Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Kunst, Ausstellungen, Architektur

3662 Presseschau-Absätze - Seite 20 von 367

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.06.2025 - Kunst

Verstörend findet Monopol-Kritiker Sebastian Frenzel Jordan Wolfsons Installation "Little Room" in der Fondation Beyeler während der Art Basel. Dort muss man sich in Paaren zusammenfinden, ein Scanner vermisst beide Körper und erstellt Avatare, eine düstere Stimme flüstert einem dann fiese Botschaften ins Ohr: Das "entfaltet blanken Horror: ein klinisch-weißer Raum, in dessen Linien man wie in einem Koordinatensystem gefangen ist. Das Gefühl, des eigenen Körpers beraubt, missbraucht worden zu sein. Eine illegitime Verletzung der leiblichen Grenze, über die einen kein Erzählstrang, keine Erklärung hinwegtäuscht. Jemand hat sich deiner bemächtigt, einfach weil er es kann. Weil er Gott spielt. Funny Games."

Weiteres: Justine Konradt interviewt die Haar-Künstlerin Laetitia Ky für Monopol. Arno Widmann erinnert in der FR an die erste Dada-Ausstellung, die heute vor 105 Jahren eröffnet wurde. Stefan Trinks gratuliert dem Künstler Sean Scully in der FAZ zum Achtzigsten. Der Pariser Louvre soll umfangreich renoviert werden, Frankreich hat dafür einen Architekturwettbewerb eröffnet, meldet die FAZ. Besprochen werden das Fotografie-Projekt "American Glitch" von Andrea Orejarena und Caleb Stein (NZZ) und die Ausstellung "Michael Sowa: Fragile Idyllen" im Caricatura Museum Frankfurt (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.06.2025 - Kunst

Gerhard Richter: Mutter und Tochter, 1965. Bild: Gerhard Richter.


Die 21 Kunstmuseen des Ruhrgebiets arbeiten in der Ausstellung "21 × 21" in der Villa Hügel in Essen erstmals alle zusammen, Hubert Spiegel erklärt in der FAZ, wie das Ausstellungsprinzip funktioniert: "Jedes der beteiligten Museen durfte ein Werk aus seiner Sammlung auswählen, das als 'Impulswerk' in der Villa Hügel mithilfe von Spiegelelementen herausgehoben präsentiert wird (…) So kommt es zu Korrespondenzen, Parallelen, Brüchen, Konfrontationen - ein reizvolles Spiel mit den Standorten und Beständen, aber auch ein reizvolles Spiel der Genres, Gattungen, Stile und Epochen." Es geht viel um Umbrüche: "Der Stahltisch des Beuys-Schülers Anatol Herzfeld ist ein Relikt der Düsseldorfer Aktion 'Drama Tisch' von 1968 und wird mit Emil Schumachers expressionistischem Weltkriegsgemälde 'Der grüne Tisch' konfrontiert. Wolf Vostells "'ou are Leaving the American Sector' thematisiert die Teilung Deutschlands, während Richard Serras Kapuzenmann aus dem Gefängnis Abu Ghraib mit der Aufschrift 'Stop Bush' eine unmittelbare Reaktion auf Ereignisse des Irakkriegs darstellt."

Im Tagesspiegel freut sich Bernhard Schulz, dass vor einigen Jahren Grabungen in San Casciano dei Bagni nicht nur ein antikes Bad erschlossen, sondern auch etruskische Büsten zum Vorschein gebracht haben, die nun als "Die Bronzen von San Casciano" in der Berliner James-Simon-Galerie ausgestellt werden: "Lebensgroße Figuren wurden geborgen, etwa ein bogenschießender Apoll, aber auch ein als schwerkrank bezeichneter und daher Heilung suchender junger Mann. Oder die Büste einer vornehmen Dame mit kunstvoller Frisur. Jüngst kam die Bronze eines Kind mit einem beweglichen Ball hinzu. 15 der großen Bronzen werden nun in Berlin zu sehen sein, in der dafür bestens ausgestatteten James-Simon-Galerie, dazu etliche der kleineren Funde (…) Über die Aktualität, die in der Antike steckt, braucht man kaum zu richten: Sie liegt auf der Hand. Denn dass der Fundort sich in unmittelbarer Nachbarschaft eines bis heute genutzten Thermalbeckens befindet, gibt dem ganzen fast so etwas wie Zeitgenossenschaft."

