Deneth Piumakshi Veda Arachchige, Installationsansicht, 12. Berlin Biennale, KW Institute for Contemporary Art, Foto: Silke Briel Zeit-Autor Hanno Rauterberg begegnet in Berlin einem Fuchs und nimmt das als gutes Zeichen. Denn die von ihm besprochene Berlin Biennale für Gegenwartskunst (siehe auch hier) kommt erstaunlich unverbissen daher; vielmehr begegnet er jeder Menge fuchsartig-verschmitzter Kunst: "Hier verblasst die übliche Sittenstrenge des postkolonialen Diskurses, der über viele Jahre die Gegenwartskunst beherrschte. Hier gibt es einen Comedy-Club mit bosnischem Einschlag, es gibt Sturz- und Stolpervideos aus dem polnischen Widerstand, dazu den größten Büstenhalter der Kunstgeschichte. (…) Auch Ausflüge in eine eher lyrische Absurdität bietet diese ungemein facettenreiche Biennale: So lässt Gernot Wieland neben einem Fuchs auch einen Walfisch auftreten, von dem er verschluckt wird wie einst der Prophet Jona."
Nichts bewegt sich. Jörg Häntzschel ist in der SZ ganz und gar nicht glücklich darüber, wie Bayerns Kunst- und Wissenschaftsminister Markus Blume und andere Verantwortliche in der schwelenden Raubkunstaffäre (siehe unsere diversen Resümees hier) agieren. Häntzschel zählt eine Reihe fragwürdige Personalentscheidungen Blumes auf und kommt schließlich auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen zur Sache zu sprechen, die wissen wollten, wie Blume die Vereinbarungen zum Umgang mit Raubkunst umzusetzen wolle. In einem Statement, das der neue Generaldirektor der Staatsgemäldesammlung Anton Biebl der SZ schickte, heißt es: "Mein persönliches wie institutionelles Interesse gilt einer ernsthaften Auseinandersetzung und einer sachlich fundierten Lösungsfindung. Eine ergebnisoffene, rechtlich und historisch differenzierte Aufarbeitung liegt mir in hohem Maße auch persönlich am Herzen." Häntzschel merkt an: "Den Erben geht es indes weniger um 'Auseinandersetzung', 'Lösungsfindung' oder 'Aufarbeitung'. Es geht ihnen ganz einfach um die Rückgabe ihres gestohlenen Eigentums."
Weitere Artikel: Tobias Timm unterhält sich für die Zeit mit Wolfgang Tillmans über dessen bald eröffnende große Schau im Centre Pompidou. Philipp Meier spaziert für die NZZ über die Art Basel. Auch monopol-Autorin Saskia Trebing hält nicht viel von der Neuauflage der Reichstags-Verhüllung.
Besprochen werden die Schau "Fermenting Textiles" im Berliner Art Laboratory (taz), "Mögliche Übereinstimmung: Barlach x Sander" in der Berliner Galerie Burster (monopol), Park McArthurs "Contact M" im Museum Abteiberg, Mönchengladbach (taz), "David Hockney 25" in der Fondation Louis Vuitton, Paris (NZZ) und die Fotoausstellung "Changing Perspectives" im Wiener Westlicht (Standard).
Besprochen wird außerdem die Ausstellung "Anna-Eva Bergman and Hans Hartung. We'll Never Be Parted" in der Kunsthalle Prag (Tsp), und im NZZ-Interview mit Rico Bandle erzählt der Kunsthändler und Regisseur Arne Glimcher von seinem Aufstieg und seiner Arbeit.
Annegret Erhard sieht sich für die NZZ in der Liechtensteiner Hilti Art Foundation um, wo die neue Direktorin Karin Schick in ihrer ersten Ausstellung "InTouch" überraschende Dialoge zwischen den Kunstwerken zustande bringt: "Sie verfolgt mit Werken von Kandinsky, Kirchner, Feininger, Macke, Picasso und all den anderen Vordenkern unserer Zeitgenossen, einen Pfad, der die Gemeinsamkeiten, aber oft auch die Gegensätze augenfällig macht. So prallt die kühl konstruierte Situation eines Raddampfers vor bedrohlichen Wellentürmen von Lyonel Feininger mit dem ungebändigten Furor Ernst Ludwig Kirchners zusammen. Dieser schildert nämlich den 'Weg zur Staffelalp' 1919 als überbordendes Ergebnis seines 'Fanatischen Naturstudiums', wie er selbst einmal seine Ideensuche jener Jahre bezeichnete."
