Carl Schmitt (1888 - 1985), Erfinder der Freund-Feind-Theorie und Denker des Ausnahmezustands, ist einer der berühmtesten und umstrittensten Theoretiker des Politischen im 20. Jahrhundert. Christian Linder nähert sich in seiner gründlich recherchierten Großreportage dem geheimnisumwitterten Lebens-, Denk- und Schreibzentrum eines Mannes, der wegen seiner zeitweisen Nähe zu den Nationalsozialisten als deren "Kronjurist" nach 1945 lange tabuisiert war. Eine Vielzahl unveröffentlichter Dokumente und Bilder machen das vorliegende Buch zu einer der umfangreichsten Darstellungen von Leben und Werk Carl Schmitts.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.08.2008
Ein Buch nicht nur für Schmittianer, meint Ulrich Teusch. Das Urteil des Rezensenten beruht zum einen auf der Feststellung, dass der Autor Christian Linder Schmitt zwar als Klassiker begreift, aber nicht angetreten ist, dies plausibel zu machen. Zum anderen erscheint Teusch der "virtuose" Mix aus historischer Reportage, Zitaten und Fotomaterial "frisch" genug, um auch andere Leser als nur die Freunde des umstrittenen Denkers für die Zusammenhänge seines Lebens und Denkens zu interessieren. So wenig Teusch die Empathie des Autors mit seinem Gegenstand entgeht, so wenig möchte er das Buch als unkritisch bezeichnen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.08.2008
Gänsehaut kann auch Faszination ausdrücken. Meint Ijoma Mangold, der bei Carl Schmitt immer das intellektuelle Gruseln kriegt. Changiert der Mann für ihn doch zwischen Nihilismus, metaphysischer Wahrheit und "innerem Reichsparteitag". Die prinzipielle Dunkelheit dieser Figur vermag das Buch von Christian Lindner für den Rezensenten zwar nicht völlig zu erhellen. Schmitts Lebenspsychogramm in diese Leerstelle zu projizieren, wie Mangold es umschreibt, erscheint ihm jedoch als eine zulässige Möglichkeit der Annäherung. Und der Autor macht das auf eine so "behutsame kluge" Weise, dass Mangold eine neue geistesgeschichtliche Textgattung vermutet: Das imaginäre, aus Texten Schmitts gespeiste Gespräch zwischen dem Meister und seinen Zeitgenossen und Interpreten. "Penibel ausgewiesen" stehen Mangold Werk und Biografie unversehens klar vor Augen. Das funktioniert, weil der Autor nicht künstlich und weder denunziatorisch noch apologetisch verfährt, wie Mangold anerkennend feststellt. Einen Nachteil des Verfahrens sieht er allerdings auch: Bei aller lebendigen Vielfalt und Kontrastierung der Einsichten bleibt das konsequente Zu-Ende-Denken der Argumente auf der Strecke.
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