Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.12.2024 - Design

Nachtragen müssen wir die traurige Meldung dass der Modeschöpfer John Galliano bei Margiela aufhört, wie etwa die britische Vogue berichtet: "Galliano wurde 2014 zum Kreativdirektor bei Margiela ernannt, seine erste Anstellung seit seinem skandalösen Abgang bei Dior im Jahr 2011. (Sein Weg zurück in die Gesellschaft wurde in der Dokumentation 'High and Low: John Galliano' nachgezeichnet, die im März dieses Jahres auf Amazon Prime veröffentlicht wurde). Seitdem hat er das Kultlabel, das unter dem unglaublich diskreten Gründer Martin Margiela bei Kunst- und Modeinsidern beliebt ist, zu neuen Höhen geführt."

Frankfurter Allgemeine Quarterly
bringt eine Strecke mit aktueller Herbst- und Wintermode.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.12.2024 - Design


Das Pantone Color Institute hat 17-1230-TCX, bzw. "Mocha Mousse" zur Farbe des Jahres erklärt. Der Farbton "enthält nach sachkundigen Angaben des PCI ... 'rötliche und mauvefarbene Untertöne'" und "erinnere das Institut 'an eine süße Leckerei' oder einen 'Spaziergang in der Natur'", schreibt David Hugendick in der Zeit, dem allerdings ganz andere Assoziationen kommen: "MM könnte auch die Farbe sein, die dabei herauskommt, wenn man einen Roman von Balzac mit Balsamico einreibt und ungefähr 14 Jahre unter einem Sitz in der Businessclass marinieren lässt. Vielleicht erinnert es uns auch an das feuchte, alte Laub, das missmutig hinter der Garage zusammengefegt wurde" oder es ist "die Farbe einer Kastanie mit erschütterndem Liebeskummer, die nachts glühende Briefe schreibt, aber niemals abschickt. Und vielleicht, nur ganz vielleicht ist es die Farbe, die etwas ähnelt, in das man während eines 'Spaziergangs in der Natur' gelegentlich reintritt, weil man durch irgendeine entlegene Brunftkuhle gelatscht ist."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.11.2024 - Design

Vom "Rooooooaaaarrrrr" zum "Miau", so seufzt und schimpft Gerhard Matzig in der SZ angesichts des aktuellen Image-Rebrandings der Automarke Jaguar, die künftig nicht mehr mit einem Auto, sondern offenbar auf einer Wolke aus Plausch in den Horizont fahren will. "Gezielt wird auf einen behaupteten Futurismus, der aber eher eine retrofuturistische Ratlosigkeit darstellt. Was Einzigartigkeit und Charakter sein könnten vor dem Hintergrund der einst berühmten Jaguar-Designgeschichte, wird zum glattgebügelten Mainstream-Zeitgeist aus dem Windkanal des Angesagten. ... Man blickt in einen Abgrund an sinnfreier Wokeness." Aber "nicht alles, was ideenlos aus digitaler Gleichförmigkeit besteht, hat etwas mit Moderne oder gar Minimalismus zu tun. Meistens nur etwas mit Marketing-Geschwätz."

Der Teaser zur neuen Imagekampagne lässt den Gedanken an ein Auto noch nicht einmal aufkommen:

Stichwörter: Jaguar, Auto, Wokeness

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.11.2024 - Design

Der Wettbewerb Hyperion ist "eine herrlich optimistische Idee", schreibt Gerhard Matzig in der SZ: Dabei soll ein Raumschiff gestaltet werden, das über 250 Jahre 1000 Menschen und mehrere Generationen beherbergen kann. Spätestens wenn die Sonne der Menschheit allzu garstig wird (was in ein paar Milliarden Jahren der Fall sein wird), werden solche Raumschiffe nämlich händeringend gebraucht. "Architekten, die mit Raumfahrt zu tun haben, kennen das oberste Prinzip im All: Form follows function. Es geht um Millimeter, Gramm - und ums Funktionieren im Sinne des Überlebens. Worum es eher selten geht in der Raumfahrt: um Schönheit. Um Aufenthaltsqualität. Um gedimmtes Licht." Denn "die Menschen auf einem Generationenschiff müssen es lange miteinander aushalten. Idealerweise auch unter romantischen Bedingungen. ... Bei Hyperion geht es um den idealen Lebensraum der Zukunft: Wie müssen Räume gestaltet sein, damit man sich darin dauerhaft wohlfühlt? Da der moderne Städtebau, der moderne Hausbau, der moderne Wohnungsbau und der moderne Möbelbau darauf schon lange keine befriedigenden Antworten mehr bieten, ist Hyperion die letzte Chance der Menschheit."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.11.2024 - Design

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Marina Razumovskaya sammelt für die taz Eindrücke von der Fashion Week Riga. Unter anderem hat ihr dabei "X" imponiert, eine Kollektion aus der Serie "Melanholija" des lettischen Labels "Iveta Vecmane". "Man sieht junge Nonnen oder heimliche Ninjas in langen Roben, die Taille betont, ganz ohne Accessoires. Auf den Roben sitzen gehäkelte Einsätze, wie Teile von Fischernetzen, abnehmbar als Kragen, oder wie kleine Servietten auf Jacke und Rock als All-over-Muster genäht. Die Models tragen lange, dünne Zöpfe, wie früher junge Frauen auf dem Land. Auch im Gespräch denkt die Designerin über Haare nach: wie viel Information jede*r in seinen Haaren trägt und wie viel Geschichten es gibt, in denen Frauen ihre Haare abschneiden und dadurch magische Kräfte verlieren. Auch wenn wir uns ändern wollen, schneiden wir die Haare ab. In der Show rieselt von oben plötzlich schwarzes Papierkonfetti, und eine Frau erhebt sich neugeboren aus der Asche - nach Ende des Kriegs."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.11.2024 - Design