Weitere Artikel: Es ist wieder mal Art Basel-Zeit, das nimmt Philipp Meier in der NZZ zum Anlass, über die aktuellen Entwicklungen am Kunstmarkt auf dem Laufenden zu halten. Er lässt sich zudem von Katharina Grosse beeindrucken, sie ist dieses Jahr die Künstlerin, die den Messeplatz vor der Art Basel gestaltet. Florian Heimhilcher gratuliert dem Künstler Jim Dine in der FAZ zum Neunzigsten.
Wie künstlerischer Widerstand gegen repressive Systeme mit "Humor, Ironie, Satire und Slapstick" funktioniert - das kann Niklas Maak für die FAS bei der diesjährigen Berlin-Biennale lernen. Die Leiterin Zasha Colah zeigt in einer Ausstellung im KW Institute for Contemporary Art, wie sich Kunstschaffende in der Geschichte mit originellen Mitteln zur Wehr setzten, zum Beispiel das polnische Kollektiv Akademia Ruchu in den Siebziger- und Achtzigerjahren: "Bei der Aktion 'Potknięcie' etwa liefen Mitglieder von Akademia Ruchu vor dem damaligen Hauptquartier der Kommunistischen Partei auf und stolperten und stürzten plötzlich zum Schrecken der Passanten und der Wachen, taumelten auf Laternen und Leute zu und brachten Chaos und Unruhe vor die politische Machtzentrale; die Polizei konnte nichts dagegen tun, denn Stolpern stört zwar erheblich, aber ist leider nicht strafbar. Ähnlich trieb die 1986 geborene Han Bing auf dem Tiananmen-Platz in Peking die Wachen in den Wahnsinn, indem sie einen Kohl, das Hauptnahrungsmittel armer Menschen in China, wie einen Hund an einer Leine über den Platz führte, was man als Anklage lesen konnte, aber was ebenfalls nicht strafbar war." Von der Biennale berichten außerdem Peter Richter in der SZ und Sophie Jung in der taz.
Die NZZ geht gleich unter die Kunsthändler. Die japanische Künstlerin Leiko Ikemura gestaltet die heutige Ausgabe der NZZ. Die Zeitung bietet zugleich ein Set mit Glasarbeiten der Künstlerin für 28.000 Franken ("Bestellungen finden in der Reihenfolge des Eingangs Berücksichtigung"). Philipp Meier liefert im Feuilleton die dazugehörige Würdigung der eigentümlichen Figuren, die Ikemuras Werk bestimmen: "überlebensgroße Frauenfiguren mit Hasenohren", "starke Göttinnengestalten", aber auch sehr fragile Wesen. Anklänge an die japanische Kultur sind nicht zu übersehen: "Zahlreich sind die verträumten oder schlafenden Mädchenfiguren - auf die Leinwand gepudert in zarten Pastellfarben. Sie scheinen vordergründig der Inbegriff kindlicher Sanftheit zu sein. Was hat es damit auf sich? Man denkt reflexartig an den Begriff 'kawaii'. Er bedeutet so viel wie 'niedlich', 'süß', und viele Kunstschaffende in Japan arbeiten unter diesem Vorzeichen." Im NZZ-Gespräch mit Roman Bucheli erklärt Ikemura außerdem, wie sie den künstlerischen Prozess versteht.
Weitere Artikel: In der WamS unterhalten sich Nils Emmerichs und Cornelius Tittel mit dem Maler Markus Lüpertz über seine 21 Jahre als Leiter der Kunstakademie Düsseldorf. Arno Widmann erinnert in der FR an die Eröffnung der Ausstellung "Neue Sachlichkeit - Deutsche Malerei seit dem Expressionismus" in der Kunsthalle Mannheim vor etwa hundert Jahren, die der Bewegung ihren Namen gab.
Weitere Artikel: Der Generaldirektor der Albertina in Wien, Ralph Gleis, würdigt in der Welt den amerikanischen Künstler und Designer KAWS anlässlich einer kommenden Ausstellung. Nicola Kuhn und Birgit Rieger machen für den Tagesspiegel einen ersten Rundgang über die Berlin Biennale, die an diesem Wochenende eröffnet. Dagmar Leischoff besucht für die taz das Medienfestival "VRHAM! - Digital & Immersive Art Biennale" in Hamburg. Besprochen werden die Ausstellung "Camille Claudel, Berhard Hoetger. Emanzipation von Rodin" in der Alten Nationalgalerie Berlin (SZ) und die Ausstellung "A Heart That Beats - Queere ukrainische Kunst im Fokus" im Schwulen Museum Berlin (tsp).
