Klappentext

In Vorbereitung seines 1964 gesendeten Rundfunkinterviews über Hannah Arendts spektakulären Prozessbericht "Eichmann in Jerusalem" schickt Joachim Fest einen dicken Fragenkatalog an die Autorin. Natürlich spielt darin auch der Vorwurf vieler Kritiker eine Rolle, Arendt verharmlose Adolf Eichmanns Schuld auf unerträgliche Weise. Tatsächlich ist Arendts Formel von der "Banalität des Bösen" vielfach missverstanden worden. Die Antwort kommt postwendend: "Sehr geehrter Herr Dr. Fest, ich hatte niemals die Absicht, mich zu verteidigen." Der Beginn der spannenden Auseinandersetzung über eines der wichtigsten Bücher zur deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert. Die Briefe und das anschließende Gespräch zeigen das Denken von Hannah Arendt und Joachim Fest in neuem Licht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.04.2011

Erhellend findet Rezensentin Christine Pries diesen Band mit Gesprächen und Briefen von Hannah Arendt und Joachim Fest über Adolf Eichmann. Allerdings weist sie darauf hin, dass diese Gespräche und Briefe gerade einmal ein Drittel des Buchs ausmachen, der Rest bestehe aus Einleitung, Anmerkungen und weiteren Dokumenten aus den Jahren 1963 bis 1965. Insofern scheint ihr schon ein wenig "Etikettenschwindel" im Spiel zu sein. Im Grunde bietet der Band ihres Erachtens eine weitere Materialsammlung zur damaligen Eichmann-Debatte um Arendts Reportage "Eichmann in Jerusalem". Nichtsdestoweniger hält Pries das Buch für überaus lesenswert, schon wegen des abgedruckten Rundfunkgesprächs zwischen Arendt und Fest vom 9. November 1964, in dem Missverständnisse bezüglich Arendts Formulierung von der "Banalität des Bösen" ausgeräumt würden.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.03.2011

Alexander Cammann bespricht zwei Neuerscheinungen zu Hannah Arendt, den vorliegenden Band mit Briefen und Gesprächen, die Joachim Fest mit ihr führte, und Marie-Luise Knotts "kluges Büchlein" über Denkmethoden Arendts. Ausführlich und kenntnisreich geht Cammann vor allem auf das Verhältnis zwischen Arendt und Fest ein und vergegenwärtigt die intellektuelle Situation kurz nach Erscheinen von Arendts berühmt-berüchtigtem Eichmann-Buch. Deutlich wird ihm hier, dass schon lange vor 1968 in Deutschland ein "Denken im Schatten der nationalsozialistischen Erfahrung" begonnen hatte. An ihren Äußerungen zu Albert Speer zeigt sich ihm aber auch der Abstand zu heutigem Kenntnisstand: Beide, Arendt und Fest, sitzen Speers Selbstinszenierung auf, finden ihn gar sympathisch. Cammann ist jedenfalls merklich fasziniert von der Auseinandersetzung zwischen Arendt und Fest und hat höchstens an dem bei Arendt seiner Erfahrung nach "typischen assoziativen Geraune" der Herausgeber etwas auszusetzen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.03.2011

Zwei neue Bücher über Hannah Arendt bespricht Thomas Meyer, einerseits das von Ursula Ludz und Thomas Wild neu herausgegebene Radiogespräch zwischen Arendt und Joachim Fest, andererseits Marie-Luise Knotts essayistischen Band "Verlernen - Denkwege bei Hannah Arendt". Er empfiehlt die ergänzende Lektüre: Den assoziativen Gedankenflug Knotts könne man bei Ludz' und Wilds solider Arbeit dann wieder erden. Diesem Band entnimmt Meyer einige Einsichten zu Arendts Denk- und Argumentationsweise und zu ihrem Spaß daran, Gesprächspartner intelligent aufs Glatteis zu führen - besonders solche wie den Konservativen Joachim Fest, dessen Bücher über den Nationalsozialismus und Hitler sie kannte und schätzte. Der Band bietet Meyer zufolge Gelegenheit, Hannah Arendt bei der Verfertigung ihrer Gedanken über die Schulter zu schauen.
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