Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

979 Presseschau-Absätze - Seite 8 von 98

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.03.2025 - Design

twen Ausgabe 12/63, Foto von Irving Penn (Courtesy Sammlung Hans-Michael Koetzle / Museum WestLicht)

"Wir waren schon mal weiter", seufzt Hannes Hintermeier in der FAZ nach dem Besuch der Ausstellung im Wiener Fotomuseum WestLicht über das einst von Willy Fleckhaus als Art Director gestaltete und ziemlich legendäre Sixties-Magazin twen. "Weiße Schrift auf schwarzem Grund, halbe Seiten sind leerer Weiß- oder Schwarzraum, Bilder über Doppelseiten: Fleckhaus hat eine 'visuelle Grammatik' im Sinn, so" der Fotohistoriker "Hans-Michael Koetzle, will aufklären mit Bildern. Er verordnet twen eine radikale Optik, denkt das Heft als dreidimensionales Gesamtkunstwerk, schert sich nicht um Originalformate. Fotos sind für ihn Rohmaterial. Er beschneidet, stellt frei, kontert und rastert nach Belieben. ...  Auch wenn man dezidiert kein Fotomagazin sein wollte, wurden die Seiten stets vom Bild her gedacht, der Text hatte sich der Optik unterzuordnen. ... Keine Jugendzeitschrift im engeren Sinn, richtet sich twen an eine Leserschaft, die sich mit dem Aufbruchsgeist der Sechziger identifiziert. Es geht um Themen wie Außerparlamentarische Opposition, Homosexualität, Abtreibung, Rassismus, Gleichberechtigung, und immer wieder um Sex."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.03.2025 - Design

Mit Kummer nimmt Silke Wichert in der SZ zur Kenntnis, dass Donatella Versace nach dreißig Jahren ihren Posten bei Versace räumt. Sie "gehört vielleicht nicht zu den genialsten Designern unter der Sonne, aber mit Sicherheit zu den letzten großen Persönlichkeiten in einer Branche, deren Chief Creative Officer heute vor allem chefmäßig langweilen - weil sie allesamt so hochprofessionell agieren und funktionieren. Nach Karl Lagerfelds Tod war Donatella Versace die Einzige, die auch in ihrem Äußeren noch einen ikonischen Anspruch verkörperte. ... Es lag nahe, sie als Karikatur abzutun und sich über sie lustig zu machen. Dabei kam allerdings ein bisschen zu kurz, dass diese angebliche Witzfigur sich als eine der wenigen Frauen an der Spitze eines Milliardenunternehmens behaupten konnte."
Stichwörter: Mode, Versace, Donatella, Versace

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.02.2025 - Design

Valeriia Semeniuk porträtiert für den Tagesspiegel die ukrainische Modedesignerin Svitlana Volkova, die Mode für Menschen mit Prothesen gestaltet. "Angesichts der Anzahl der Amputierten ist der potenzielle Bedarf an adaptiver Kleidung in der Ukraine riesig. ... Bislang wurden in der Ukraine nur Sporthosen mit Klettverschluss für Veteranen entwickelt. Volkovas Meinung nach eignen sie sich durchaus für zu Hause, aber gar nicht zum Ausgehen. Ihre Jeans hingegen könnte man überall tragen. Es handelt sich um eine elastische, eher schmale Hose mit einem durchgehenden Reißverschluss. Der ist allerdings nicht auffällig - im Gegensatz zu den knallbunten Details. Die aufgesetzten Taschen sind mit bunten 3D-Patches dekoriert. Diese wurden von Svitlanas Freunden von der ukrainischen Künstler-Gruppe 'Photinus studio' entworfen. Als Vorbild dienten die militärischen Chevrons, die alle Soldaten gerne tragen. Das Chevron am Ärmel kennzeichnet die Zugehörigkeit zu einer Militäreinheit. Volkova schwebt vor, dass dieses Abzeichen ein visuelles Symbol für die Community der amputierten Soldaten wird." Auf ihrem Blog denkt die Designerin über ihre Arbeit und die damit verbundenen Herausforderungen nach.
Stichwörter: Mode, Ukrainekrieg, Amputationen, Hose

