Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.10.2024 - Design

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"Da werden der Mann im Mond, die Marsmännchen und die Aliens ... staunen", schreibt Gerhard Matzig in der SZ: Denn Prada "soll zusammen mit dem US-Raumfahrtunternehmen Axiom Space den Unisex-Weltraumanzug für eine Nasa-Mission zum Südpol des Mondes schneidern. ... Obwohl etwa die gewählte Farbe Weiß an die Apollo-Missionen vor einem halben Jahrhundert erinnert, sieht Matt Ondler als Chef von Axiom Space nun eine 'extrem' zukunftstaugliche 'Ingenieurskunst' am Werk. 'Der Anzug muss sehr clever entworfen sein', sagt Ondler, denn am Südpol des Mondes herrschen Temperaturen von bis zu minus 203 Grad Celsius. Außerdem muss der Anzug für den Mondspaziergang vor Strahlung schützen, wobei man sich das Ganze eher nicht als Spaziergang im flaneurhaften Sinn Walter Benjamins vorstellen darf. Mindestens die Schildkröte an der Leine passt nicht recht ins Bild vom Weltall. Sauerstoff für bis zu acht Stunden muss der Anzug auf dem Mond außerdem bevorraten - das war's dann mit der schmalen Prada-Silhouette."

"H&M ist erwachsen geworden", stellt Yasmine M'Barek online nachgereicht in der Zeit fest: Weg vom Teenie-Image und Billig-Segment, das von Billigst-Anbietern aus Fernost mittlerweile eh viel besser bedient wird. "Das Haus hat seine Social-Media-Kanäle leer geräumt und neu bestückt, Renovierungen für zahlreiche Läden angekündigt und den Onlineshop durchgefegt. Jetzt auch mit Sustainability, wie man heute sagt, um Klasse zu signalisieren. Produziert wird weiterhin alles für grob gerechnet zwei Cent. ...  Die Läden richten sich nun an eine neue Zielgruppe: die vermeintlich nachdenkliche Mittelschicht, die eigentlich bei COS einkauft, dieser Kette, die zur H&M-Gruppe gehört und ebenfalls mit bescheidenem Aufwand ihre Waren produziert, die immerhin gehobener aussehen. ... Wo also kaufen sich Leute, die zwar noch nicht Christian Lindner, aber auch nicht mehr die Sozialdemokraten wählen, jetzt gut geschnittene Mäntel? Bei H&M, neben der Stange."

Von Linken und Rechten einst nicht nur aus praktischen Gründen, sondern wegen ihres ruppigen Images gleichermaßen geschätzt, ist die Bomberjacke "heute ein 'Fashion Piece' ersten Ranges", schreibt Jeroen van Rooijen in der NZZ: "Radikalisierung, Antibürgerlichkeit, Jugendkultur, Gewalt und Provokation - damit assoziiert man die MA-1 Bomberjacke. Es ist der Geruch des Untergrunds, der sie stets begleitet und periodisch wieder an die Oberfläche spült."

Das Team von Zeit Online gratuliert Ikea zum 50-jährigen Bestehen.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.10.2024 - Design

Katharina J. Cichosch hat für die taz eine Handtaschen-Ausstellung im Deutschen Ledermuseum in Offenbach besucht.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.10.2024 - Design

Die Luxus-Industrie ist in der Krise. Die Aktien von LVMH und Hermès sind in diesem Jahr gesunken. Handtaschenkritiker wie Tanner Leatherstein (Youtube-Kanal) zerschneiden die guten Stücke auf dem Sektionstisch und stellen fest, dass sie nicht einmal ein Zehntel ihres Preises wert sind. Für Alfons Kaiser, Modekritiker der FAZ, möglicherweise Zeichen für einen Epochenbruch: "Die Strategie der Branche, teure Ware an viele Menschen zu bringen, läuft langsam auf einen Selbstwiderspruch hinaus: Exklusives für viele gibt es nicht... Das Gegenteil ist aber der Fall: Die Marken fluten den Markt mit immer mehr Produkten. Bis das Opium fürs Volk seine Wirkung verliert. Der Glaube an den schönen Schein bröckelt schon. Das Überangebot trifft auf immer größere Skepsis."
Stichwörter: Luxusindustrie, Lvmh, Luxus

