Franz Meyers machte im Nachkriegsdeutschland eine steile politische Karriere, die ihn innerhalb nur eines Jahrzehnts von bescheidenen Anfängen in der Mönchengladbacher Kommunalpolitik im Jahre 1948 bis in das Amt des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten im Sommer 1958 führte. Als Innenminister und Ministerpräsident hat er in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts die politische Entwicklung an Rhein und Ruhr entscheidend beeinflusst. Mit seinem Namen sind die Verstaatlichung der Polizei, die Bemühungen um eine umfassende Verwaltungsreform, der Aufbau der Landeskunstsammlung Nordrhein-Westfalen, die ersten Schritte auf dem Feld des Umweltschutzes und die Gründung neuer Hochschulen in Dortmund und Bochum verbunden. In Erinnerung bleibt er aber auch als erfolgreicher Organisator der CDU-Kampagne für die Bundestagswahl 1957 mit dem legendären Wahlslogan Keine Experimente. Nicht zu vergessen ist der überzeugte Föderalist Meyers, der als Regierungschef von Nordrhein-Westfalen wie kaum ein anderer Ministerpräsident für eine klare Aufgabenabgrenzung zwischen dem Bund und den Ländern eintrat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.11.2004
Franz Meyers ist heute weitgehend vergessen - ein Schicksal, das der langjährige Landtagsabgeordnete, Innenminister und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen nicht verdient habe, wie Stefan Marx mit seiner "gewichtigen Biographie" nachweise, befindet Rezensent Günter Buchstab. Er rekapituliert die wichtigsten Stationen der Karriere des Rechtsanwalts und CDU-Politikers, der 1952 zum Oberbürgermeister von Mönchengladbach gewählt wurde, um sich wenig später als Innenminister hohes Ansehen zu erwerben, bevor er sich auch in der Bundespolitik einen Namen machte. Zeitweise war er sogar als Nachfolger Adenauers im Parteivorsitz im Gespräch. Buchstab moniert, dass die Ecken und Kanten des Politikers bei Marx ein wenig zu kurz kommen. Ansonsten hat er nichts an dessen Biographie auszusetzen. Im Gegenteil: Über einen bloßen Lebensbericht hinaus sieht er darin auch einen "bedeutenden Beitrag zur Zeitgeschichte und insbesondere zur nordrhein-westfälischen Landesgeschichte".
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