Anja-Rosa Thömig ist ebenfalls in Aix-en-Provence und schreibt für die FAZ über eine Kammerfassung von Benjamin Brittens "Billy Budd" sowie über Christoph Loys Charpentier-Inszenierung "Louise". Auf nmz schließlich bespricht ein weiterer Aix-Besucher, Joachim Lange, die dortige "Don Giovanni"-Aufführung.
Weitere Artikel: Michael Bartsch fragt sich in der taz, warum die Neue Bühne Senftenberg in Südbrandenburg ihren Leiter Daniel Risloswerden will und vermutet: Er könnte sich zu deutlich gesellschaftskritisch positioniert haben. Shirin Sojitrawalla geht gerade im Sommer gerne ins Theater, lernen wir in der nachtkritik. Für Backstage Classicalunterhält sich Axel Brüggemann per Podcast mit Katharina Wagner, der Chefin der Bayreuther Festspiele über die angespannte Finanzlage.
Besprochen werden das von Paula Romy am Berliner Renaissance-Theater mit Katja Riemann inszenierte ein-Frau-Science-Fiction-Stück "Division" (BlZ, nachtkritik), das von Studenten der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst bestückte Programm "Freshhh 2025" (FR) und "Die Lauchhammer Files" am TD Berlin (Tsp).
Szene aus "Don Giovanni". Bild: Monika Rittershaus In der Welt wundert sich Manuel Brug: Der britische Theaterregisseur Robert Icke ist inzwischen bekannt für seine radikalen Klassiker-Neuentdeckungen, seine Inszenierung des "Don Giovanni" beim Festival d'Aix-en-Provence erscheint aber wie ein Versatzstück aus anderen "Don-Giovanni"-Inszenierungen: "Einen während der ganzen letzten Nacht sterbenden Verführer gab es schon in Claus Guths von Salzburg weit gereister Produktion. Ebenso stellte schon Martin Kušej in seiner weitgereisten Version Frauen permanent als Objekte, Schaufensterpuppen oder Miss-Wahl-Statistinnen aus. Mit alles nur wiederholenden Videobildern ist die internationale Operngemeinde längst so hinreichend versorgt wie mit Doppelgängern, einem Verführer als mieses MeToo-Würstchen und sich durch vermutlich missbrauchte Kinder spiegelnde Protagonistinnen."
Besprochen werden Hofesh Shechters Choreografie "Theatre of Dreams" beim Tanzfestival Colours in Stuttgart (FR), Marcus Boschs und Vera Nemirovs Kombination aus Puccinis Komödie "Gianni Schicchi" und Richard Strauss' Tragödie "Elektra" bei den Opernfestspielen in Heidenheim (FAZ).
Weitere Artikel: Die Mailänder Scala will ihren Dresscode von nun an strikter durchsetzen und Menschen in Flipflops vor die Tür setzen, ist dem Standard zu entnehmen.
Besprochen werden Stas Zhyrkovs Inszenierung des "König Lear - Der letzte Gang" von Pavlo Arie nach Shakespeare am Theater Heidelberg (nachtkritik), Nicole Schneiderbauers Inszenierung von Tine Rahel Völckers "Gesänge vom Überleben" am Staatstheater Augsburg (nachtkritik), Robert Ickes Inszenierung von Mozarts "Don Giovanni", beim Opernfestival in Aix (FAZ) und ChristianStückls Inszenierung von Shakespeares "Romeo und Julia" beim Passionstheater Oberammergau (FAZ).
In der FAZ ist Wiebke Hüster spürbar fasziniert von dem amerikanischen Tänzer und Choreografen Trajal Harrell, der im Rahmen des Holland Festivals in Amsterdam seine Ideen vorgestellt hat, wie sich die Ideen Tatsumi Hijikatas, Mitbegründer des Modernen Tanzes in Japan, für den Tanz der Gegenwart nutzen lassen: "Der assoziative und poetische Umgang mit Gegenständen auf der Bühne, die Entrücktheit von Gesichtsausdrücken, der Gedanke, dass 'etwas' durch einen hindurchtanzt im Prozess, dass der gegenwärtige, lebendige Körper zum Instrument eines anderen, bereits Verstorbenen wird, alle diese Versuche mit nicht westlichen Konzepten von Tod und Tradition, Seele und Körper sind ein lohnendes Experimentierfeld, aber auch eine Hommage. Wie eine Reverenz an die Vorausgegangenen, die Denker, die Tänzer. Die Idee der Selbstvergewisserung, der Rückversicherung spielt auch eine Rolle. Denn es ist nicht unwichtig zu wissen, dass man unter den Zeitgenossen isoliert sein mag, es aber nicht wäre, wenn der Tod abgeschafft wäre."