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.10.2024 - Design

DESIGN PARLANT KIM+HEEP, Wiener Frankfurter, 2009 Servierteller ©KIM+HEEP

Laura Ewert schlendert für Monopol durch die Ausstellung "Aut Now", die im Wiener MAK unter verschiedenen Rubriken "hundert Objekte aus 25 Jahren österreichischer Gestaltung seit 2000" versammelt. So gibt es etwa "Kategorien wie 'Tuning', 'Re-Typisierung' oder 'Material als Möglichkeit', die Grundsätzliches über Design erzählen. Unter 'Tuning' erkundet das Team die Möglichkeiten des Umnutzens. Eine Handramme, die umgedreht zur Vase wird. Ein Sonnenschutzvisier am Kinder-Fahrradhelm des österreichischen Erfolgsunternehmens Woom, der durch Material und Anbringung zum Aufprallschutz wird. Unter der Überschrift 'Re-Typisierung' wird die alte Frage gestellt, ob man das Rad noch neu erfinden kann. Und sie wird auch beantwortet: Kann man. Das sieht man beispielsweise an der Leiter von Clemens Auer, der die Sprossen links/rechts versetzt anordnet. Oder - wir brauchten das wirklich! - am Kleiderbügel von Louisa Köber und Marie Mattner, bei dem Teile des Drahts durch Seil ersetzt wurden, was ein viel flexibleres Aufhängen ermöglicht."

Für eine Reportage auf der Seite Drei der SZ hat Paul Munzinger den Kantamanto-Markt in Accra, der Hauptstadt von Ghana, besucht, wo täglich riesige Mengen an Altkleidern aus aller Welt aufschlagen. "Doch während die Menge zunimmt, nimmt die Qualität ab. Fast Fashion, das bedeutet in Afrika auch, dass immer mehr Altkleider so minderwertig sind, dass sie sofort weggeschmissen werden. Sie landen erst im Müll und gelangen von dort in Flüsse und in den Ozean, wo sie das Wasser mit winzigen Plastikpartikeln verschmutzen. ... Die Umweltschutzorganisation Greenpeace sammelte vergangenen Herbst eine Woche lang Kleider auf dem Kantamanto-Markt, die die Händler weggeworfen hatten. Sie kamen auf etwa 19 000 Kleidungsstücke, die zusammen 4,6 Tonnen wogen. Eine Stichprobe schickte Greenpeace nach Hamburg, wo die Textilien analysiert wurden. Das Ergebnis: 96 Prozent von ihnen enthielten eine oder mehrere synthetische Fasern, Acryl, Polyester, Polyamide oder Elastane. Was sie alle gemeinsam haben: Sie verrotten erst nach Jahrhunderten."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.10.2024 - Design

Schwarz. Viele Teenies tragen wieder komplett schwarz und auch die großen Modehäuser setzen in ihren aktuellen Kollektionen wieder vermehrt auf die (Nicht-)Farbe, während diese auch auf dem Textilmarkt für Normalsterbliche in den letzten fünf Jahren stetig populärer wurde, schreibt Silke Wichert in der NZZ. Woran liegt's? "Die einfache Antwort lautet: Es ist praktisch", denn Schwarz "steht jedem und lässt sich einfach kombinieren, am besten mit Weiß oder gleich mit noch mehr Schwarz." Und "Schwarz gilt traditionell auch als besonders geheimnisvoll. Das funktioniert in der Theorie allerdings besser als in der Realität, zumindest wenn man sich die Horden von Jugendlichen in schwarzen Jogginganzügen mit dem Aufdruck einer großen Sport- oder Designermarke in den Fussgängerzonen anschaut. Mysteriös ist hier allenfalls, warum das Zeug ohne nennenswertes Design trotzdem dreistellige Beträge kostet."
Stichwörter: Mode, Schwarz

