Eckart Conze

Die Suche nach Sicherheit

Eine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis in die Gegenwart
Cover: Die Suche nach Sicherheit
Siedler Verlag, München 2009
ISBN 9783886809196
Gebunden, 1071 Seiten, 39,95 EUR

Klappentext

Am Anfang war nicht Adenauer, am Anfang war nicht der 8. Mai 1945, und am Anfang war auch nicht die Teilung der Nation. Am Anfang von Eckart Conzes Geschichte der Bundesrepublik Deutschland steht der deutsche Staat im Jahr 2009, seine Politik, seine Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur sechzig Jahre nach seiner Gründung. Conzes Darstellung ist konsequent von der Gegenwart her konzipiert und in besonderem Maße vom Anspruch des Zeithistorikers getragen, durch seine Analyse auch zur Erklärung unserer heutigen Zeit beizutragen.
Im Kern erzählt das Buch dabei von der Suche der Deutschen nach Sicherheit angesichts ihrer katastrophalen Geschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, aber auch angesichts sozialer, ökonomischer und außenpolitischer Herausforderungen, die sich immer wieder neu stellten. Mittlerweile stehen die grundgesetzlich verankerten Sicherungssysteme in vielen Bereichen einer dringend notwendigen Modernisierung entgegen. Eine reine Erfolgsgeschichte ergibt sich daraus nicht, vielmehr eine differenzierte Bilanz. Conze trägt mit seiner Analyse zum Verständnis derjenigen Probleme und Schwierigkeiten bei, mit denen die Bundesrepublik heute zu kämpfen hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2009

Voll des Lobs ist der hier rezensierende Zeithistoriker Christoph Kleßmann für diese umfangreiche Nachkriegsgeschichte der BRD, die Eckart Conze vorgelegt hat. Plausibel findet er den Ansatz, die Geschichte der BRD seit 1945 als Suche nach Sicherheit zu interpretieren und die Politik- und Gesellschaftsgeschichte daraus abzuleiten. Er schätzt die umfassende und höchst instruktive Berücksichtigung von Politik-, Kultur- und Gesellschaftsgeschichte sowie die hervorragende Lesbarkeit der Darstellung. Dass der Autor die DDR-Geschichte ausklammert, hält er für legitim, allerdings bleibt seines Erachtens der Platz der Ostdeutschen nach der Wiedervereinigung in dieser Nachkriegsgeschichte "marginal". Dennoch scheint ihm der Versuch des Autors gelungen, auch die sozialhistorischen Prägungen der DDR-Geschichte zur Erklärung gegenwärtiger politischer Einstellungen und Verhaltensweisen einzubeziehen. Positiv äußert sich Kleßmann zudem über Conzes Zurückhaltung bei Wertungen und die Ausgewogenheit seines Urteils. Sein Fazit: ein "außerordentlich gelungenes Beispiel großer Zeitgeschichtsschreibung".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.10.2009

Norbert Frei, selbst Professor für neueste Geschichte, liest mit Anerkennung die Arbeit seines Fachkollegen Eckart Conze. Interessant an der über 1000 Seiten starken Geschichte der Bundesrepublik findet er den neuen Ansatz Conzes, die Bundesrepublik nicht mehr nur als Erfolgsgeschichte zu lesen, sondern die Staatshistorie nun unter der Maxime einer beständigen Suche nach Sicherheit aufzurollen. Eine These, der Frei selbst ein wenig skeptisch gegenübersteht und der er den leisen Vorwurf macht, einfach nur aus Überdruss gegenüber älteren Ansichten entstanden zu sein, als Aufstand eines jüngeren Historikers gegenüber der "wissenschaftlichen Vätergeneration". Ansonsten gefällt Rezensent Frei der kühle und "glasklare" Ton des Buchs und er ist angetan von der Souveränität, mit der Conze von Adenauer bis in die Gegenwart den Blick für das Wesentliche behält. Dass Conze nicht davor zurückschreckt, auch für die Gegenwart und Zukunft der Bundesrepublik Prognosen zu treffen, zeigt, so Frei ganz unspöttisch, dessen "journalistischen Mut".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.07.2009

