Theodor W. Adorno, Max Horkheimer

Theodor W. Adorno / Max Horkheimer: Briefwechsel

Band II: 1938-1944

Klappentext

Herausgegeben von Christoph Gödde und Henri Lonitz. Dieser Band der Korrespondenz von Adorno und Horkheimer umspannt den Zeitraum von 1938 bis 1944 und setzt mit den letzten Wochen Adornos in England ein, die von der Arbeit an seinem Wagner und der Vorbereitung auf seine Mitarbeit an dem von Paul Lazarsfeld geleiteten Princeton Radio Research Project bestimmt sind. Er endet, als die Forschungsprojekte des Instituts für Sozialforschung über den Antisemitismus abschließend gebündelt sind.
Horkheimer ist in New York als Berater des American Jewish Comittee tätig, Adorno entwirft in Los Angeles zahlreiche Projekte und koordiniert die empirischen Untersuchungen, die gemeinsam mit der Public Opinion Study Group der Berkeley-Universität unternommen werden. In die Zwischenzeit aber fallen das Ende der zuletzt in englischer Sprache erscheinenden Zeitschrift des Instituts und die Bemühungen um Forschungsstipendien für die Mitarbeiter des Instituts, die nicht mehr aus eigenen Mitteln finanziert werden können. Adornos und Horkheimers Hauptsorge ist jedoch, Zeit für die gemeinsame Arbeit zu finden. Deren erster Niederschlag sind die "Philosophischen Fragmente", die später den Titel "Dialektik der Aufklärung" erhielten.
Zahlreiche, zumeist unveröffentlichte Dokumente, die im Anhang wiedergegeben werden, ergänzen diesen zweiten Band des Briefwechsels zwischen Theodor W. Adorno und Max Horkheimer, der einen faszinierenden Einblick in die Werkstatt der soziologischen Aufklärer zu Zeiten des Exils gewährt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.05.2005

Die Verbindung von Emigration und Freundschaft, Arbeit und - man staune - "relativem Glück" sei charakteristisch für die Jahre 1938 bis 1944, die im zweiten Band des Briefwechsels zwischen Theodor W. Adorno und Max Horkheimer abgehandelt würden, behauptet Ludger Lütkehaus. Verbunden waren die beiden Sozialphilosophen durch ihr Institut für Sozialforschung, in das Adorno unbedingt als gleichberechtigtes Mitglied aufgenommen werden wollte und wofür er, so Lütkehaus, "mit harten Bandagen" kämpfte: seines Erachtens ein eher unerquickliches Kapitel, leider auch unzureichend kommentiert. Ansonsten hätten die beiden Sozialforscher eine "Utopie der gemeinsamen Arbeit" realisieren können, von der die Briefe beredt Zeugnis ablegen, schwärmt der Rezensent. Vor allem Adorno, von dem der Löwenanteil der Briefe stammt, laufe zu großer Form auf, egal ob es um Musik- oder Sprachphilosophie ginge, Geschichts- oder Sozialtheorie, Neue Anthropologie oder Negative Theologie - der "intellektuelle Reichtum" sei "spektakulär", schreibt Lütkehaus. Doch auch Horkheimer ließe sich "nicht lumpen": seine diskursethischen Überlegungen erinnern ihn an Jürgen Habermas. Belustigt konstatiert der Rezensent den Kontrast zwischen der manchmal geradezu infantilen Sprache, die er den "Tierpark der Kritischen Theorie" nennt, und der distanzierten Anrede des "Sie"; die alten Dickhäuter bestanden halt auf ihrem "unabgegoltenen Glück", so Lütkehaus.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.01.2005

Mehrfach äußert Theodor W. Adorno in diesem nun veröffentlichten Briefwechsel seine Dankbarkeit gegenüber Max Horkheimer, der nicht nur seine Überfahrt nach Amerika organisierte, sondern auch die Wiederaufnahme der Arbeit in den USA am dort neu eröffneten Institut für Sozialforschung ermöglichte. Nachzulesen sind in den Briefen auch, so der Rezensent Uwe Justus Wenzel, die in ihrer Finsternis nur allzu zutreffenden Voraussagen zur Situation der Juden in Deutschland und die hin und her gehenden Überlegungen zum geplanten gemeinsamen Buch, der nachmaligen "Dialektik der Aufklärung". Wie hier um die richtige Sprache für eine solche philosophische Studie gerungen wird, stellt der Rezensent besonders ausführlich dar.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.10.2004

Als "Dokument des Emigrantenschicksals" würdigt Tim B. Müller den zweiten Band des Briefwechsel zwischen Theodor W. Adorno und Max Horkheimer, der die Jahre 1938-1944 umfasst. Beeindruckt zeigt sich der Rezensent von Adornos hellsichtigem Urteil über die Lage der Juden in Europa. Spätestens im Januar 1938, als er in die USA emigrieren musste, habe Adorno seine letzten Illusionen über Deutschland verloren. Müller findet Passagen, die Adornos und Horkheimers gemeinsame Arbeit über den Antisemitismus und ihre Theorieentwicklung erhellen. Im Vordergrund sieht er allerdings das Persönliche - Geldsorgen, Projektanträge, Umzugspläne, Wohnungssuche. Dem Leser biete sich ein "Panorama miteinander verschlungenen Emigrantenlebens". Wer nach dem ersten Band diskreten Sex-Talk der beiden Herren erhoffe, werde enttäuschst. Dafür verspricht Müller Klatsch über Kollegen, wobei er hinzufügt, dass die Grundsolidarität unter den Emigranten immer gewahrt bleibe. Ein wenig unangenehm berührt zeigt sich Müller von Adornos devoter Haltung gegenüber Horkheimer. Etwas banal findet er oft die Urteile der beiden über die USA. Er hebt aber auch ihr Interesse für den Film und ihre Unterstützung des emigrierten Regisseurs William Dieterle bei dessen Hollywood-Produktionen hervor. Mit "Entzücken" hat Müller von den Kontakten zu Dwight MacDonald und dem Kreis der "Partisan Review" gelesen, aus denen sich zu seinem Bedauern trotz gegenseitiger Hochschätzung nichts entwickelte. "Ein wenig angelsächsische Lockerheit", bemerkt Müller trocken, "hätte Adorno und Horkheimer gut getan."
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