Auf den Bilder und Zeiten-Seiten der FAZ macht uns Barbara von Machui mit dem bewegten Leben der Künstlerin Ré Soupault bekannt: "Sie war Bauhaus-Schülerin, Experimentalfilmerin, Modezeichnerin, Modedesignerin, Modejournalistin, Fotografin, Fotoreporterin, Übersetzerin, Radiojournalistin und jahrzehntelang, mal näher, mal ferner, Gefährtin des damaligen Starjournalisten und Surrealisten Philippe Soupault. Sie lebte in Pommern, Weimar, Berlin, Paris, Tunis, Algerien, New York, Basel und wieder in Paris. Sie war Vagabundin, Exilantin, immer dabei, sich neu zu erfinden und ihren vielfältigen Begabungen nachzuspüren."

Weiteres: Rainer Stamm erinnert in der FAZ an das "Ideal der Sachlichkeit", das sich Malerei und Kunst in den 1920er Jahren auferlegt hatten. Alexandra Wach schaut sich für die FAZ auf der CAN Art Fair auf Ibiza um. Dirk Schümer besichtigt für die WamS die französische Kapelle in Soest, die von Kriegsgefangenen errichtet und künstlerisch ausgestaltet wurde. Tania Martini, Harald Staun, Mark Siemons und Anna Vollmer denken in der FAS über das bekanntermaßen auch von Walter Benjamin hochgeschätzte Gemälde "Angelus Novus" von Paul Klee nach, das gerade im Bode Museum zu sehen ist.

Besprochen werden: Die Ausstellung "I'm So Happy You're Here" mit japanischen Fotografien im Fotografie Forum Frankfurt (Taz), die Ausstellung "Rolf Sachs: be-rühren" in der Kunsthalle Schweinfurt (FAZ), die etwas fehlgeschlagene Restaurierung der Esperanza Macarena in Sevilla (Wams) und Klára Hosnedlovás Installation "Embrace" im Hamburger Bahnhof, finanziert vom Chanel Culture Fund (Wams).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.06.2025 - Kunst

Auf dem Sotrama-Kleinbus-Bahnhof in Bamako, Mali, 2024, Fotografie © Sidiki Haidara

Das Münchner Museum Fünf Kontinente zeigt in der Ausstellung "Merci Maman" aktuell Straßenfotografie aus Mali. Zu sehen sind unter anderem Aufnahmen des malischen Foto-Kollektivs Yamarou, die in Bamako üppig bemalte Mercedes-Kleinbusse porträtiert haben. Diese sogenannten Sotramas zieren deutsche und US-Flaggen, Bob Marley, aber auch Porträts von Putin oder Gaddafi, weiß Sabine Matthes, die für Monopol mit Kurator Jonathan Fischer gesprochen hat. Wie unterscheidet sich das Kunstverständnis in Mali von unserem, will Matthes wissen: "Die meisten Malier haben weder Zugang zu Museen (es gibt einige in Bamako, aber ein Museumsbesuch gehört nicht zur traditionellen Kultur) noch Galerien oder Kunstausstellungen. Dafür ist Kunst im Alltag und auf den Straßen allgegenwärtig - ohne dass die Menschen das so nennen würden. Etwa in Form der Murals und Sotrama-Bemalungen, den raffinierten Kreationen der heimischen Schneider, den Marionetten-Theatern und überlebensgroßen Puppen, die anlässlich besonderer Zeremonien durch die Straßen paradieren. Besonders schrill wirken die Koredugaw - das sind Geheimbünde der Älteren, die sich mit Taucherbrillen, Kasperlmützen, Trommeln und Holzpferden wie heilige Narren aufführen. Sie werden oft als Streitschlichter und Friedensstifter gerufen."