In der taz blickt Donata Künßberg zurück auf sechzig Jahre Doc Martens.
Stichwörter: Mode, Stiefel

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.11.2024 - Design

Ganz schwindelig wird SZ-Kritiker Peter Richter bei der Eröffnungsveranstaltung zur Ausstellung "Design for Behinds" im "Fragil Royal" angesichts der grafischen Gestaltung der Sitzmuster, mit denen sich herumplagen muss, wer die Angebote des Berliner ÖPNV in Anspruch nimmt. Es handelt sich also um "Gestaltung für den Hintern", übersetzt Richter den Titel der Ausstellung und lauscht aufmerksam, wenn sich Laura Ewert und Tom Gräbe über die Funktionalität der Sitzmuster austauschen, die vor allem Graffiti abhalten sollen, "gerade in Nachtbussen aber immer wieder auch Erbrochenes. Fraglich blieb, ob speziell dies von den Designs nur ästhetisch sozusagen sublimiert oder zum Teil auch hervorgerufen wird. ... Auf der Empore des 'Fragil Royal' hängt nun eine ganze Galerie groß kopierter Fotografien von Bus- und Bahnsitzmustern unbekannter Designer, die in diesem Format und in dieser Präsentation mal an Werke der Op-Art, mal an solche des Abstrakten Expressionismus denken lassen. Auf den ersten Blick könnten sie so auch auf einer Kunstmesse hängen. Auf den zweiten Blick sogar erst recht."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.11.2024 - Design

Body Positivy in der Modewelt? Die war einmal - und dann im wesentlichen sowieso nur Kosmetik, mit der sich der Betrieb aufbrezelte. Der Trend auf den Laufstegen geht nun wieder eindeutig Richtung "Heroin Chic", schreibt Carolina Schwarz in der taz und verweist auf den Inclusivity Report der Vogue Business. "Die Hüftknochen müssen sichtbar, die Bäuche konkav sein, die Haut muss blass, die Haare müssen strähnig sein. ... Kritik und Shitstorms bleiben nach den Fashionweeks aus. Der Druck von außen, dass es körperliche Diversität auf den Laufstegen braucht, fehlt." Ein "wichtiger Grund, der den Trend zum Dünnsein beschleunigt: Ozempic und Wegovy. ... Die Spritzen sind auch dank einer enormen medialen Präsenz längst Normalität geworden."

Besprochen wird die Hermes-Ausstellung in der Lichthalle Maag (TA).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.11.2024 - Design

Topography Crop Top und Leggings von Kasia Kucharska

Im Tagesspiegel stellt Grit Thönnissen die Berliner Designerin Kasia Kucharska vor, die Kleidung aus Latex-Schnüren anfertigt. Dafür hat sie gerade von Anna Wintour den Preis des "Vogue Fashion Fund" überreicht bekommen. Auch wenn das Material Latex ist - mit Fetischmode haben ihre Kollektionen nichts zu tun, meint Thönnissen. "Dass ihre Kleidung im Alltag funktioniert, weiß sie vor allem von ihren Kundinnen. Die aus den USA sind stolz, ihren mit viel Mühe bearbeiteten Körper zu zeigen. Die aufgedruckten Linien zeichnen jedes ausgearbeitete Detail des Körpers heraus. Es ist als würde ein Comiczeichner seinen Figuren mit schwarzem Stift eine schärfere Kontur geben. Die japanischen Kundinnen nutzen ihre Entwürfe vor allem, um einzelne Kontraste zu schaffen. So schaut ein Ärmel mit Latexgitter unter einem Wollpullover hervor, oder ein hoher anliegender Kragen unter einer Jacke."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.11.2024 - Design


Laura Ewert spricht für Monopol mit dem Musiker Max Herre über seinen Großvater, den Bauhaus-Gestalter Richard Herre, dessen Einrichtungsgegenstände er jetzt wieder auf den Markt bringt. Dafür musste erst einiges zusammengelesen werden, wie für den Zet Kelim Teppich etwa: "Seine Entwürfe waren teilweise noch im Besitz unserer Familie. Aber dieser Kelim hat auch mit einem Artikel in der Monopol zu tun. ... Daraufhin meldete sich Dr. Nordmann, der Neffe von Frau Mörike, der Weberin meines Großvaters. Weil mein Großvater sie damals nicht bezahlen konnte, bekam sie für ihre Arbeit Möbel von ihm. ... Neben den Möbeln gab es auch eine Mappe, in der sich Teppich-Entwürfe meines Großvaters fanden. Von ihm mit Wasserfarben gemalt, Entwürfe, die Frau Mörike als Vorlage dienten. Das Tolle war, wir kannten seine Skizzen zwar in Schwarz-weiß aus frühen Publikationen, aber wir hatten nie ein Farbspektrum gesehen."