Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.11.2024 - Design

Der Wettbewerb Hyperion ist "eine herrlich optimistische Idee", schreibt Gerhard Matzig in der SZ: Dabei soll ein Raumschiff gestaltet werden, das über 250 Jahre 1000 Menschen und mehrere Generationen beherbergen kann. Spätestens wenn die Sonne der Menschheit allzu garstig wird (was in ein paar Milliarden Jahren der Fall sein wird), werden solche Raumschiffe nämlich händeringend gebraucht. "Architekten, die mit Raumfahrt zu tun haben, kennen das oberste Prinzip im All: Form follows function. Es geht um Millimeter, Gramm - und ums Funktionieren im Sinne des Überlebens. Worum es eher selten geht in der Raumfahrt: um Schönheit. Um Aufenthaltsqualität. Um gedimmtes Licht." Denn "die Menschen auf einem Generationenschiff müssen es lange miteinander aushalten. Idealerweise auch unter romantischen Bedingungen. ... Bei Hyperion geht es um den idealen Lebensraum der Zukunft: Wie müssen Räume gestaltet sein, damit man sich darin dauerhaft wohlfühlt? Da der moderne Städtebau, der moderne Hausbau, der moderne Wohnungsbau und der moderne Möbelbau darauf schon lange keine befriedigenden Antworten mehr bieten, ist Hyperion die letzte Chance der Menschheit."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.11.2024 - Design

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Marina Razumovskaya sammelt für die taz Eindrücke von der Fashion Week Riga. Unter anderem hat ihr dabei "X" imponiert, eine Kollektion aus der Serie "Melanholija" des lettischen Labels "Iveta Vecmane". "Man sieht junge Nonnen oder heimliche Ninjas in langen Roben, die Taille betont, ganz ohne Accessoires. Auf den Roben sitzen gehäkelte Einsätze, wie Teile von Fischernetzen, abnehmbar als Kragen, oder wie kleine Servietten auf Jacke und Rock als All-over-Muster genäht. Die Models tragen lange, dünne Zöpfe, wie früher junge Frauen auf dem Land. Auch im Gespräch denkt die Designerin über Haare nach: wie viel Information jede*r in seinen Haaren trägt und wie viel Geschichten es gibt, in denen Frauen ihre Haare abschneiden und dadurch magische Kräfte verlieren. Auch wenn wir uns ändern wollen, schneiden wir die Haare ab. In der Show rieselt von oben plötzlich schwarzes Papierkonfetti, und eine Frau erhebt sich neugeboren aus der Asche - nach Ende des Kriegs."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.11.2024 - Design

In der taz blickt Donata Künßberg zurück auf sechzig Jahre Doc Martens.
Stichwörter: Mode, Stiefel

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.11.2024 - Design

Ganz schwindelig wird SZ-Kritiker Peter Richter bei der Eröffnungsveranstaltung zur Ausstellung "Design for Behinds" im "Fragil Royal" angesichts der grafischen Gestaltung der Sitzmuster, mit denen sich herumplagen muss, wer die Angebote des Berliner ÖPNV in Anspruch nimmt. Es handelt sich also um "Gestaltung für den Hintern", übersetzt Richter den Titel der Ausstellung und lauscht aufmerksam, wenn sich Laura Ewert und Tom Gräbe über die Funktionalität der Sitzmuster austauschen, die vor allem Graffiti abhalten sollen, "gerade in Nachtbussen aber immer wieder auch Erbrochenes. Fraglich blieb, ob speziell dies von den Designs nur ästhetisch sozusagen sublimiert oder zum Teil auch hervorgerufen wird. ... Auf der Empore des 'Fragil Royal' hängt nun eine ganze Galerie groß kopierter Fotografien von Bus- und Bahnsitzmustern unbekannter Designer, die in diesem Format und in dieser Präsentation mal an Werke der Op-Art, mal an solche des Abstrakten Expressionismus denken lassen. Auf den ersten Blick könnten sie so auch auf einer Kunstmesse hängen. Auf den zweiten Blick sogar erst recht."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.11.2024 - Design

Body Positivy in der Modewelt? Die war einmal - und dann im wesentlichen sowieso nur Kosmetik, mit der sich der Betrieb aufbrezelte. Der Trend auf den Laufstegen geht nun wieder eindeutig Richtung "Heroin Chic", schreibt Carolina Schwarz in der taz und verweist auf den Inclusivity Report der Vogue Business. "Die Hüftknochen müssen sichtbar, die Bäuche konkav sein, die Haut muss blass, die Haare müssen strähnig sein. ... Kritik und Shitstorms bleiben nach den Fashionweeks aus. Der Druck von außen, dass es körperliche Diversität auf den Laufstegen braucht, fehlt." Ein "wichtiger Grund, der den Trend zum Dünnsein beschleunigt: Ozempic und Wegovy. ... Die Spritzen sind auch dank einer enormen medialen Präsenz längst Normalität geworden."