Martin Gerner porträtiert in der FR die palästinensische Künstlerin Safaa Odah, die mit ihrer Familie aus Rafah fliehen musste und nun in einer Notunterkunft lebt: "In Safaas Zeichnungen ist der Krieg zwar permanent spürbar. Doch fehlt es an einem klar sichtbaren Feindbild. Hier und da sind zwar Bewaffnete zu sehen, aber ihre Identität steht nicht im Vordergrund, scheint fast anonymisiert. Vielmehr zeichnet sie über die eigene Existenz und Not und über die ihrer Mitmenschen." Sie, wie auch ihr Künstler-Kollege Mohammad Saba'aneh sehen sich ständiger Repression von allen Seiten ausgesetzt:"'Ich wurde inhaftiert wegen meiner Zeichnungen', erzählt er. 'Sie wurden beschlagnahmt. Erst von Israel, später auch von der Palästinensischen Autonomiebehörde. Ich wurde auch von islamistischen Gruppen wie der Hamas oder anderen palästinensischen Gruppen auf eine schwarze Liste gesetzt.'"
Die Feuilletons trauern weiter um Günther Uecker: Florian Illies schildert in der Zeit einen letzten Besuch bei Uecker, dessen Nagelbilder "in unbekannte Sphären von Ästhetik und Materialität" führten und erinnert an ein Schlüsselerlebnis in Ueckers Kindheit: "Als der Vater als Soldat in den Krieg ziehen musste, da übernahm der Junge den Hof, zog den Pflug durch die Äcker und die Kartoffeln aus der Erde. Und als die Russen kamen, weil sie den Hof plündern wollten und seine Mutter und seine Schwester schänden, da hämmerte er alle Fenster des Hauses von innen in wilder Panik mit Holzbrettern zu, eins nach dem anderen. So schützte er sie. So wurde das Vernageln für ihn zu einer Form des Widerstands, der Hammer zu einem Freund." Weitere Nachrufe schreiben Ingeborg Ruthe (FR), Stefan Trinks in der FAZ.
Besprochen wird die Medienkunst-Ausstellung "Johan Grimonprez. All Memory is Theft" im ZKM Karlsruhe (taz).
Das war wohl nichts. 30 Jahre nach Christo und Jean-Claudes Reichstagsverhüllung wollte Vladimir Yavachev, Neffe des inzwischen verstorbenen Christo, das legendäre Kunstprojekt wiederaufleben lassen, per Lichtprojektion auf den Reichstag. Allein, die brav versammelten Zuschauer wurden am Montagabend mit dem Ergebnis nicht allzu glücklich. Laut Hanno Rauterbach (Zeit) zumindest war "kein Großgeraune (...) zu hören, kein Ahh und Ohh zu vernehmen. Nichts an dieser digitalen, im Endlosloop vorgeführten Rückkehr des Wrapped Reichstags erinnerte an das Funkeln von einst, an die surreale Entwirklichung, mit der die Kunst vor 30 Jahren die Menschen in den Bann schlug. Damals war alles restlos verschwunden unter den Planen, jetzt hingegen, unter den Lichtschleiern der Projektoren, können die Säulen, Fenster, Skulpturen nicht einfach abtauchen. Sie bleiben, was sie sind, auch wenn es manchmal aussieht, als kräuselten sich davor ein paar Tücher, der Wind führe hinein, um die parlamentarische Gegenwart einmal zu durchlüften." Tobias Langley-Hunt berichtet im Tagesspiegel neutraler von der Reichstag-Sause, in der FAZ widmet Petra Ahne dem Event ein paar launige Zeilen.
Günther Uecker ist tot. Ingeborg Ruthe ruft dem Maler und Bildhauer in der BlZ nach. Sein Werk setzt sich wiederholt mit schweren Themen wie Tschernobyl und dem Holocaust auseinander, hat aber auch eine metaphysische Dimension: "Die Dinge mahnen. Für den Bildhauer waren die im rhythmischem Wirbel zu weißen oder schwarzen Spiralen, zu dunklen Feldern, gefährlichen Furchen, stachligen Fellen und Baumstümpfen geformten Nagelbilder elementare Möglichkeit, starke Emotionen auszudrücken. (...) Doch fährt man mit den Fingerkuppen über manche Nagelfläche, spürt man auch Sanftes. Als streichle man einem struppigen Tier den Pelz und spürt überrascht, dass es weich ist. Weich wie die Sanduhren mit Pendeln aus Hanf." Für die SZ erinnert sich Till Briegleb, in Dlf Kulturwürdigt Felix Krämer Uecker als wichtigen deutschen Nachkriegskünstler.