"Who hasn't wanted to strangle their mother, at least once?" … Aneta Grzeszykowska's Mama #29. Foto: Aneta Grzeszykowska
Eine unheimliche Ausstellung besucht Guardian-Kritikerin Ariela Bard in der Buxton Contemporary in Melbourne: Unter dem Titel "The Veil" hat die polnische Fotografin Aneta Grzeszykowska sich selbst als Silikonpuppe nachgebildet und Aufnahmen von ihrer siebenjährigen Tochter Francziska samt Puppe gemacht, "die mit ihr spielt, sich um sie kümmert und sie terrorisiert. Es ist ein subversiver Akt, der die heiligsten Beziehungen - die zwischen Mutter und Kind - nimmt und umdreht (...) Ein unheimliches Bild aus der Mama-Serie, das durch einen Spalt in der Badezimmertür aufgenommen wurde, zeigt Francziskas Hände, die nach dem Rücken und dem Hals der Puppe greifen. Aber so wie Hitchcock Humor einsetzte, um Dunkelheit und Gewalt auszudrücken, so hat das Bild auch etwas Komisches an sich. Wer wollte seine Mutter nicht schon einmal erwürgen?"

Besprochen werden außerdem die Ausstellungen "Vija Celmins" in der Fondation Beyeler (NZZ), "Rendezvous der Träume. Surrealismus und deutsche Romantik" in der Hamburger Kunsthalle (FAZ, mehr hier) und Amy Sillmans Schau "Oh, Clock!" im Ludwig Forum Aachen (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.06.2025 - Kunst

Christian Boltanski: Misterios. Bild: Eivind Lauritzen.



Bettina Krause ist für Monopol auf der Momentum-Biennale im norwegischen Moss unterwegs. Die Verbindungen zwischen Ort, Klang und Natur unter dem Titel "Between/Worlds: Resonant Ecologies" sind etwas gewöhnungsbedürftig, hält sie fest, aber nicht uninteressant: "Es ist ein aufmerksamer Erkundungsgeist gefragt, um die Kunstwerke zu entdecken, die sich draußen auf dem riesigen Gebiet in alten Scheunen, zwischen Baumgruppen oder auf Feldern verteilen. Zu den eindrucksvollsten Erfahrungen in den Räumen der Galerie gehört Christian Boltanskis Videoarbeit "Misterios", die auf drei riesigen Screens die Küste Patagoniens zeigt. Ein Kanal gibt die vom Wind erzeugten Klänge dreier Trompeten-artiger Kupferinstrumente wieder, die an Walgesänge erinnern. Zwei weitere Bildschirme zeigen den menschenleeren Strand und das Meer, von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang als meditatives Setting. Mit genug Geduld erhascht man in dem 12-stündigen Loop einen zufällig von der Kamera eingefangenen Blick auf Wale oder Robben im Wasser."

Für die NZZ berichtet Ute Miller von einer kuriosen Begebenheit: Das Heiligenbildnis Maria Santísima de la Esperanza Macarena in Sevilla ist bei einer Restauration ziemlich verunstaltet worden, finden die entsetzten Mitglieder der Macarena-Bruderschaft, insbesondere sind die Wimpern zu lang und die Miene zu blass. Was ist passiert: "Zwischen dem 16. und dem 20. Juni hatte Professor Francisco Arquillo Torres die Macarena einer 'Behandlung' unterzogen. Vertrauensvoll hatte ihm die Bruderschaft der Esperanza Macarena die Statue überlassen. Schliesslich hatte der 85-jährige Arquillo die Jungfrau bereits 1978 und 1992 restauriert, stets zur Zufriedenheit der Gläubigen. Seither gilt er als 'Hausarzt' der Heiligen. Doch diesmal hatte er keinen Erfolg. Noch am selben Tag, an dem die Macarena dem Publikum gezeigt wurde, bot Arquillo an, den Schaden zu beheben, doch seine Offerte wurde ausgeschlagen." Auch Spiegel Online schildert, die Bruderschaft habe um Entschuldigung gebeten und einen neuen Restaurator beauftragt, der die Wimpern der Esperanza Macarena wieder auf Normalmaß zurechtstutzen soll.