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.02.2025 - Design

Im taz-Gespräch ärgert sich der Modemacher Kilian Kerner über die seiner Ansicht nach zu kritische Berichterstattung über die Berlin Fashion Week. Es heißt "immer wieder, dass es in Berlin nicht gut laufen würde. Aber wir als Designer würden ja nicht jedes Jahr zweimal teilnehmen und sehr viel Geld dafür ausgeben, wenn es uns nichts bringen würde. ... Berlin hatte laut der Presse schon ausgedient, als es angefangen hat. ...  Ich finde, dass jede Modestadt eine komplett andere ist. Man kann sie nicht miteinander vergleichen und sollte es auch nicht. Stellen Sie sich mal vor, ich würde zu meiner PR-Frau sagen: Ich rede nur mit der Vogue. Auf was für einen Sockel würde ich mich dann stellen. Etwa das passiert mit der Berlin Fashion Week, jede Saison, seit 2008. Es stellen sich Redakteure über uns alle, haben keinen Respekt vor unserer Arbeit und sagen: Berlin ist scheiße und auf dem absteigenden Ast. Ich kann dazu nur sagen: Redet doch mit uns!"

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.01.2025 - Design

In seiner von der SZ dokumentierten Rede vor den Abschlussjahrgängen am Institut français de la mode in Paris, fragt sich Chris Dercon, wie die Mode der Zukunft aussehen sollte - und wie sich Mode an den Schnittstellen zur Kunst, aber auch zu Fragen des Klimawandels und gesellschaftlichre Umbrüche aufstellen sollte. "Mode sollte sich die Erlaubnis geben, Intelligenz zu erschaffen. Das ist der einzige Weg in die Zukunft. Intelligenz ist eine altruistische Geste, die einem Objekt einen Wert gibt, der die reine Ästhetik weit hinter sich lässt. Ich meine hier eine Intelligenz, die nicht nur als Innovation verstanden werden kann. Innovation hat heutzutage die Tendenz, vor allem anderen die Form in den Vordergrund zu stellen, was gar nicht nötig ist. Es ist auch die Intelligenz, die es uns ermöglicht, Veränderung hervorzurufen. Die Mode braucht ein Aufrütteln, das nicht nur ästhetischer Art sein kann. Dafür müsste man die Aufmerksamkeit auf Funktionalität lenken, was uns ermöglichen könnte, neue Materialien, Formen und Richtungen zu entdecken."
Stichwörter: Dercon, Chris, Mode

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.01.2025 - Design

Laura Ewert spricht für Monopol mit Herbert Lindinger, der vor vielen Jahren das einigermaßen scheußliche, im Sinne der Graffiti-Abwehr aber durchaus effektive Sitzmuster in den Zügen der Berliner Verkehrsbetriebe gestaltet hat. "Man sieht absichtlich nur Figuren, Dinge - manche meinen Würmchen - vor sich und keinen Hintergrund. Alle Elemente haben einen gleich starken figuralen Charakter. Das ist ein Gestaltungsverfahren, das in der Kunst und speziell der Textilkunst schon früh entdeckt wurde und immer wieder auftaucht. In der Wahrnehmungspsychologie 'Figur-Grund-Beziehung' genannt. Das Gegenteil unserer alltäglichen Wahrnehmung, bei der das Auge die Dinge bevorzugt und den Hintergrund unbeachtet lässt. Wenn da etwas in annähernd gleicher Größe dazu kommt, wird es schlecht wahrnehmbar, und das ist ärgerlich für einen Bemaler. Das half, um sich der Farbfilzer zu erwehren, die um 1985 plötzlich so billig waren und zum Muss für jeden Schüler gehörten."
Stichwörter: Bvg, Graffiti

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.01.2025 - Design

Marco Dessí, Schrank Dagobert Peche Revisited, 2012. Ausführung: Karl Neubauer Birkensperrholz, Stahlrohr, gelb gefärbt MAK, H 3648. © MAK