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.10.2024 - Design

Valentino a la Alessandro Michele
Der Modeschöpfer Alessandro Michele hat bekanntlich Gucci verlassen (ein Haus, das jetzt in der Krise ist, hört man) und jetzt bei Valentino angefangen. Seine Entwürfe, eine Art romantischer Hippieschick, sorgen für Begeisterung. Auch bei Alfons Kaiser von der FAZ: "Es ist der Höhepunkt der Prêt-à-porter-Woche mit der Mode für Frühjahr und Sommer 2025. Und man weiß bei diesem Debüt gar nicht, wohin man schauen soll: herrliche Brokatjacken über Seidenhemden; Paillettenkaskaden, die in floralen Motiven schimmern; Rüschen über Rüschen, die oft in Stufenvolants auslaufen; ein roter Hut mit breiter Krempe, 'sehr groß', sagt Michele, 'aber nicht so groß wie bei Signor Valentino'."

Im Guardian schwärmt Jess Cartner-Morley: "Michele nahm die juwelengeschmückte römische Raffinesse von Valentino und spickte sie mit demselben Elstergeist, mit dem er Gucci aufpeppte. So gab es schlichte, damenhafte Jacken, aber auch Nasenringe aus Kristall. Romantische Stufenkleider und kitschige Pagenjacken. Damen der Haute Bourgeoisie der siebziger Jahre in wallenden Chiffons und Jungs der Generation Z mit Tattoos und Perlen. Die Gesichter der Models waren verschleiert, dramatisch schattiert unter Hüten oder mit Juwelen geschmückt, die von Backenzahn zu Backenzahn aufgereiht waren, so dass sie auf der Unterlippe lagen. ... Unter dem krawalligen Durcheinander beschwört Michele eine ganz bestimmte Welt herauf: einen raffinierten, üppigen Bildersturm, der ein enormes Ego, aber auch jede Menge Charme hat." Einige Bilder hier, bei der Vogue.

Und hier das Video:

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.09.2024 - Design

Zeigt Anflüge von Selbstironie: Anna Wintour in "In Vogue: The 90s"

FAZ-Kritiker Alfons Kaiser ist zwar dankbar für die vielen Anekdoten und Anekdötchen in der auf Disney+ gezeigten Dokuserie "In Vogue: The 90s" über Anna Wintour und ihre Zeit als Chefredakteurin bei dem wohl einflussreichsten Magazin für Modefotografie. Fast hautnah erlebt man hier mit, wie das Zeitalter der Supermodels ausgerufen wurde. Doch, weh, "der Preis für solche schönen Einblicke ist die Selbstbeweihräucherung. In den Szenen glaubt man zu erkennen, wie der um Inhalte bemühte Streaminganbieter mit dem marketinggestählten Magazinverlag Condé-Nast ringt. Dabei kommen viele beschönigende Nullsätze heraus. ... Alles ist hier 'rebellious', 'amazing', 'magical', 'incredible'. Selbstironisch wird nur Anna Wintour selbst. ... Immerhin wird in den sechs Folgen der Serie sichtbar, dass das Wettrennen zwischen den Zeitschriften mindestens so brutal war wie heute die peinliche Konkurrenz um Klickzahlen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.09.2024 - Design