Weiteres: Die Hamburger Kunsthalle und die Stiftung Hamburger Kunstsammlungen haben 2,4 Millionen Euro für René Magrittes Gemälde "Le Palais de Rideaux" (Der Palast der Vorhänge) springen lassen, meldet die FR mit dpa. Susanna Petrin besucht die "Pionierin der Hotelkunst" Elizabeth Weiner in New York (NZZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.06.2025 - Kunst

Jörg Häntzschel nimmt die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen derzeit ganz genau unter die Lupe. Das SZ-Feuilleton widmet ihnen den Aufmacher mit zwei Artikeln: Neben dem mangelhaften Umgang mit NS-Raubkunst waren die Sammlungen auch wegen Chaos, Überwachung der Angestellten und Sicherheitsmängeln in die Kritik geraten (unsere Resümees). Hunderte Mails, Fotos, Protokolle und andere Unterlagen liegen der SZ laut Häntzschel vor, die viele der Vorwürfe - anonym - bestätigen. Interessant ist vor allem, was über die Sicherheit bekannt wird: "Um Geld zu sparen, setzen die Pinakotheken neben angestellten Aufsichten externe Security-Leute ein, die vielleicht gestern ein Bierzelt bewacht haben und vorgestern ein Fußballstadion. ... Diese Hilfskräfte, ausgestattet mit Schlüsseln und Zugangscodes zu unschätzbar wertvoller Kunst, sind den Museen namentlich nicht immer bekannt. Das zumindest muss man aus den der SZ vorliegenden Mitarbeiterlisten schließen, die die privaten Firmen, die oft auch noch Subunternehmer beschäftigen, bei den Pinakotheken abgeben müssen. Mal fehlen dort die Namen ganz, mal sind Vor- und Nachnamen unterschiedlich kombiniert, als habe jemand versucht, aus einer Person zwei zu machen."

Aber auch das Olaf-Gulbransson-Museum in Tegernsee, den kleinsten Außenposten der Staatsgemäldesammlungen, hat Häntzschel im Visier. Zuständig für das Haus ist die Olaf-Gulbransson-Gesellschaft, die von dem Düsseldorfer Kunsthändler Michael Beck geleitet wird, der dort auch Ausstellungen kuratiert. "Seit wann dürfen private Galerien mit kommerziellen Interessen unter dem Dach der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen eigene Ausstellungen kuratieren", fragt sich Häntzschel.  Auf Anfrage gibt Beck an, "nicht er, sondern die Olaf-Gulbransson-Gesellschaft entscheide, welche Kunstwerke ausgestellt würden."

Weitere Artikel: In der FAZ zeichnet der Kunsthistoriker Hubertus Butin derweil die Geschichte des Schweizer Umgangs mit NS-Raubkunst nach, um schließlich bei Philipp Hildebrand, dem Präsidenten der Zürcher Kunstgesellschaft, die das Kunsthaus Zürich betreibt, zu enden: Der hatte versucht, die Gesetzesvorlage zur Bildung der "Expertenkommission für historisch belastetes Kulturerbe" zu torpedieren.

Mit etwa 300 Werken ist der Hamburger Kunsthalle eine überragenden Schau gelungen staunt Till Briegleb ebenfalls in der SZ, der in der Schau "Rendevouz der Träume" den bisher "wenig beachteten Forschungsreisen der Surrealisten in die deutschen Seelengrotten" der Romantik nachspürt. "Historisch betrachtet, und auch das erzählt diese Ausstellung, verbindet deutsche Romantik und Surrealismus natürlich die massive Opposition zu den vorherrschenden Rationalitätsdogmen ihrer Zeit. Und das drückt sich in ähnlichen Kunststrategien aus: etwa in der Begeisterung für den Zufall, für die überraschende Kombination und die Umwertung von Sinnelementen oder im Ideal der subjektiven Freiheit als Reaktion auf gesellschaftliche Tendenzen der Uniformierung. Schließlich lebten die Romantiker wie die Surrealisten trotz ihrer heutigen Prominenz zu ihrer Zeit unter der Treppe der protestantischen Wirtschafts- und Fortschrittsethik, wenn auch in unterschiedlichen Abschnitten des kapitalistischen Triumphzugs. Das produzierte in beiden Jahrhunderten jenes kreative Unbehagen, das nach Renitenz und Ausweg suchte, und dabei sein Material in Tag- und Nachtträumen fand, wo Logik keinen Zutritt hat."

