Bruno Preisendörfer

Als Deutschland noch nicht Deutschland war

Eine Reise in die Goethezeit
Cover: Als Deutschland noch nicht Deutschland war
Galiani Verlag Berlin, 2015
ISBN 9783869711102
Gebunden, 528 Seiten, 24,99 EUR

Klappentext

"Am Tore wurden wir angehalten. Ein Sergeant kam an den Postwagen und fragte: 'Wer sind Sie? Woher kommen Sie? Werden Sie lange hierbleiben?'"... So wurde befragt, wer zur Goethezeit an die Tore von Berlin kam. Das Gepäck wurde durchsucht, man bekam einen Passierschein - musste aber, kaum im Gasthaus angekommen, schon die nächsten Kontrollbögen, diesmal die der Polizei, ausfüllen. Wer mit Bruno Preisendörfer als Zeitreisender unterwegs ist, erlebt aber noch viel mehr: Er steht z. B. am 7. 11. 1775 morgens um fünf in Weimar vor dem Haus eines Kammergerichtspräsidenten namens von Kalb und sieht zu, wie Goethes Kutsche über das Pflaster rollt. Er besucht eine philanthropische Reformschule oder wird zwischen die Bauernkinder in die Bänke einer Dorfschule gesteckt. Er geht an die Universität, um Kant und Fichte zu lauschen, etwaige Verständnisschwierigkeiten müssen ihm nicht peinlich sein, es ging den Zeitgenossen ebenso.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.09.2015

Rezensent Thomas Meissner ist froh, in der Gegenwart zu leben, nicht in der Goethezeit, die ihm Bruno Preisendörfer auferstehen lässt, und zwar derart lebendig, dass dem Rezensenten mitunter gruselt angesichts von Schlachtfesten im Behandlungszimmer, hygienischen Zuständen oder dem Umgang mit Dienstboten und dem archaischen Verständnis von Strafe selbst bei den aufgeschlossensten Geistern. Die Literatur nimmt Meissner ausdrücklich aus davon, deren Blüte vermag ihm der Autor anhand von digital gut dokumentierten Quellen vor allem über Dichter aus der zweiten Reihe zu vermitteln. Eine imaginäre Zeitreise in die Vormoderne, die für den Rezensenten zwar weder klassische Sozialgeschichte noch sozialgeschichtlich fundierte Literaturgeschichtsschreibung ist, aber durch Zitatenfülle und perspektivische Breite auf ihn durchaus originell wirkt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 12.08.2015

Die Epoche der Weimarer Klassik, der Aufklärung und Empfindsamkeit, war eigentlich eine "Chaoszeit", erfährt Christian Thomas aus Bruno Preisendörfers "Reise in die Goethezeit". Ohrenbetäubender Lärm, beißender Gestank, brutale Wegelagerer, drakonische Strafgesetze, ausbeuterische Arbeitsbedingungen - alles andere als eine Welt für Empfindsame, stellt der Rezensent fest, der sich vom kenntnisreichen Autor mit großem Gewinn und viel Vergnügen "durch das Dick und Dünn einer schwankenden Welt" führen lässt. Doch bei aller Barberei zeigen sich schon erste Spuren der Moderne: bedeutende Fortschritte der Wissenschaft (insbesondere der Physik und Medizin) sowie erste Erfolge in der Entwicklung von Maschinen und Luftschiffen weisen in die industrialisierte und technifizierte Zukunft, berichtet Thomas.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.07.2015

Erfrischend findet Helmut Böttiger Bruno Preisendörfers neues Buch, das ein neues Licht auf die Goethe-Zeit wirft. Der Autor beschäftigt sich in "Als Deutschland noch nicht Deutschland war" weniger mit dem künstlerischen Schaffen Goethes, sondern eher mit dessen Alltag, erzählt Böttiger. Dabei überrascht es den Rezensenten, wie viel die einzelnen Informationen der damaligen Lebensumstände - etwa über Kleidung, Nahrung, Bettbezüge und Kerzenbeschaffung - dann doch mit Goethe zu tun haben. Dem Autor gelinge es dadurch, die Person Goethe für den Leser greifbarer und die Literaturgeschichte interessanter zu machen.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 16.05.2015

Eckhard Fuhr ist verstört, was darf er mitnehmen auf die Reise in die Goethezeit mit Bruno Preisendörfer? Nichts, gar nichts von dem, was er heute am Leib trägt zumindest, denn all das gab es nocht nicht damals. Stattdessen soll er sich, so der Rat des Autors, ein dickes Fell zulegen, um all die Pestgerüche, Fäkalien und Folterszenarien im Public-Viewing-Format zu ertragen. Dass es abgesehen von literarischer Hochkultur recht barbarisch und roh zuging zu Goethes Zeit, lernt Fuhr aus diesem Buch. Marodierende Soldaten und Räuberbanden, die der Autor ihm vorstellt, lassen ihn schließlich gar von Chaoszeit sprechen. Allerdings, auch das macht Preisendörfer dem Rezensenten klar: In geistiger wie seelischer Hinsicht waren die Menschen der Goethezeit uns doch sehr nah.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.03.2015

Rezensent Tobias Lehmkuhl wirft mit dem Berliner Schriftsteller Bruno Preisendörfer einen äußerst unterhaltsamen Blick in die Goethezeit - "als Deutschland noch nicht Deutschland war". Der Kritiker lernt hier viel über die Kleidung der damaligen Zeit, erfährt etwa, dass Goethe keine Unterhosen trug, liest in diesem ebenso umfangreichen wie heiteren Buch, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten es in den Bereichen Essen, Sexualität, Gesundheit oder Familie in den verschiedenen Gegenden gab und lobt das Buch nicht zuletzt als wunderbaren "Zitatenschatz". Ein interessant und anschaulich geschriebenes Buch, schließt der Rezensent.
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