"In den letzten Jahren haben immer mehr Modefirmen Farben für sich vereinnahmt", beobachtet Florian Siebeck in Frankfurter Allgemeine Quarterly: "Neue Designer, besonders junge, schicken sich an, bestimmte Töne zu besetzen, um sie zum Träger bestimmter Werte und Marken zu machen. Dabei geht es nicht mehr zwingend darum, sich die exklusive Nutzung eines Farbtons zu sichern, sondern darum, dass die Öffentlichkeit ihn untrennbar mit dem Namen eines Hauses verbindet. Farben als Distinktionsmerkmal." Vor allem "junge Designer wie Maximilian Davis" versuchen "sich mit emblematischen Farben einen Namen zu machen. Damit kommen sie auch den Kunden entgegen, deren Kaufverhalten sich geändert hat. Sie sind subtiler unterwegs und weniger exaltiert. Die Häuser suchen einen Stil, der frisch und einprägsam ist und gleich ins Auge fällt, ohne gleich von der großen Masse erkannt zu werden. Farbe eignet sich dafür wunderbar."
Stichwörter: Mode, Farben

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.08.2024 - Design

Julia Werner trauert in der SZ den "glorreichen Zeiten" der Modefotografie nach, "in denen Steven Meisel in der italienischen Vogue ein paar teure Kleider samt Model kunstvoll in einer Ölpest versenkte. Oder Linda Evangelista als irre gewordenes, Prada-tragendes Chirurgie-Opfer im Rollstuhl durch eine Klinik rollen ließ." Heute hingegen "herrscht Zeitdruck, es mangelt an Budget und einer gewissen Lustlosigkeit am Geschichtenerzählen, und deswegen sind wir in der Tat an einem Punkt, an dem Modefotografie so austauschbar und handwerklich so mittelmäßig geworden ist, dass man es wirklich auch gleich einen Computer machen lassen kann." Weshalb genau das auch schon geschieht: "Die Mode ist echt und wird vorab fotografiert, und dann trainiert man eine KI, sie einem digitalen Model anzuziehen. Jetzt also steht ein wunderschönes Mädchen mit hohen Wangenknochen, schmaler Nase und natürlich gewelltem Haar, außerdem mageren, also täuschend echten Modelmaßen, traurig in der Gegend rum." Das "ist stinklangweilig, und genau deswegen kaum von der Wirklichkeit zu unterscheiden."

Außerdem: Ein namentlich nicht genannter "Experte für Männermode" unterzieht in der taz das führende Personal der AfD einer vernichtenden Stilkritik. Peter-Philipp Schmitt porträtiert für "Bilder und Zeiten" der FAZ den Möbelgestalter Philipp Mainzer, der in den Neunzigern mit seiner Firma e15 die damals schwer verpönten und daher überall rausgerissenen Eichenbrettern rettete und daraus seinen Designklassiker, den bis heute produzierten Tisch "Bigfoot", produzierte.

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.08.2024 - Design

Gerhard Matzig kommt in der SZ nochmal auf Elon Musks Cybertruck-Ungetüm zu sprechen, einen SUV, der wie einem Mad-Max-Film ensprungen scheint und den er schon letztes Jahr zerrupft hat (unser Resümee). Anlass ist zum einen, dass der TÜV dem Fahrzeug keine Verkehrstauglichkeit für deutsche Straßen bescheinigt, zum anderen, dass sich Tschetschenenführer Ramsan Kadyrow mit einem um einen Maschinengewehr-Aufsatz ergänzten Cybertruck brüstet, den er von Musk selbst erhalten haben will (was der Tech-Milliardär dementiert). Kadyrow könne sich für das so modifizierte Vehikel auch einen Einsatz in der Ukraine vorstellen. So "machte ein Video die Runde, das Kadyrow auf Telegram gepostet hat. Es zeigt den Elektro-Pick-up von Tesla mit aufmontiertem Maschinengewehr. 'Elon, danke!', sagt Kadyrow in die Kamera. Mit amerikanischer Waffenhilfe die Ukraine terrorisieren: Das ist die Botschaft. Das könnte man für Dankbarkeit, Fake News oder auch Zurückgebliebenheit halten, klar. Der Punkt ist: Der Cybertruck mit Maschinengewehr-Aufsatz, der aus jedem Islamisten in Nahost, aber auch aus dem einen oder anderen Poser am Ku'damm einen speichelnden Pawlow-Hund macht, illustriert die aktuelle Evolution von Autos, die zu Waffen werden."