W. Daniel Wilson (Hg.)

Goethes Weimar und die Französische Revolution

Dokumente der Krisenjahre
Cover: Goethes Weimar und die Französische Revolution
Böhlau Verlag, Köln 2004
ISBN 9783412142032
Gebunden, 741 Seiten, 74,90 EUR

Klappentext

Weimar, das 'Herz der deutschen Kultur' war 1792/93 keine Idylle, sondern wurde von vielfältigen politischen Konflikten erschüttert. In den 'heißen' Jahren der Französischen Revolution erlebte das Herzogtum Studentenunruhen, einen Aufstand von Textilarbeitern, Spitzelwesen und Repressionen. Bürger, die gelegentlich Revolutionskokarden trugen, stellten vehemente Forderungen an Herzog Carl August. Professoren und Schriftsteller wurden eingeschüchtert, die Autonomie der Universität Jena ausgehöhlt. Teile des einfachen Volkes sahen die französischen Truppen, die Eisenach zu besetzen drohten, nicht als Eroberer, sondern als Befreier von der absolutistischen Herrschaft des Herzogs an. Auf der anderen Seite standen viele Bürger, die zum Krieg gegen Frankreich mit freiwilligen Spenden beitrugen. Die Edition dokumentiert in einer Vielfalt von bisher meist unveröffentlichten Texten - von Bauern, Bürgern und Studenten bis zu Professoren, Schriftstellern, Beamten, Ministern und dem Herzog und der Herzogin - das Spektrum der politischen Auseinandersetzungen. Über den Geheimrat Goethe werden 45 bisher unveröffentlichte Gesprächsberichte geboten, andere neue Dokumente betreffen Schiller, Wieland, Herder, Knebel und Charlotte von Stein.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2005

Wie schon in seinen letzten Büchern versucht W. Daniel Wilson auch in seinem neuen Band, Goethes Weimar zu entzaubern, berichtet der "mko" zeichnende Rezensent. Auf über 600 Seiten häufe der amerikanische Germanist zu diesem Zweck Dokumente an, die belegen sollen, dass Weimar kein Hort der Demokratie und Goethe kein Anhänger der Revolution war. Das Problem dabei ist nur: Das hat auch nie jemand behauptet. Der Rezensent kann die enorme Quellenarbeit Wilsons durchaus würdigen, doch da man nichts entzaubern kann, was nie als verzaubert angesehen wurde, ist nicht mehr herausgekommen als ein nicht uninteressantes Stück Alltagsgeschichte der damaligen Zeit, urteilt "mko" streng.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.08.2005

Auch mit seinem jüngsten Buch will der kalifornische Germanist W. Daniel Wilson die "liberale Fassade des klassischen Weimar" niederreißen, stellt Hans-Jürgen Schings fest. Wie schon in einem Aufsatz von 1999, in dem er versucht hatte nachzuweisen, dass Goethe im Dienst des Herzogs Carl August gegen die Tendenzen der Französischen Revolution agierte und sich als Spitzel betätigte, legt er nun ein Konvolut von fast 600 Dokumenten vor, größtenteils aus dem Thüringischen Hauptstaatsarchiv in Weimar, die untermauern sollen, wie heftig Weimar von den Auswirkungen der Französischen Revolution erschüttert wurde, erklärt der Rezensent. Der Nachweis der "groben und schlampigen Willkürherrschaft", die der Autor in Weimar gern entdecken will, gelingt dem Autor nicht recht, meint Schings, und so verliere sich Wilsons "angekündigte Empörung" bald "ihren Schwung", so der Rezensent. Etwas hämisch weist Schings darauf hin, das die Studentenunruhen von Jena beispielsweise, in denen sich der Verfasser auf fast 300 Seiten und in "überbordender Ausführlichkeit" auf die Seite der Studenten schlägt, mit den ideologischen Inhalten der Französischen Revolution rein gar nichts zu tun hatten. Für ihn krankt das Buch vor allem an "fehlendem Augenmaß" und er findet es äußerst fraglich, wo der "Nutzen" dieser "immensen Fleißarbeit" liegen soll. Vielleicht ist dieser "bleischwere Band die Bußübung" für diejenigen, die Wilsons Vorwürfe seinerzeit allzu "leichtgläubig" geschluckt haben, mutmaßt Schings.

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