Grundsätzlich bezeugt der hier rezensierende Hans-Ulrich Wehler, der als Historiker selbst ein Standardwerk zum Thema verfasst hat, dieser Geschichte der Bundesrepublik des Marburger Historikers Respekt. Nachvollziehbar findet er, als Grundlage für diese bundesrepublikanische Geschichte als roten Faden und "soziokulturellen" Orientierungshorizont" das Sicherheitsinteresse zu nehmen, was auch an Eckart Conzes "schlüssiger Argumentation" liegt. Doch wirft der Ansatz aus Wehlers Sicht auch Fragen auf. Denn für ihn reicht diese Leitfrage nicht aus, um das sechzigjährige politische Gemeinwesen samt seiner Entwicklung aus dem Schock zweier totaler und verlorener Kriege, oder Phänomene wie das Wirtschaftswunder umfassend darzustellen. Auch kommt für Wehlers Geschmack Conzes Spezialität, die "moderne Politikgeschichte" oft doch recht konventionell daher, fehlen Wehler immer wieder Trennschärfe, Differenziertheit und Komplexität. Auch das Ausblenden der DDR-Geschichte bei der Beurteilung der BRD-Geschichte nach 1990 schwächt aus Wehlers Sicht Conzes Argumente für ein gerechtes Urteil.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.06.2009

Die Geschichte der Bundesrepublik als Erfolgsgeschichte zu lesen, macht dem Rezensenten Freude. Wie der Marburger Historiker Eckart Conze ihm den Drang der Nachkriegsdeutschen nach Halt und Lebensinhalt erklärt (mit Verweis auf die tiefe Finsternis des Dritten Reichs nämlich), leuchtet Godehard Weyerer ein. In den acht Kapiteln seines Buches überzeugt ihn der Autor durch Faktenreichtum, Stilsicherheit und Präzision in der Darstellung und das Bemühen um eine differenzierte Sicht der Dinge. Zu analytischer Höchstform läuft Conze laut Weyerer auf, wenn er Zeitgeschichte schreibt. So bei der Darlegung von Adenauers Dilemma zwischen Souveränität und Integration.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 23.05.2009

Eckart Conzes voluminöse Geschichte der Bundesrepublik Deutschland hat Rezensent Jens Hacke durchaus beeindruckt. Von den in den letzten Jahren erschienenen Werken über dieses Thema scheint ihm Conzes Buch das umfangreichste und detaillierteste. Er attestiert dem Historiker einen Ton "nüchterner Sachlichkeit" sowie eine ausgewogene Schilderung des Auf und Ab der Nachkriegsentwicklungen von den Anfängen bis heute. Die Darstellung zeichnet sich für ihn aus durch die "Distanz desjenigen, der verstehen und nicht in erster Linie Zensuren verteilen will". Besonders unterstreicht er das von Conze herausgearbeitete Leitmotiv der Sicherheit, mit dem der Historiker die Geschichte der Republik interpretiert: wirtschaftliche, innere und äußere, die Ängste vor nuklearer Bedrohung und Umweltrisiken. Ein wenig sieht Hacke allerdings die Gefahr, dass der Autor wegen seiner Nüchternheit "das Politische im Pragmatismus" verliert. Ansonsten lobt er das Werk freilich als "zuverlässiges Kompendium" für die Geschichte der BRD.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.05.2009

Mit hohem Lob bedenkt Rezensent Harry Nutt diese umfangreiche Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, die der Historiker Eckart Conze vorgelegt hat. Er schätzt den methodischen Ansatz des Autors, wonach Geschichte immer Gegenwart sei und immer wieder neue Deutungen des Quellenmaterials erfordere. So gelingen Conze Differenzierungen, "die das längst bekannt Geglaubte in neuem Licht erscheinen lässt", lobt Nutt. Deutlich wird für ihn bei der Lektüre, dass die Geschichte der Bundesrepublik an vielen Punkten eine ganz andere Richtung hätte nehmen können. Als "Kristallisationskern" dieser Geschichte lege der Autor das Bedürfnis nach Sicherheit frei, zunächst nach Sicherung der bloßen Existenz, dann nach innerer Sicherheit und schließlich nach Sicherheit in Sachen Ökologie und Frieden. Nutt lobt insbesondere die "stilistische Eleganz" und die "reflektierende Gelassenheit" des Autors sowie seine "analytisch-kühle Darstellungsform". Insgesamt scheint ihm Conzes Darstellung der bundesrepublikanischen Geschichte durchgehend stringent, verständlich und sehr instruktiv.