Hier stellt sich Harrell selbst vor:
Besprochen wird außerdem Alexandra Liedtkes Adaption von Joseph Roths "Hiob" bei den Festspielen Reichenau (nachtkritik).
Szene aus "Hiob". Bild: Lalo Jodlbauer "Theater schafft Räume für Träume" lautet das diesjährige Motto der Reichenauer Festspiele, die mit Alexandra Liedtkes Dramatisierung des Romans "Hiob" von Joseph Roth eröffneten. Zum Träumen angeregt wirdNachtkritikerin Gabi Hift allerdings nicht, denn: "Liedtke hat sich gegen eine naturalistische Umsetzung der Geschichte entschieden, eine für Reichenau ungewöhnliche Entscheidung. Roth schrieb, das Wesentliche des Romans seien weder die Handlung noch die Gefühlsmomente, sondern Rhythmus und Melodie der Sprache, die 'biblische Musik'. Um die Magie dieser Sprache zu erhalten, bewahrt Liedtke die Erzählstimme Joseph Roths und wandelt sie nicht in Dialoge um. Das ist ein interessanter und kluger Ansatz - leider ist die Umsetzung unentschieden. Alle Darstellerinnen sind mal Erzähler mal Figur. Sie gleiten aus der Erzählerposition in die Figuren hinüber, als würden die Figuren sich gegenseitig ihre Geschichten erzählen. Das zerstört aber das Faszinosum der Erzählung, die von weit außerhalb in rauschhaften Bildern das einfache, schlichte Leben einer Familie besingt."
Weitere Artikel: Für die FR spricht Judith von Sternburg mit dem Schauspieler Peter Schröder, der das Schauspiel Frankfurt nach knapp 15 Jahren verlässt, über seine Karriere. Besprochen wird außerdem Kuluk Helms' Inszenierung des Tucholsky-Stücks "Kolumbus oder Die 'Entdeckung' Amerikas" am Theater Lübeck (taz).
Die Berliner Kulturinstitutionen stöhnen unter den Budgetkürzungen, aber die Leitung der Komischen Oper scheint öffentliche Gelder dennoch mit vollen Händen zu verschwenden, wie Hartmut Welscher und Merle Krafeld in einer detaillierten Hintergrundrecherche für Vannahelegen. Es geht um ungenehmigte, zum Teil gegen den Denkmalschutz verstoßende Umbauten an der Interimsstätte, dem Schillertheater, außerdem um den teuren Erwerb eines nun ungenutztenBVG-Busses, hohe Beraterhonorare, unter anderem für Barrie Kosky und Unregelmäßigkeiten bei Reisekostenabrechnungen, so die Autoren: Nach Van vorliegenden Unterlagen unternahmen die beiden Ko-IntendantInnen Susanne Moser und Philip Bröking "allein zwischen März und Oktober 2023 Dienstreisen unter anderem nach Straßburg, Turin, Basel, Valencia, Frankfurt, Amsterdam, Buenos Aires, Zürich, Hamburg, Glyndebourne, London, Bad Kissingen, München, Aix-en-Provence, Bregenz, Salzburg, Paris und Kopenhagen - zum Teil mehrfach an denselben Ort. Die entsprechenden Abrechnungen, die Van einsehen konnte, summieren sich, inklusive Ausgaben für Anreise, Unterkunft und Bewirtung, teilweise auf mehrere Tausend Euro pro Monat." Die Leitung der Komischen Oper möchte sich dazu nicht äußern, stattdessen wurde der Promi-Anwalt Christian Schertz mandatiert. Szene aus "Voice Killer". Bild: Karl Forster In der Zeit gewinnt Christine Lemke-Matwey den Glauben an die zeitgenössische Oper zurück, nachdem sie mit Unsuk Chins "Die dunkle Seite des Mondes" in Hamburg, Rebecca Saunders "Lash - Acts of Love" in Berlin, Maeckes' "Der rote Wal" in Stuttgart und Philippe Manourys "Die letzten Tage der Menschheit" in Köln gleich fünf Uraufführungen gesehen hat, die die Gegenwart "seismografisch-sinnlich" erfahrbar machen. Der Höhepunkt ist dabei für die Kritikerin die Oper "Voice Killer", komponiert von dem tschechischen Komponisten Miroslav Srnka, geschrieben von dem australischen Dramatiker Tom Holloway, uraufgeführt am Theater an der Wien. Es geht um "drei Frauenmorde Anfang der Vierzigerjahre in Melbourne, der Täter, ein dort stationierter US-Soldat namens Edward Leonski, wurde gefasst und hingerichtet. (…) Dabei ist die Konstruktion nicht unverzwickt, natürlich vertont der Tscheche nicht einfach nur drei Frauenmorde. Vielmehr wird das Töten in der Oper von der Oper als Kunstform mitreflektiert. Durch eine moderne Rahmenhandlung (…) und durch die so simple wie dankbare Tatsache, dass Leonski seine Opfer vor den Taten singen ließ. Er wollte sich ihre Stimmen einverleiben, um nicht allein zu sein, heißt es. Welch treffliche Definition für jeden Opernbesuch!"
Besprochen wird außerdem Rainald Grebes Inszenierung "Musikantenstadl" mit dem RambaZamba Theater in der Berliner Kulturbrauerei (taz).
Till Briegleb verabschiedet sich in der SZ von Joachim Lux, der 16 Jahre lang das Hamburger Thalia-Theater leitete. Was bleibt von dieser Ära? Unter anderem die Erinnerung an "zwei der größten und vielseitigsten Charaktere des deutschsprachigen Theaters der letzten Jahrzehnte, Jens Harzer und Barbara Nüsse". Sie "bildeten die durchaus gegensätzlichen Pole einer komplexen Imaginationskraft. Nüsse, verschlagen, weise und frech, beseelte Pippi Langstrumpf wie greise Männer, sensible Königinnen wie ätzende Mütter mit so einer Freude bringenden Präsenz, dass jeder Banause in Publikum Sehnsucht nach dem Schauspielerberuf bekommen musste. Und Jens Harzer, der aus dem Kern vorgeblicher Naivität sein Spiel der Täuschungen so virtuos entwickelt hat, dass Pointen hinter jeder Geste lauern, die dann aber doch als Bedeutung erscheinen, hat Dank seines Ausnahme-Talents nie kämpfen müssen, Erster unter Ersten zu sein"
Weitere Artikel: Rüdiger Schaper schreibt im Tagesspiegel über einen Abend für die Theaterlegende Carl Hegemann an der Volksbühne. Atif Mohammed Nour Hussein denkt auf nachtkritik über Kunst und KI nach.
Besprochen werden Yasmina Rezas "Der Gott des Gemetzels" in der Inszenierung Jule Renstedts bei den Bad Hersfelder Festspielen (FR; "Rezas Dramaturgie ist so elegant, dass man sich auch nach Jahren noch daran freut") und "Eurotrash" nach Christian Kracht am Landestheater Linz (Standard; "Es dauert, bis" die Inszenierung "an Fahrt gewinnt, und zum Ende zieht sie sich hin").