Weitere Artikel: Olga Kronsteiner berichtet im Standard über den Versuch des österreichischen Nationalratspräsidenten Walter Rosenkranz (FPÖ), eine Arbeit des Künstlers Erwin Wurm, die fürs Parlament angekauft worden war, an denselben zurück zu erstatten. Helene Slancar besucht ebenfalls für den StandardBraunau, wo demnächst das Festival der Regionen gastiert. Susanna Petrin spaziert in der NZZ durch den neueröffneten Flügel - Teil eines größeren Umbauprojekts - für Kunst aus Afrika, Ozeanien und den alten Amerikas im New Yorker Metropolitan Museum of Art.
Besprochen werden eine der wiederentdeckten Malerin Olga Meerson gewidmete Ausstellung im Schlossmuseum Murnau (FAZ), die Gruppenausstellung "Die Welt von morgen wird eine weitere Gegenwart gewesen sein" im Wiener Mumok (Standard), Michaela Eichwalds "Teil 2", Sequel einer Ausstellung aus dem Jahr 2018, in der Berliner Galerie Isabella Bortolozzi (taz), die Schau "And This is Us 2025 - Junge Kunst aus Frankfurt" im Frankfurter Kunstverein (monopol) und Julian Charrières Ausstellung "Midnight Zone" im Baseler Museum Tinguely (monopol).
Guardian-Kritiker Jonathan Jones hatte gedacht, die Kunst habe ihre Schockkraft verloren, dann aber betritt er die Sommerausstellung der Londoner Royal Academy, wo nicht nur aus Textilien gefertigte Tierkadaver von Tamara Kostianovsky an Ketten hängen, sondern auch Tracey Emin ihr neuestes, laut Jones bestes Werk präsentiert: "Es ist ein großes Gemälde mit den drei Kreuzen auf dem Hügel von Golgatha. Christus wird von zwei anderen gekreuzigten Figuren flankiert, von denen eine eine Frau ist - die einzige Abweichung von der ikonografischen Tradition. (…) Die geschwungene dunkle Linie, die den weißen Halbkreis des Hügels von Golgatha umschließt, erinnert stark an die Art und Weise, wie Francis Bacon seine Figuren in abstrakten Räumen einschloss. Wie ein Bacon'sches Schlafzimmer steht diese karge Hügelkuppe für das Gefängnis der Existenz, das wir alle teilen. Die beiden anderen Opfer - zwei Diebe, wie es in der Bibel heißt - teilen das Schicksal Christi, der an massive Kreuze genagelt wurde. Tun wir das nicht alle, sagt Emin."
Weitere Artikel: In der tazresümiert Sophie Jung die Feierlichkeiten zum siebzigjährigen Jubiläum der documenta, bei denen kaum über ruangrupa gesprochen wurde - und erst recht nicht über die Frage, "wie man damit umgehen soll, wenn Kunst in Propaganda umschlägt, wenn ihr Spekulatives, Offenes, Nachdenkliches, das hier vorher von allen beschworen wurde, in Feindbilder umkippt."
Besprochen wird außerdem die dritte Ausgabe der Helsinki-Biennale, bei der "der globale Süden mit dem indigenen Norden" zusammentrifft, dabei aber "aufs Verstehen und Interagieren - und die Schönheit der Natur" fokussiert, wie sich Hilka Dirks in der tazfreut.
