Melvin J. Lasky

Und alles war still

Deutsches Tagebuch 1945
Cover: Und alles war still
Rowohlt Verlag, Berlin 2014
ISBN 9783871347085
Gebunden, 496 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Christa Krüger und Henning Thies. Mit zahlreichen s/w Abbildungen. "Selbst als ein Ungläubiger stand ich demütig und beschämt vor den Ruinen dieses fremden Landes", notiert Melvin Lasky, als er im letzten Kriegsjahr mit der US-Army nach Deutschland kommt. Hier soll der Oberleutnant Material für eine Geschichte der Invasion sammeln, doch was er sieht, lässt sich nicht schematisieren: Chaos, Trümmer, Unmenschlichkeit überall. Fassungslos reist er durch tote Ruinenlandschaften, vom Elsass über Bayern, Kassel und Braunschweig bis in die versehrte Reichshauptstadt, skizziert die Anfänge der Besatzungspolitik und, vor allem, hört den Menschen zu, die er trifft. Ihre Stimmen von KZ-Überlebenden, Widerstandskämpfern, alliierten Soldaten, Kriegsgefangenen, Nazis, Mitläufern und Ausgebombten fügen sich zu einem beeindruckenden Mosaik des Jahres 1945 und machen das bislang unveröffentlichte Tagebuch zu einem einzigartigen Zeitzeugnis.
Doch Lasky, Fremder, Feind und Freund zugleich, ist nicht nur ein genauer Beobachter und Chronist, sondern auch ein großer Erzähler. Ein Erlebnisbericht voll eindrucksvoller Szenen und Bilder, das Panorama eines zerstörten Landes zwischen totaler Niederlage und ungewisser Zukunft.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.05.2015

Spannende Literatur findet Klaus Hillenbrand bei Melvin J. Lasky. Die Aufzeichnungen des mit den amerikanischen Truppen 1945/64 die Trümmerwüste Deutschland bereisenden Militärhistorikers und Intellektuellen Lasky zeigen dem Rezensenten schonungslos die Realität des Krieges und lassen bei ihm keinen Zweifel aufkommen, wer dafür verantwortlich ist. Dass der Autor trotz all der von ihm eindringlich geschilderten Zerstörung und Verzweiflung nicht rührselig wird, sondern Hoffnung hegt, rechnet Hillenbrand ihm hoch an, auch wenn solche Momente im Buch eher selten sind, wie er meint. Laskys auf Gesprächen mit Ausgebombten, Intellektuellen, Displaced Persons, Nazis und Anti-Nazis basierender kritischer Umgang mit den Entnazifierungs- und Demokratisierungsversuchen der Deutschen, aber auch mit der amerikanischen Politik scheint dem Rezensenten nachvollziehbar.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.02.2015

Willi Winkler ist begeistert von Melvin J. Laskys Tagebuchaufzeichnungen aus dem kriegszerstörten Deutschland, das der Autor als Oberleutnant der US-Army 1945 besuchte. Zwar enthält das Buch laut Rezensent keine Sensationen à la Jünger, es beeindruckt den Rezensenten jedoch gerade durch seine unkriegerische Trauer und melancholische Verzeiflung angesichts der in Trümmer liegenden deutschen Kulturlandschaft. Sogar einen verhaltenen Zorn auf die marodierenden Kameraden kann Winkler heraushören, wenn der Autor durch die Ruinenstädte fährt, und immer wieder das Staunen über den deutschen Geist und seine Regression. Schade bloß, meint Winkler, dass die Edition insgesamt so mangelhaft ist und so viele Quellenverweise vermissen lässt.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 27.12.2014

Melvin Laskys Deutsches Tagebuch anno '45 liest Michael Rutschky mit Gewinn. Februar '45, und der Autor ist als Chronist der US-Armee mittendrin, beobachtend, notierend, meint Rutschky und lobt sich die solchermaßen entstandenen Nahaufnahmen von nachkriegsdeutscher Verlogenheit, Zerstörung, betrunkenen Befreiern, aber auch von fröhlich dem Eros huldigenden "Fräuleins", Büchern und Philosophen in Heidelberg. Dass hier einer seine Bildungsreise absolviert, entgeht dem Rezensenten nicht. Er leidet sogar förmlich mit ihm, als der Autor feststellt, dass die erhoffte große Wandlung der Kulturnation ausbleibt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.12.2014

Noch immer erscheint Melvin Laskys "Monat" dem Rezensenten Marko Martin als ein "geradezu unverdientes Geschenk" an die Deutschen, denn in der weltläufigen Zeitschrift schreiben bereits kurz nach dem Krieg die Ikonen des europäischen Geistesleben - von Arthur Koestler und Albert Camus bis Hilde Spiel, Thomas und Golo Mann. In Laskys Tagebuch von 1945 hoffte der Rezensent nun Hinweise darauf zu finden, warum sich ein jüdisch-amerikanischer Jungintellektueller, der mit der Siebten Armee nach Deutschland kam, so klaglos dem geistigen Elend im Nachkriegsdeutschland aussetzte. Gelüftet haben die Aufzeichnungen das Rätsel nicht wirklich, Martin wundert sich nach der Lektüre eher noch stärker, dass sich Lasky so wenig für das Schicksal der europäischen Juden interessiert. Doch mindert das nicht seinen Respekt für desen antitotalitäres Engagement und den Kampf um ein bisschen "zivilisatorische Gesittung".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2014

Was für ein Freund der Deutschen!, jubelt Rezensent Stephan Sattler über Melvin Lasky, dessen Deutsches Tagebuch von 1945 er als Überraschung anpreist. Überrascht ist der Rezensent zuallererst von Laskys Neugier auf und Sympathie für die deutsche Bevölkerung und Kultur. Den nach 1950 entstandenen Ruf des Publizisten und Ideenhistorikers Lasky als Antikommunist kann Sattler nach der Lektüre nicht mehr nachvollziehen, die Gesinnung des hier 25-jährigen Autors, der als amerikanischer Soldat, als Freund und Feind zugleich, wie Sattler schreibt, ins besiegte Deutschland kommt, scheint ihm alles andere als ideologisch im Sinne eines US-Missionars. Im Gegenteil tritt Lasky als sozialkritischer junger Mann auf, versichert Sattler, der die Sowjetpropaganda genauso kritisiert wie die amerikanische Außenpolitik.
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