Szene aus "Die letzten Tage der Menschheit". Foto: Sandra Then Nicolas Stemann hat Philippe ManourysMusiktheaterstück nach Karl Kraus' Weltkriegs-Drama "Die letzten Tage der Menschheit" auf die Bühne der Kölner Oper gebracht, dem SZ-Kritiker Egbert Tholl ist das dann aber doch zu viel der Düsternis: Kraus zeichnete "ein Panoptikum einer Gesellschaft, die besoffen vor Patriotismus in den Krieg und damit ihren Untergang taumelt" - "Die Oper meint alle Kriege: Der zweite Teil ist ein knapp einstündiger Totentanz, den Stemann mit einer Videobilderflut ausstattet, antike Schlachten, moderne Kriege, Ukraine, Vietnam - deshalb der Hubschrauber-Sound. Allerdings ist da der Film 'Apocalypse Now' beeindruckender. Alles scheint richtig, aufrichtig, doch alles wirkt vorgeführt, man konstatiert ungerührt, wie scheiße der Mensch sein kann. Am Ende bei Kraus hört man die Stimme Gottes, er habe das nicht gewollt. Hier endet es auch so, allerdings folgt noch ein seltsam schwebender Chor der ungeborenen Kinder. 'Lasset nimmer uns entstehen.' Hoffnung? Nein."
Von der bombastischen Inszenierung mit Riesenchor, vollständigem Orchester, Live-Videos und Stars wie Anne Sofie von Otter wird auch Eleonore Büning in der NZZnicht recht ergriffen: "Manourys polystilistische Musik ist, selbst in ihren elektronischen Zutaten im zweiten Teil, einfach zu naheliegend schön. Sie schafft es, Kraus zu entkrausen und den Wiener Schmäh zu entwienern. So verwandeln sich die 'Letzten Tage' ungewollt in Kriegskitsch - durchaus pathosfähig, aber ironiefrei. Tatsächlich gibt es Szenen, auch einzelne Sätze oder Wörter, bei denen das Blut in den Adern gefriert. Karl Kraus hat bekanntlich nichts frei erfunden. Er hat nur beobachtet, aufgeschnappt, zitiert und montiert. Er stellte fest: Der Mensch ist eine Fehlkonstruktion. Im Kriegszustand kommt es zur kollektiven Entmenschlichung." Manoury und Stemann ist ein "theatralisches Äquivalent für die Journalismuskritik mit journalistischen Stilmitteln von Kraus" gelungen, auch musikalisch, meint indes Patrick Bahners in der FAZ, dennoch mangelt es ihm an Impulsen zum Nachdenken.
Szene aus "Malditos Benditos". Foto: Jesús Vallinas Wehmütig verabschiedet Dorion Weickmann den Choreografen und Ballettdirektor Goyo Montero, der das Nürnberger Opernhaus nach siebzehn ausgelasteten und skandalfreien Spielzeiten verlässt, nicht ohne mit "Malditos Benditos" nochmal sein ganzes Können zu zeigen: "Tänzer und Tänzerinnen thronen darauf, während der Zeremonienmeister Goyo Montero hohepriesterlich die Bühnenmitte beansprucht, den Rücken zum Auditorium gekehrt. Von dort aus beobachtet er die temperamentvollen Soli und zärtlichen Duette, die sich vor seinen Augen abspielen, allesamt eigene Schöpfungen. Unter den sechzehn Bildern in 'Malditos Benditos', die Montero zu einem Medley von Dowland bis Dylan choreografiert hat, ist diese Episode namens 'Ohne Punkt und Komma' eine der stärksten. Zugleich dient sie als Rampe für den nächsten Gedankensprung, eine Meditation über Federico García Lorca, den Dichter, dem die homophobe Gesellschaft des Faschismus zum Verhängnis wurde. Zwei Männer, sich leidenschaftlich küssend, bis der eine den anderen von sich stößt und dem Mob preisgibt."
Weitere Artikel: Für die tazporträtiert Sabine Leucht den Münchner Choreografen Moritz Ostruschnjak, dessen Produktionen "Non + Ultras" gerade in der Münchner Muffathalle und "Trailer Park" im Berliner Radialsystem zu sehen sind.
Besprochen werden David Hermanns Inszenierung des "Don Giovanni" bei den Münchner Opernfestspielen (Welt) und das Festival "Ein Stück: Tschechien" des Vereins Drama Panorama im Berliner Theater unterm Dach (taz).