Jungin Lee, 67, from the series "Unseen", 2024. Bild: (c) Jungjin Lee, image courtesy Huxley-Parlour, London Ganz hingerissen ist Charlotte Jansen im Guardian von den Landschaftsfotografien der südkoreanischen, in New York lebenden Fotografin Jungjn Lee, die eine Zeit lang Robert Frank assistierte und deren Island-Serie nun in der Londoner Huxley-Parlour Gallery unter dem Titel "Unseen" zu sehen sind. Ihre nachdenklichen, mitunter furchterregenden Aufnahmen erinnern oft eher an Kohlezeichnungen: "Sie beginnt mit einer Mittelformat-Panoramakamera. Dann bürstet sie das Negativ mit einer Entwicklungsemulsion, die sie auf empfindliches Hanji-Papier (koreanisches Maulbeerbaumpapier) aufträgt, und badet es bei einer etwas höheren Temperatur als bei der üblichen Fixierung. Dadurch werden die marmorierten, geätzten Texturen optimiert. Diese von Hand emulgierten Bilder werden dann wieder in digitale Bilder umgewandelt, auf denen sie dann die Kontraste verändert und sie erneut ausdruckt. Die Pinselstriche auf der Oberfläche sind greifbar und erinnern an koreanische Tuschemalereien - man kommt nicht umhin, den Einfluss einer malerischen Tradition zu erkennen, die unverkennbar in Lees Werk einfließt."
Weitere Artikel: Welt-Kritiker Hans Joachim Müller ist ohnehin kein großer Freund von Immersion und daran ändert auch Turner-Preisträgerin Monster Chetwynd nichts, wenn sie ihn in der Ausstellung "The Trompe l'œil Cleavage" im Zürcher Kunsthaus in "oszillierende Zwischenwelten entführt, in den populären Underground zwischen Tag und Nacht, zwischen männlich, weiblich und divers, zwischen Mensch und Tier, zwischen begehbarer Einbildung und geträumter Realität." In der FRerinnert Arno Widmann an die Gründung der Künstlergruppe "Brücke" vor 120 Jahren. Ebenfalls in der FR freut sich Ingeborg Ruthe, dass die Neue Nationalgalerie in Berlin ein Auto von Christo erhält. In der taz ist Sophie Jung gespannt, wie die documenta nach dem Antisemitismus-Skandal am Samstag ihr 70-jähriges Jubiläum feiern wird. Hannes Hintermeier meldet in der FAZ, dass das Anwesen des Bildhauers Fritz Koenig in Ganslberg nochmal öffentlich zugänglich sein soll, bevor es in ein internationales Künstlerhaus verwandelt wird.
Besprochen werden die Ausstellung "Isolated Bodies, Waiting for a Touch" in der Berliner Galerie Hua International, in der die queeren iranischen Künstlerinnen Tirdad Hashemi, Soufia Erfanian und Mahsa Saloor ihre Arbeiten zeigen (Tsp), Fotografien von Thomas Meyer in der Berliner Galerie Susanne Albrecht (Tsp) und die Ausstellung "Mama. Von Maria bis Merkel" im Museum Kunstpalast in Düsseldorf (NZZ, mehr hier).
Eine spannende Ausstellung stellt uns Laurent Jenny in En Attendant nadeau vor. Das Pariser Musée de l'Orangerie zeigt in "Dans le Flou" Werke von 1945 bis heute, die, wie der Katalog verrät, die Unschärfe als notwendige Strategie aufnahmen: "Nach der Entdeckung der Konzentrationslager, angesichts der Unmöglichkeit, das Unwiederbringliche darzustellen, verwischt die Unschärfe eine Realität, die der Blick nicht ertragen kann." Spätere "Werke zeugen davon, dass die traumatische Gewalt der Geschichte zu einer historischen Konstante des zwanzigsten Jahrhunderts geworden ist, von der der Holocaust nur der Vorbote war. Wir werden uns zum Beispiel mit dem Foto von Alfredo Jaar 'Six Seconds' (2000) befassen, das die unscharfe Silhouette einer schwarzen Frau von hinten zeigt: Wir erfahren, dass der Künstler sie um eine Aussage über die Gräueltaten gebeten hat, die sie während des Völkermords an den Tutsi erlebt hat, dass sie es sich zum Zeitpunkt des Treffens anders überlegt hatte, dass sie nicht sprechen konnte und dass er nur einige Sekunden ihres Weggehens aufnehmen konnte."
Weitere Artikel: Uta Schleiermacher spricht für die taz mit Benav Mustafa, dem Leiter des kurdischen Kunst- und Kulturfestivals in Berlin, über die Zeitenwende in Syrien. In der FAZ beklagt Hannes Hintermeier, dass das Maximum, das private Kunstmuseum des Stifters und Sammlers Heiner Friedrich, im bayrischen Traunreut schließt. Besprochen wird außerdem die Ausstellung "Friedensreich Hundertwasser - Paradiese kann man nur selber machen" im Kulturgeschichtlichen Museum in Osnabrück (taz).