Besprochen werden die Ausstellung "Andere Intelligenzen" im HEK Basel (FAZ), die Installation "Steve McQueen, Bass" im Schaulager Basel (Welt), die Ausstellung "Survival Kit. Between Us and History: The Hidden Archive" in der ifa-Galerie in Berlin, in der sich Aicha Sy auf die Spuren der Bilder ihres Vaters, des senegalesischen Künstlers El Hadji Sy, begibt (Tsp) und die Paolo Veronese-Ausstellung im Prado in Madrid (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.06.2025 - Kunst

Franziska Maderthaner: Der Spekulant, 2024 © Franziska Maderthaner

Eine "kaum zu bewältigende" Fülle an Pflanzen aller Sorten, Formen und Farben wird FAZ-Kritiker Hannes Hintermeier in einer Ausstellung über die Zusammenhänge von Botanik und Kunst in der Landesgalerie Niederösterreich in Krems präsentiert. Der Kritiker weiß gar nicht, wo er zuerst hinschauen soll, vielleicht auf die Bilder der russischen Künstlerin Anna Jermolaewa, deren "Fotografien Sträuße zeigen, die jeweils florales Symbol einer politischen Revolution sind, Nelken für Portugal, Zedern für den Libanon, Safran für Myanmar"? Zum Ausklang von "Flower Power" empfiehlt Hintermeier jedenfalls "sich die Installation 'Unvergesslich' anzusehen. Die in Österreich lebende Schweizerin Regula Dettwiler hat aus 15.000 Plastikblumen, die sie aus dem Abfall des Wiener Zentralfriedhofs fischte, ein raumfüllendes Blütenstillleben gebaut. Die simulierte Natur, die sich als künftiges Mikroplastik mit der Ewigkeit des Todes misst, wird ergänzt von einem 'Herbarium der Gefühle', gepressten Pflanzen, von Schulkindern und Erwachsenen aus der Gegend."

Besprochen werden die Ausstellung "Camille Claudel und Bernhard Hoetger. Emanzipation von Rodin" in der Alten Nationalgalerie Berlin (FR), die Ausstellung "Vija Celmins" in der Fondation Beyeler (NZZ) und die Ausstellung "Keiner soll frieren!" von Ariel Reichman im Museumsquartier Osnabrück (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.06.2025 - Kunst

Maria Lassnig, Frühstück mit Ohr (Breakfast with Ear), 1967, Oil oncanvas, 130 x 194.8
© Maria Lassnig Foundation. Courtesy Maria Lassnig Foundation.

Im Luma Arles darf sich FAZ-Kritiker Stefan Trinks in der Ausstellung "Living With Art Stops One Wilting!" davon überzeugen, dass Maria Lassnig eine Künstlerin war, die das Ikonische in explosiver Farbstärke neue Verbindungen hat eingehen lassen. Ihre Selbstporträts sind herausfordernd: "Den zur ruhigen Führung der Hand eingesetzten Malstock hält sie dabei wie eine Waffe zur Selbstverteidigung quer vor den Oberkörper, doch ist der Stab durch die Hautfarbe ihrer Brust geisterhaft überdeckt und in der Mitte unsichtbar, ebenso wie das Porträt im Hintergrund verlebendigt ist und phantomhaft seine Hände auf ihre Schultern legt. Lassnigs Inkarnat schimmert dabei so welkgrünlich wie ihre derbe Cargohose, ihr Selbstporträt scheint sich - den Betrachter vor dem Bild unverwandt und beinahe herausfordernd fixierend - im angesichts der ausgestellten Hinfälligkeit alles Menschlichen erschrockenen Blick des betrachtenden Anderen zu prüfen: 'Hältst Du diesem Anblick stand?'"

Weiteres: Sonja Zekri informiert in der SZ, wie Israel und der Iran ihre Kunstgüter und Museen schützen, nachdem der Internationale Museumsrat Icom "vor der 'wachsenden Gefahr' für Museen und ihre Mitarbeiter in Iran und Israel gewarnt" hat.
Stichwörter: Lassnig, Maria

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.06.2025 - Kunst

Vija Celmins: Coma Berenices #4, 1973. Bild: Vija Celmins, Matthew Marks Gallery.


