Klappentext

Gelehrter, Staatsmann, Wegbereiter des Humanismus und Liberalismus Wilhelm von Humboldt zählt zu den herausragenden Männern der deutschen Geschichte. Lothar Gall zeigt uns einen Humboldt, der in seiner Weltoffenheit und geistigen Universalität weit über seine Zeit hinausweist, dem großen Dichterfürsten Goethe ebenbürtig und mit bis in unsere Zeit hineinreichender Wirkung. Als Reformer des preußischen Bildungswesens, als Teilnehmer am Wiener Kongress oder als Erforscher der Sprachen der Welt - stets war Humboldt durchdrungen von einem zutiefst humanistischen Menschen- und Gesellschaftsbild.
Gall zeichnet aber auch das Porträt eines Mannes, der den schönen Dingen des Lebens mit allen Sinnen zugewandt war und dessen Residenzen in Paris, Rom, Berlin oder London Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens waren. Nicht zuletzt gelingt es Gall vorzüglich, das faszinierende Zeitalter aufscheinen zu lassen, in dem Humboldt wirkte und das geprägt war von den Erschütterungen der Französischen Revolution, vom Furor Napoleons, von der Neuordnung Europas und von den Anfängen eines deutschen Nationalbewusstseins.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.01.2012

Schade, auf die pralle Lebensbeschreibung, die Wilhelm von Humboldt mittenmang in seiner Epoche zeigt, muss Jens Bisky weiter warten. Dabei findet er Lothar Galls Ansatz, den Mann nicht wie Daniel Kehlmann es vormacht als Pantoffelhelden zu präsentieren, sondern in seiner ganzen Pracht, als Weltverbesserer, Gelehrter, Politiker und großer Egozentriker, eigentlich vielversprechend. Leider kann der bloße chronologische Abriss aus der Perspektive Humboldts das Versprechen nicht einlösen. Bisky fehlt das Eintauchen in die Dramatik der Diskussionen, an denen sich Humboldt beteiligte, die Darstellung der Kontexte, das im Reich vorherrschende Verhältnis von Regierung und Untertan etwa, um Humboldts politische Schriften zu verstehen. Ganz besonders deutlich wird das für Bisky, wenn der Autor die Reformzeit beschreibt, da fallen die vielen neben Humboldt beteiligten Stimmen laut Rezensent viel zu einsilbig und blass aus, und der falsche Eindruck eines einhelligen Reformgeistes entsteht.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2011

Mit viel Lob bedenkt Rezensent Hans-Albrecht Koch diese Biografie Wilhelm von Humboldts, die Lothar Gall vorgelegt hat. Wie in seinen Werken über Bismarck, Krupp oder Walther Rathenau gelingt es dem Historiker zur Freude des Rezensenten auch in vorliegendem Buch, individuelle Existenz und Epoche überzeugend miteinander zu verschränken. Ausführlich rekapituliert Koch Leben und Karriere von Humboldt, zeigt ihn als Diplomaten und Beamten, als Philosoph, Sprachwissenschaftler und Bildungstheoretiker. Galls Arbeit zeichnet sich für ihn durch eine Sprache von "nüchterner Eleganz" und durch einen gelungenen Aufbau aus. Er attestiert dem Autor, die gewaltigen Stoffmassen souverän zu bändigen und durch klug eingesetzte Wiederholungen, Variationen und Pausen dem Leser die Lektüre und die Aufnahme des Stoffes zu erleichtern.