Marie Luise Knott

Verlernen

Denkwege bei Hannah Arendt
Cover: Verlernen
Matthes und Seitz, Berlin 2011
ISBN 9783882216059
Gebunden, 151 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Mit Zeichnungen von Nanne Meyer. "Ich rühre nie wieder eine intellektuelle Geschichte an!" 1933, den Bankrott des Denkens und der Urteilskraft vor Augen, verließ Hannah Arendt, die Schülerin von Martin Heidegger und Karl Jaspers, ihre Heimat, die Philosophie und Deutschland. Um in den Besitz einer eigenen Sprache für das Gesehene und Gehörte, Geschehene und Getane zu gelangen, begann sie im Exil ihre Wege des Verlernens , die sie später ihre lebenslange Verstehensarbeit nannte.
Marie Luise Knott skizziert Erkenntniswege, mit deren Hilfe sich Hannah Arendt, die Theoretikerin der Freiheit, kollektive "Lebenslügen" und vorgefasste Meinungen austreibt, die am Denken hindern. Die Kraft der Bilder und der Begriffe machen den Denkraum Hannah Arendts zu einem verlässlichen Ort, in dem der Leser seine eigene denkerische Ratlosigkeit aufgehoben weiß und sich selbst in "wesentliche gedankliche Prozesse" verwickeln kann. "Verlernen" ist mehr als ein Buch über das Nachleben dieser Ausnahmedenkerin. Arendts Wege des Verlernens erweisen sich als Anstöße zu politischem Handeln und Urteilen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.04.2011

Rezensent Wolfgang Matz hat Marie Luise Knotts Essay über Hannah Arendt mit großem Interesse und Gewinn gelesen. Ihm verdankt er, von Arendt zu profitieren, auch wenn er ihr nicht immer folgen will. Aber wie Knott herausstellt, dass das Denken bei Arendt nicht als Fixierung von Gedanken zu begreifen ist, sondern als stetiger Prozess, der auch die Revidierung von Gewissheiten und eben auch das "Verlernen" beinhaltet, das imponiert ihm. Auch hat er gut nachvollziehen können, warum Arendts "Eichmann in Jerusalem" einen so zentralen Stellenwert im Werk der Philosophin gewonnen hat, obwohl es nicht ihr bedeutendsten Buch gewesen sei: Es rühre an Arendts zentrale Lebensthemen, wie Knott auch mit Ausführungen zu Arendts Ironie und ihrem Lachen darstellt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.03.2011

Alexander Cammann bespricht zwei Neuerscheinungen zu Hannah Arendt, den Band mit Briefen und Gesprächen, die Joachim Fest mit ihr führte, und Marie-Luise Knotts vorliegendes Buch über Denkmethoden Arendts. Ausführlich und kenntnisreich geht Cammann vor allem auf das Verhältnis zwischen Arendt und Fest ein und vergegenwärtigt die intellektuelle Situation kurz nach Erscheinen von Arendts berühmt-berüchtigtem Eichmann-Buch. Kurz kommt er auf Knotts "kluges Büchlein" zu sprechen und zählt mit Interesse die überraschenden "Methoden" auf, die Knott in Arendts Denken beobachtet hat. Dazu gehören das "Verlernen", das bald verworfene "Verzeihen", das "Übersetzen" und schließlich - am seltsamsten angesichts der Eichmann- und Holocaust-Thematik - das "Lachen". Lachen als befreiender Akt, merkt Cammann an, der Knott aber auch leise dafür kritisiert, dass sie nicht das durchaus auch Verletzende an Arendts Lachen anspreche.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.03.2011

Zwei neue Bücher über Hannah Arendt bespricht Thomas Meyer, einerseits das von Ursula Ludz und Thomas Wild neu herausgegebene Radiogespräch zwischen Arendt und Joachim Fest, andererseits Marie-Luise Knotts essayistischen Band "Verlernen - Denkwege bei Hannah Arendt". Er empfiehlt die ergänzende Lektüre: Den assoziativen Gedankenflug Knotts könne man bei Ludz' und Wilds solider Arbeit dann wieder erden. Meyer folgte Knotts Gedankenflug mit Genuss und Gewinn, auch wenn sie sich zuweilen dabei verirre. Er schätzt an ihrem Buch, wie sie anhand von "Eichmann in Jerusalem" bestimmte Motive und Methoden des Arendtschen Denkens auffaltet und wie sie oft unterirdische Verbindungen zu scheinbar abgelegenen Themen findet. Besonders erhellend fand Meyer Knotts Ausführungen zu Arendts Literaturverständnis: "Dichterworte, so schreibt Knott, waren für sie 'Klangkörper', die spezifische Resonanzen übertrugen." Gerade dadurch aber dass sie sich nur dichterisch und sprachlich nicht anders fassen ließen, würden sie für die Philosophie fruchtbar.
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