Ursula Scheer besucht für die FAZ eine Retrospektive mit Werken von Vija Celmins in der Fondation Beyeler. Die litauische Künstlerin malt ihre präzisen Nachthimmel auf Basis von Satellitenbildern: "Der grenzenlose Raum schnurrt zusammen auf eine begrenzte Fläche, das Unfassbare wird auf Leinwänden und Blättern greifbar zur Ansicht gebracht. Zeit spielt dabei eine wichtige Rolle: Um das Licht von Sternen, die womöglich längst erloschen sind, auf ihre Weise visuell einzufangen, ist die Künstlerin oft jahrelang mit einzelnen Arbeiten beschäftigt. Es sind Meditationen über das Wesen 'unmöglicher Bilder', wie sie es nennt."

Mac Zimmermann, Die Tageszeiten: Mittag, 1954. Bild: Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, Eigentum des Landes Berlin / Jörg P. Anders



Ingeborg Ruthe freut sich in der FR über die surrealistische Ausstellung "Strange!" im Museum Scharf-Gerstenberg, die zeigt, dass mit der Faszination des Absurden zum einen noch lange nicht Schluss ist und sie zum anderen auch in der DDR viele Anhänger hatte: "Zu jedem Bild gehört eine Geschichte, die wie durch eine Übelkeit der Seele ausgelöst wurde. Im Gemälde 'Wachmann' des Belgiers Paul Delvaux von 1961 etwa ist Bahnhofseinsamkeit beschrieben, etwas Befremdliches, das geradezu hilflos macht. Ähnlich ratlos macht das Bild 'Kind und Eltern' der Ostberlinerin Heidrun Hegewald von 1976: Sie malte ein im Nebel versinkendes Paar am Tisch, in der Tür einsam ein Kind. Die Scheidungsrate in der DDR hatte damals ihren Gipfelpunkt erreicht, mit bis zu 38 Prozent war sie die höchste weltweit. Ähnlich gespenstisch wirkt die große leere Einsamkeit im Gemälde 'Tageszeiten (Mittag)' von 1954 des Schwaben und zeitweiligen Westberliners Mac Zimmermann aus dem Surrealistenumkreis der Galerie Rosen und der Malergruppe 'Phantastischer Realismus'. All die eigentümlichen Motive mit ihrem sonderbaren Bildpersonal korrespondieren in dieser Ausstellung eifrig."

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Die Fotografin Andrea Grützner reflektiert in ihrem Buch "Erbgericht" einen Ort ihrer Kindheit und schafft dabei zugleich sehr abstrakte und wunderschöne Fotografien. Peter Truschner schildert in seinem Fotolot für Perlentaucher den enormen Aufwand, der dahinter steht: "Auf die erste Tuchfühlung in einem Skizzenbuch, in dem Lichtsituationen festgehalten werden und mit Brennweiten experimentiert wird, folgen Testaufnahmen (mit Polaroid oder digital). 'Manchmal laufe ich durchs Haus und berühre Dinge mit den Händen. Bewegung im Raum, die dem Abtasten des Raums mit Licht und Farbe gleicht. An manchen Stellen muss man kriechen, um Lichtsituationen auszuprobieren.' Danach wird mit entkoppelten Aufsteckblitzen gearbeitet, die mit farbigen Gels manipuliert werden. Das Interieur wird auf diese Weise eingefärbt, die ursprünglich im Gasthof dominierenden Farben verschwinden."

Weiteres: Welt und FAZ informieren über die aktuelle Art Basel. Besprochen wird Sivasubramaniam Kajendrans Ausstellung, "Ecology of Resilience" in der Gallery Under the Mango Tree (Tsp).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.06.2025 - Kunst

Sara Bjarland: Stranding, 2025. Helsinki Biennial 8.6.-21.9.2025, Vallisaari Island. Photo: HAM / Helsinki Biennial / Sonja Hyytiäinen