SZ-Kritiker Reinhard Brembeck genießt bei den Münchner Opernfestspielen mit Mozarts "Don Giovanni" - inszeniert von David Hermann, dirigiert von Vladimir Jurowski - eine lebendige Verführungs-, Rache- und Männlichkeitsgeschichte. Die Inszenierung hat "von allem etwas: Burleskes, Komisches, Barockes, Empfindsames und Sexsüchtiges, ein Ständchen, einen zum Saufexzess animierenden Kraftprotzsong, Protestlieder, Libertinagefeiern. Dass diese disparaten Elemente im 'Don Giovanni' stecken und ihn brüchig machen, das musizieren Jurowski und sein Staatsorchester unüberhörbar heraus. Dazu verdeutlicht der Regisseur eine Kernthese des Stücks: dass es unmöglich ist, das Alpha-Übermänner-Machotum zu überwinden und durch eine neue Gesellschaftsform zu ersetzen, in der alle die gleichen Rechte, keine erotischen und sonstigen Übersteigerungen mehr Platz haben."
Christian Gohlke kommt in der FAZ zu einem gänzlich anderen Urteil: Für ihn reiht sich die Mozart-Oper in eine Kaskade von Enttäuschungen unter der Intendanz von Serge Dorny ein: "Die wenig überzeugend gezeichneten Figuren bewegen sich in einem Umfeld nackter Tristesse. Der Bühnenbildner Jo Schramm bringt das Kunststück fertig, bei zahlreichen und technisch durchaus raffinierten Verwandlungen die Anmutung monströser Hässlichkeit konsequent beizubehalten: Ob in Annas Schlafzimmer, auf dem Amt, in Giovannis Palais - überall dominiert der Sichtbeton unbarmherzig die niederdrückende Szenerie. Nicht minder lastend sind die trägen, spannungslosen Tempi, die Vladimir Jurowski als Chef des Bayerischen Staatsorchesters wählt. Und schwerer noch wiegt: Mozarts Musik verliert bei ihm alles Sprechende. Begleitende Streicherfiguren, exponierte Bläserstellen, Tempowechsel ergeben sich nicht organisch aus der dramatischen Situation. Sie bleiben bedeutungslos."
Weiteres: Von Leos Janaceks Oper "Das schlaue Füchslein", die Theresa Steinacker am Staatstheater Mainz inszeniert, ist Bernhard Uske in der FR ganz begeistert, Björn Hayer berichtet für die Taz von den Schillertagen in Mannheim.
Besprochen werden "Confronting the Shadow" vom Kyjiwer Left Bank Theater unter der Regie von Tamara Trunova beim Festival "Performing Exiles" (Taz), "Der Spiegel" von Andrei Tarkowski, inszeniert von Bülent Özdil am Deutschen Theater Temeswar (Nachtkritik), "Kolumbus oder die 'Entdeckung' Amerikas" nach Kurt Tucholsky, Walter Hasenclever und Jura Soyfer, inszeniert von Cilli Drexel am Theater Lübeck (Nachtkritik), Schillers "Räuber" unter der Regie von Gil Mehmert auf den Bad Hersfelder Festspielen (Nachtkritik) und Shakespeares "Wie es euch gefällt", inszeniert von Milena Paulovics bei den Vilbeler Burgfestspielen (FR).
Clemens Haustein kann sich in der FAZ prinzipiell für Agostini Steffanis Oper "Orlando generoso" auf den Musikfestspielen Potsdam erwärmen, aber die Regie ist ihm doch ein Dorn im Auge. Der Protagonist Orlando wird vor lauter Liebeskummer zum Gewalttäter, was die Regisseurin Jean Renshaw in aller Deutlichkeit ausstellt: "Erst aus dem Klima der Angst, aus dem ständigen Eingreifen der Tyrannen in die Gefühlswelt der Untergebenen, ergibt sich das emotionale Chaos der Handlung. Keiner darf so lieben, wie er gerne möchte, die repressiven Eingriffe treiben die Protagonisten nach und nach in den Wahnsinn. Ob die explizite Darstellung auf der Bühne dabei so hilfreich ist? Der Hintergrund tritt in den Vordergrund; während bei den Produktionen der vergangenen Jahre die Einheit von Musik und Inszenierung beeindruckte, öffnet sich nun eine gewaltige Schere. Denn in Steffanis Musik geht es um nichts anderes als das Innenleben der Figuren."