Herzogin Anna Amalia von Weimar hat ein "merkwürdiges Leben durchlaufen", wie es ein Zeitgenosse ausdrückte. Mit 16 Jahren war sie verheiratet, kurz darauf zweifache Mutter, Witwe und Regentin in Weimar-Eisenach. Am Ende ihrer sechzehnjährigen Regentschaft war das kleine Herzogtum hoffnungslos verschuldet, die Hofparteien verfeindet und das Residenzschloss abgebrannt. Mit gerade einmal 35 Jahren hätte sie sich nun auf einen ruhigen Alterssitz zurückziehen können - und niemand hätte ihren Namen je mit der "Weimarer Klassik" verbunden. Doch Anna Amalia blieb in der kleinen Residenz und profitierte so von der Anwesenheit Wielands, Goethes, Herders und Schillers.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.04.2007
Das Lob angesichts "vieler neuer Feststellungen" und Korrekturen an älteren Biografien sowie der Faktenfülle und der besonderen Berücksichtigung des historischen Umfelds Anna Amalias von Weimar in diesem Band bleibt dem hier rezensierenden Direktor der Anna-Amalia-Bibliothek, Michael Knoche, im Hals stecken. Das von Leonie und Joachim Berger mit ihrer Biografie angepeilte breite Publikum möchte der Rezensent gerne warnen vor einem positivistischen Maskenspiel, bei dem die Autoren, wie er schreibt, "nur Tatsachen" sprechen lassen wollten, aber ihre Wirkungen ignorierten. Die Bedeutung Anna Amalias für Weimar erscheint Knoche dadurch einfach zu gering. Knoche spricht von einer "Dekonstruktionslust", die "unfroh" stimmt, und mutmaßt, das Buch könnte als "Kontrapunkt" affirmativer Forschungsliteratur gedacht sein. Für ihn jedenfalls bleibt die Herzogin eine Förderin der Künste, die sich unter anderem um die Herzogliche Bibliothek verdient gemacht hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 19.09.2006
Verhalten äußert sich Rezensentin Renate Wiggershaus über Leonie und Joachim Bergers Biografie der Anna Amalia von Weimar. Die Herzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach (1739- 1807) gilt weithin als Wegbereiterin der Weimarer Klassik, die Autoren wie Herder, Wieland und auch Goethe unter ihre Fittiche nahm und förderte. Dies sehen die Autoren allerdings wesentlich kritischer und suchen daher den "Mythos" der Anna Amalias zu dekonstruieren, was ihnen nach Einschätzung von Wiggershaus zumindest teilweise auch gelungen ist. Mit dem "missgünstigen Ton", den die Autoren gegenüber ihrem Gegenstand anschlagen, kann sie sich dennoch nicht anfreunden. Zudem vermisst sie eine anschauliche Vergegenwärtigung und Beurteilung der zahlreichen Briefe, Essays, Zeichnungen und Kompositionen Anna Amalias. Außerdem wirkt die Studie auf sie ziemlich trocken. Insgesamt wertet Wiggershaus die Arbeit als "heilsam ernüchternde Darstellung, die aber aufgrund eines Anti-Anna-Amalia-Affekts allzu oft zu einer nörgelnden Entmythologisierung gerät".
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