slowakei und gerade in Frankreich - auf einem fernen Planet passieren würden."

Magazinrundschau vom 04.10.2005 - HVG

Anlässlich der Konferenz "RE:activism" der Central European University in Budapest analysiert der Publizist Tamas Vajna den Strukturwandel der Öffentlichkeit, die das Internet auslöste. Im Netz entstehen politische Interessengemeinschaften oft an den traditionellen Medien vorbei: "Die Neuen Medien widerlegten die Theorie der Schweigespirale, die Elisabeth Noelle-Neumann in den 1970er Jahren schuf. ... Heute artikulieren die verschiedensten Bewegungen ihre Meinung im Internet: Homosexuelle, radikale Globalisierungsgegner, Umweltschützer, Feministen, Gegner der Abtreibung oder der Tierexperimente - durch die kostengünstige Präsenz im Internet wird es möglich. (...) Die Online-Autoren unterscheiden sich nicht nur in der Art und Weise der Meinungsverbreitung, sondern auch in den Inhalten von den traditionellen Medien. Sie schreiben gegen den Mainstream, gegen die Online-Mutationen der guten alten Printmedienwelt oder die im virtuellen Raum aufgebauten Bollwerke des Staates, der Kirchen oder der Wissenschaft."

Magazinrundschau vom 16.08.2005 - HVG

Der Historiker Laszlo Varga vergleicht die Bewältigung der Stasi-Vergangenheit in Ungarn und in Deutschland und stellt Ungarn ein Armutszeugnis aus. "In den ersten Jahren des Stasiunterlagen-Gesetzes waren die Ostdeutschen schockiert zu sehen, wie nahezu vollkommen ihr Leben von der Stasi beherrscht war. Später haben sie sich mit der moralischen Seite des Problems auseinandergesetzt und die Stasi historisch gründlich aufgearbeitet." In Ungarn fehlt dieses Gesetz bis heute: "Wir kennen die Taten der Spitzel oft nicht genau und finden deshalb schnell eine Ausrede für sie. Manchmal avancieren sie sogar zu patriotischen Helden. Den Opfern der Stasi hingegen begegnen wir mit Misstrauen und Distanz, vor allem, wenn sie wirklich gegen die Diktatur gekämpft haben. So legitimieren wir unsere Feigheit, unser alltägliches Kompromisslertum."

Der neue ungarische Staatschef Laszlo Solyom hat nach seinem Amtsantritt vergangene Woche unter anderem erklärt, dass er solange nicht in die USA fahren wird, wie er dafür einen Fingerabdruck abgeben muss. Der Publizist Adam Topolanszky kritisiert ihn dafür: Die Sicherheit der westlichen Welt sei wichtiger als die Freiheitsrechte des Individuums. Europa, so Topolaszky, sollte die USA im Kampf gegen radikale islamistische Fundamentalisten mehr unterstützen. "Die zivilisierte Welt - auch wenn sie geteilt ist - darf weder die Gefahr bagatellisieren noch stets nach Kompromisslösungen suchen und der Verantwortung ausweichen. Amerika hat nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, seine Staatsbürger nach seinen Möglichkeiten zu verteidigen. Die Verstärkung der Sicherheitsvorkehrungen bei der Einreise in die USA spiegelt den einstimmigen Willen der Bürger Amerikas wider. Die Abnahme des Fingerabdrucks an der US-amerikanischen Grenze geht übrigens wesentlich schneller als beispielsweise einen Brief in der Ungarischen Post aufzugeben."

Magazinrundschau vom 19.07.2005 - HVG

In Budapest ist gerade eine große Ausstellung mit Street Art eröffnet worden. Mit dabei sind international etablierte Künstler, aber auch unbekanntere Gruppen wie 'M-City' und 'Vlep(v)net' aus Polen, Ziga Aljaz aus Slowenien, 'Romanian Stencil Archive' und 'Gerilla Propaganda' aus Ungarn. Der Publizist Geza Hars nimmt das zum Anlass, eine Lanze für Graffiti-Kunst zu brechen: "Wieso regt sich eigentlich niemand über die Dummheit von Riesenplakaten und U-Bahn-Werbungen auf und über die scheußliche Ästhetik mancher Geschäftsfassaden? Es gibt immer weniger werbefreie Flächen um uns herum, wir können uns immer seltener umgucken, ohne dass uns jemand etwas verkaufen möchte, uns seinen Geschmack und seine Weltanschauung aufdrängen will. Und dann sind wir auf die sauer, die ein Stück des von Werbung beherrschten Raumes zurückerobern wollen?"