Besprochen wird die Hermes-Ausstellung in der Lichthalle Maag (TA).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.11.2024 - Design

Topography Crop Top und Leggings von Kasia Kucharska

Im Tagesspiegel stellt Grit Thönnissen die Berliner Designerin Kasia Kucharska vor, die Kleidung aus Latex-Schnüren anfertigt. Dafür hat sie gerade von Anna Wintour den Preis des "Vogue Fashion Fund" überreicht bekommen. Auch wenn das Material Latex ist - mit Fetischmode haben ihre Kollektionen nichts zu tun, meint Thönnissen. "Dass ihre Kleidung im Alltag funktioniert, weiß sie vor allem von ihren Kundinnen. Die aus den USA sind stolz, ihren mit viel Mühe bearbeiteten Körper zu zeigen. Die aufgedruckten Linien zeichnen jedes ausgearbeitete Detail des Körpers heraus. Es ist als würde ein Comiczeichner seinen Figuren mit schwarzem Stift eine schärfere Kontur geben. Die japanischen Kundinnen nutzen ihre Entwürfe vor allem, um einzelne Kontraste zu schaffen. So schaut ein Ärmel mit Latexgitter unter einem Wollpullover hervor, oder ein hoher anliegender Kragen unter einer Jacke."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.11.2024 - Design


Laura Ewert spricht für Monopol mit dem Musiker Max Herre über seinen Großvater, den Bauhaus-Gestalter Richard Herre, dessen Einrichtungsgegenstände er jetzt wieder auf den Markt bringt. Dafür musste erst einiges zusammengelesen werden, wie für den Zet Kelim Teppich etwa: "Seine Entwürfe waren teilweise noch im Besitz unserer Familie. Aber dieser Kelim hat auch mit einem Artikel in der Monopol zu tun. ... Daraufhin meldete sich Dr. Nordmann, der Neffe von Frau Mörike, der Weberin meines Großvaters. Weil mein Großvater sie damals nicht bezahlen konnte, bekam sie für ihre Arbeit Möbel von ihm. ... Neben den Möbeln gab es auch eine Mappe, in der sich Teppich-Entwürfe meines Großvaters fanden. Von ihm mit Wasserfarben gemalt, Entwürfe, die Frau Mörike als Vorlage dienten. Das Tolle war, wir kannten seine Skizzen zwar in Schwarz-weiß aus frühen Publikationen, aber wir hatten nie ein Farbspektrum gesehen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.10.2024 - Design

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Zumindest in der Herstellung von Plastikmöbeln im Stil des utopischen Aufbruchs der Siebziger hatte sich die deutsche Einheit schon lange vor 1990 vollzogen, nimmt SZ-Kritikerin Renate Meinhof als Erkenntnis von ihrem Besuch im Eisenhüttenstädter "Museum Utopie und Alltag" mit. Dort erzählt die Ausstellung "PURe Visionen. Kunststoffmöbel zwischen Ost und West", wie die Plastikbranchen der BRD und DDR frühzeitig miteinander kooperierten. "Synthetische Kunststoffe im Möbelbau anstelle von Holz? Ungeahnte Möglichkeiten für die Massenproduktion taten sich dank der Chemie-Industrie auf, und Erdöl floss reichlich aus der Sowjetunion in die DDR. ... Die Entwicklung von Möbeln aus Kunststoff lief in beiden deutschen Staaten parallel, aber der Westen war weiter, was Herstellung und Verarbeitung von Polyurethan betraf. Was tat der Osten? Er tat, als gäbe es die Mauer nicht" und "kaufte im Westen Maschinen und Verfahrenstechnik ein, kaufte auch Möbelentwürfe. ... Zwei Großbetriebe machten von Anfang der 1970er-Jahre Deutschland - nämlich die DDR in engster Zusammenarbeit mit der BRD - zum wohl größten Produzenten von Kunststoffmöbeln weltweit: das VEB Synthesewerk Schwarzheide mit seinem Betriebsteil in Bernsdorf und das Petrochemische Kombinat Schwedt an der Oder."
Stichwörter: Plastik, DDR-Design, Möbel, 70er, Instagram, BRD

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.10.2024 - Design

Diese Kaschmir-Tücher des Berliner Labels Lala Berlin sind sehr en vogue, hört man. Das KaDeWe soll den Tisch allerdings inzwischen abgeräumt haben.

Stichwörter: Kaschmir, Vogue

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.10.2024 - Design

Schwersten Herzens verabschiedet sich Bernhard Heckler in der SZ von seinem geliebten, aber verunfallten Twingo, der ihm viele Jahre lang treu zur Seite stand. Mit dem Twingo im Allgemeinen verschwindet auch eine Form von Bescheidenheit im deutschen Straßenverkehr, die ohnehin selten geworden ist, schreibt er: "Was bedeutet der Twingo als kultureller Gegenstand? Vielleicht liegt in ihm zuerst eben das: eine Philosophie der Selbstbeschränkung. Eine Idee von einem schlanken Leben. Ein Twingo beansprucht wenig Raum. Das ist rücksichtsvoll und modern. ... Leider ist der Twingo als Idee nicht mehr so anschlussfähig wie noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Es wird zu einem immer drängenderen Problem im Stadt- und Verkehrsbild, dass die Kleinstwagen nicht nur konkret, sondern auch metaphorisch an den SUVs zerschellen."
Stichwörter: Autos, Autodesign, Twingo