"Shelter", also "Schutz" lautet der Titel der diesjährigen Helsinki-Biennale, aber es geht hier, anders als derzeit sonst in Finnland, nicht um die Bedrohung durch Russland, sondern um die Beziehung zwischen Mensch und Natur, erzählt Saskia Trebing in Monopol. Neue Räume des Schutzes für Tiere, Pflanzen, Pilze, Insekten und Mineralien stehen im Vordergrund, gelegentlich erscheinen die Werke dabei allerdings zu "gefällig", räumt sie ein: "Die Arbeit von Sara Bjarland nähert sich dem Thema der nicht-menschlichen Wesen mit bildhauerischer Präzision und Leichtigkeit. Sie hat aufblasbare Pooltiere in Form von Delfinen aus Bronze nachgegossen und diese auf Felsen nahe dem Ostseeufer von Vallisaari platziert. Da liegen sie nun, angespült und fast camoufliert, diese scheinbar leicht erschlafften Wesen, die doch aus knallhartem Metall bestehen und sowohl auf die Plastikvorliebe des Homo sapiens als auch auf die Gefährdung der echten Meeressäuger verweisen. Hier liegt es, das Anthropozän, aber in Ferienparadies-Optik."

Bild: Alice Adams: Threaded Drain Plate. 1964. Zürcher Gallery New York. Collection of Beth Rudin DeWoody © Howcroft Photography Boston.

Im Jahr 1966 kuratierte Lucy Lippard in der Fischbach Gallery die Ausstellung "Abstract Erotic", bei der auch Werke von Alice Adams, Eva Hesse und Louise Bourgeois gezeigt wurden. Die Werke der drei Frauen hat die Londoner Courtauld Gallery nun noch einmal zusammengetragen und im Guardian erkennt Adrian Searle das Ephemere der Arbeiten: "Auch wenn die Ideen noch lebendig sind, sind viele der Werke, die Hesse aus handgegossenen Latexharzplatten schuf, heute nur noch schwer zu zeigen oder zu konservieren, da das Material im Laufe der Zeit durch die Einwirkung von Tageslicht nachgedunkelt und brüchig geworden ist. Dasselbe gilt für die Skulpturen, die Bourgeois mit Latex herstellte. Einige von Bourgeois' Skulpturen sind dunkel geworden und verschrumpelt und wirken wie archäologische Relikte, wenn nicht gar wie Versteinerungen. Ihre Latex- und Stoffskulptur 'Le Regard', eine Art runde Schale oder ein Gefäß, das aufgeschnitten wurde, um etwas zu enthüllen (sind da Zähne drin, ist das ein Auge oder eine Klitoris?), scheint nun einer archaischen Vergangenheit anzugehören. Vielleicht kann Zeitlosigkeit immer nur zufällig sein."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.06.2025 - Kunst

Unabashedly erotic … Compass, 2013, by Jenny Saville. Photograph: Mike Bruce/© Jenny Saville. All rights reserved, DACS 2025. Courtesy Gagosian

Beeindruckt wandert Guardian-Kritiker Jonathan Jones in der National Portrait Gallery in London zwischen den gigantischen Porträts von Jenny Saville hin und her, die ihm mit ihrer Körperlichkeit geradezu auf den Leib rücken: "In ihren gigantischen frühen Leinwänden strecken sich die Brustwarzen, Bäuche und Hüften episch in Richtung Blick. Sitzend auf einem Hocker mit fleischigen Beinen oder in einem Winkel liegend, der ein riesiges, haariges Nest aus Schamhaar direkt neben einem entstehen lässt, überwältigen einen diese Frauen auf wunderbare Weise. Beim Gehen zwischen ihnen taucht ein körperliches Detail nach dem anderen auf, erweitert, so lebendig, dass sie noch zu wachsen scheinen. Größenverhältnisse in der Kunst können mehr bewirken, als nur beeindruckend, wichtig oder skurril zu wirken. Sie können die Beziehung zwischen Kunst und Betrachter verändern, ja sogar Subjekt und Objekt magisch vertauschen. Wenn Saville große nackte Menschen malt, sind diese lebendig. Und wenn sie Schmerz malt, ist die Wirkung erschreckend, weil sie einen hinter die Augen der Verletzten führt."

Weiteres: Dorothea Marcus berichtet in der taz vom 8. Africologne-Festival in Köln. Jonathan Guggenberger besucht für monopol den ukrainisch-amerikanischen Porträt-Maler Daniel Spivakov in seinem Studio in Berlin. Silke Wichert gratuliert in der NZZ dem Kölner Taschen-Verlag, der seit 45 Jahren opulente Kunstbände herausbringt.