Die Wiener Werkstätte ist untrennbar mit dem Namen von Josef Hoffman verbunden, dabei schuf auch der Künstler und Dekorateur Dagobert Peche Werke, die die (Pop-)Kultur bis heute prägen, erkennt Caroline Schluge, die sich für den Standard im Wiener Mak die Schau "Peche Pop" angesehen hat: "Seine floralen, knalligen Stoffe und Tapeten erinnern an Motive der Sechziger, dabei sind sie schon in den Zwanzigern entstanden. Seine Möbel sind verspielt oder müssen gar mit einem Augenzwinkern gelesen werden - massive Stuhlbeine etwa, denen die Kritik seinerzeit 'Elefantiasis' diagnostizierte. … Zeit seines Lebens bleibt Peche mit seinen überbordenden Entwürfen ein Außenseiter, selten wird er in der Geschichte des österreichischen Designs neben seinen Kollegen Hoffmann und Koloman Moser oder Adolf Loos genannt. Der 'Champagnergeist' Peche spielt in der linearen Erzählung eine verschwindende Rolle, die große Ausstellung im Erdgeschoss des Mak lässt keine Zweifel daran, dass Peches Einfluss erst Jahre später, dafür aber mit voller Wucht einschlug. Gerade heute, wo im zeitgenössischen Interieur die grau-beige Reduziertheit wieder vom Alltagskitsch abgelöst wird, könnten seine bunten, witzigen Möbel genauso gut einer aktuellen Architekturzeitschrift entspringen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.12.2024 - Design

Die Luxus-Modemarken stecken in der Krise, schreibt Jeroen van Rooijen in der NZZ, und dies auch deshalb, weil sie es selbst mit dem Luxus im letzten Vierteljahrhundert stark übertrieben haben: "Der Luxus der letzten Jahre war auf den schnellen Effekt bedacht, musste in der ständig bewegenden Timeline von Instagram rasch hervorstechen und entsprechend plakativ gestaltet sein. ... Alles war laut und exzentrisch, praktischer Nutzwert oder Tragbarkeit interessierten kaum mehr." Doch "der Glanz der scheinbar exklusiven, tatsächlich aber massenhaft produzierten Luxusartikel verblasst. Weil man den Bogen überspannt hat. Luxus ist zur Karikatur seiner selbst geworden, mit leicht erkennbaren Markenartikeln, die niemand mehr will. Es herrscht eine 'luxury fatigue': Luxusmüdigkeit. ... Sogar die Chinesen begehren keine Statussymbole mehr. Und junge Leute begnügen sich inzwischen mit gefälschten Luxusartikeln."
Stichwörter: Mode, Luxus, Instagram, Begehren

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.12.2024 - Design

Dass das Pantone Color Institute seine bräunlich-schlackige Farbe des Jahres "Mocha Mousse" (mehr dazu bereits hier) als Ausdruck einer globalen Befindlichkeit annonciert, findet Franka Klaproth (online nachgereicht von der FAS) irritierend: "Wenn man liest, wie das Institut die Wahl der Farbe begründet, sieht es so aus, als ob es die politische Konnotation der Farbe nicht mitgedacht hat. Sie soll, heißt es da, den kollektiven Wunsch nach 'Verbindung, Komfort und Harmonie' ausdrücken. In einer zerrütteten Welt, die gerade mit aller Deutlichkeit zeigt, dass diese Dinge nicht einfach von selbst entstehen, ist die Idee, sich zurückzulehnen und mental Kaffeepause zu machen, eher ein Zeichen von gedanklicher Bequemlichkeit."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.12.2024 - Design

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Ein Beitrag geteilt von Matthieu Blazy (@matthieu_blazy)


Matthieu Blazy wird künftig als Kreativdirektor bei Chanel tätig sein. Es ist "die mit Abstand beste Wahl", jubelt Silke Wichert in der SZ. "Die letzten drei Jahre hat der Mann bei Bottega Veneta das seltene Kunststück vollbracht, dass seine Kollektionen von Kritikern wie Einkäufern abgefeiert wurden, tatsächlich aber auch bei den Kunden ankamen. Diese geflochtenen Taschen mit goldenem, astähnlichem Henkel: sein Werk. Das Flanellhemd, das Kate Moss trug, aber gar kein Flanell, sondern Leder war: ebenfalls er. Die halbe Garderobe von Julianne Moore im gerade laufenden Film 'The Room Next Door': dito. Nicht umsonst gehörte Bottega Veneta im luxuslahmen Jahr 2024 zu den wenigen Marken, die noch zulegen konnten." Und nahbar ist er auch noch: "Würde er nach seinen Schauen nicht leibhaftig über den Teppich rennen und danach so erhellende wie amüsante Backstage-Interviews geben, man würde sagen, so einen Typen, in dieser überdrehten Branche - den gibt's doch gar nicht! Den hätten sie nur gern."